Das Glück, so etwas wie einen Garten zu haben, ist in diesem Jahr größer als zuvor vorstellbar. Aktuell steigt die Anzahl der Infektionen mit covid-19 hier im Ruhrgebiet wieder stark an. Trotz der herbstlichen Temperaturen bin ich deshalb unsagbar froh, einen schönen Platz an der frischen Luft zu haben. Ganz für uns allein.

Pieris japonica – das japanische Schattenglöckchen 
Das japanische Schattenglöckchen (Pieris japonica) hat beschlossen, im Oktober ein zweites Mal zu blühen. 
Ich mag die zarten Blüten des japanischen Schattenglöckchens sehr
Regen und kalter Wind kündigen zwar schon jetzt den Winter an. Doch während die Whippets sich vorsorglich in warme Decken mummeln und ich die warmen Socken aus der Schublade krame, laufen meine Pflanzen noch einmal zu Höchstform auf.
Entspannte Kühle und viel Regenwasser
Bevor ich mich aber nach drinnen verkrieche, ströppe ich mir lieber einen dicken Pulli über. Im Sommer war das beileibe nicht nötig, doch jetzt wird es zunehmend kälter. Während der heißen Wochen haben wir das draußen Sein sehr genossen. Viele kalte Getränke haben uns und fleißiges Gießen mein Grün am Leben gehalten. Doch entspannte Kühle und viel Regenwasser sind immer noch das Beste. Nach vielen trockenen Monaten regnet es nun endlich kräftig und langanhaltend.

Unser Al Fresco liegt im Hochparterre über einem ehemaligen Schuhkontor und besteht zu neunzig Prozent aus Holzplanken. Das garantiert zumindest, dass meine Pflanzen bei Frost keine kalten Füße bekommen. Den hinteren Teil markiert ein etwa zehn Meter langes und etwa zwei Meter breites Beet, das mich in den Wahnsinn treibt. Im Sommer steht dort wunderbar die Sonne, was aber nicht weiter hilft, wenn die Erde komplett ausgelaugt ist.
Clematis tot, Stockrose krank
Zwei Clematis sind im Frühling erst in die Höhe geschossen und dann eingegangen. Einfach so. Und sogar nachdem ich reichlich frische Erde untergemischt habe, wächst außer dem dreieckigen Glücksklee, den Kräutern und ein paar Gräsern nichts wirklich üppig. Meine schönen Stockrosen musste ich komplett kappen, weil sie sich Malvenrost gefangen hatten. Ganz jämmerlich sahen sie aus. Einzig die Kapuzinerkresse uferte im Sommer aus und kommt sogar jetzt noch aus allen Ritzen wieder.

Ich bin ganz überrascht, dass das Riesen-Chinaschilf (Miscanthus x giganteus) schon im ersten Herbst blüht. 
Das Riesen-Chinaschilf, Miscanthus x giganteus blüht. Die rosa Puscheln finde ich besonders hübsch.
In den großen Töpfen hingegen wächst jeder noch so kleine Strunk wie auf Hefe, obwohl die Jungs den einen oder anderen hin und wieder anstrullen. Das ehemals winzig kleine Chinaschilf durchlebte wohl ein paar Schockwochen, doch dann ging es in die Höhe wie ein Senkrechtstarter. Nun blüht es sogar schon, was laut Experten in den ersten Lebensjahren eher selten ist. Intuitiv muss ich seinen Standort gut gewählt haben. Außerdem zeigt wohl der Bio-Langzeitdünger Wirkung, den ich großzügig verteilt habe.
Die beiden Rambler Rosen wachsen, als wollten sie einen Wettbewerb gewinnen. Tatsächlich habe ich noch nie eine Pflanze so schnell wachsen sehen. Fünfzig Zentimeter in zwei Wochen. Irre. Ich hoffe, sie werden im nächsten Jahr üppig blühen.

Die Prachtkerze (Gaura Lindheimeri) blüht üppig 
Gaura Lindheimeri
Sentimentale Mitbringsel
In Pflanzenbetreuung und Gartengestaltung bin ich recht unerfahren. Damals in Frankreich wuchs alles von allein und ohne Duziduzi. Feigen, Hibiskus, die Gauras (siehe oben) und vieles mehr. Dort ging es ausschließlich darum, den Wildwuchs im Zaum zu halten. Die Gaura Lindheimeri, die im milden französchen Klima zu riesige Büschen heran gewachsen ist, habe ich hier in Deutschland lange suchen müssen. Im Spätsommer fand ich dann in einer Gärtnerei zwei recht mickrige Exemplare, die hier nun endlich wachsen und blühen. Sie sind meine ganz persönliche Sentimentalität.

Das japanische Blutgras fasziniert mich besonders. Es ist auf sehr asiatische Art bescheiden und spektakulär zugleich. Seine Farben sind jetzt schon hinreißend, aber erst im Spätherbst wird es seine langen schlanken Blätter in eine tiefes Rot tauchen.

Bis spätestens Anfang November muss ich einen Plan haben, welche und wie viele Frühblüher ich setzen werde. Inspirationen gibt es viele, ich muss mich bloß endlich mal entscheiden.

Noch nie in meinem Leben habe ich eine Pflanze so schnell wachsen sehen. Die Rambler Rose macht fünfzig Zentimeter in zwei Wochen. 

































































