Autor: Karla Schwede

  • Das Glück, so etwas wie einen Garten zu haben

    Das Glück, so etwas wie einen Garten zu haben

    Das Glück, so etwas wie einen Garten zu haben, ist in diesem Jahr größer als zuvor vorstellbar. Aktuell steigt die Anzahl der Infektionen mit covid-19 hier im Ruhrgebiet wieder stark an. Trotz der herbstlichen Temperaturen bin ich deshalb unsagbar froh, einen schönen Platz an der frischen Luft zu haben. Ganz für uns allein.

    Regen und kalter Wind kündigen zwar schon jetzt den Winter an. Doch während die Whippets sich vorsorglich in warme Decken mummeln und ich die warmen Socken aus der Schublade krame, laufen meine Pflanzen noch einmal zu Höchstform auf.

    Entspannte Kühle und viel Regenwasser

    Bevor ich mich aber nach drinnen verkrieche, ströppe ich mir lieber einen dicken Pulli über. Im Sommer war das beileibe nicht nötig, doch jetzt wird es zunehmend kälter. Während der heißen Wochen haben wir das draußen Sein sehr genossen. Viele kalte Getränke haben uns und fleißiges Gießen mein Grün am Leben gehalten. Doch entspannte Kühle und viel Regenwasser sind immer noch das Beste. Nach vielen trockenen Monaten regnet es nun endlich kräftig und langanhaltend.

    Das Glück, so etwas wie einen Garten zu haben - Mono und Hubi haben es sehr genossen, draußen in der Sonne liegen zu können.
    Sommergefühl. Mono und Hubi haben es sehr genossen, draußen in der Sonne liegen zu können.

    Unser Al Fresco liegt im Hochparterre über einem ehemaligen Schuhkontor und besteht zu neunzig Prozent aus Holzplanken. Das garantiert zumindest, dass meine Pflanzen bei Frost keine kalten Füße bekommen. Den hinteren Teil markiert ein etwa zehn Meter langes und etwa zwei Meter breites Beet, das mich in den Wahnsinn treibt. Im Sommer steht dort wunderbar die Sonne, was aber nicht weiter hilft, wenn die Erde komplett ausgelaugt ist.

    Clematis tot, Stockrose krank

    Zwei Clematis sind im Frühling erst in die Höhe geschossen und dann eingegangen. Einfach so. Und sogar nachdem ich reichlich frische Erde untergemischt habe, wächst außer dem dreieckigen Glücksklee, den Kräutern und ein paar Gräsern nichts wirklich üppig. Meine schönen Stockrosen musste ich komplett kappen, weil sie sich Malvenrost gefangen hatten. Ganz jämmerlich sahen sie aus. Einzig die Kapuzinerkresse uferte im Sommer aus und kommt sogar jetzt noch aus allen Ritzen wieder.

    In den großen Töpfen hingegen wächst jeder noch so kleine Strunk wie auf Hefe, obwohl die Jungs den einen oder anderen hin und wieder anstrullen. Das ehemals winzig kleine Chinaschilf durchlebte wohl ein paar Schockwochen, doch dann ging es in die Höhe wie ein Senkrechtstarter. Nun blüht es sogar schon, was laut Experten in den ersten Lebensjahren eher selten ist. Intuitiv muss ich seinen Standort gut gewählt haben. Außerdem zeigt wohl der Bio-Langzeitdünger Wirkung, den ich großzügig verteilt habe.

    Die beiden Rambler Rosen wachsen, als wollten sie einen Wettbewerb gewinnen. Tatsächlich habe ich noch nie eine Pflanze so schnell wachsen sehen. Fünfzig Zentimeter in zwei Wochen. Irre. Ich hoffe, sie werden im nächsten Jahr üppig blühen.

    Sentimentale Mitbringsel

    In Pflanzenbetreuung und Gartengestaltung bin ich recht unerfahren. Damals in Frankreich wuchs alles von allein und ohne Duziduzi. Feigen, Hibiskus, die Gauras (siehe oben) und vieles mehr. Dort ging es ausschließlich darum, den Wildwuchs im Zaum zu halten. Die Gaura Lindheimeri, die im milden französchen Klima zu riesige Büschen heran gewachsen ist, habe ich hier in Deutschland lange suchen müssen. Im Spätsommer fand ich dann in einer Gärtnerei zwei recht mickrige Exemplare, die hier nun endlich wachsen und blühen. Sie sind meine ganz persönliche Sentimentalität.

    Das Herbstgefühl ist da - Japanisches Blutgras, Imperata cylindrica ‘Red Baron’
    Ich bin total verliebt in das japanische Blutgras (Imperata cylindrica ‘Red Baron’)

    Das japanische Blutgras fasziniert mich besonders. Es ist auf sehr asiatische Art bescheiden und spektakulär zugleich. Seine Farben sind jetzt schon hinreißend, aber erst im Spätherbst wird es seine langen schlanken Blätter in eine tiefes Rot tauchen.

    Das Glück, so etwas wie einen Garten zu haben. Japanisches Blutgras - Imperata cylindrica ‘Red Baron’
    Japanisches Blutgras – Imperata cylindrica ‘Red Baron’ – Seine Höhe wird vierzig Zentimeter nicht überschreiten aber es wird zusehends breiter.

    Bis spätestens Anfang November muss ich einen Plan haben, welche und wie viele Frühblüher ich setzen werde. Inspirationen gibt es viele, ich muss mich bloß endlich mal entscheiden.

    Das Glück, so etwas wie einen Garten zu haben - Das Schmuckkörbchen meldet sich noch einmal zurück. Im nächsten Jahr werde ich mehr davon pflanzen.
    Das Schmuckkörbchen (Cosmos bipinnatus) meldet sich noch einmal zurück.
    Das Glück, so etwas wie einen Garten zu haben
    Hudson und Mono im Garten.
    Das Glück, so etwas wie einen Garten zu haben - Der kleine Olivenbaum trägt Früchte. Wie viel Öl erält man eigentlich aus fünf Oliven?
    Der kleine Olivenbaum (Olea europaea) trägt Früchte. Wie viel Öl erhält man eigentlich aus fünf Oliven?
  • Welpenbaden im Hause semper-crescendo

    Welpenbaden im Hause semper-crescendo

    Welpenbaden an sich ist immer fein. Und besonders fein ist das natürlich, wenn die kleinen Whippets Nachkommen des eignen Rüden sind. Die Verbindung von Parparlapap’s Joy @ semper-crescendo und Mono, Conte del Aqua semper-crescendo schenkte Sandra Biesenbach, semper-crescendo Whippets, und natürlich mir sechs stramme Welpen, die nun knapp vier Wochen alt sind.

    Welpenbaden im Hause semper-crescendo
    Zwei Süße – Ich habe mich sehr gefreut, dass Sandra Biesenbach Mono für diesen Wurf ausgesucht hat. Damit geht sie zurück auf ihre Linie, die bisher wunderbar ausgeglichene, freundliche und vor allem gesunde Wippets hervor gebracht hat.

    Vier Hündinnen und zwei Rüden

    Vier Hündinnen und zwei Rüden hat Joy am 8.September 2020 zur Welt gebracht. Ohne Probleme und recht flott. Sandra, viele Freunde und ich hatten Wetten laufen, dass zumindest sechzig Prozent der Welpen gestromt sein werden, weil schwarzer Strom sich in der Regel dominant vererbt.

    Aber Pustekuchen! Es kam ein weiblicher Mono-Klon nach dem anderen. Sand mit weißen Abzeichen, schwarzer Maske und schwarzen Ohren. Die einen tragen mehr, die anderen weniger schwarzen Überflug. Ich habe mitgefiebert, weil ich wusste, dass eine Bekannte sich innigst einen gestromten Rüden wünschte. Als endlich Nuri kam, musste ich laut lachen vor Freude. Er ist schwarz-sand gestromt wie seine Mutter Joy und seine Großmutter Kissy. Die vier Hündinnen und ein Rüde hingegen sehen aus, als hätte man ihren Vater geschrumpft. Unglaublich.

    Welpenbaden im Hause semper-crescendo - Die Mutter des Wurfes heißt Paparlapap's Joy @semper-crescendo
    Die Mutter des Wurfes: Paparlapap’s Joy @semper-crescendo

    Eine Verbindung, die Sinn macht

    Joy ist eine elegante Hündin mit einem ganz wundervollen Gangwerk. Sandra sagt immer, sie läuft wie auf Schienen. Stimmt. Ich habe es gesehen. Betrachtet man den Whippet-Standard, ist Mono mit seinen echten 53 Zentimetern natürlich zu groß, vereint aber Charakterstärke, Sanftmut und Fitness. Und jetzt mal ehrlich, was gibt es besseres für einen Züchter, als einen fitten zehnjährigen Rüden aus dem eigenen Stall nutzen zu können, um die Linie zu erhalten. Man möge mich bitte nicht falsch verstehen. Ich lobe hier meinen Rüden ganz sicher nicht über den Klee, aber die Verbindung macht züchterisch Sinn.

    Mono - Das Foto ist schon ein paar Jahre alt. Unter der schwedischen Richterin Ingela Kyrkelund wurde Mono Bester Rüde. Es war sehr kalt an diesem Tag aber er hat wacker mitgemacht.
    Mono – Das Foto ist schon ein paar Jahre alt. Unter der schwedischen Richterin Ingela Kyrklund wurde Mono Bester Rüde. Es war sehr kalt an diesem Tag aber er hat wacker mitgemacht.

    Monos Vater, Ch.Boxing Helena’s Imenitni, war unter 50cm groß und ein Bild von einem Rüden, der zudem einen wunderbaren Charakter mitbrachte. Monos Mutter Kissy ist die sanfteste Hündin, die ich je kennengelernt habe. Joys Vater ist Miro, auch ein semper-crescendo, und ihre Oma ist die wundervoller Stammhündin McKilroy Lisa Lustig, die ich über viele Jahre fotografisch begleiten durfte. Sie, also Grace, war nahezu perfekt. Damals, als ich sie vor mehr als zehn Jahren das erste Mal sah, konnte ich das noch nicht beurteilen. Heute weiß ich es sicher.

    Der Vater der Welpen Conte del Aqua semper-crescendo im Alter von vier Wochen. Das Foto ist zehn Jahre alt.
    Der Vater der Welpen Conte del Aqua semper-crescendo im Alter von vier Wochen. Dieses Foto ist zehn Jahre alt.

    Mädchen sind Mädchen, Rüden sind Rüden

    Der geneigte Leser wird schnell feststellen, dass ich mich in den Pedigrees verlieren könnte, tue ich jetzt aber nicht. Kommen wir besser zu den Welpen.

    Sehr positiv ist mir aufgefallen, dass die Hündinnen auf den ersten Blick von den Rüden zu unterscheiden sind. Das ist nicht ganz selbstverständlich. Die Welpen haben kräftige Unterkiefer, schöne Öhrchen und Pfoten. Letztere sind besonders wichtig. Schließlich sind die Kleinen von Geburt an bis bestens zum sechszehnten Lebensjahr auf ihnen unterwegs. Insgesamt sind die Zwerge ein sehr harmonischer Haufen, der durchaus vielversprechend ist, soweit ich das heute beurteilen kann. In zwei Wochen fahre ich wieder hin. Wenn das Sixpack flotter zu Fuß ist, werde ich mehr sehen können.

    Welpenbaden im Hause semper-crescendo. Der knackige Rüde heißt
    Der knackige Rüde heißt More Than This semper-crescendo und wird demnächst in Frankreich leben. Viel Glück mit dem Schönen!

    Welpenbaden – Jetzt tut es doch ein bisschen weh

    Mir war klar, dass wir keinen Welpen aus diesem Wurf nehmen können. Dennoch, der sandfarbene Rüde ist ein Abklatsch von Mono. Jetzt, nach meinem Besuch, tut es mir doch ein bisschen weh, dass alle Zwerge schon vor ihrer Geburt vergeben waren. Denn vermutlich werden das Monos letzte Welpen sein, die Chance einen Sohn von ihm zu haben geht also gegen Null. Aber wer weiß wofür das gut ist.

    Kein Whippet gleicht dem anderen. Sieht ein Sohn von Mono so aus wie er, würde ich vermutlich jeden Tag vergleichen. Mono konnte das, warum du nicht? Mono, Mono, Mono …! Das wäre ungerecht. Wenn Mono irgendwann nicht mehr ist, würde ich jeden Tag in dieses hübsche junge Gesicht gucken und wahrscheinlich heulen wie ein Schlosshund. Das will ich mir nicht antun. Oder anders herum wäre es vielleicht sogar heilsam. Ich könnte einen Verlust mit neuem Leben ausgleichen. Erfahren werde ich das wohl nie. Fest steht, sollte hier irgendwann wieder ein Welpe einziehen, dann fange ich bei Null an. Ganz ohne Vergleiche mit dem Übervater. Das wird für alle Beteiligten das Beste sein.

    Jetzt wünsche ich erst einmal allen zukünftigen Besitzern viel Glück und ein schönes Leben mit ihren semper-crescendos. Ich weiß, dass die Welpen in ausgesucht gute Hände kommen. Das ist ein schönes Gefühl.

    Welpenbaden im Hause semper-crescendo
    More Than Luck semper-crescendo
    Welpenbaden im Hause semper-crescendo
    More Than Nuris Dream semper-crescendo – Das gestromte Wunschkind.
    Welpenbaden im Hause semper-crescendo
    Nuri hat viel von seiner Oma Kissy, Jee Bee’s Deep is your Love
    Welpenbaden im Hause semper-crescendo
    More Than This semper-crescendo
    Welpenbaden im Hause semper-crescendo
    More Than Luck semper-crescendo
    Welpenbaden im Hause semper-crescendo
    More Than Gold semper-crescendo
    Welpenbaden im Hause semper-crescendo - Der knackige Rüde heißt More Than This semper-crescendo und wird demnächst in Frankreich leben.
    More Than This semper-crescendo
  • Sorry, ich habe mich nur verschluckt!

    Sorry, ich habe mich nur verschluckt!

    Corona hat uns nach wie vor fest im Griff. Ringe ich in einem Supermarkt nach Luft, dann kann ich mir der uneingeschränkten Aufmerksamkeit jedes Kunden und des kompletten Personals sicher sein. Doch ich bin weder krank noch provokant. Ich habe mich schlicht verschluckt.

    Die Schlange an der Kasse unseres lokalen Discounters ist lang. Acht Leute warten vor mir. Eine Frau versucht vergeblich ihre Tochter zu bändigen. Ein ältere Mann glotzt gelangweilt in der Gegend herum. Er hat Formschinken und eine für mich undefinierbare Sorte Käse geladen. Diese Produkte würde ich niemals kaufen, denke ich leichthin, schaue in meinen Korb und bin stolz auf meine illustre Auswahl von Bioprodukten. Meine Jacke ist für dieses Wetter viel zu dick, stelle ich fest und atme tief durch. Dann bleibt mir die Luft weg.

    Corona hat uns noch fest im Griff. Wir werden unser Leben ändern müssen
    Hubi muss zum Glück keine Maske tragen.

    Wild Turkey Surprise quer im Hals

    Verschluckt! Ist das die Strafe für meine Einkaufswagenüberheblichkeit, denke ich kurz und tanze im wahrsten Wortsinn aus der Reihe. Niemand hätte es gewagt, mir auf den Rücken zu klopfen während ich huste wie ein Tasmanischer Teufel, dem ein Wild Turkey Surprise quer im Hals steckt. Tränen laufen. Mein medizinisch geprüfter, zuvor noch antiseptischer Mundschutz ist innerhalb von zwei Sekunden klatsch nass. Ich krümme mich zwischen Persil Megaperls und Spülmaschinentabs mit Goldrand. Dieses tolle Dörrfleisch für die Jungs muss ich noch mitnehmen, denke ich während mein Körper mir dringend empfiehlt, in Ohnmacht zu fallen. Im Augenwinkel sehe ich, wie die Wartenden von mir abrücken. Sie hätten nur blöd dagestanden, wäre ich in die unterste Regalreihe gestürzt und inmitten der extra großen Mülltüten krepiert.

    Doktor Mono "alle Kassen". Er ist und bleibt der beste Whippet aller Zeiten.
    Doktor Mono „alle Kassen“. Er ist und bleibt der beste Whippet aller Zeiten.

    Es dauert etwa dreißig Sekunden bis meine Luftröhre wieder einigermaßen frei ist. „Sorry, ich habe mich nur verschluckt!“, röchle ich dem grinsenden Anzugträger hinter mir zu. „Schon gut, schon gut. Gehen sie mal vor.“ Der Hustenreiz ist nach wie vor stark, doch ich versuche mich zusammenzureißen. Biep, biep, biep. Meine Bioprodukte wandern über den Scanner. Als ich meine Bankkarte in den kleinen Automaten stecken will, muss ich niesen.

    Niesen setzt Flugeigenschaften frei

    Vier Mal schüttelt es mich so durch, dass die kleine Plastikflunder erstaunliche Flugeigenschaften freisetzen kann. In einem wunderschönen Bogen schwebt sie über die Kasse, um dann fast geräuschlos im Fußraum der Kassiererin zu landen. Ihre Augen lächeln nur gequält als sie notgedrungen in den Tiefen ihres Kabüffchens fischen muss. Pfft, pfft. Noch bevor ich meinen Pin eingeben kann, sind die Hände der Dame perfekt desinfizierte. „Hautverträglich und begrenzt viruzid“ steht auf der Flasche. In Blau. Ich packe meine Einkäufe ein und schaue zurück. Fast alle starren mich an. Die anderen checken vermutlich ihre Corona-App. Bin ich einem Superspreader begegnet?

    In Zeiten von Corona sind Masken notwendig. Ich würde ich freuen, wenn das noch mehr Menschen einsehen könnten.
    Das könnte böse schnacken, aber ich habe Mono natürlich gerettet.

    Endlich draußen an der frischen Luft reiße ich mir die Maske vom Gesicht. Schweiß läuft mir über die Stirn. Nein, ich bin kein Superspreader! Ich huste noch einmal kräftig. Eine ältere Frau schlägt einen großen Bogen um mich.

    Angesichts der wieder steigenden Infektionszahlen gerade hier im Ruhrgebiet ist Vorsicht geboten. Selbstverständlich trage ich eine Maske und selbstverständlich halte ich Abstand. Denn nur wenn wir Rücksicht nehmen, werden wir den Winter vielleicht recht glimpflich überstehen.

  • Danke, ich komme schon klar!

    Danke, ich komme schon klar!

    Eine Dame spricht mich an: „Sie wissen aber, dass hier die Straße rein die Tiertafel ist?“ Diese ganz sicher lieb gemeinte Info gilt es erst einmal zu verarbeiten. Ich schnappe kurz nach Luft und antworte lächelnd: „Danke, ich komme schon klar.“

    Kurz zuvor: Ein Gewitter droht. Ich beschließe, mit den Jungs eine kleine Runde durch die Stadt zu gehen. Ich trage eine Jeans mit meinem obligatorischen Loch im rechten Knie. Dieses Loch – wie heute trendy – ist nicht teuer gekauft, sondern beim Fotografieren selbst gemacht. An den Füßen sitzen ein Paar verschlörrte Chucks und oben rum ein Poloshirt, das schon bessere Tage gesehen hat, aber immer noch eines meiner Lieblingsstücke ist. In meinen Augen bin ich ganz passend casual gewandet für einen Gang mit zwei Hunden.

    Danke, ich komme schon klar! Mono, Hubi und ich passieren die Tiertafel und geraten in ein absurdes Gespräch.
    Mono, Hubi und ich kommen an der Tiertafel vorbei und geraten in ein absurdes Gespräch.

    Nicht hungrig sondern verfressen!

    Einer von ihnen nervt übrigens dauerhaft, weil er auf Diät ist. Während der heißen Tage in den letzten Wochen hat Hubi sich nicht viel bewegt. Nun haucht ihn eine dünne Speckschicht an, die schnellstens runter muss. Mono ist rank und schlank wie immer, doch auch er jiepert wie immer nach jedem Naschi, das ich in der Tasche habe.

    „Danke, ich komme schon klar!“ Ich bin verwundert aber keinesfalls bissig oder ironisch, als mir die eilfertige Dame den Weg zur Tiertafel weist. Natürlich weiß ich, wo sie ist. Fast verschämt versteckt sie sich in einer kleinen Seitenstraße. Die Tafel für Menschen liegt hingegen exponierter in der Nähe des Marktplatzes. Ich gehe nicht oft dort vorbei, aber wenn, dann ist der Andrang groß. „Ich sehe doch, dass ihre Hunde Hunger haben!“

    Danke, ich komme schon klar! Die Tiertafel in Gelsenkirchen
    Die Tiertafel

    Ich wappne mich für die übliche Diskussion. „Wenn es nach diesen Hunden ginge, würden sie sich den ganzen Tag mit dem Dörrfleisch vollstopfen, das ich hier in dieser Tasche habe. Sie sind nicht hungrig, sondern verfressen und gierig.“ Dann führe ich ein inneres Gespräch mit meinem zweiten Ich: „Bleib locker! Sie meint es gut.“ „Aber man sieht ja seine Rippen!“ Sie schaut Mono mit einem Mitleidsblick an, der jeden Stein zum Heulen brächte.

    Diät ist ein böses Wort

    „Ja. Zum Glück sieht man seine Rippen. Denn wenn das nicht so wäre, dann müsste ich auch ihn auf halbe Kost setzen. Der Kleine ist leider etwas zu mopsig und ist deshalb auf Diät.“ Ich höre, wie ich das Wort Diät in die Länge ziehe: DIÄÄÄÄT. Missionierende Damen ihrer Abteilung schockt diese böse Wort nämlich bis ins Mark. Sie kennen meist nur die armen Wesen aus dem Tierschutz die gepeppelt und rund gefüttert werden müssen.

    Als mein DIÄÄÄÄT endlich durch ihr Ohr in ihre Hirnwindungen dringt, bereue ich zutiefst, es ausgesprochen zu haben. Ihr Gesicht ist derart vom Schock verzerrt, dass ich fürchte, einen Notarzt rufen zu müssen. „Hallo, sie müssen atmen! Sonst laufen sie blau an und fallen in Ohnmacht. Das ist in dieser Gegend nicht fein. Man könnte ihnen ihre Tasche stehlen.“

    Danke, ich komme schon klar! Hubi bettelt schon wieder.
    Hubi bettelt schon wieder.

    Hubi zappelt vor mir herum. Mono steht wie immer ganz still und starrt mich an. Ich greife in meine Tasche und gebe beiden ein paar mikroskopisch kleine Stücke von dem heiß geliebten Dörrfleisch. Der Diätplan sieht leider nicht mehr vor. In der Zwischenzeit kommt die Dame zur Besinnung. „Wissen sie, sie müssen sich nicht schämen. Gehen sie dort rüber. Dort bekommen sie Futter für ihre Hunde.“

    Aber die wachsen noch, ne?

    Sie ist unbelehrbar. Ich greife mir an die Stirn und versuche krampfhaft, passende Wort zu finden. „Hören sie, ihr Eifer in allen Ehren, aber wir brauchen ihre Hilfe nicht. Lesen sie bei Gelegenheit mal über Windhunde nach. Vielleicht geht ihnen dann ein Licht auf.“ Ihr Blick erhellt sich auf wundersame Weise: „Ach herrje! Ja, die armen Galgos. Da hört man ja ganz furchtbare Geschichten!“ Sie geht auf Mono und Hubi zu, um sie zu hätscheln. „Das sind keine Galgos, das sind Whippets!“ „Aber die wachsen noch, ne ….?“ Ich halte es nicht mehr aus, will aber auch nicht bissig werden. Also reiße ich mich zusammen, wünsche der Dame einen schönen Tag und drehe ab.

    Zu Hause nehme ich den Jungs die Halsbänder ab, gehe unseren 400 Meter Flur im Stechschritt und störe Tom im Home Office: „Sehe ich irgendwie abgerissen aus?“ Mein Mann ist vollkommen verwirrt. „Nein, wieso? Du siehst super aus!“ „Danke dir. Ich hatte schon Zweifel.“

    Ich mache mich hier keinesfalls über Die Tafel lustig. Ganz im Gegenteil. Sie leistet tolle Arbeit. Ohne sie wären Mensch wie Tier oft hungrig. Die Schlangen dort sind lang, das Bedürfnis also offenbar groß. Wenn ihr etwas übrig habt, für Menschen oder für Tiere, geht vorbei und spendet.

  • Es hat sich ausgesummt!

    Es hat sich ausgesummt!

    Noch vor zwei Jahren war unsere Halde ein Paradies für Insekten, Nager und Raubvögel. Doch seitdem ein neuer Pächter die großen Wiesen bewirtschaftet, hat es sich ausgesummt. Es herrscht eine ohrenbetäubende Stille.

    Es hat sich aus gesummt!
    Wenn die Wiese hoch steht! Wildes Geflitze durch den Grastunnel.

    Als die Wiesen noch wachsen durften

    Jedes Jahr im Juli war es soweit. Die Whippets konnten nur noch durch tunnelartige Gänge flitzen, weil das Gras auf den Wiesen so hoch gewachsen war, dass ich mich aufrecht stehend darin verstecken konnten. Manch Reh, Kitz, Hase oder Rebhuhn tat das auch. Sie waren dort sicher und ich konnte sicher sein, dass die Hunde sie nicht sehen konnten. So bewegungseinschränkend die Wiesenwildnis in dieser Zeit für uns war, so nützlich war sie auch. Dort gab es Libellen so groß wie Suppenteller, Bienen, Hummeln, tausende von Schmetterlingen, Grashüpfer und vieles mehr. Feldmäuse und Maulwürfe bewohnten die unteren Etagen.

    Es hat sich aus gesummt!
    Dieses Foto von Mono (2018) ist nicht das beste, aber man sieht im Vordergrund sehr schön die große Libelle.
    Es hat sich aus gesummt!
    Hubi (2018) auf der Jagd nach einem Schmetterling. 2020 habe ich noch keinen einzigen gesehen

    Ich gebe zu, Mono und auch Mr.Clark haben über die Jahre die Mäusepopulation ein wenige dezimiert, aber für die dort heimischen Eulen, Bussarde und Falken waren immer noch mehr als genug kleine Nager unterwegs.

    Gülle und Dünger haben alles platt gemacht

    Heute ist alles anders. Der neue Bauer hat 2020 die Wiesen schon im Mai gemäht. Dann hat er gedüngt und gegüllt. Und das in einer Wetterlage, die keinen Regen versprach. Der Gestank der Gülle schlug mir im Frühsommer schon auf dem Weg nach oben entgegen. Wir hielten uns also fern. Wer will schon seine Hunde sehenden Auges vergiften? Sogar die Senken, in denen nach starkem Regen immer ausreichend Wasser für alle Tiere stehen blieb, scheint er Schritt für Schritt zu begradigen.

    Die grüne Weite
    August 2020 – Es gibt keinen einzigen Schmetterling, keine Libelle, keine Bienen, keine Hummeln. Die Bewirtschaftung dieser Wiesen hat sie alle vertrieben oder getötet.

    Da aber anhaltender Regen ausbleibt, wächst das Gras nun eher schlecht als recht trotz des ganzen Mists den der Pächter dort verteilt hat. Außer ein paar Disteln und dem giftigen Rainfarn gedeiht dort fast nichts mehr. Sämtliche Insekten, die noch im letzten Jahr die Wiesen bevölkert haben, sind verschwunden. Verständlich, wenn man ihnen Lebensraum und Futter nimmt.

    In der Arte Mediathek gibt es eine tolle Reportage, die sich mit dem Thema „Wilde Wiese“ befasst und unter anderem genau das Phänomen beschreibt, das wir hier erleben!

    Der einzige Vorteil dieser Art von Bewirtschaftung für uns ist, dass Mono und Hubi das ganze Jahr dort kräftig flitzen können. Das tun sie allerdings bei hohen Temperaturen ohnehin nicht. Wir können also ganz gepflegt darauf verzichten, dass jemand kommt und ein seit Jahrzehnten funktionierendes Ökosystem einfach platt macht.

    Heute blicken wir über ein zwar grüne aber im Grunde lebensfeindliche Weite.
    Heute blicken wir über eine zwar grüne aber im Grunde lebensfeindliche Weite.

    Nun weiß ich nicht, wie diese Wiesen genau deklariert sind. Ich kriege also nicht raus, ob der Bauer im Sommer güllen darf oder nicht. Doch selbst wenn ich es wüsste, würde das nichts ändern. Heute blicken wir auf ein zwar schönes aber lebensfeindliches Grün, das außer ein paar kleinen Fliegen für die Schwalben nichts mehr her gibt.

  • Der Belcando Langzeittest – Teil 19

    Der Belcando Langzeittest – Teil 19

    (Werbung) Lachs und Huhn? Außer beim klassischen Surf and Turf werden wir Menschen uns diese Kombination aus Wasser- und Landtier wohl nur schwer als kulinarisches Erlebnis vorstellen können. Doch Mono und Hubi stehen total auf das neue Belcando Lachs & Huhn. Mono insbesondere, weil er sich akribisch die Hühnerherzen heraus pulen kann.

    In Bezug auf Monos und Hubis Fressverhalten glichen die letzten Wochen eher einer Achterbahnfahrt als einem lockeren Spaziergang. Viele läufige Hündinnen in der Umgebung, Hitze, Kühle und in der Folge mal viel, mal wenig Bewegung. Hubi frisst im Grunde alles, doch sogar er ließ liegen. Zunächst.

    Der Belcando Langzeittest - Teil 19
    Belcando Finest Lamb, Belcando Finest Senior und Belcando Super Premium Lachs & Huhn mit Amaranth und Zucchini

    Nun endlich hat sich ihr Appetit eingependelt. Ersten, weil sie den großen Klecks Belcando Lachs & Huhn auf ihrem Trockenfutter sehr gerne mögen und zweitens vielleicht auch, weil ich eine Regel einführt und nun pawlowsche Whippets mein Eigen nennen darf.

    Meine pawlowschen Whippets

    Ich habe nie geduldet, dass meine Hunde um mich herum hüpfen, wenn ich Futter mache. In unserer alten Wohnung mussten sie immer auf dem roten Teppich warten, bis alles fertig war. Heute warten sie freiwillig im Schlafzimmer, bis ich etwa 15 Meter weiter in der Küche ihr Menü zusammen gerührt habe. Ist alles parat, macht unsere alte Hotelglocke „Bing“. Hubi braucht dann eine weitläufige Bremszone, Mono kommt locker angetrabt.

    Der Belcando Langzeittest - Teil 19 Mono hat seine Systeme komplett heruntergefahren.
    Unsere „pawlowsche“ Hotelglocke ruft die Whippets in die Küche. Das klappt natürlich nur mit Futter, das ihnen wirklich schmeckt.

    In Pawlows Experiment fing der Hund nach einigen Wiederholungen an zu sabbern, wenn er die Glocke hörte, ohne dass Futter angeboten wurde. Sein Hirn bereitete sich auf die Nahrungsaufnahme vor. Den Teil des Versuchs kann ich getrost auslassen, da Whippets höchst selten sabbern. Obwohl ich erinnere mich an Mono, als er das erste Mal decken sollte. Die Katzen und Hühner um ihn herum waren ihm völlig egal. Er stand mit zwei langem Sabberfäden am Maul an der Tür, hinter der standheiße Hündin versteckt war. Aber das nur am Rande.

    Die Jungs sabbern zum Glück eher selten

    Um Monos und Hubis Begeisterung zu erkennen, brauche ich keinen Sabber. Ich sehe sie in ihren Augen, wenn sie ihr Futter riechen. Manchmal schaut Mono sehr gelangweilt. Dann weiß ich, dass er vermutlich nur die Hälfte fressen wird. Doch jedes Mal, wenn ich in den letzten Wochen eine Dose von dem Belcando Lachs & Huhn aufgemacht habe, zeigte er großes Interesse. Hubi sowieso immer. Und, ganz wichtig, selbst nach der zwölften großen Dose hat sich daran nichts geändert. Es trat keiner dieser geschmacklichen Ermüdungserscheinungen ein, die man von Whippets und auch anderen Windhundrassen kennt.

    Made in Germany - Mono mag das Belcando Lachs & Huhn sehr gerne
    Made in Germany – Mono mag das Belcando Lachs & Huhn sehr gerne

    Ich Mensch hingegen muss zugeben, dass mir dieses Dosenfleisch leicht in die Nase sticht. Das mag daran liegen, dass ich mich vor langer Zeit an dem Geruch von Hühnerherzen verekelt habe. Damals in Frankreich hatte ich einen ganzen Schwung gekocht, um sie später als Leckerchen in die Hunde zu versenken. An diesem Tag war es sehr heiß. Der moderige Geruch stand schwer und dumpf in der Küche. Die Hunde jubelten, ich musste raus gehen, bis die Herzen abgekühlt waren. Aber das ist eine ganz persönliche Sache sein.

    Wir essen bei 36 Grad ja auch keine Kalbshaxe mit Knödeln

    Mono liebt Hühnerherzen und auch Lachs, die Kombi scheint ihm und auch Hubi gut zu schmecken. Was will ich mehr. Gerade jetzt, da es so heiß ist, gebe ich ihnen das Dosenfutter ganz gegen meine Gewohnheit auch mal pur. Und dann sind die Näpfe aber sowas von leer. Unsere bewährte Mischung aus Trockenfutter und einem Topping oder einem Kleks aus der Dose funktioniert bei 36 Grad aktuell nicht so richtig gut. Und wenn, dann in Etappen oder erst am Abend. Das ist aber durchaus verständlich. Wir essen im Hochsommer auch keine Kalbshaxe mit Knödeln zum Frühstück.

    Der Belcando Langzeittest - Teil 19 Mono hat seine Systeme komplett heruntergefahren.
    Bei 36 Grad hat Mono seine Systeme komplett heruntergefahren.
    Das Belcando Super Premium Lachs & Huhn ist eine gute Ergänzung

    Mittelweile haben wir einen ganzen Fächer von Futtervarianten ausprobiert. Mono und Hubi haben die unterschiedlichen Versionen von Nassfutter immer gut angenommen. Wie oben beschrieben bekommen sie es aber nur höchst selten als ganze Mahlzeit. Sie haben schließlich Zähne und sollen sie auch nutzen. Dennoch, die Jungs mögen es und an im doppelten Wortsinn heißen Tagen bin ich froh, einer paar Dosen im Haus zu haben.

    Belcando Super Premium Nassfutter Lachs & Huhn mit Amaranth und Zucchini in der 500 Gramm Dos
    Belcando Super Premium Nassfutter Lachs & Huhn mit Amaranth und Zucchini in der 500 Gramm Dose – Es schmeckt Mono und Hubi sehr gut. Man soll das ja nicht tun, aber direkt aus dem Kühlschrank erfrischt es die Jungs sogar ein bisschen. Üblicherweise richte ich das Trockenfutter mit etwas warmem Wasser und zwei Klecksen aus der Dose an.

    Belcando hat mir zwölf 800 Gramm Dosen im Wert von insgesamt 36,16 Euro zur Verfügung gestellt. Mal kleiner mal großzügiger portioniert bin ich mit diesem Gebinde fast sechs Wochen ausgekommen. Den Jungs hat es geschmeckt und ich musste mir keine Sorgen machen, dass der anspruchsvolle Senior mit leerem Magen ins Bett geht. Für den wie auch immer gearteten Krisenfall ist es immer gut, einen Vorrat an Schmeckleckers im Schrank zu haben. Das Belcando Super Premium Lachs & Huhn gehört deshalb jetzt zu unserer Grundausstattung.

  • Dita von Teese im Pelzmantel

    Dita von Teese im Pelzmantel

    Dita von Teese trägt keine Schuld, aber ich habe so unfuckingfassbar die Nase voll! Mono und Hubi drehen seit mehr als vier Wochen derart hohl, dass ich keine passenden Worte finde. Sie kommen gar nicht mehr runter von ihrem Tripp, weil eine läufige Hündin nach der anderen mit purer, ganz sicher bösartiger Absicht unseren Lavendel markiert.

    Hubi weiß erst seit kurzem, dass er ein Mann ist. Ihm scheint allerdings ein Kugelblitz ins Hirn geschlagen zu sein, der sämtliche seiner ohnehin sparsam zugeteilten Hirnzellen auf ewig verödet hat. Der sonst so gelassene Mono war schon immer ein Fan der holden Weiblichkeit und in ihrer Umwerbung sehr nachdrücklich. Doch, verdammt noch eins, er muss nicht jeden Mülleimer und jede Laterne ablutschen.

    Zwei Weicheier auf sommerlicher Treibe

    Genau die beiden Weicheierrüden, die mich bei Regen und Kälte morgens verstockt anglotzen, weil sie nach vierzehn Stunden ganz sicher nicht pinkeln müssen, stehen mir seit Wochen ab 5:30 Uhr auf den Hacken. „Gehen wir raus? Gehen wir raus?“ „Nein! Später! Wenn es dringend ist, geht in den Garten, sonst sind eure Ostereier bald Geschichte. Schnipp, das geht ganz schnell.“ Und dann: „Ach ne, das geht nicht. Wir haben ja noch Pläne mit euch. Mist!“ Dann muss ich sie energisch auf ihren Platz schicken, damit ich in Ruhe einen Kaffe trinken kann.

    Wenn die Jungs frei laufen, dürfen sie so viel Mädchenpipi inhalieren, wie sie wollen, doch an der Leine ist Sense. Einer zackt nach links, der andere nach rechts. Natürlich müssen sie schnüffeln dürfen, doch sobald sie anfangen zu schnattern und zu sabbern, lasse ich den Hammer kreisen. Weiter!

    Monos Traum. Es fehlt nur noch der Pelzmantel.

    Monos Kopfkino – Dita im Flokati

    Ein fremder Wuschel kam neulich freundlich auf uns zu gelaufen. „Die tut nichts! Die ist nur läufig.“ Die Wuscheline wuschelte sodann lasziv um meine angeleinten Rüden herum. Sie waren überaus erfreut über das Angebot und wähnten sich ad hoc im Paradies. Monos Kopfkino konnte ich mir lebhaft vorstellen: „Dita von Teese im Pelzmantel. Wie geil ist das denn?“

    Das sind Momente, in denen ich gerne eine kanadische Langaxt zur Hand hätte. Nicht etwa um Hund oder Mensch zu verletzten, sondern um ein Zeichen zu setzten. Leider ist ein Werkzeug dieser Größe zu unhandlich, um es bei Spaziergängen unter der Jacke zu tragen. Zudem sähe das komisch aus und ich käme vermutlich in ein falsches Licht. Deshalb muss ich bei solchen und ähnlichen Begegnungen zumindest verbal Schädel spalten, damit ich nicht komplett durchdrehe. „Nehmen sie ihre Hündin bitte an die Leine! Wir sind hier recht flott und dann haben sie noch zehn von dieser und schlimmerer Sorte am Hals.“ „Wie, die sind nicht kastriert?“

    Dita von Teese im Pelzmantel
    Mono träumt. Nein, ich werde ihn ganz sicher nicht kastrieren lassen.

    Wie ein angeschossenes Nashorn

    Nach vier Wochen Theater war meine Reizschwelle die eines angeschossenen Nashorns. Ich schüttete also dieser ignoranten Tante meinen angestauten Frust wie einen Kübel Fäkalien über ihren schlecht geschnittenen Shaggy-Bob. „Was denken sie eigentlich, tun sie hier? Ihre Hündin ist läufig und sie lassen sie lustig in fremde Rüden rein rennen?“ Ein stumpfer Blick traf mich. Sie hörte mich zwar sprechen, war aber nicht in der Lage, meinen Code zu entschlüsseln. „Hallo? Verstehen sie, was ich sage? Nehmen sie ihre Hündin an die Leine, sonst haben sie in ein paar Sekunden eine sehr trächtige Hündin.“ Mono hatte sich die Wuscheline schon in Position gerückt. Ich packte Mono am Halsband. „Nein!“

    So ungefähr hörte sich Hubi an. Das kann Ohrenbluten zur Folge haben.

    „Also, ich persönlich kenne nur kastrierte Rüden!“ Die Hündin winkte mit der roten Laterne. Hubi jodelte wie Franzl Lang in seinen besten Tagen. „Nehmen sie ihre Hündin weg. Sofort!“ Sie nestelte nach dem Halsband und zog ihre Wuscheline zu sich. „Warum sind ihre Rüden denn nicht kastriert?“ „Warum? Warum ist ihre Hündin nicht kastriert? Sind sie Züchterin?“ Ich kochte. Sie plusterte sich auf eine Weise auf, die mich fast ängstigte. „Nein die OP ist mir zu teuer. Die Tierärzte nehmen es ja von den Lebendigen!“ „Ach! Und ich soll also indirekt ihre Tierarztkosten übernehmen, indem ich meine Rüden kastrieren lasse, damit ihre Hündin auch in den Stehtagen frei laufen kann? Sie merken schon, wie abstrus das ist. Oder?“ Mein Ton war so scharf, dass ich die imaginäre Axt gar nicht gebraucht hätte.

    Hat er denn eine Axt dabei?

    „Ja, aber …“ Sie schnappte ganz komisch nach Luft. Die Hündin wedelte fröhlich. „Nichts aber. Es gibt kein Aber. Sie nerven.“ Ich würde Mono wieder dreihundert Meter über den Schotter schleifen müssen. Er würde am Abend wieder nicht fressen und in Hubis Kopf würde wieder totales Chaos herrschen.

    Ohne ein weiteres Wort drehte ich mühsam ab. Das war vertane Liebesmühe auf der kompletten Bandbreite. Sie wird die Zusammenhänge niemals verstehen und sie wird ihre Sicht auf die Dinge niemals ändern. Als ich endlich um die Ecke verschwinden konnte, warf ich einen Blick zurück. Die Hündin lief wieder frei und hatte sich schon recht erfolgreich an einen potenten Weimaraner-Rüden angewanzt. Das ist nicht mehr mein Problem, dachte ich. Hoffentlich hat sein Besitzer eine Axt dabei.

  • Zehn Jahre mit Mono – Gedanken über einen ganz besonderen Hund

    Zehn Jahre mit Mono – Gedanken über einen ganz besonderen Hund

    Heute wird Conte del Aqua semper-crescendo aka Mono zehn Jahre alt. Wir kennen uns seitdem er 24 Stunden alt war. Das ist eine lange Zeit. Ich habe ihn aufwachsen und reifen sehen. Nun beobachte ich, wie er jeden Tag ein bisschen grauer wird.

    Zehn Jahre mit Mono - Gedanken über einen ganz besonderen Hund
    Mono und ich am Point d’Arcey in der Vendée. Das muss 2014 gewesen sein, kurz nach Mr.Clarks Tod.

    Mono – zeitlos distinguiert

    Obwohl Mono heute viel ruhiger und besonnener ist als noch vor ein paar Jahren, ist er für mich zeit- und alterslos. Denn im Grunde hat er sich überhaupt nicht verändert. Er ist nach wie vor nicht der typische Kampfkuschler, zu dem man den Whippet an sich gerne machen möchte. Er ist immer nahe, aber nie zu nahe. Er würde sich niemals, so wie Hubi das tut, mit seinem ganzen Gewicht an mich werfen. Mono liegt bei mir und platziert vorsichtig seinen Kopf auf meinen Beinen. Manchmal. Will er auf sich aufmerksam machen, stupst er mich ganz sanft an.

    Er genießt Zuwendungen wie Kraulen und Streicheln, fordert sie aber nie ein. Aber er ist immer dort wo ich bin, so wie gerade jetzt. Während ich schreibe, liegt Cheffe nur einen Meter von mir entfernt in dem großen Cosybed in meinem Arbeitszimmer. Zum Vergleich: Hubi haut sich neben mich und quetscht mir seine Nase ins Gesicht. Doch wenn er Ruhe haben will, verzieht er sich alleine in den Westflügel. Das würde Mono niemals tun. Die beiden sind in ihrem Verhalten diametral gegensätzlich. Vielleicht verstehen sie sich genau deshalb so gut.

    Zehn Jahre mit Mono - Gedanken über einen ganz besonderen Hund
    Vet-Winner Donaueschingen 2018 Conte del Aqua semper-crescendo, geboren am 27.06.2010, Jee Bee’s Deep Is Your Love x Ch.Boxing Helena’s Imenitni, Züchter: Sandra und Arndt Biesenbach, semper-crescendo Whippets

    Mono – Sozialarbeiter und Peacemaker

    Mono war schon immer ein sehr selbstbewusster Rüde, doch ihm würde niemals einfallen, Ärger anzuzetteln. Er ist vermittelnd und schlichtend. Nur ein einziges Mal in seinen heute zehn Lebensjahren musste er sich seiner Haut wehren, als ihn in Donaueschingen ein anderer Whippetrüde aus dem Nichts angegriffen hatte. Zum Glück waren beide an der Leine und deshalb schnell getrennt. Nie hatte er Feinde (außer diesem einen dummen Frenchie), doch nach dieser Attacke hatte er endlich einen. Leider. Ich hätte ihm das gerne erspart.

    Jeder Mensch, der in seinem Leben einen ganz besonderen Hund hat oder hatte, wird wunderbar nachvollziehen können, wie Mono und ich zusammenhalten. Auf unsere Weise natürlich. Seine sanfte Art, die übrigens auch all seine Geschwister geerbt haben, darf jedoch niemals darüber hinwegtäuschen, dass er ein willensstarkes Individuum ist. Das liegt natürlich einerseits an seinem angeborenen Charakter, andererseits auch daran, dass ich ihm von klein auf sehr viele Freiheiten gelassen habe, eben weil er immer sehr verlässlich war.

    Mono beim Show-Coursing in Rahmen des Sighthound Festivals Donaueschingen 2015
    Mono beim Show-Coursing im Rahmen des Sighthound Festivals Donaueschingen 2015

    Happy Birthday mein Schöner!

    Nach einer so langen Zeit zusammen, kann ich jede Falte auf seiner Stirn, jeden Blick und jede Körperhaltung lesen und deuten. Ich sehe sofort, wenn es ihm schlecht geht, was zum Glück bisher sehr selten vorgekommen ist. Sein Schnaufen sagt mir, dass er ungehalten ist und seine latente Sturheit tritt heute stärker zu Tage. Mono fragt nach. „Meinst du das ernst?“ Nicht selten muss ich dann drei Mal „Ja!“ sagen.

    Im Grunde beschreibt Monos Wesen perfekt den Charakter eines Whippets. Er ist freundlich zu Mensch und Hund, doch er ist und bleibt ein Jäger, den man niemals unterschätzen darf. Denn wenn Mono jagt, dann ist das kein Spiel. Er meint es sehr ernst.

    Herzlichen Glückwunsch zum zehnten Geburtstag mein Schöner!

    Ich kann mich nur bei Sandra Biesenbach bedanken, die mir vor zehn Jahren diesen außergewöhnlichen Rüden anvertraut hat. Mono wird immer mein Mono bleiben.

  • Drei Oscars für den Blockbuster

    Drei Oscars für den Blockbuster

    Meine Serie „Leben im Lockdown“ ist abgeschlossen. Ich werde dieses Format aber in unregelmäßigen Abständen wieder aufnehmen, weil es mir großen Spaß macht. Heute verteilen wir unter anderem Oscars für einen Blockbuster.

    23:30 Uhr – Unsere Gäste verabschieden sich. Ich nutze die Gelegenheit, gehe mit und lüfte noch einmal kurz die Hunde. Auf dem Weg um den Block denke ich, dass es uns allen gut tut, Freunde empfangen zu dürfen. Aus einem fremdem Haushalt wohlgemerkt! Die seit langem geplanten Einweihungsparty ist noch ein weiter Ferne.

    00:30 Uhr – Es ist lau. Ich wandele mit Mono und Hubi in unserem Patio. Sind wir jetzt wieder frei? Nein, ganz sicher nicht. Wir sind anders frei. Anders als vor Corona.

    Der Blick aus unserem Hof in Wintergarten und Wohnraum

    Der zickige Schneewalzer

    6:30 Uhr – Die wilde Wiese wächst. Die Stockrosen strecken ihre noch kleinen Blättchen in die Sonne. Die Clematis bekommt ihre ersten Blüten und sogar die Kletterrose Model Schneewalzer hat sich von ihrem Pflanzschock erholt. Endlich treibt sie aus. Ich weiß auch nicht, warum ich sie unbedingt haben musste. Vermutlich weil eine Ramblerrose nicht zu kriegen war. Doch deshalb werde ich sie keinesfalls stiefmütterlich behandeln. Naja, vielleicht ein bisschen. Der Schneewalzer macht sich so wichtig. Vielleicht liegt das in der Natur einer Rose, aber ich mag diese prätentiöse Haltung nicht. Der Bambus, die asiatischen Gräser hingegen sind auf ihre Art spektakulär und dennoch bescheiden.

    Der Blockbuster am Morgen
    Der Schwarzrohrbambus sieht immer so herrlich unfrisiert aus.

    Der Blockbuster am Morgen

    7:30 Uhr – Noch vor dem Frühstück genießen Mono und Hubi einen Blockbuster. Auf einer großen Wiese jagt eine Katze ein junges Kaninchen. Die beiden Whippets hätten spontan Oscars für die beste Regie, den besten Hauptdarsteller und die beste Nebenrolle vergeben. Ich war nur froh, mich für festes Schuhwerk entschieden zu haben. Von dem Reh, das unseren Weg am Sonntag morgen kreuzte, konnte ich die beiden abrufen. Aber die Kombi Katze und Kaninchen lässt zumindest in Monos Kopf alle Sicherungen durchbrennen. Hinten Stacheldraht, vorne Straße. Dort könnten Mono und Hubi theoretisch frei laufen, weil sie grundsätzlich artig sind. Aber. In diesem Moment hätten sie sich vergessen. Eine Leine ist eben nicht nur Freiheitsberaubung, wie viele gerne behaupten, sondern in erster Linie Schutz.

    Der Blockbuster am Morgen
    Liebeskranke Köter

    12:00 Uhr – Mr.Hudson ist im Bootcamp. Seine Hormone haben ihm nun endgültig durchgetan, dass er ein echter Kerl ist. Das hat zur Folge, dass er auf der Suche nach Mädchenpipi hirnlos durch die Landschaft marodiert und jede Hündin, die ihm unterkommt auf seine durchaus liebenswerte Art belästigt. Meine Hoffnungen auf eine garstige Blechschere, die ihm mal richtig den Marsch bläst, werden leider ein ums andere Mal atomisiert, denn Hubi scheint aus hündischer Sicht so charmant zu sein, dass ausnahmslos alle ihn begeistert zum Spielen auffordern.

    Der Blockbuster am Morgen
    Mr.Hudson auf Treibe. Aktuell ist seine akustische Wahrnehmung gestört. Aber das kriegen wir wieder hin.

    Mono steht daneben und rollt seine schwarzen Augen. Doch er sollte sich hüten mit dem Rollen, denn er ist nicht besser. Heerscharen von läufigen Hündinnen haben ihm in den letzten Wochen die Hirnzellen weich gebraten, so dass er gar nicht mehr weiß, welchen Grashalm er zuerst ablutschen soll. Das geht mir so auf die Nerven, dass hier jetzt Schlüssel fliegen, wenn die Jungs ihm Liebesrausch mal wieder die Ohren dicht haben. Basta, Ende, Aus!

    12:30 Uhr – Hubi, natürlich immer noch im Bootcamp, muss verstehen, dass „Bleib“ auch „Bleib“ heißt und nicht „Ich schieße jetzt mal kurz zu dem doofen Labbi rüber“. Mit seiner Kontaktfreude und seine überbordende Neugier bringt er natürlich sehr positive Features mit, doch hin und wieder muss man eben diese in geregelte Bahnen lenken. Einen sensiblen Hund wie ihn, packe ich natürlich nicht grob an, doch hin und wieder ist ein symbolischer Gong auf die Mütze recht hilfreich.

    Der Blockbuster am Morgen
    Die Kletterrose Modell „Schneewalzer“ – Mit ihrer zickigen Art geht sie mir ein bisschen auf die Nerven.

    16:30 Uhr – Mono und Hubi brechen zum hundertsten Mal ein Herz. Eine alte Dame aus der Nachbarschaft, kann sich an ihnen gar nicht sattsehen und sattstreicheln. Sie ist überrascht, wie weich sie sind, ist doch kurzes Fell oft hart und kratzig, meint sie. Nicht meine Jungs. Sie sind und bleiben die seidenweichen Kleinkriminellen, denen ich viel mehr zu verdanken habe, als sie ahnen.

  • Test: Das Canon EF 100mm 1:2,8L Macro IS USM – Teil 1

    Test: Das Canon EF 100mm 1:2,8L Macro IS USM – Teil 1

    Wer hätte das gedacht? Seit ein paar Tagen beherberge ich das Canon EF 100mm 1:2,8L Macro IS USM. Blümchen, Bienchen und ich hatten nie ein inniges fotografisches Verhältnis. Tempo, Action, Getümmel waren schon immer meine Welt. Doch heute, da wir uns räumlich und vor allem sportlich beschränken müssen, dachte ich, ich versuche das mal. Es schadet schließlich nie, die eigene Komfortzone zu verlassen und etwas ganz Neues auszuprobieren.

    Die Blüte eines weißen Rhododendrons. 1/125 sek., ISO 100, f/8,
    Die Blüte eines weißen Rhododendrons. Canon EOS 5Ds R, Canon EF 100mm 1:2,8L Macro IS USM, 1/125 sek., ISO 100, f/8,

    Erste Schritte mit dem 100mm Macro

    Die Makrofotografie war mir bisher völlig fremd. Ich habe zwar schon immer Makrofotos bewundert, aber nie den Drang verspürt, Ähnliches zu tun. Mir fehlt einfach die Geduld, zwei Stunden auf eine Libelle oder eine Eidechse zu warten. Dennoch, fasziniert haben mich diese kleinen Welten schon immer. Wenn auch mit einem vollkommen anderen Fokus macht die Makro- schließlich nichts anderes als die Sportfotografie. Sie hält Momente fest, die das menschliche Auge kaum wahrnehmen kann. Technisch jedoch öffnen diese beiden Genres wohl die größte Schere, die mir je untergekommen ist.

    Macro eines weißen Rhododendrons. 1/125 sek., ISO 100, f/8, Blitz mit ausgestecktem Diffusor.
    Der weiße Rhododendron, 1/125 sek., ISO 100, f/8, Aufsteckblitz. Der interne Stabilisator des Canon EF 100mm 1:2,8L Macro IS USM hat 4 Stufen, 3 bei 0,5facher Vergrößerung, 2 bei 1:1.

    Ich schicke vorweg, dass mich das Bokeh des 100mm Macro mit den allerersten, planlos geschossen Testfoto begeistert hat. Es ist großartig. Wundervoll weich und malerisch. Das muss ich unbedingt zeigen, dachte ich sofort. Verständlich, dass sich diese Linse deshalb auch bestens für Portraits anbietet. Aber dazu später mehr.

    Kaum war die Linse da, bin ich in den Garten gerannt. Es war windig und nicht besonders hell. Meine Gewohnheit sagte mir: Nimm Blende 2,8 und die passende Belichtungszeit. Das ging gründlich schief. Ich hatte danach nur ein einziges scharfes Foto. Wind und offene Blende gehen im Detail nämlich gar nicht. Einen Whippet unter Vollast stört noch nicht einmal scharfer Sturm, eine zarte Blüte hingegen bringt schon ein laues Lüftchen aus dem Gleichgewicht. Das habe ich schnell gelernt.

    Test: Das Canon EF 100mm 1:2,8L Macro IS USM
    Die Dipladenia (Trichterblume) ist zwar hübsch aber sehr giftig. 1/125 sek., ISO 100, f/6,3

    Mein Mini-Studio gegen Wind und Wetter

    Da der Wetterbericht für die nächsten Tage keine Windstille voraussagte, habe ich mir aus einer handelsüblichen Plastikkiste, hier zufällig Variera von Ikea, ein Mini-Studio gebaut. Kein Wehen, kein Wackeln, alles bestens. Nun musste ich mich einfach daran gewöhnen, dass extreme Nähe besonders zu behandeln ist. Denn ja näher ich an mein Motiv heran gehe, desto kleiner ist der Schärfebereich.

    Das 100mm Macro erlaubt eine Nähe bis zu 30 Zentimeter. Das heißt ich muss mit kleinen Blenden – also ab etwa f/8 – arbeiten, damit ich ein kleines Objekt komplett scharf bekomme.

    Je nach Geschmack sollte man sich an seine persönliche Grenze herantasten. Ich mag es zum Beispiel nicht, wenn nur flatsch draufgehalten ist, so dass jedes Detail bis in die letzte Ecke mikroskopisch beleuchtet wird. Mir gefällt es besser, wenn Schärfen und Unschärfen Tiefe schaffen. Zumal das Bokeh des Canon EF 100mm 1:2,8L Macro IS USM so traumhafte Farbräume in den Unschärfen produziert. Ich habe also von f/2,8 über 6,3 bis 16 alles ausprobiert und sehr viel dazu gelernt.

    Viel Licht für kleine Blenden

    Bei einer 1:1 Abbildung ist das Volumen des Motivs ausschlaggebend. Logisch, ein flaches Objekt hat eine einzige Schärfeebene, wie ein Blatt Papier. Je dreidimensionaler es ist, je mehr Tiefe es hat, desto kleiner muss die Blende gewählt werden, um jedes seiner Detail scharf abbilden zu können. Das ist an dem Katzenschädel unten sehr gut zu sehen. Selbst bei Blende 16 sind die äußeren Kanten der Augenhöhlen und der Oberkopf noch unscharf. Doch je weiter ich die Blende schließe, desto mehr Licht brauche ich. Ein Blitz ist also nahezu unverzichtbar für Fotos dieser Art, es sei denn man hat sehr, sehr viel Tageslicht.

    Der Schädel einer Katze
    Letzte Woche habe ich diesen Schädel gefunden. Es muss eine Katze sein. Canon EOS 5Ds R, Canon EF 100mm 1:2,8L Macro IS USM, 1/125 sek., ISO 100, f/16, mit Blitz

    Ein Makrofoto mit Blende 2,8 geht natürlich auch. Dann ist der Schärfebereich allerdings so winzig klein, dass der Punkt wirklich sitzen muss. Motive, die in Bewegung sind, entpuppen sich dann als echte Herausforderung. Hut ab übrigens vor denen, die Libellen und ähnliches Getier im Flug erwischen! Ich habe mich ein Mal mit dem 300er an Hornissen versucht. So viel Ausschuss hatte ich wohl nie im meinem Leben.

    Test: Das Canon EF 100mm 1:2,8L Macro IS USM
    Rose und Blattlaus – Blende f/2,8 geht auch. Dann muss der Punkt aber wirklich sitzen. Der interne Stabilisator des 100mm Macro hilft da ungemein.

    Ein perfektes Team: Das 100mm Macro und die Canon EOS 5Ds R

    Die Canon EOS 5Ds R ist mit ihren 50,6 Megapixeln eine extrem hochauflösende Kamera. Ich habe also das große Glück, aus den Nahaufnahmen starke Ausschnitte schneiden zu können, ohne dass die Qualität verlustig geht. Das eröffnet tolle Möglichkeiten, die ohnehin schon irreale Anmutung der Makrofotos noch ein bisschen spezieller wirken zu lassen.

    Wie das starke Team aus Kamera und Linse im Freilauf zusammenarbeitet, werde ich im nächsten Teil schildern. Unten findet ihr noch ein paar beispielhafte Bilder, die ich in den letzten Tagen gemacht habe.

    Test: Das Canon EF 100mm 1:2,8L Macro IS USM
    Das hier ist noch nicht einmal ein 1:1 Ausschnitt. Canon EOS 5Ds R, Canon EF 100mm 1:2,8L Macro IS USM, 1/125 sek., ISO 100, f/2,8
    Ein Sonnentau
    Die vielen kleinen Bläschen des Sonnentaus sind klebrig. Kleine Insekten, die auf ihnen hängen bleiben werden eingerollt und verdaut.
    Kleine Welten schaffen - Ich hätte nie gedacht, dass mich die Macro Fotografie so begeistern kann. Canon 5Ds R auf Feindetail eingestellt, Canon EF 100mm 1:2,8L Macro IS USM, 1/125 sek., ISO 100, f/6,3
    Das Auge!
    Hubi
    Test: Das Canon EF 100mm 1:2,8L Macro IS USM
    Hubis Nase – Canon EOS 5Ds R, Canon EF 100mm 1:2,8L Macro IS USM, 1/1250 sek., ISO 100, f/4,5
    Unsere Amethyst-Rose, Canon EOS 5Ds R, Canon EF 100mm 1:2,8L Macro IS USM, 1/125 sek., ISO 100, f/2,8
    Unsere Amethyst-Rose, Canon EOS 5Ds R, Canon EF 100mm 1:2,8L Macro IS USM, 1/125 sek., ISO 100, f/2,8

    Die Keyfacts zu Canon EF 100mm 1:2,8L Macro IS USM:

    Typ – Festbrennweite Canon L-Serie
    Zielgruppe – Profis / ambitionierte Amateure
    Best for – Makrofotografie / Portraits
    Gewicht– 625 Gramm
    Lichtstärke – 1:2,8
    Bildstabilisator – 4 Stufen
    Größter Abbildungsmaßstab – 1
    Filterdurchmesser – 67mm
    kleinste Blende
     – 32
    Naheinstellgrenze – 0,3 m
    AF-Motor – Ring-USM
    Optischer Aufbau – 15 / 12
    Best with – Vollformatkameras wie die Canon EOS 5Ds R, Canon 5D Mark IV

    My two cent – Ganz tolle Linse für Makros und Portraits

    Preis: aktuell rund 900,- Euro