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Monos buntes Erbe – Der Versuch einer Erklärung


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Die Whippets dieser Welt sind ein bunter Haufen. Wer einen Whippet hat, hat ein Unikat. Doch der vermeintlich chaotischen Farbverteilung liegen strenge Gesetze zu Grunde, die hin und wieder für Überraschungen sorgen. Wie im Falle Mono aka Conte del Aqua semper-crescendo.
Ein fawn-farbener Vater und eine schwarz-gestromte Mutter produzieren nicht nur einen, sondern gleich zwei Welpen mit der seltenen Zeichnung, die in den Whippet-Color-Genetics als watermarked bezeichnet wird. Man könnte sie ebenso sand mit schwarzem Überflug nennen, doch das trifft den Kern nicht ganz.
Denn neben dem schwarzen Überflug über dem sandfarbenen Mantel konzentrieren sich schwarze Haare an den Rändern der weißen Farbflächen. Watermarked ist im Prinzip also sehr anschaulich, da die Ränder der Flächen aussehen wie ausgewaschen. Auf der Suche nach einer passenden Bezeichnung vergleichen viele Leute die Farben mit einer alten Landkarte oder  einem Aquarell.

Mono

Schwarze Wasserfarbe

Die Verteilung von Weiß ist mehr oder weniger zufällig, zwingend dabei sind aber ausnahmslos immer eine schwarze Maske, schwarz überflogene Ohren und sehr dunkle Augen. Ein guter Whippet hat keine Farbe. Das mag ja stimmen, denn die Farbe eines Whippets sagt nichts über seine Qualität aus. Dennoch ist der Fall watermarked überaus spannend, denn irgendwo muss die Disposition für diese Zeichnung ja herkommen.
Whippets mit ähnlicher oder gleicher Zeichnung findet man immer mal wieder, aber sehr, sehr selten. Doch der Zufall wollte es, dass plötzlich Bella auftauchte. Auf facebook veröffentlichte Elin Frej ein Foto ihrer im Februar 2011 geborenen Hündin Springeldens Dröm. Das war eine Überraschung, denn farblich könnte Bella Monos Zwillingsschwester sein.

Bella, Springelden's Dröm, steht im Besitz von Elin Frej's Familie und ihrer Züchterin Kicki Gustafson, Schweden. Foto: Elin Frej
Bella, Springelden’s Dröm, steht im Besitz von Elin Frej’s Familie und ihrer Züchterin Kicki Gustafson, Schweden. Foto: Elin Frej

Leicht rot-lastige Schweden

Aus dem Wurf Springeldens Hi-It’s-Enough und Lingon Black-Moon gingen acht Welpen hervor, von denen drei die markante Watermarked-Zeichnung haben. Zwei Welpen – ein Rüde und eine Hündin -tragen allerdings nicht das helle Sand, sondern einen stark rot-lastigen Grundton mit den typischen schwarzen Rändern, der Maske und den schwarzen Ohren. Nur Bella ist so hell wie Mono. 

Der Vater Lingons Black-Moon hat alte europäische Rennlinien im Hintergrund, Müsli (Springeldens Hi-It’s-Enough) ist väterlicherseits amerikanisch, mütterlicherseits geht sie auf die klassichen britischen Showlinien zurück. Verbindungen zu Monos Ahnen – ersteinmal Fehlanzeige. Sackgasse? So schien es zunächst, bis letzte Woche eine Nachricht von Trudi Foster kam.

Der farbäquivalente Urahn

Watermarked-Welpen auch bei Koppelwell in Großbritannien – zwei von fünf Rüden aus Courthill Cast a Speel und Turnstone Khameleon at Koppelwell. Koppelwell Klassic Knight hat auf den typischen Markings allerdings zusätzlich noch eine Stromung. Die schwarze Maske und die schwarz überflogenen Ohren sind auch bei ihm deutlich zu sehen.

Der Watermarked-Ahn: Monos Ur-Ur-Onkel in der 5. Generation und Opa in der 6.Generation Nevedith Justa Joker stand im Besitz der US-amerikanischen Züchterin Carol Wright, Windsong Whippets. Foto:Carol Wright
Der Watermarked-Ahn: Monos Ur-Ur-Onkel in der 5. Generation und Opa in der 6.Generation Nevedith Justa Joker stand im Besitz der US-amerikanischen Züchterin Carol Wright, Windsong Whippets. Foto:Carol Wright

Knapp 24 Stunden nachdem die Nachricht von Trudi Foster kam, veröffentlichte Carol Wright (Windsong Whippets, USA) ein Foto ihres Rüden Nevedith Justa Joker. Der 2002 verstorbene Rüde Justa Joker stammt aus dem legendären Nevedith Justa-Wurf dessen vier Hündinnen und zwei Rüden die Whippetwelt und den Whippet an sich – in Europa und auch in den USA – maßgeblich geprägt haben.
In Monos Adern fließt recht viel Nevedith-Blut, denn sein Vater Multi Ch.Boxing Helena’s Imenitni ist eng auf Nevedith zurückgezüchtet. In seine Ahnen steckt ein Bruder vom oben genannten Joker Nevedith Justa Jesta. Bei Monos Mutter, Jee-Bee’s Deep is your Love, ist Joker selbst sechs Generationen weit hinten im Pedigree. Nun sieht es so aus, als wären mit Kissy (Jee-Bee’s Deep is your Love) und Pax (Boxing Helena’s Imenitni) zwei Whippets aufeinander getroffen, die beide die Watermarked-Zeichnung in ihren Genen tragen. Sie hat sich über mindestens sechs Generationen „unsichtbar“ vererbt und manifestiert sich nun an den Nachkommen der beiden Träger.
Auch der Koppelwell-Wurf hat Nevedith Justa Joker in der 6.Generation und die Mutter des Springeldens-Wurfes in Schweden geht u.a. auf eine Tante von Joker zurück. Carol Wright berichtete, dass Jokers Enkel nun diese Zeichnung an ihre Nachkommen weitergeben.
Verwirrend in diesem Zusammenhang ist die Tatsache, dass Jokers Farbbezeichnung im Whippet-Archiv definitiv falsch ist: „white and blue-fawn“ ist genetisch unmöglich, da Watermarked-Whippets niemals Blau-  sondern immer Schwarzträger sind.

Conte del Aqua semper-crescendo am 23.09.2012

Nichts ist bewiesen

Wissenschaftlich bewiesen sind diese Zusammenhänge bzw. Vererbungsgänge nun natürlich immer noch nicht. Doch Schlussfolgerungen lassen sich aus diesen doch recht engen familiären Banden durchaus ziehen. Theoretisch kann die Disposition „watermarked“ überall herkommen. Von einer rein zufälligen Verteilung dieser Zeichnung kann man hier allerdings wohl auch nicht sprechen.
Ein Lehrbeispiel könnte vielleicht Nevedith Simply Sultanna sein. Auch sie ist ganz offensichtlich eine typische Watermarked, wenn auch mit großer, weißer Blesse. Die 2009 geborene Hündin geht derart eng auf den Justa-Litter zurück, dass – schaut man nur 7 Generationen zurück – Justa Jesta gleich fünf, seine Schwester Justa Joy drei und Joker ein Mal zu finden sind. Der Vater Pencloe Dutch Gold acht Mal.
Wer sagte neulich noch, die Nevedith-Whippets haben gerne mal lustige Farben? Ob nun die Eltern des J-Wurfes die Watermarked-Träger waren (Doctor-Speed tippt ja auf die sagenhafte Nutshell of Nevedith) oder die Spur noch weiter zurück geht, ist eigentlich unwichtig. Bei der intensiven Beschäftigung mit dem Thema Farbe wird jedoch klar, wie eng die Whippetpopulation verwoben ist und wie fest und tief gewisse Eigenschaften in den Linien verankert sind. Einflussreiche Vererber legen mit ihren Genen Spuren, von denen manche erst an ihren Ur-ur-ur-ur-Enkeln deutlich lesbar werden.
Ein Dankeschön: Viele Menschen mögen facebook für einen Fluch halten. Zu diesem Thema war das weltumspannende Social Network ein Segen. Ich möchte allen Beteiligten herzlich danken: Trudi Foster für ihren Feuereifer, Sandra Biesenbach für ihren Forschergeist, Elin Frej für ihre nette Kooperation und natürlich Carol Wright, die in einem kleinen transatlantischen Bündnis zur anschaulichen Klärung beigetragen hat.

Freie Autorin mit einem starken Hang zur Fotografie

Comments

  1. Hallo
    interessanter Artikel!!!
    Ich hab daraufhin mal weiter auf Farben geguckt und festgestellt, dass es z.B. auch auf französischer Seite Hunde gibt (de la Romance de Damoiseux), die Ansätze dieses Watermarks zeigen (nicht ganz so deutlich schwarz gerändert, sondern nur nach außen hin dunkler). Guckt man sich die Papiere der „betroffenen“ Hunde an, gehen diese jedoch nicht auf Nevedith Justa Jesta sondern auf dessen Urahn Nevedith Paper Weight zurück. Liegt vielleicht dort der Ursprung???
    Viele Grüße

  2. Ja, das ist natürlich auch möglich. Ich denke mal, es ist nicht nur ein Ahn, der diese Zeichnung vererbt hat, sondern mehrere.
    Entspannte Grüße

  3. Susanne Sifkovits Reply

    Liebe Whippetfreunde,
    über eine andere Whippet-Coursing Freundin habe ich nun das erste Mal hier einen Ansatz gefunden, wie meine Hündin zu ihrer höchst seltenen Farbe kommt, die mir bisher keiner benennen konnte. Meine Bahama hatte als Welpe fast schwarzbraune Platten, schwarz aber nur auf der „Oberfläche“ der Platten, Ihr linker kleiner Fleck wurde sehr bald fawn, sehr hell. der große Fleck rechts, war herzförmig im Welpenalter. Nunist Bahama 4 Jahre und der Fleck ist ausgewachsen eher Kleeblattförmig, fawn mit schwarzem Überflug. Ihre Ohren sind dunkel, ihre Augen sehr dunkel, meiner Hündin fehlt aber die dunkle Maske, denn sie ist, sonst völlig weiß mit erst seit 1 Jahr, rötlichen Spots am Oberfell am Rücken. Ich hab viele Bilder von ihr in facebook, sie ist auch im Whippet Archive. Bahama Breeze of flying dreams. Ich besitze auch ihre 6 j. Schwester, Aloha of flying dreams, der A und der B Wurf waren beide sehr weiß – lastig. Die Mutter ist ebenfalls fast weiß, der Vater Weiß mit gestromten Platten. Danke für die Aufklärung, ich habe also eigentlich einen „Zobel“ ;-))) …von der Fleckenfarbe her ;-)))
    Mit lieben Grüßen aus Wien,
    Susanne freut sich über ihr seltenes Whippet Renn – Exemplar

  4. Pingback: Calisto’s außergewöhnliche Fellfarbe: Watermarking | Silken Windsprite - GoldenMerlo.de

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