The Daily Irrsinn

Blut, Schweiß und Eichhörnchen

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Ich hatte blutige Hände, als würde ich auf einer Hinterhofkirmes boxen. Ich stank wie ein Aal und war wütend wie ein angeschossenes Nashorn. Ein offenbar zutiefst bösartiges Eichhörnchen hatte uns in einem Hinterhalt aufgelauert.

Die Haltung mehrerer Hunde ist wunderschön. Ich freue mich jeden Tag, wie nett und fürsorglich sie miteinander umgehen, spielen und kuscheln. Doch manchmal holt diese durchaus geballte hündische Kraft ihren Halter im wahrsten Wortsinn von den Füßen.

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Die nette Besitzerin von Hudsons Bruder schrieb in einem Facebook Kommentar, dass Higgins sie nach Sichtung eines Eichhörnchens beim Joggen von den Füßen geholt hatte. Ich antwortete noch ganz jovial, dass mir so etwas zum Glück noch nie passiert ist. Ist es tatsächlich nicht, obwohl ich schon ein paar durchaus heikle Situationen hatte. Aber was lernen wir heute? Der Hochmut kommt vor dem Fall. Und zwar vor dem ganz tiefen, der mir kurz darauf widerfuhr.

Blut, Schweiß und Eichhörnchen
Die Drei! Conte del Aqua semper crescendo, Hudson of Little Goblin und Under Cover Agent High on Emotion.

Die Situation ist schnell erklärt. Mit drei Hunden, Mono, Hudson und Vito, war ich in unserem wunderschönen Park spazieren. Natürlich waren dort alle an der Leine. Nun neigt Hudson dazu, seine Haufen grundsätzlich mitten auf die Wege zu setzen, die wahlweise mit Sand oder Schotter ausgelegt sind. Das ist nicht weiter dramatisch, da ich immer Tüten in der Tasche habe. Hudson tat also sein Übriges. Ich klaubte eine Tüte aus meiner Tasche und bückte mich, um die Hinterlassenschaften aufzuheben.

Genau in dem Moment, als ich den Haufen in die Tüte verfrachten wollte, riss mich eine fremde Macht zu Boden. Meine Hände krampften sich um die Leinen. Meine Handknöchel schrabbelten über den Schotter, nicht ohne die Kacketüte weiterhin fest im Griff zu behalten. Zum Glück sah mich niemand, als Hudson, eines großen, roten Eichhörnchens gewahr, einen Anfall bekam und meinte, dem garstigen Nager in die Tanne hinterher steigen zu müssen.

Blut, Schweiß und Eichhörnchen
Vito weiß gar nicht, was los ist.

Hinterrücks aus meiner Hocke aus dem Gleichgewicht gerissen, lag ich nun da. Hudsons Kacke war überall dahin verteilt, wo sie kein Hundebesitzer haben will. „Hudson!“ Ich hatte das dringende Gefühl, diesen Hund ohne Umwege in ein sehr kaltes und sehr dunkles Heim zu verfrachten. Nackter Beton, ohne Decken: Ich wünschte ihn in die Whippethölle!

Allerdings ist Hudson so ein lieber Kerl, dass ich mich mit aller Macht zusammenriss und ihn nur verbal ins Achtung stellte. Wenn auch für ihn ungewohnt scharf, was dauerhaft angeklappte Ohren und riesige Kulleraugen zur Folge hatte.

Dann nahm ich die Schäden auf: Eine frisch gewaschene Jeans komplett versaut. Ein Parka, der ohnehin in die Reinigung muss, komplett versaut. Meine Hände bluteten aus fünf Wunden. Aus zweien recht heftig. Alles voller Hundekacke. Meine Hände, die Leinen, meine Tasche. Mono stand oberschlau vor mir: „Ich war das nicht!“ Ja, ich weiß. Vito zappelte an der Leine. Ich fummelte in meiner Tasche herum, wusste aber genau, dass ich weder Taschentücher noch ähnliche Helfer bei mir trug. Einzig eine medizinische Maske erklärte sich bereit, meine stark blutende rechte Hand provisorisch zu verbinden. Das Eichhörnchen saß gackernd in der Tanne.

Blut, Schweiß und Eichhörnchen
Hudson Ohren sprechen Bände. Er hat sich gar nicht mehr getraut, mich anzusehen.

In meinem durchaus jämmerlichen Zustand nahm ich alle drei Verbrecher kurz, kehrte auf dem Absatz um und machte mich auf den Rückweg. „Bleib!“kann auch ein Mantra sein. Mono war irritiert. Derweil hoffte ich inständig, niemanden zu treffen, den ich auch nur ansatzweise kenne. Meine rechte Hand blutete die rechte Tasche meines Parka voll, ich stank zum Himmel und war stinksauer. Meine zweifelhafte Gemütslage erlaubte keine sozialen Kontakte. Unter meinen Daunen war ich komplett durchgeschwitzt. Wäre mir die Tante mit der dauerläufigen Pomm-Hündin – die nicht viel größer als das eben erwähnte Eichhörnchen ist – über den Weg gelaufen, hätte ich für nichts mehr garantieren können.

Iss irgendwas? Mein Mann meldete sich aus seinem Home Office, als ich in die Küche stürmte, um meine Hände zu waschen. „Haben wir noch Pflaster?“ zischte ich. „Weiß ich doch nicht!“ Ja, danke für das Gespräch! Zum Glück sind wir seit dem Ausbruch von Corona mit desinfizierendem Zeug, sei es Seife oder Lotion gut ausgestattet.

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Mono tut ganz unschuldig. Doch als er jünger war, konnte er angesichts eines Eichhörnchens richtig wild werden.
Mono tut ganz unschuldig. Doch als er jünger war, konnte er angesichts eines Eichhörnchens richtig wild werden.

Ich fluchte leise vor mich hin, während ich meine Wunden versorgte, die Leinen und dann nur leidlich meinen Parka reinigte. Derweil verzog sich Hudson, nach wie vor mit eng angelegten Ohren, ins Schlafzimmer. Dort wagte er sich bis zum Nachmittag auch nicht mehr heraus. Meine Ansage hatte offenbar gesessen. Der arme Kerl. Irgendwann tat er mir richtig leid, gehorchte er doch nur seinem Instinkt, der schon vor langer Zeit das Eichhörnchen an sich zum Todfeind erklärt hat.

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Freie Autorin mit einem starken Hang zur Fotografie

1 Comment

  1. Hallo Karla,

    beim Lesen habe ich mich wiedererkannt. Bei mir war es einmal so, dass Leonardo während ich die Hinterlassenschaften aufklaubte und mich dazu umdrehte, mit seinem Maul in etwas essbarem steckte, was ich (Herzinfarkt) vorher nicht identifizieren und erst recht nicht verhindern konnte. Tüte fiel natürlich aus der Hand; ich kann mich aber nicht mehr daran erinnern, ob sich der Inhalt verteilt hat. Die Ansage kann ich nachvollziehen, den Ärger und den Frust auch. Und ich hatte auch des öfteren die Hinterlassenschaften an den Händen und nein, auch kein Helferlein. Das war nicht schön. Zunehmend, das habe ich bei mir festgestellt, scheine ich mehr und mehr mit solchen Themen ein Thema zu haben. Ich habe dann immer ein schlechtes Gewissen, weil ich zuerst Leonardo anpfeife, was ja auch nicht sein kann. Hatte derletzt auch mehrere skurrile Begegnungen mit Menschen hier aus dem Viertel; hat mich darüber nachsinnieren lassen, ob Corona und das Verhalten, das wir ja mittlerweile täglich haben (mit Maske, Unsicherheiten, Ängste, sich die Hand nicht geben können, den Menschen mit Maske nicht mehr vollständig im Gesicht erfassen können) auch Spuren bei mir hinterlassen hat. Denn es kann ja wirklich nicht sein, dass mein Hund schuld ist. Sprich, wo ich früher etwas entspannter war, reagiere ich heute deutlich angespannter. Angelehnt an Deine wunderbare Reihe „The daily Irrsinn“ habe ich über die Erlebnisse von diesen Hundespaziergängen in meinem Blog geschrieben. Das Schreiben darüber fand ich sehr hilfreich, da ich den Eindruck hatte, dass manches etwas klarer wird, so eine Art „Aha“-Erlebnis.

    Gute Nerven weiterhin; es war nur ein schlechter Tag.
    Liebe Grüße
    Snezana

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