Wir befinden uns im Jahre 14 „nach Whippet. Alte Hasen sind wir noch lange nicht, aber auch keine naiven Greenhorns mehr. Wir wissen nun, dass Whippets sich ihre Welt so drehen, wie sie sie gerade brauchen. Ob das ihren Menschen passt, ist erstmal ein ganz anderer Schnack.

Mr.ClarkIch würde meine Whippets gegen nichts auf der Welt eintauschen. Ich würde mich auch immer wieder für einen Whippet entscheiden, aber der leichtfertige Mensch sei gewarnt. Ein Whippet krempelt das Leben um, und zwar so, dass mit dem Einzug des  Welpen eine neue Zeitrechnung beginnt. Ich schöpfe nun aus meinen Erfahrungen und überspitze ein wenig:

1.Randalierer: So süß ein Whippetwelpe ist, er hat schon mit 12 Wochen Energie für zehn und wird das neue Cassina-Sofa für halsbrecherische Steilwandrennen missbrauchen. Die Bude kann dann kurzfristig aussehen, als hätte eine durchgeknallte Boygroup eine Whiskyparty gefeiert. Wer Angst um seine Komfort-Sitzlandschaft, sein Parkett und seine Teppiche hat, der halte also von der Rasse Whippet einen angemessenen Abstand.

2. Missfits: Whippet-Welpen spielen auf ihre Art. Ob das auch die Art anderer Rassen ist, ist ihnen vollkommen Latte. Der eine oder andere wird also achtkantig aus der Welpenspielgruppe fliegen, nachdem er diverse Fremdrassen nachhaltig traumatisiert hat. Wer Wert auf langfristige soziale Kontakte in einer Hundeschule legt, der schaffe sich besser einen Retriever an.

Bestien

3. Rotzgören: Der wohlerzogene Junghund wird mit circa 10 bis 13 Monaten sein System rebooten. Der Festplattenreset hat zur Folge, dass er weder seinen Halter wiedererkennt, noch die zuvor erlernten Kommandos auch nur ansatzweise einordnen kann. Zugegebenermaßen schlägt die Pubertät bei allen Hunderassen zu, doch einen Whippet, der sich nicht anleinen lassen will, fängt selbst Usain Bolt nicht ein. Wer also eher zu der gemütlichen Fraktion gehört, sollte in sich gehen und seine Fitness kritisch prüfen.

4.Jagdsäue: Hat der Junghund dann endlich seine Festplatte neu konfiguriert und somit Gehör und Gedächtnis wieder, dann kann es sein, dass er bei Gelegenheit dennoch auf Durchzug stellt. Das kommt vor bei der Sichtung von Eichhörnchen, Mäusen, Ratten, Katzen, Kaninchen, Hasen, Rehen und allem Getier, was vier Beine und ein Fell hat.

Lilly und Mr.Clark

Wessen Nervenkostüm kolabiert, wenn das eben noch so liebe Tierchen mit rund 50 km/h im Unterholz verschwindet, der genehmige sich einen Liter Baldrian oder erwäge besser den Kauf eines Bolonkas.

Armes Tuktuk
Armes Tuktuk

5.Opportunisten: Ist aus dem Junghund ein fitter und muskulöser Erwachsener geworden, kennt er bereits alle Knöpfe, die er zu seinem Vorteil drücken muss. Dem Fremden mit der köstlich duftenden Bratwurst wird ein Whippet seinen Leidensblick entgegenwerfen: Schau mich an! Siehst du meine Rippen? Ich habe Hunger! Wer es also nicht mag, als asozialer Tierquäler beschimpft zu werden, der seine Hunde hungern lässt, bis das Skelett aus dem Pelz sticht, der kehre schnell allen Windhundrassen den Rücken.

6. Sozialisolierer: Ein Whippet kann einen normalen Hund mit Leichtigkeit ins Koma spielen. Treten sie geballt, also im Rudel auf, mutieren Whippets schnell zu apokalyptischen Reitern. Denn sie wissen genau, dass sie schneller sind als jeder andere Vierbeiner. Der eine oder andere vermeindlich robuste Schäfermix wird nach der Begegnung mit fünf bis acht Whippets seine Lektion fürs Leben gelernt und diverse Sitzungen beim Tierpsychologen nötig haben. Man prüfe also genau, ob die eigene mentale Stärke ausreicht, wenn man nach einem Spaziergang mit anderen Whippethaltern auf seiner lokalen Hundwiese plötzlich gemieden wird wie die Beulenpest.

Mono und Frida

7.Faule Säcke: Im Haus sind körperlich ausgelastete Whippets mehr Dekoration als Hund. Jedoch dekorieren sie sich mit Vorliebe auf Sofas und Sesseln. Gäste müssen also meist zusehen, wo sie bleiben. Haben letztere Probleme, wenn sich beim Wein eine Langnase hemmungslos an den schwarzen Kaschmirpullover oder den neuen dunkelgrauen Boss Anzug lümmelt, dann sollte der geneigte Hundehalter entweder Fusselrollen verteilen oder gleich einen Nackthund ins Haus holen.

8. Schuldzuschieber: Regen mögen Whippets gar nicht. Hagel-, Graupelschauer und kalter Wind sind die Hölle. Doch die Natur will es, dass sie diesen Wettererscheinungen hin und wieder ausgesetzt sind. Dabei leiden sie demonstrativ. Sie blicken derart vorwurfsvoll und genervt, dass man sich als Mensch fast schuldig fühlt. Damit liegt man nicht ganz falsch, denn der Whippet an sich gibt seinem Menschen die Schuld am Wetter. Der Mensch ist überhaupt an allem Schuld. Man muss sich also daran gewöhnen können, die Inkorporation des Wettergotts zu sein und auch für alles andere Unbill verantwortlich zeichnen zu müssen.

Mr.Clark im Regen

9. Groschengräber: Die Haltung eines Whippets kostet grundsätzlich nicht mehr, als die jedes anderen Hundes. So denkt man zunächst naiv. Doch ein großer Teil aller Whippethalter rennt sehenden Auges in den finanziellen Ruin. Es sei denn natürlich, man hat es so dicke, dass es wurscht ist. Vereinsbeiträge, Ausstellungen, Ankörung, Coursingtraining, Renntraining, Lizenzgebühren, Meldegelder. Theoretisch liefe das Whippetleben auch ohne diesen ganzen Tullux rund, doch kaum ein Whippethalter kann sich dem entziehen. Das kommt von ganz alleine und schließlich gibt man – ganz freiwillig – nicht nur ein Vermögen für Schaffelle, Decken, Hundeschlafsäcke und Halsbänder aus, sondern buttert den Rest in die rassegerechte Bespaßung des zarten Hundes.

Wie eingangs erwähnt, der Whippet dreht sich seine Welt so, wie er sie haben will. Sein Besitzer dreht sich mit und merkt es erst, wenn es längst zu spät ist. Dann hängt er nämlich schon mitten drin in einer Parallelwelt, deren Existenz er sich in der Zeit vor Whippet im Traum nicht hätte vorstellen können. Und die neun Gründe gegen einen Whippet sind ihm dann auch egal. Es gib nämlich noch viel mehr, die für ihn sprechen.