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Der Teflonhund

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Ist der Whippet eine butterweiche, platzsparende, rückgrad- und willenlose Wärmflasche in Hundegestalt? Wühlt sich ein potenzieller Interessent durch die Tiefen des Netzes, so könnte er schnell den Eindruck gewinnen.

Ich werde jetzt keine moralinsaure Litanei über das Individuum Hund vom Stapel lassen. Natürlich ist jeder Hund – in diesem Falle Whippet – einzigartig, charakterlich wie auch äußerlich. Doch man könnte sie auf einen kleinsten gemeinsamen Nenner bringen, wenn man nur wollte. Neben einigen sehr ehrlichen und guten Beschreibungen unserer Rippchen, finde ich immer wieder auf den Verkauf optimierte Werbetexte, die mir Kopfzerbrechen machen. Hier nur ein paar Punkte:

1. Whippets haaren nicht.

Die Behauptung stimmt genau dann, wenn man seinen Hund in regelmäßigen Abständen mit einer Schicht Sprühkleber versiegelt.

2. Whippets sind anspruchslos.

Schwammiger geht es nicht. Wie die Ansprüche eines Tieres erfüllt werden, wird von seinem Halter individuell definiert. Den einen treibt ein schlechtes Gewissen um, wenn er an einem hektischen Tag keine Zeit hatte, mit seinem Whippet Flitzen zu gehen. Der andere hat kein Problem damit, den Hund zwölf Stunden an die Wand starren zu lassen. Wenn mit anspruchslos gemeint ist, dass man Whippets nicht kämmen, nicht trimmen und ihnen auch keine Herde Schafe zur Belustigung in den Garten stellen muss, dann trifft die Bezeichnung zu.

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Mr.Clark auf Spähposten
Auf Spähposten in der Dämmerung. Die Kriegsbemalung liegt schon auf.
3. Whippets sind leichtführige Anfängerhunde.

Whippets sind freundlich, sanft und meist nett zu Kindern. In den seltensten Fällen beißen sie den Postboten. Sie stellen auch keine Gäste ins Achtung oder hüten den Kinderbesuch. Die Suchbegriffe, mit denen manchen Leser hier über Google aufschlagen, deuten in eine andere, aber zu erwartende Richtung. „Hilfe mein Whippet jagt! Ist das typisch?“ oder „Mein Whippet hört nicht mehr, wenn er hinter einem Kaninchen herläuft.“ Ganz offenbar sind diese Leute beim Kauf nicht aufgeklärt worden oder haben sich nicht aus eigenem Antrieb informiert.

Tritt dieser Fall ein, ist Punkt 2 in Frage gestellt. Denn wenn der anspruchslose Whippet, dann doch mal einen Anspruch auf Trieberfüllung anmeldet, zerrt er plötzlich und unerwartet an den Nerven seines/seiner Besitzer. Er muss sodann Zeit und eventuell sogar Geld in die Erziehung eines Hetzjägers stecken. Kann oder will er das nicht, dann geht der Hund zurück an den Züchter oder ins Tierheim. In der Folge hätte sich Punkt 1 erledigt.

4. Whippet sind im Haus sehr ruhig und fast unsichtbar

Ja, das sind sie. Aber nur dann, wenn zuvor Punkt 2 zu Gunsten des Hundes definiert wurde, wenn sie keine Welpen mehr sind, wenn ihrem rassetypischen Bewegungsdrang genügt wird, und wenn ihr Besitzer zwei Monatsgehälter in Plüschdecken, Schaffelle, Kissen, und ein Zweitsofa investiert hat. Hier relativiert sich erneut das Attribut anspruchslos. „Get a whippet, lose a couch!“ Woher kommt das wohl?

Sie lieben ihren Golfrasen? Dann ist der Whippet kein Hund für sie.
Sie lieben ihren Golfrasen? Dann ist der Whippet kein Hund für sie.
5. Whippets sind anpassungsfähige, anschmiegsame dabei aber unaufdringliche Begleiter.

Grundsätzlich richtig. Sie kuscheln gerne, sie suchen die Nähe der Menschen, liegen gerne bei ihnen, oft sogar im Bett. Das Attribut unaufdringlich hingegen ist ähnlich wie anspruchslos dehn- und deutbar. Anpassungsfähig sind sie in der Tat. Der größte Macker wird sich in der Regel auf einer rammelvollen Hallenausstellung komplett zurückhalten. Mann könnte sogar behaupten, Whippets kennen den Begriff unangebracht. Das ist in der Tat erstaunlich.

Doch in erster Linie sorgen Whippets dafür, dass sich der Mensch ihren Bedürfnissen und Schrullen anpasst. Kaum ein Whippetbesitzer wird ohne ein weiches Deckchen oder einen kleinen Donut vor die Tür gehen, wenn er weiß, dass sein Hund sich unterwegs irgendwo länger niederlassen muss.

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Copy – Paste, die beste Erfindung seit dem Reißverschluss.

Im Überblick ist mir aufgefallen, dass ein und die selbe weichgespülte Beschreibung des Whippets auf den unterschiedlichsten Seiten immer wieder auftaucht. Sie unterstellt dem Whippet einen alles verzeihenden, immer auf Abruf bereiten, aber bequem bescheidenen Tefloncharakter.

Nach Informationen gierende Neulinge werden schnell auf die gebetsmühlenartige Wiederholung von Halbwahrheiten hereinfallen, denn genau die wollen sie hören. Und dann freuen sie sich, endlich den perfekten, selbstreinigenden, nicht haarenden, anschmiegsamen, gehorsamen, anspruchslosen, willenlosen, handlichen, allzeit bereiten Super-Hund gefunden zu haben.

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Freie Autorin mit einem starken Hang zur Fotografie

11 Comments

  1. PERFEKT meine Liebe 🙂 und ständig fallen neue Leute drauf rein, nur um dann Deckenträger SEINES Whippets zu werden!

  2. Copy + Paste und Reißverschluss passt herlich, denn im Einsatz beider Instrumente kann man sich, wenn ich an so ein paar Promotionen denke, verheddern!

  3. Hallo Karla,

    jede Rasse hat ihre Vor-und Nachteile wobei das subjektiv ist weil jeder Zweibeiner
    das so oder so für sich empfindet.
    Für jede Rasse gibt es Rassebeschreibungen und oft ist es so, dass man sich anschließend fragt, wie man sich überhaupt einer anderen Rasse zuwenden kann.
    Wäre in jeder dieser Rassehuldigungen ein solches Vorwort wie deines, hätte der interessentierte Leser noch ein paar Gedankenanstöße um sich zu überlegen wie ein solcher Hund in SEIN Leben passt.
    Für Interessenten unserer bisher gezüchteten Rasse habe ich mal eine Mail geschrieben die wirklich alles beinhaltet was es so an Eigenarten usw. gibt.
    Die habe ich an den jeweiligen Interessenten geschickt und gewartet was passiert.
    Die verbliebenen und wirklich interessierten Leute haben wir dann eingeladen die Hunde persönlich kennenzulernen und wir hatten keinen einzigen Fall wo die Leute mit ihren Hunden überfordert haben. Das bedeutet aber auch das man seine Welpen nur an Leute gibt, mit denen man auch Kontakt haben möchte.
    Man kann doch nicht verschweigen das, in unserem Fall der Corgi, während des ganzen Jahres konstant Haare verteilt werden und der Hund zusätzlich zwei Mal im Jahr abhaart wie Hulle. Oder ein nicht gelenkter Hütetrieb den Hausgenossen dazu verleitet die Kinder hütenderweise durchs Haus zu begleiten und und und.
    Der Whippet ist für mich eine wundervolle Rasse für Leute die sich selbst auch mit einem Augenzwinkern sehen können und den Hund so nehmen wie er nun mal ist.
    Der Knopf für bedingungslosen Gehorsam wird nicht mitgeliefert und damit muss man klarkommen.Ursprünglich komme ich vom Dobermann mit Hundesport samt Unterordnung und Schutzhundeausbildung, wie es damals noch hieß.
    Ich denke mir heute, dass die Dobermänner auch gerne auf der Couch und evtl.
    am Fußende des Bettes gelegen hätten wenn ich damals dieses Augenzwinkern schon selber gehabt hätte, das ich jetzt durch Isabelle gelernt habe.
    LG
    Michael

    • Genau so ist es! Unser Dobi liegt auf der Couch und nicht gerade platzsparend,im Bett ! Sie ist eine sanfte und sehr intelligente Hunde-DAME. Und die Unterordnung habe ich perfekt gelernt.

  4. Stimmt! Humorlose Menchen werden es mit Whippets nicht lange ausshalten. Michael, deine Taktik, die richtigen Besitzer für deine Corgis zu finden, ist wohl die einzig richtige. Ich denke mal, du hast deinen Welpenleuten keinen Sprühkleber in die Erstausstattung gesteckt. 😉

    Entspannte Grüße

  5. Hallo Karla,

    ich denke man tut „seiner“ Rasse keinen Gefallen sie zu glorifizieren,
    das Erwachen wird kommen.
    Daher finde ich einen guten Draht zu den Welpenbesitzern sehr wichtig und ich möchte meine Zeit mit Menschen verbringen die mir liegen und die ich mag.
    So haben wir für jeden Welpen einen richtig guten Platz gefunden auch wenn die meisten keine Ambitionen zu Ausstellungen hatten. Da war uns der gute Platz wesentlich wichtiger.
    Zudem hat man ja auch Unterschiede von Hund zu Hund.
    Corina, die Stammmutter unserer Zucht, war von Welpe an close to perfect.
    Die zweite Hündin hat mich das Fürchten gelehrt, nichts war ihr sicher aber ich habe auch von ihr gelernt. Man lässt seine Brille nicht auf dem niedrigen Wohnzimmertisch liegen wenn man nicht mit einem puristischen Brillengestell
    ohne Kunststoffbezug klarkommt und mit zerschrammten Gläsern.
    Andere Beispiele ihrer Vielseitigkeit würden den Rahmen sprengen, meine Nerven lagen mehr als einmal blank.:))))
    Aber auch dieser Hund wurde erwachsen.
    Mir ist auch klar das ein zweites Whippchen eine Herausforderung sein wird und ich nicht automatisch erwarten kann eine kleine Ausgabe von Isabelle zu bekommen. Sie konnte ich bis dato von jedem Wild zurück rufen und zu zweit ist das sicher nicht so einfach aber wenn es soweit ist werde ich mit ganzem Elan an die Sache herangehen.:)))
    LG
    Michael

  6. Hallo Frau Schwede ,Herr Mattill

    das mit den Brille kann ich gut verstehen.
    Unsere Hope hat mich im letzten Jahr zwei Kunststoff Gleitsichtgläser gekostet .
    Den Optiker hat`s nicht ärmer gemacht.
    Jetzt liegt die Brille immer ganz weit oben .
    Das erzieht zur Ordnung.
    LG
    Ute V.

  7. „Und dann freuen sie sich, endlich den perfekten, selbstreinigenden, nicht haarenden, anschmiegsamen, gehorsamen, anspruchslosen, willenlosen, handlichen, allzeit bereiten Super-Hund gefunden zu haben.“
    Ja. Und dann kriegen sie einen Terrier mit Ferrariantrieb!
    Da könnt man glatt schadenfroh werden, wenn es nicht auch bedeuten würde das einige Whippets in den falschen Händen und am Ende wohl im Tierheim landen.

    Aber nun, selbst auf den Seiten der beiden Vereine wird recht weichgespült, ich weiß ja nicht welchen Whippet die da beschreiben, meiner ist es nicht. Gefallen wollen? Meiner ist der Meinung das alle Welt gefälligst ihm zu Gefallen sein soll, immerhin ist er ein Whippet.
    Und wer nicht will, denn kriegt er schon dazu…

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