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Was habt ihr denn gegen Hippiepullover?

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Die World Dog Show 2017 in Leipzig ist nun mehr als eine Woche Vergangenheit. Aber nach der Show ist vor der Show und wir freuen uns jetzt schon auf Amsterdam 2018. Sowohl die Welt, als auch die Süddeutsche fanden allerdings nur vordergründig nette Worte in ihrer insgesamt recht ätzenden Berichterstattung über die größte Dog Show der Welt, zu der rund 31.000 Hund nebst ihren Besitzern oder wahlweise Handlern angereist waren. Beide Medien gehen erstaunlich konform sowohl in ihren Betrachtungen als auch in ihren Formulierungen. Ich sage nur „Hippiepullover“!

(Ich schicke gleich voraus: Ich habe von dem Hersteller der Pullover weder ein Honorar noch sonst irgendwelche Zuwendungen erhalten habe. Sie sind gekauft. Mit Geld und in bar. Das ist bei Bloggern lange nicht mehr selbstverständlich und deshalb hier erwähnenswert. ) 

Welt: „… zitternde Yorkshireterrier mit rosa Schleifchen im gelockten Fell, ein Windhund zappelt in einem Hippiepullover an der Leine herum, … “ 11.11.2017 

Wir tragen auch Hippiepullover!

Wie kommen bloß beide Online-Medien fast zeitgleich auf den Yorkshire, die Strassbroschen und den Windhund im Hippiepullover? Frage ich, ob die Welt bei der Süddeutschen abgeschrieben hat? Nein. Denn ich bin sicher, dass beide Texte vom gleichen Autor stammen. Macht nichts. Es ist durchaus üblich, dass Autoren ihre Arbeit in Variantionen an mehrere Medien verkaufen. Das ist praktisch, sorgt in der Landschaft aber auch für eine recht einseitige Betrachtung des behandelten Themas. Versuche ich nun den Autor zu verstehen, bin ich mit ihm d’accord, dass das aufwändige Groomen von Pudeln und allen anderen langhaarigen Rassen auf Außenstehende irgendwie abstrus wirkt. Aber auch diese Teams sollten nicht missverstanden und schon gar nicht missachtet werden. Denn viel Fell (Wärmedämmung bei der Jagd im Wasser wie zum Beispiel bei den Pudeln) heißt viel Arbeit. Bling-Bling ist wichtig, aber in seinem Ursprung mach das ganz Gedöns durchaus einen Sinn.

Süddeutsche: „Auf den Gängen trippeln winzige Yorkshireterrier mit Strassbroschen und Schleifchen im gekämmten Fell an hippiehaften Pullis vorbei, … “ 9.11.2017

Mono ist warm bis zu den Ohren. Sein Pulli ist kein Accessoire, sondern eine Notwendigkeit.

Hirnschmalz und Kernkompetenz

Niemand erwartet, dass die Hundeausstellungen an sich innerhalb der Kernkompetenz das Autors liegt, denn diesen Zirkus zu durchschauen, fordert schon Eingeweihten eine Menge Nerven und Hirnschmalz ab. Deshalb ist der Blick von ganz weit außen durchaus legitim und vielleicht ein bisschen heilsam. Denn Menschen, die nichts mit Rassehunden und noch weniger mit Ausstellungen zu tun haben, halten uns, mich, euch schlicht für bekloppt. Die arbeiten ihr Ego an den armen Tieren ab. Das scheint eine durchgängige Meinung zu sein, die die Mentalität vieler Teilnehmer tatsächlich gut beschreibt. Allgemeingültig ist sie allerdings nicht.

Welt: „Sie alle haben eines gemeinsam: Aufs Präsentieren sind sie nicht besonders scharf. Ihre Besitzer dafür umso mehr.“ 11.11.2017 

Danny im „Hippiepullover“ – Türkis steht ihm gut.

Pauschale Urteile gehen immer nach hinten los

Wer die Szene nicht kennt, aber über sie schreiben muss, sollte natürlich seinen Eindruck schildern, sich aber mit pauschalen Aussagen tunlichst zurückhalten. Denn letztere können eigentlich nur nach hinten losgehen, weil sie von den Insidern schnell als falsch oder tendenziös entlarvt werden.

Im Zitat oben lässt sich der Autor über die Lust der Hunde am Sich Zeigen aus und greift damit tief ins Klo. Denn es gibt ganz entgegen seiner Vermutung sehr viele Hunde, die großen Spaß daran haben, in den Ring zu gehen. Den gut trainierten Exemplaren sieht man das an jeder Faser ihres Körpers an. Sie sind souverän, aufmerksam und ohne Angst. Ein Hund, der keinen Bock hat, zeigt sich auch nicht und wird in der Folge keine Schnitte im BIS-Ring haben.

Ich persönlich kenne sehr viele Hunde, die sobald man ihnen eine Showleine um den Hals legt, richtig hibbelig werden. Mein später, gesetzter Mr.Clark war so einer und Mono ist das Paradebeispiel schlechthin. Wäre es erlaubt, könnte ich mit ihm die komplette Choreographie ohne Leine machen (außer es sitzen standheiße Hündinnen am Ring). Er freut sich einfach, dass er mit mir ein Spiel spielen darf. Dabei ist er hoch konzentriert, selbstbewusst und fröhlich.

Neben meinen Hunden gibt es viele weitere, die mit dem Showring ausschließlich positive Erfahrungen verknüpfen und Spaß daran haben, sich zu zeigen. Das heißt allerdings noch lange nicht, dass sie deshalb auch gewinnen. Denn schlussendlich liegt es an den Richtern, die gegebenenfalls Angst und fiese Praktiken tolerieren. Davon, also von den Gezwungenen und den Ausstellern, die fiese Tricks zur Wissenschaft erheben, gibt es ebenfalls reichlich. Nur, damit mir hier keine rosa Brille unterstellt wird.

Langnasen im Schlafrock. Der Kenner weiß, der Laie wundert sich.

Mach mich warm!

Nun muss ich aber doch noch einmal zu den Hippiepullovern zurück, denn mit diesem Seitenhieb fühle ich mich und den Rest der Windhundgemeinde falsch verstanden. Der Hippiepullover (ich frage mich, welches Modell der Autor der beiden Artikel auf der Messe gesehen hat) ist kein schickes Accessoire, sondern eine Notwendigkeit. Whippets zum Beispiel (Windhunde FCI Gruppe 10) haben eine konstante Körpertemperatur von rund 39 Grad. In einer recht kalten Halle, wie hier bei der World Dog Show in Leipzig, kühlen sie extrem schnell aus. Um ihre lebenserhaltende Organe warm zu halten und dafür zu sorgen, dass sie sich wohl fühlen, ströppt man ihnen muckelige Pullover oder weiche Mäntel über. Das hat nichts mit Etepetete oder dem Schmuckbedürfnis der Besitzer zu tun. Natürlich gibt es diese Pullover auch in Schön. Schließlich sagt niemand, dass Nützliches zwangsläufig scheiße aussehen muss.

3 Kommentare

  1. Ich finde die Pullis super und habe einen bestellt. Die scheinen endlich ein mal einen guten Schnitt zu haben und unsere Sportler in der Bewegung nicht einzuschränken. Leute die sich so äussern haben wahrscheinlich selbst keine Hunde.
    Im Übrigen lese ich sehr gerne deinen Blog und die Fotos sind super.

  2. es waren halt mal wieder Redakteure, die wenig Ahnung haben…. ist leider oft so… Ausnahmen bestätigen die Regel! Sicherlich gibt es bei Ausstellungen auch Sachen die nicht so toll oder skurril sind, aber Hunde ohne Unterfell oder alte Hunde brauchen halt was warmes….. Menschen tragen ja auch Hosen obwohl sie Haare an den Füssen haben 🙂

  3. Pingback: Stramm im Strumpf - die neuen Trainingsanzüge - Doctor Speed

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