The Daily Irrsinn

Der falsche Tag


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Gibt es eigentlich einen richtigen Tag für eine Verletzung? Nein, der Tag ist im Grunde immer falsch. Aber in gefühlt neunundneunzig Prozent der Fälle ist er am falschesten. Denn dann ist Wochenende, Ostern, Karneval oder Weihnachten. In den letzten zehn Jahren haben wir einer ganzen Riege von Tierärzten so ziemlich alle Feiertage versaut, die der Kalender zu bieten hat.

Ein schiefer Atlas an Heiligabend

Es ist schon komisch: Die Hornhaut des linken Auges an einem Brombeerdorn aufgeschlitzt, Rosenmontag. Vene am linken Vorderlauf an Stacheldraht aufgerissen, Samstags morgens um 8:00 Uhr. Rätselhafte, lebensbedrohliche Dehydrierung, 36 Stunden Tropf am Wochenende. Ein seitlich komplett aufgeschlitzter Mono natürlich am Wochenende bei einer Ausstellung in den Niederlanden (geniale Ärzte dort übrigens). Zerfetzte Ohren nach einer Katzenjagd am Ostermontag. Und ganz aktuell ein verschobener Atlas an Heiligabend. Armer Mono! Er konnte sich nicht mehr schütteln und fiepte jedes Mal, wenn er versuchte seinen Kopf nach links zu drehen. Bisher hat er erst einmal in seinem Leben vor Schmerz gefiept, es muss ihm also sehr weh getan haben.

Zwei Mal einrenken bitte!

Einem Notfall wird schwummerig

Mono war objektiv ein Notfall, doch noch nicht einmal die flexibelste Physiotherapeutin belämmert man zu Weihnachten. Ich packte ihn also warm ein und schonte ihn zwei Tage. Vorgestern morgen um 8:45 Uhr stand ich mit ihm vor der Tür der Frau mit den goldenen Händen. Die Wärmelampe lief schon. Ruck zuck war der Atlas wieder an seinem Platz. Mono wurde kurz etwas schwummerig, aber dann war er sichtlich erleichtert. Seine schlimm verspannte Halsmuskulatur wird ihm noch ein bisschen weh tun, aber das ist halb so wild.

Da es nie schadet, ihn durchzusehen, hatte ich Hupsi gleich mit eingepackt. Sanfte Griffe fanden eine Blockade im rechten Karpalgelenk, zwei leicht verknackste Zehen und zwei deplatzierte Wirbelchen. Die Tour hat sich für den Kleinen also auch gelohnt. Besonders schön ist es mit anzusehen, wie Hupsi auf dem Tisch zu einem weichen, wabbeligen Whippet-Pudding zerläuft. Er genießt es.

Jetzt halte ich Mono schön warm, bis sich seine Halsmuskulatur wieder entspannt hat.

Eine unnötige Komplettwäsche?

Nun mag sich der eine oder andere fragen, warum ich mit Mono nicht sofort in die nächste Klinik gefahren bin. Der Gute ist mir morgens mit Wucht in die Leine gesprungen, weil er meinte, ein Eichhörnchen dem Tod überantworten zu müssen. Von da an lief er unrund. Meine Tierklinik hätte ihn in ein gewissenhaftes, aber vollkommen unnötige Komplettwaschprogramm gesteckt, vermutlich inklusive Vollnarkose, Röntgen und MRT, bevor sie Cheffe der Physiotherapie überantwortet hätte.

Das ist keine pure Mutmaßung, sondern Erfahrung. Denn ich hatte dort im Oktober telefonisch angefragt, ob die an die Klinik angeschlossene Physio kurzfristig einen jungen Whippet mit verschobenem Iliosakralgelenk behandeln könnte. Man sagte mir, dass er erst in die Klinik müsste zur kompletten Diagnose und dass sie ihn ohne Schmerzmittel ohnehin nicht behandeln würden. Wie Schmerzmittel? Ja, danke für das Gespräch! Ich war tatsächlich etwas geschockt, denn bisher war ich mit dem Laden sehr zufrieden. Hupsi fand dann zum Glück sehr kurzfristig woanders Hilfe.

Hupsi nach der Physiotherapie. Er ist total entspannt und sehr, sehr müde.

Es ist immer der falsche Tag

Eine Verletzung oder eine Krankheit kommen nie zum rechten Zeitpunkt, weil man generell gepflegt auf sie verzichten kann. Aber meistens kommen sie zum schlechtesten Zeitpunkt. Warum auch immer. Ich bin allerdings mittlerweile sehr entspannt, denn ich weiß genau, wo für was ich wohin hinfahren kann, wenn etwas passiert. Das ist ein gutes Gefühl.

Freie Autorin mit einem starken Hang zur Fotografie

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