Fast täglich

Drive By Shooting mit Eierpunsch


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So lange ich denken kann, war Silvester für uns immer ein Spaziergang. Mono und Danny hatten noch nie Probleme mit Feuerwerk an sich und Böllern im besonderen. In den letzten Tagen allerdings empfand ich die schon lange vor Silvester zelebrierte Knallerei als einen von hirnamputierten Vollidioten inszenierten Wahnsinn.

Machostyle – Polenböller und Kanonenschläge

Denn hier bei uns geht es längst nicht mehr um schöne Lichter und Kinderspaß. Hier geht es nur noch um brutale Lautstärke und größt mögliche Zerstörung. Wer hat den Dicksten, wer hat den Lautesten? Typisches Machogehabe! Keine Frau käme auf die Idee, planlos mit Polenböllern und Kanonenschlägen um sich zu werfen. Aber Männer tun das. Vor laufender Überwachungskamera sprengten sie die Weihnachtsdekoration eines Kiosks hier um die Ecke – so dämlich muss man erst einmal sein -, sie traten Kellerfenster ein und lachten sich schlapp, während ihre Knaller zwischen Einmachgläsern explodierten. Den anschließenden Brand, den Löschzug und das starke Polizeiaufgebot fanden sie ganz sicher nicht mehr komisch.

Weil Vollidioten naturgemäß nicht nachdenken, hat Hudson jetzt ein Raketenproblem.
Weil Vollidioten naturgemäß nicht nachdenken, hat Hudson jetzt ein Raketenproblem.

Drive By Shooting aus dem C63 AMG

Natürlich waren es Männer beziehungsweise Typen, die sich dafür halten. Es waren die mit den wegtrainierten Hälsen, den strammen T-Shirts, den mit der Axt frisierten Undercuts und den goldenen Rolex, die lässig vor der A-Säule ihrer brüllenden Karren aus den Fahrerfenstern baumeln. Ein paar Tage vor dem 31.Dezember nahmen sie eine ältere Dame, meine Hunde und mich aus ihrem C63 AMG mit Kanonenschlägen unter Beschuss. Drei fette Böller warfen sie im Vorbeifahren aus ihrer tiefgelegten Flunder. Das war ohrenbetäubend und der Imageverlust für Mercedes mal wieder verheerend. Mono und Danny zuckten merklich zusammen, blieben aber recht ruhig. Hudsons zitterte. Mit gutem Zureden und einem großen Kecks hatte ich den Kleinen schnell wieder bei mir und wir konnten verhältnismäßig entspannt unsere Runde fortsetzten.

Ich verdaute meinen Schreck und während die Hunde schnüffelten, malte ich mir aus, wie der Böller in der Hand seines grenzdebilen Werfers zum Bumerang wird. In Zeitlupe! „Er zündet, wirft, aber verreißt seine Granate nur ein ganz kleines bisschen. Gleich einer gut angeschnittenen Billardkugel prallt das Geschoss von der Dachkante ab und landet elegant im Schoß ihres Absenders. Kawumm! Danach geht nur noch Falsett.

Mono die coole Socke. Egal wie laut und wild es Silvester wird, er pennt durch.
Mono die coole Socke. Egal wie laut und wild es Silvester wird, er pennt durch.

Bildungsferne Poser ohne Hirnaktivität

So etwas wünscht man noch nicht einmal dem bildungsfernsten Poser, doch ausmalen darf ich mir das sehr wohl. In Bunt. Ebenso wie ich mir vorstellte, wie zwei Jugendlichen langsam und schmerzhaft die Finger abfaulen. Denn noch am gleichen Tag hatten wir eine weitere Kollision mit Menschen männlichen Geschlechts, deren Testosteronspiegel offenbar längst jede Hirnaktivität zum Erliegen gebracht hatte.

Am Abends schnappte ich mir die Hunde für eine letzte kleine Runde. In unserer Straße kamen mir zwei milchbärtige Bubis entgegen. Der größere schaute mich direkt an, er hatte uns also gesehen. Ganz entspannt manövrierte ich drei Whippets um die zwei juvenilen Erscheinungsformen herum, als beide jeweils eine Rakete aus ihren Händen zündeten. Mono und Danny sprangen zurück, Hudson wurde panisch.

Rücksichtslose Dumpfbacken zündeten Raketen aus ihren Händen, als ich mit meinen Hunden genau auf ihrer Höhe war.
Rücksichtslose Dumpfbacken zündeten Raketen aus ihren Händen, als ich mit meinen Hunden genau auf ihrer Höhe war.

Dumm und dümmer

Die Tat an sich ist schon blöd genug. Die Rücksichtslosigkeit dieser beiden halbwüchsigen Dumpfbacken ist allerdings unübertroffen. Niemals werden sie verstehen, was sie angerichtet haben und in Zukunft vermutlich anrichten werden. Leider hätte es auch keinen Funken Sinn gemacht, diese jungen Männer zur Rede zu stellen, denn Argumente kämen nicht an. Sie sind aus dem Holz, das mir einfach so im Vorbeigehen androht, meine Hunde (Zitat) abzustechen.

Das war ein Tag – wohl gemerkt weit vor Silvester -, der mir jeden Spaß an der Knallerei endgültig genommen hat. Als unser Sohn klein war, sind wir nach Anbruch der Dunkelheit mit ihm Knallen gegangen. Ein kleiner Spaß für ein kleines Kind. So machen das viele Eltern auch heute und ich muss immer grinsen, wenn ich die Lütten mit den Knallfröschen sehe. Wunderbar. Ich freue mich, wenn Nachbarn ihre Raketen zünden und wilde Bilder an den Himmel malen. Dann stehe ich gerne mit der Kamera daneben. Ich habe auch nichts gegen perfekt inszenierte Events von Unternehmen, die wissen, was sie tun. Doch, Kanonenschläge, die Hände abreißen und Böller, die Hauseingänge in Schutt und Asche legen, gehören nicht in private Hände.

Stark genug fürs nächste Jahr

Und jetzt nur mal ganz kurz zu meinen Hunden. Mono und Danny schockt nichts. Aber den Kleinen habt ihr mir versaut. Das vergesse ich euch niemals vergessen. Nach diesem ereignisreichen Tag, nahm ich mir den Tip von Dr.Rückert zu Herzen und stellte uns eine kleine Flasche Eierlikör in den Kühlschrank. Hupsi? Schmeckt es denn? Klar, Hupsi nimmt alles. Doch der kleine Teelöffel Eierlikör dürfte kaum eine Wirkung gehabt haben. Zum Glück ist Hudson so stark, dass ihm am Silvesterabend enges Ankuscheln reichte, um das Pfeifen der Raketen ohne Zittern zu überstehen. Die lauten Böller stören ihn nämlich deutlich weniger, als die aus den einschlägigen Batterien abgeschossenen Pfffffffffftttt … Wuuumms. Er hat jetzt ein Raketenproblem. Danke dafür ihr Vollidioten!

Freie Autorin mit einem starken Hang zur Fotografie

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