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Der krumme Hund – Wenn die Wirbel spazieren gehen.


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Sie rempeln, knuffen und schubsen. Und das bei Höchstgeschwindigkeit. Mauselöcher und Maulwurfbauten, Senken, Hänge und Schotter durch- und überlaufen sie blind. Wenn sieben Whippets Vollgas gegen, dann kann schon mal ein krummer Hund dabei herauskommen.

Wenn es sich richtig lohnt

Hupsi war vollkommen entspannt. Er hatte seinen Kopf in meine Hände gelegt und hielt die Augen halb geschlossen. Die Physiotherapeutin hatte sich schon seinen Hals herab gearbeitet und war nun am Rutenansatz angekommen. „Das hat sich heute wirklich gelohnt!“, sagte sie grinsend. Stimmt, denn Hupsi kam im wahrsten Wortsinn als krummer Hund. Neben zwei verschobenen Halswirbeln, brachte sie entlang seiner Wirbelsäule so Einiges wieder in seine ursprüngliche Position. Sogar zwei Zehen sagten hörbar knack. Ich bin immer wieder erstaunt, was so ein Junghundskelett verpacken kann.

Whippets im vollen Lauf
In diesem Moment war Strecken noch ok. Kurz darauf nicht mehr.

Halsbrecherisch im Duett

Am Tag zuvor hatte er sich ein paar halsbrecherische Flitzattacken mit seiner Halbschwester Gianna gegönnt. Sie ist genau ein Jahr älter und deshalb erfahrener und wendiger als Hupsi. Das hält den kleinen Bruder jedoch nicht davon ab, sondern stachelt ihn vielmehr an, ihr zu folgen. Hupsi ist fit und blitzschnell für seine knappen neun Monate, doch wie schon beim letzten Knacks, konnte ich genau gesehen, was seine Wirbel aus der Bahn katapultierte.

An einem Hang trat der Zwerg unter Volllast in ein Loch. Er drosselte sofort sein Tempo, gab aber dann wieder Gas. Seine Augen sagten mir, dass ihm irgendetwas weh tat. Der rechte Hinterlauf wollte plötzlich nicht mehr so, wie Huspi wollte. Ich pfiff ihn also ran und schaute nach. Äußerlich war alles in Ordnung. Keine Schnittwunde – was ja durchaus hätte sein können -, kein offener Bruch. Alles gut. Doch Strecken und Kugeln ging nicht mehr.

Nur noch ein Sack Nüsse?

Ich habe das auch erst lernen müssen: Das Tempo und die Wucht mit der Whippets miteinander umgehen, ist quasi ein Garant für Verschiebungen. Wie bei uns Menschen bleiben bei starken Belastungen nicht alle Wirbel und Gelenke da, wo die Natur sie platziert hat. Als ich neulich im Dunkeln eine Treppe hinab lief und mich verschätzte, ging der Schlag vom rechten Fuß ohne Umwege in meinen Nacken. Nun stellt euch vor, wie ein Whippet mit rund 30 – wir sind ja keine Renner, die bis zu 55 Stundenkilometer in den Sand bolzen – in ein Loch tritt. Da haut es in einer Sekunde die Wirbel so durcheinander, dass das arme Tier in der Folge maximal einem Sack Nüsse ähnelt. Es rumpelt. Nichts läuft mehr rund.

Der krumme Hund - Wenn die Wirbel spazieren gehen.
Der Vollgashund. Hudson kennt nur 0 oder 1. Stehen oder Rennen. Dazwischen gibt es nichts.

Insbesondere heranwachsenden Irren tut ein regelmäßiger Check Up durch geschulte Hände gut. Denn sie kompensieren viel und lange. Die Muskeln gleichen aus und zack ist der Hund schief, ohne dass sich zunächst eine Erklärung finden lässt.

Hupsi ist ein Vollgashund. Deshalb blieb er nach der Physiotherapie zwei Tage an der Leine. Tony Gallagher empfiehlt, wie ich hörte, mindestens eine Woche. Anfang November haben wir den nächsten Termin und ich werde natürlich berichten.

Freie Autorin mit einem starken Hang zur Fotografie

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