Autor: Karla Schwede

  • Test: Love! Das Canon EF 50mm 1:1,2L USM

    Test: Love! Das Canon EF 50mm 1:1,2L USM

    Was für ein dicker Bucker! So staunte neulich beim Polo ein Hobbyfotograf angesichts meines Testobjektives. Umgangssprachlich bezeichnet das Wort Bucker hier in meiner Region einen großen Diamanten oder andere wertvolle Edelsteine. Mir gefiel der Spitzname, denn das Canon EF 50mm 1:1,2L USM verdient ihn sich redlich.

    Mit aller Leichtigkeit

    Canon EF 50mm 1:1,2L USM, Foto: Canon
    Das Schätzchen mit dem roten Ring: Das Canon EF 50mm 1:1,2L USM ist ein extrem lichtstarkes, schnelles Objektiv für alle Gelegenheiten. Foto: Canon

    Doch, redlich hört sich so bemüht an. Obwohl das Objektiv mit einem Filterdurchmesser von 72 mm tatsächlich ein zwar recht kurzes, aber dennoch dickes Ding ist, sollte es leichthin oder spielerisch heißen. Denn mühsam sieht anders aus. Die 50mm Festbrennweite geht widerspruchslos jeden Weg mit. Gutes Licht? Prima! Schlechtes bis katastrophales Licht? Wo ist das Problem? Es gibt kein Problem! Man stelle sich vor, dieses Objektiv lässt das Licht fast 1:1 durch. Es würde Bilder in der tiefsten Grotte von Lanzarote erlauben, da, wo diese fiesen, stockblinden Krebse leben. Ich kann mich gut an sie erinnern und hatte Albträume, nachdem ich sie in Frank Schätzings „Der Schwarm“ so packend beschrieben wieder fand.

    Also besser weg von den Krebsen, hin zu Dingen, die das Auge erfreuen. Ich habe wohl schon oft genug darauf hingewiesen, dass lichtstarke Festbrennweiten in ihrer Abbildungsschärfe nicht zu schlagen sind. Das 50mm 1:1,2L reiht sich nahtlos in diese Riege ein. Die Schärfe der Bilder ist großartig und mit seiner einzigartigen Lichtstärke lässt sich sehr viel anstellen. Sein Bokeh bei Offenblende ist ohne weiteres mit dem genialen 135er vergleichbar.

    Allerdings muss ich gestehen, dass ich mit Blende 1:1,2 nicht viel gemacht habe. Denn um mit ihr im Nahbereich den perfekten Schärfepunkt zu erwischen, braucht es fast Laborbedingungen. Da ich jedoch zu 99 Prozent draußen fotografiere und meine Motive sich zudem meist bewegen – und wenn sie nur atmen -, werde ich mit Blende 1,2 in der Regel gar nichts. Ich kann also Aussagen über Unschärfen bei größter Offenblende weder dementieren noch bestätigen. Aber ich habe ab Blende 2,2 bis 16 so ziemlich alles dabei und bin mit allen Ergebnissen sehr zufrieden.

    Licht ist nur durch mehr Licht zu ersetzen

    Extrem viel Licht lässt ja bekanntermaßen sehr kleine Blenden zu, also in der Folge sehr viel Detailtiefe. Die brauche ich z.B. beim Ballett oder auch, wenn ich unsere Testwagen fotografiere. Mit dem 50er 1:1,2L muss ich nicht mit hohen ISO-Zahlen hantieren oder die Belichtungszeiten rauf schrauben. Ich komme also gar nicht in die Situation, in der ich mich über ein lästiges Rauschen ärgern muss. Allein das Bühnenlicht im Aalto Theater zwang mich zeitweilig auf ISO 400. Aber das ist Pillepalle. Alle anderen Fotos in diesem Artikel habe ich mit ISO 100 gemacht.

     

    Eine schneller Leisetreterin – das Canon EF 50mm 1:1,2L USM

    In unserem Technikregal liegt nach wie vor das gute alte 50mm 1:1,8. Für damals und heute 100 Euro war und ist es das günstigste Objektiv, dass ich jemals in den Händen hatte. Seine Abbildung ist top, doch es ist langsam. Pffffuut, pffuuut.. manchmal hat es mich wahnsinnig gemacht. Mittlerweile geht es eindeutig an meinem Bedarf vorbei. Aber seine neue große, noch stärkere Schwester ist extrem schnell und fast lautlos. Das hat große Vorteile. Denn es gibt ausreichend Situationen, in denen der Fotograf möglichst unsichtbar und auch unhörbar sein sollte. Wie bei einer Ballettprobe z.B. oder in einem Klassenraum.

    Die Brennweite von 50 Millimetern passt zudem in fast jede alltägliche Situationen. Für Portraits ist das 50mm 1:1,2L in meinen Augen perfekt. Ich stehe nicht zu weit weg, aber auch nicht indiskret nahe dran. Außerdem gibt es nicht den Hauch einer Verzerrung. In die Streetfotografie ist das Objektiv ebenso geeignet, wie für Landschaften, wenn man kein ausgesprochener Weitwinkelfreak ist. Ich habe es zudem für Rollendes jeder Couleur genutzt. Ob Nahaufnahme oder Mitzieher bei hohem Tempo – die Linse bringt ausnahmslos perfekte Ergebnisse.

    Es muss nicht immer das dicke Vollformat sein

    Ich gebe zu bedenken, dass ich alle Fotos mit der 5Ds R gemacht habe, die deutlich mehr Spielereien erlaubt, als zum Beispiel eine Crop-Kamera aus dem Hobby-Bereich. Aber die Lichtstärke und Qualität des 50mm 1:1,2L macht dieses Objektiv quasi zu einem Must-Have für alle, die ein Allroundobjektiv suchen. Denn es gleicht spielerisch eventuelle ISO-Empfindlichkeiten einer Kamera aus und erleichtert das Fotografieren in Lowlight-Situationen ganz enorm. Es sagt schließlich niemand, dass ein Objektiv nicht mehr kosten darf, als die Kamera auf der es steckt. Fotografie ist das Spielen mit dem Licht. Und Licht liefert diese Linse im Übermaß.

    Keyfacts zum Canon EF 50mm 1:1,2L USM :

    Typ – Festbrennweite Canon L-Serie
    Zielgruppe – Profis / ambitionierte Amateure
    Best for – Portrait / Streettfotografie / Landschaft und vieles mehr
    Gewicht– 580 Gramm
    Lichtstärke – 1:1,2
    Bildwinkel diagonal – 40, 27, 46  Grad
    kleinste Blende
     – 16
    Naheinstellgrenze – 45 cm
    AF-Motor – Ring-USM
    Optischer Aufbau – 8 / 6
    Best with – alle Spiegelreflexkameras

    My two cent – ein tolles Allroundobjektiv 

    Preis: rund 1.400 Euro

  • Mitzieher – Wie, was, warum?

    Mitzieher – Wie, was, warum?

    Was ist jetzt genau nochmal ein Mitzieher? Die Frage kam auf, als ich eines der folgenden Fotos am Montag bei Facebook gepostet hatte. Ich würde die Antwort sehr locker formulieren, denn eine Schublade gibt es nicht: Zu allererst beschreibt Mitziehen eine fotografische Technik, bei der der Fotograf einem sich mehr oder weniger schnell an ihm vorbei bewegenden Objekt mit der Kamera folgt und im richtigen Moment den Auslöser drückt. So entstehen Bewegungsunschärfen, die in dem zweidimensionalen Medium Fotografie Geschwindigkeit abbilden bzw. sie für das Auge des Betrachters auf oft eindrucksvolle Weise simulieren.

    Saluki auf dem Coursing Parcour
    Saluki auf dem Coursing Parcour , 1/60 sek., ISO 100, f/9, alle hier gezeigten Fotos habe ich am letzten Sonntag mit der Canon EOS 1D X Mark II und dem Canon EF 70-200mm 1:2,8L IS II USM gemacht.

    Lang, länger, so lange es geht

    Wie das Ergebnis auszusehen hat, kann jeder für sich selbst definieren. Ich kenne großartige Mitzieher aus dem Motorsport, die komplett unscharf und gerade deshalb extrem dynamisch und sehr malerisch sind. Dann gibt es solche, die nur ein bisschen mit der Bewegungsunschärfe spielen und tausend weitere Variationen. Wie und wobei man diese Technik einsetzt, ist vollkommen egal. Je nach dem wie groß das Objekt ist und wie schnell es sich bewegt, kann die Belichtungszeit lang bis sehr lang sein. Wobei die Definition von lang auf dem individuellen Empfinden und natürlich der Erfahrung mit dieser Technik beruht.

    Aber sie muss lang sein. Denn kurze Belichtungszeiten, je nach Objekt bis zu 1/200 sek., frieren eine Bewegung ein. Dann sieht z.B. ein Auto so aus, als würde es auf einer Straße stehen und nicht fahren, weil die Rotation der Räder nicht zum Ausdruck kommt. Wähle ich für die gleiche Szene 1/60 sek. oder 1/40 sek., dann ist der Korpus des vorbeifahrenden Autos scharf, aber die sich schnell drehenden Räder und natürlich der Hintergrund unscharf. So muss das sein. So visualisiert sich die Dynamik eines fahren Autos. Simpel aber sehr wirkungsvoll.

    Zwei Whippets auf dem Coursing Parcour
    Zwei Whippets auf dem Coursing Parcour – 1/60 sek., ISO 100, f/9

    Mitzieher bestehen aus Übung und Erfahrung

    Die Fotografie braucht Übung. Übung fürs Auge, Übung an der Technik. Von Null auf Hundert klappt nichts. Aber ich meine, dass ein Mitzieher an sich besonders viel Übung braucht. Denn er entsteht aus einer Summe von Erfahrungen. Wie schnell ist das Motiv? Wie bewegt es sich an mir vorbei? Welche Belichtungszeit passt zum Tempo und zum Motiv? Welche Brennweite nutze ich? Geht das ohne Stativ? Ich habe nur ein einziges Mal im meinem Leben outdoor mit einem Stativ fotografiert. Gezwungenermaßen, weil ich ein 400er 1:2,8L einfach nicht halten kann. (Stative behindern mich. Außerdem sind sie nutzlos, wenn ich mich sowieso am Boden bewege.)

    Eine Faustregel sagt: Die Belichtungszeit darf höchstens gleich der Brennweite sein. Also, fotografiere ich mit 200mm sollte ich 1/200 sek. nicht überschreiten, sonst wird die Chose unscharf. Das ist eine gute Orientierung, wenn es um eingefrorene Fotos geht. Paddy Ludolf schreibt in einem Artikel von 2010 dazu: „Ein ausgebildeter Scharfschütze wird längere Belichtungszeiten ohne Verwackeln halten können.

    Das sehe ich anders und in Bezug auf Mitzieher gilt die Regel meines Erachtens überhaupt nicht. Zumindest für mich nicht. Ich fotografiere endlos und über Stunden mit 300mm 1:2,8 bei 1/80 bis zu einer 1/60 sek. aus der Hand. Je nach Tempo und Berechenbarkeit des Motivs wird es darüber allerdings zunehmend haariger. Besonders wenn die Arme schon müde sind. Ganz wichtig hierbei ist übrigens, den Bildstabilisator am Objektiv auszuschalten, denn er arbeitet genau gegen die Effekte, die ein Mitzieher haben soll.

    Scharfschützenarbeit?

    Ich habe an der Rennbahn schon mehrfach mit 200mm verschieden lange Belichtungszeiten (1/60 sek. – 1/40 sek.) ausprobiert und hinterher genau sehen können, was noch geht und was nicht mehr. Hierbei ist natürlich das Tempo der Hunde im Verhältnis zu ihrer Größe von ganz wesentlicher Bedeutung. Je größer die Hunde, desto größer sind ihre Bewegungen. Je größer die Bewegung, desto länger kann ich belichten. Logisch, oder? Doch manche großen Hunde, wie die Greyhounds, sind dabei schneller, als die kleinen Hunde mit ihren kleineren und deshalb in sich schnelleren Bewegungen. Tricky! Denn dann muss ich trotz der größeren Bewegungen doch eine marginal kürzere Belichtungszeit wählen. Also anstelle von 1/60 mit knirschenden Zähnen 1/80 sek.

    Auto sind in sich statische Motive, die von A nach B fahren. Von ihnen einen Mitzieher zu machen, ist recht einfach. Hunde hingegen bewegen beim Laufen ihre Köpfe schnell auf und ab, so dass der „Schärfepunkt Kopf“ tatsächlich Scharfschützenarbeit ist, um bei Paddy zu bleiben.

    Doch wer sagt mir denn, dass unbedingt der Kopf scharf sein muss? Natürlich sieht das cool aus und wird allgemein gerne gesehen. Ein knackenscharfer Ausdruck in den Augen des Hundes während er mit 50 km/h über die Bahn donnert, ist ein genialer Kontrast zu einem wild wirbelnden Körper.

    Aber muss das immer sein? Vielleicht mag ich es, wenn sich das Tier in seiner Bewegung komplett auflöst, wenn nur eine Pfote oder ein Muskel scharf ist? Schließlich sind diese Fotos keine Portraits. Ihr Thema ist die Geschwindigkeit selbst. Das Individuum Hund tritt dabei vollkommen in den Hintergrund. Und wenn ich es mal wieder auf die Spitze treibe, kommen manchmal Foto dabei heraus, mit denen ich nicht gerechnet habe, die ich – ich ganz allein – großartig finde und die mich zu mehr anstacheln.

    Saluki auf dem Coursing Feld
    Out of the camera: Ich habe die Kontraste etwas erhöht und fertig. Ich mag die Details sehr. 1/60 sek., ISO 100, f/5,6

    No filters please!

    Denn mir geht es um das Experiment mit dem Medium Fotografie selbst. Ich frage nicht: Wie bearbeite ich ein Foto nach? Welche Filter kann ich später nutzen? Und am wenigsten: Was könnte einem Publikum gefallen. Interessiert mich nicht die Bohne. (Es sei denn ich erfülle einen Auftrag. Dann hat es mich selbstredend zu interessieren.) Meine Frage ist: Was kann ich mit einer Kamera und einem Objektiv machen? Was kann die Fotografie? Ich will sie selbst verstehen und nicht das ganze Gedöns, das ich ihr nachträglich überstülpen könnte.

    Natürlich mag ich die Fotografie, weil sie einen kleinen Moment unserer Wirklichkeit 1:1 festhalten kann. In aller Schärfe und nicht selten in aller Brutalität. So nutze ich sie auch gerne und oft. Doch die Schärfe darf nicht zum Selbstzweck werden. Denn dann ist ein Foto nicht mehr als eine technokratische Spielerei, deren Motiv austauschbar ist. Schärfen und Unschärfen müssen dem Inhalt eines Bildes bzw. der Bildidee dienen und nicht umgekehrt.

  • Die Selbsthilfegruppe „Genitals Exposed“ stellt sich vor

    Die Selbsthilfegruppe „Genitals Exposed“ stellt sich vor

    Du bist nicht allein! Das beruhigt mich. Aber warum spricht genau jetzt Roy Black zu mir? Schlager seiner Kategorie verachte ich seit meiner Kindheit, doch heute passt nichts besser als seine samtene Stimme. Offenbar hat ihn mein Unterbewusstsein gegen meinen Willen gespeichert und tief verankert. Nun muss ich zugeben, dass er doch zu etwas gut war, denn wir alle sind nicht allein. Ganz im Gegenteil. Wir sind eine große Gruppe von staunenden aber willfährigen Sklaven einer ganz besonderen Spezies. Wir sind die Selbsthilfegruppe „Genitals Exposed“.

    Schutz und Rettung in der Community

    Oft geht mir Facebook auf den Keks. Zuviel Dummheit und Hass regieren die aktuellen Themen. Doch manchmal wachsen auf diesem weltumspannenden Nährboden wunderschöne Perlen, die nicht nur Glanz in die dunkle Hütte bringen, sondern auch Menschen mit gleichen Schicksalen zusammenführen. Menschen, die eine Community suchen, in der sie und ihre Probleme verstanden werden. In einer virtuellen Selbsthilfegruppe spricht man sich Trost, Lob und Verständnis zu.

    Letzteres haben wir hier und heute auch bitter nötig, denn wir sind einer Bande von Faulenzern aufgesessen, die sich im wahrsten Wortsinn bei uns breit gemacht hat. Zumindest so breit, wie sich körperlich schmale Whippets und andere Windhunde machen können. Die sind übrigens zeitweise breiter bzw. länger, als der geneigte Windhund-Laie denken mag. Besonders, wenn man ihnen vom Leichtsinn umjubelt des Nachts das eigenen Bett freigibt.

    Danny kerntentspannt
    Danny in entspannter Schlafposition auf einer recht hochpreisigen Pelzdecke, die ursprünglich, also nur ganz kurz, ausschließlich seinen menschlichen Bediensteten vorbehalten war.

    „Genitals Exposed“ – Wie fand sich die Gruppe?

    Aber wie kommt auf einer monströsen Plattform wie Facebook eine Community zusammen, die zugegebenermaßen ein für die Allgemeinheit verschwindend kleines Nischenproblem hat? Wie finden sich Leidensgenossen, die sich zu achtzig Prozent noch nie persönlich über den Weg gelaufen sind. Es braucht einen oder eine, der/die sich outet. So wie ich gestern. Ich postete ein Foto von unserem nunmehr drei Jahre alten Whippet Rüden Danny. Er hatte sich wie so oft auf unserer schwarzen Pelzdecke – die ursprünglich nicht für die Hunde angeschafft wurde – niedergelassen und frönte einem traumreichen aber tiefenentspannten Mittagsschlaf. Zehn Jahre lang war ich sicher, dass sich nur die Rüden dieser generell recht durchtriebenen Spezies derart entblößen und ihre primären Geschlechtsmerkmale aus purer Angabe zur Schau stellen. Jungs eben, hüben wie drüben.

    Doch kurz nachdem ich das Foto veröffentlicht hatte, kamt ihr, die nun auf ewig bestehende Gruppe „Genitals Exposed“, aus allen Ecken der Nation und über die Nation hinaus. Die Windhund-Community und ihre Peripherie gaben mir im Geiste von Roy Black zu verstehen: Du bist nicht allein! Wir hier und überall schauen genau wie du Tag ein Tag aus auf die intimsten Teile unserer Hunde, die sich keineswegs schämen, sondern ihre für uns Menschen provokante Lässigkeit zur Not auch jedem Hausgast zur Schau stellen. Rüden und Hündinnen gleichermaßen. Whippet, Podi, Wolfshund, Greyhound, Terrier und Ridgeback.

    Kann man das nüchtern betrachten?

    Ungeachtet aller menschlichen Scham, sollten wir versuchen, dieses Phänomen nüchtern zu betrachten. Hunde, wie alle anderen Tiere, kennen kein Schamgefühl im menschlichen Sinne. Ihnen wurde nicht beigebracht, sich zu bedecken. Sie tragen keine Kleidung. Nun ja, Whippets und Greyhounds, Sloughis und Podis vielleicht, wenn es regnet. Dann kommen die Weicheier-Gene raus. Nein, ich will jetzt kein plattes Wortspiel einflechten! Das heißt diese Tiere schlafen, wie es ihnen am bequemsten ist. Murmeln exposed oder auch nicht. Vollkommen wurscht.

    Schlafen sie zudem so, wie auf den vielen Fotos der Selbsthilfegruppe zu sehen, dann fühlen sie sich sicher. Sie entblößen ihre verletzlichsten Körperteile in der Gewissheit, dass ihnen hier und jetzt kein Unheil widerfahren kann. Schon Welpen (oben in der Galerie) zeigen diesen Rückenschlaf, der ganz offensichtliches großes Wohlbefinden ausdrückt. Mono kann das auch recht gut und versprüht dabei oft die Arroganz des Wissenden. Was er dann genau weiß, ist mir nie ganz klar. Aber er wird es wissen.

    Mit samtener Stimme

    Ich war und bin so begeistert von der Resonanz auf Dannys, seinen Charakter so vorzüglich beschreibende Harlekin-Hoden, dass ich gar nicht weiß, wie ich euch danken soll. Ich verneige mich hiermit und rufe euch im Sinne des seligen Roy Black zu: „My darling, du bist nicht allein! Komm und träume mit mir!“

    Das Titelfoto ist von Gesine Knopf. Ich habe es ausgwählt, weil die Katze auf dem Sloughi einen Blick hat, als käme sie direkt aus der Hölle. 

  • 17 Ziele – Die nächste Runde des Canon Young People Programms in Köln

    17 Ziele – Die nächste Runde des Canon Young People Programms in Köln

    Am vergangenen Donnerstag ging es in die zweite Runde. Nachdem in der letzten Woche der Fotograf Daniel Etter die Schüler des Kölner Hölderlin-Gynasiums ausführlich gebrieft hatte, konnten sie fast eine Woche lang an ihren Ideen arbeiten.

    Ich war sehr gespannt, wie sie die 17 Ziele der UN in Bilder umsetzen bzw. wie sie sie interpretieren würden. Das war eine große, ganz sicher nicht zu unterschätzende Aufgabe, aber die 15 Schüler sind ganz offensichtlich mit viel Selbstbewusstsein, viel Energie und vor allem mit vielen guten Ideen losgezogen. Denn die Ergebnisse können sich durch die Bank weg sehen lassen. Sowohl technisch, als auch inhaltlich.

    Ein bisschen aus dem echten Leben

    Doch bevor alle gemeinsam mit der Canon-Crew an die Vorauswahl der besten Fotos jedes Einzelnen gingen, war ich eingeladen, ein paar Worte zu sagen.

    Ich sprach über das Bloggen an sich, über meine Anfänge, über meine tägliche Arbeit, über das Schreiben und natürlich über die Fotografie. Mir war es besonders wichtig, den Schülern klar zu machen, dass die Qualität, sowohl in textlicher als auch fotografischer Hinsicht, immer vor der Quantität stehen muss. Man muss Spaß und großes Interesse an dem haben, worüber man schreibt bzw. was man fotografiert. Leidenschaft, Begeisterung und der Wille, jeden Tag dazu zu lernen bilden die Basis für die Glaubwürdigkeit in Wort und Bild. Nur so kommt man voran.

    Ans Eingemachte

    Danach ging es aber endlich ans Eingemachte. Mit Unterstützung der Canon-Experten wählten die Schüler aus den Fotoserien, die sie in der letzten Woche geschossen hatten die jeweils drei bis vier besten Bilder aus. Ich war beeindruckt, wie zielstrebig und mutig sie sich an die bildnerische Umsetzung der 17 Nachhaltigkeitsziele der UN (SDGs) gemacht haben. Hierbei wurde deutlich, dass das Schicksal der Flüchtlinge, die aus der ganzen Welt zu uns kommen und die Armut vieler Menschen den Schülern besonders nahe geht. Auch für die Gleichberechtigung der Geschlechter und den Klimaschutz sind sie bereits stark sensibilisiert.

    Für ihre Fotos haben sie in den wenigen Tagen viel in Bewegung gesetzt, viele Menschen kennengelernt und mit neuen Augen betrachtet. Das allein macht den Workshop schon zum Erfolg.

    Die Sieger

    Zum Schluss war es nicht leicht, die besten und stärksten Bilder herauszusuchen. Denn jedes einzelnen hat sein besondere Qualität und Aussage.

    Die Ehrung der Sieger und die Vergabe der Preise findet heute Abend im Hölderlin Gymnasium in Köln-Mühlheim statt. Die Gewinner erhalten jeweils eine Canon Kamera, damit sie genau dort weiter machen können, wo sie mit diesem Projekt angefangen haben. Denn wie formulierte es Shakira gestern so leidenschaftlich in ihrer Rede beim Global Citizen Festival in Hamburg: „One voice becomes many and many become masses.“

    Herzlichen Glückwunsch auch von mir an die Gewinner. Macht weiter so!

  • Die verkehrte Welt – Als Bonzo ins Wachkoma fiel

    Die verkehrte Welt – Als Bonzo ins Wachkoma fiel

    Am frühen Morgen des 4.Juli 2017 biegen Mono, Danny und ich strammen Schrittes um eine dicht beheckte Kurve. Wir ziehen hart die Bremse, als uns hinter dieser Kurve ein kleiner, dicker, schwarzer Terriermischling den Weg versperrt.

    Er holt tief Luft und fängt an zu kläffen, als hinge sein Leben davon ab. Wir bleiben sehr gesittet stehen. Das können wir gut. Etwa zehn Meter hinter ihm hält ein Ömchen den Griff einer Flexileine so fest, wie sie es mit ihrem schlimmen Tatterich noch kann. „Oooooh, die beiden Hübschen möchten meinen Bonzo bestimmt kennenlernen!“ „Ooooh!“ antwortete ich freundlich, „Ich glaube eher nicht!“

    Mono und Danny unterwegs
    Ich habe lange überlegt, welche Fotos zu diesem Text passen könnten.

    Er ist ein ganz Sensibler!

    „Ja, wenn ihre Hunde böse sind! Bonzo merkt das sofort. Deshalb bellt er ja.“ „Ach so, …. Ja dann!“ Ich habe keine Lust auf absurde Diskussionen und versuche vorsichtig, meine beiden Whippets an Bonzos Zähnen vorbei zu manövrieren. Doch er nutzt seinen zehn Meter Flexi-Spielraum geschickt aus, hält erst Abstand und versucht dann, von hinten heranschießend seine marode Kauleiste in Dannys Hintern zu vergraben. Ich drehe mich um und fauche: „Hau ab, Bonzo!“ Wie mit einer Schere abgeschnitten ist Schluss. Das schmerzhaft metallische Bellen verstummt schlagartig. Der kleine, fette Bonzo ist still, steht dort, wie vom Blitz getroffen und glotzt mich an. Der fällt gleich ins Koma, denke ich. Mono steht kernentspannt hinter mir, Danny trippelt. Der Zwerg ist ob der Attacke offenbar beleidigt und fordert Genugtuung. „Jetzt nehmen sie doch ihre bösen Hunde weg! Sie sehen doch, dass Bonzo ein ganz sensibler ist!“

    Danny ist beleidigt
    Danny ist beleidigt und fordert Genugtuung.

    Kennt ihr dieses Gefühl? Es ist eine Mischung aus Fassungslosigkeit, Resignation, Hilflosigkeit und der Gewissheit, dass nichts und niemand auf dieser Welt diese vollkommen irreale Szene auflösen und zum Guten wenden wird. Ich atme ein, um etwas zu sagen, drehe mich aber dann wortlos weg. Wer wird denn mit einem Ömchen diskutieren, dessen vermutlich einzig noch auf dieser Erde wandelnde Begleiter ein keifender, hinterhältiger, vollfetter Terrier ist. Sie wird ihn innig lieben, verwöhnen – ganz sicher verwöhnen, sonst sähe er nicht so aus -, sie wird mit ihm sprechen, so wie ich es mit meinen Hunden auch oft tue. Hier und heute werde ich ganz sicher nicht die verbale Keule rausholen.

    Die Ewigkeit auf einer Brüsseler Stickerei

    „Schreien sie meinen Bonzo nicht an!“ Das Ömchen echauffiert sich plötzlich. „Hören sie gute Frau! Erstens habe ich nicht geschrien, sondern ihren Bonzo nur scharf angesprochen. Zweitens, rollen sie jetzt bitte mal die Flexi ein, damit wir ungehindert vorbeigehen können und nicht auf die Straße ausweichen müssen. Bitte!“ Ich bin fast noch ruhiger als Mono. „Mein Bonzo ist so ein Lieber. Sie haben ihn erschreckt!“ „Ja, das hat ja auch gewirkt. Er bellt nicht mehr.“ Ich registriere meinen ironischen Unterton und beschließe, dass er angemessen ist. Bonzo steht nach wie vor stocksteif glotzend auf dem Weg. Ob so ein Wachkoma aussieht, frage ich mich.

    Danny wälzt sich
    Danny wälzt sich

    Gleichzeitig versuche ich, Monos mittlerweile flehenden Blick zu deuten und spiele flott ein paar Varianten durch. Darf ich den Rüpel kurz einnorden? Nein! Können wir weitergehen? Ja, gleich! Hast du einen Keks? Ja, hier nimm! Und Danny auch. Denn ein Keks zwischen den Zähnen des Streifentiers wirkt Wunder. Ich vergesse kurz, dass es aktuell zu fett ist und die Diät endlich erste Früchte trägt. Aber ein Terrier im Wachkoma ist eine Ausnahmeerscheinung. Während ich großzügig Frühstückskekse verteile, halte ich Bonzo im Auge. Wer weiß, wann er und seine Zähne wieder aufwachen. Doch er steht dort wie ein ausgestopftes Double seiner selbst. Das ist deine Zukunft, Bonzo! Wenn du ins Gras beißt, dann lässt dich dein Frauchen ausstopfen. Dein fettes Bäuchlein wird bis in alle Ewigkeit eine Brüsseler Spitze beschweren. Denn das Duo ist keinesfalls von niederer Herkunft, mutmaße ich.

    Schön alt

    Das Ömchen ist elegant und teuer gekleidet. Die Frisur sitzt perfekt und ihr Schmuck weist auf mehr als nur bescheidenen Wohlstand hin. Sie ist eine feine, aber in Bezug auf ihren Hund offenbar vollkommen verpeilte Dame. Unternehmergattin, denke ich. Gebildet, denke ich. Gebürtig aus reichem Hause vielleicht. Verlegerin, Juristin, Wissenschaftlerin? Einstmals eine Schönheit, denke ich, als ich sie mir genauer betrachte. Kein lächerliches Lifting verzerrt ihre edlen Züge. Ihre Nase ist fein und schmal. Sie ist auf eine wunderschöne Weise ehrlich alt.

    Ein Whippet wälzt sich
    Mono auf dem Rücken. Als er wieder aufstand, stank er infernalisch.

    Ich will mit dieser Frau keinen Streit und ärgere mich zutiefst, dass ich keine Kamera dabei habe. Diese Dame und ihr Bonzo mit einem Weitwinkel, vorne ein bisschen aufgeblitzt? Das wäre ein grandioses Fotos. Aber heute soll es einfach nicht sein. Wir lösen uns voneinander. Ich gehe mit Mono und Danny endlich weiter. Auf dem Weg nach Hause überkommt mich eine merkwürdige Sentimentalität. Wie werde ich sein, wenn ich mein achtzigstes Lebensjahr erreicht habe? Wenn ich es überhaupt erreiche. Werde ich nach wie vor ein paar nette Whippets um mich haben, die mir warme Kissen und liebenswerte Begleiter sind? Das hoffe ich doch schwer. Und vielleicht wird sich noch ein Greyhound dazu gesellen. Irgendwann.

  • 5Ds R oder 1D X Mark II ? Blöde Frage? Jain!

    5Ds R oder 1D X Mark II ? Blöde Frage? Jain!

    Kann ich fehlende Brennweite durch extrem hohe Auflösung ausgleichen? Macht es Sinn, den Sportboliden Canon EOS 1D X Mark II mit einer Megapixelbombe namens Canon EOS 5Ds R zu vergleichen? Viele werden spontan nein sagen. Ich tue es aber trotzdem. Denn es gibt durchaus Action geladenen Situationen, in denen beide gleichermaßen ihre Features perfekt ausspielen können und dabei die jeweils andere in den Schatten stellen.

    Den Schatten an sich habe ich sehr bewusst überleitend genutzt, denn ich zeige hier nur schwarz-weiß Fotos. Erstens tut die Farbe nichts zur Sache und zweitens mag ich die Monochromen sehr. Wie sich in diesem Zusammenhang die Mähr halten konnte, das schlechte Farbfotos in schwarz-weiß besser werden, bleibt mir verschlossen. Gerade die Schwarz-Weißen müssen perfekt sitzen, denn es gibt kein buntes Trallala, das vom Sujet ablenkt. Es gibt Hell und Dunkel, Licht und Schatten und fertig. (Ein paar von den farbigen Versionen gibt es bei 1300ccm.de)

    Was sitzt, das sitzt

    Die Definition von Sitzen ist hier natürlich eine sehr subjektive. Aber gehen wir zunächst von dem landläufigen Sitzen aus: Ich habe ein gestochen scharfes Foto von einem Pferd und seinem Reiter im vollen Lauf. 1/1000, der Autofokus der Mark II packt wie Kleister und ich verfolge den Reiter mit 14 Bildern in der Sekunde. Die kurzen Belichtungszeiten (unten und oben in den Galerien) habe ich mit dem 200er 1:2,0 gemacht, das schnell genug für diesen Zweck ist und mir zudem ein göttliche Abbildungsschärfe liefert.

    Brennweite versus Auflösung

    Die Mark II hält extrem kleinschrittig jede Bewegungssequenz bombensicher fest. Aber! Im speziellen Fall Polo gibt es ein großes Aber. Ein Poloplatz ist so groß wie vier Fußballfelder. Ganz anders als bei den Windhunden habe ich hier mehr Raum, als mir lieb ist. In der letzten Saison habe ich dort, also beim Polo, u.a. mit einer 400er Festbrennweite fotografiert. Doch, wie ich es mache, ich mache es falsch. Denn mit 400 Millimetern kriege ich zwar die Action auf der gegenüber liegenden Seite des Platzes, aber nicht die, die ganz nahe bei mir abläuft. Nehme ich ein 200er, wie oben, habe ich die Action im Mittelfeld, aber nicht die auf der anderen Seite und auch nicht die nahe bei mir. Die 1D X Mark II hat 20,2 Megapixel. Ich könnte die Fotos also zur Not stark beschneiden, doch das Gelbe von Ei ist diese Lösung auch nicht. Also, was tun?

    Azawakhs beim Start aus der Box
    Ein paar Versuche an der Startbox – mit der Canon EOS 5Ds R und dem Canon EF 50mm 1:1,2L USM

    Pfiffig oder Holzweg?

    Eigentlich müsste ich zwischen Pest und Cholera wählen. Nehme ich die lange oder die kürzere Brennweite? Ich kann ohnehin nicht voraussehen, wie sich das Spiel entwickeln wird und noch weniger wohin sich die Spieler samt ihrer Pferde bewegen werden. Deshalb setze ich mittlerweile aufs Warten. Ich warte, bis das Spiel zu meiner Linse passt. Und, zeitgleich setze auf die mords Auflösung der Canon EOS 5Ds R. Denn was mir in manchen Momenten an Brennweite fehlt, holen mir 50,6 Megapixel wieder rein. Ich kann in der Nachbearbeitung extreme Ausschnitte machen, ohne einen nennenswerten Qualitätsverlust zu haben. Pfiffig oder Holzweg? (In der Galerie habe ich die Pixelzahl ausgewiesen, auf die ich die Foto beschnitten habe.)

    Luft Anhalten für Detailtiefe

    Die Frage ist nicht eindeutig zu beantworten. Sitzt ein Mitzieher aus der 5Ds R, dann sitzt er wirklich. Die Detailtiefe ist großartig, egal wie stark ich beschneide. Das ist schon sehr beeindruckend. Allerdings ist die 5Ds R naturgegeben deutlich langsamer als die Mark II. Immerhin schafft sie vier bis fünf große RAWs in der Sekunde. Das ist, mit Bedacht eingesetzt, genug. Doch ihre gigantische Auflösung macht sie anfällig für Unschärfen. Deshalb habe ich für sie mit dem 70-200er 1:2,8L ein leichtes / leichteres Objektiv gewählt, das ich lange ruhig halten kann. Mit Luft Anhalten ist 1/40 sek. dann kein Problem.

    5Ds R oder 1D X Mark II ? Es gibt keine Wahl.

    Für die kurzen Belichtungszeiten, also für eine Situation in der mir ein Pferd oder ein Hund oder ein Auto mit hohem Tempo frontal entgegenkommt, ist die 5Ds R ungeeignet. Dafür ist sie eindeutig zu langsam. Meine geliebten Mitzieher, bei denen ich maximal 2 oder 3 Mal den Auslöser drücke, legt sie perfekt hin. Das allerdings nur, wenn ich genug Abstand habe. Also wenn ich mir ein recht großes Motiv – ein Pferd oder ein Auto – ganz in Ruhe zurechtlegen und langsam mitziehen kann.

    Windhunde auf der Bahn wiederum sind wie Formel 1 Wagen in einer Suppenschüssel. Dort gibt es kleine Körper in extrem schneller Bewegung auf sehr engem Raum. Das packt die 5Ds R nicht mehr. Sie löst ein Mal aus, dann sind die Hunde weg. Doch das kann man dieser Kamera nicht zum Vorwurf machen, denn dafür ist sie nicht gemacht. Hier braucht es in der Tat die hohe Bildrate der 1D X Mark II damit überhaupt brauchbare Bilder entstehen. 200mm Brennweite sind dort ideal für formatfüllende Bilder. Für die ganz langen Belichtungszeiten, bei den Greyhounds etwa 1/60 sek., ist das 70-200er 1:2,8L ideal.

    Düsseldorfer High Goal Cup 2017
    Canon EOS 5Ds R, Canon EF 70-200mm 1:2,8L IS II USM – beschnitten von 8688 Pixel auf 6764

    Die Canon EOS 5Ds R ist ganz sicher keine Sportkamera, das heißt aber nicht, dass man sich sklavisch an ihren Beipackzettel halten muss. Sie kann noch mehr, als ich ihr ohnehin schon zugetraut habe, und das ist doch wohl eine gute Erkenntnis. Der Canon EOS 1D X Mark II bleibt der Highspeedsektor vorbehalten. Dort gehört sie hin und dort soll sich auch austoben. Eine echte Wahl zwischen den beiden gibt es nicht. Sie sind einfach zu unterschiedlich. Aber in speziellen Fällen, so wie hier beim Polo, kommen beide auf ihre Weise richtig groß raus.

  • 17 Ziele – Canon und die UN fördern das Auge der Jugend

    17 Ziele – Canon und die UN fördern das Auge der Jugend

    Im Rahmen der „Canon Young People Programme“ findet in diesen Tagen ein Workshop statt, der 15 Kölner Schülern die Reportagefotografie näher bringen möchte. Mit dem Fotografen Daniel Etter hatten sie am letzten Freitag einen nicht nur sehr erfahrenen, sondern auch international preisgekrönten Coach an ihrer Seite.

    Im Kunst- und Werkraum des Hölderlin-Gymnasiums hängen fünfzehn Teenies an seinen Lippen. Daniel Etter schafft genau das, woran sich manch Lehrer jahrelang die Zähne ausbeißt. Er braucht nur wenige Worte, um ihrer ungeteilten Aufmerksamkeit sicher sein zu können, denn seine Bilder haben so viel Wucht, dass kein Anwesender sich ihnen entziehen kann. Selbst wenn er wollte.

    Daniel Etter im Canon Young People Program
    Tips vom preisgekrönten Profi – Daniel Etter erhielt 2016 den Pulitzer Preis und in diesem Jahr den 3.Preis für ein Einzelfoto beim World Press Photo Award.

    Das Rüstzeug für starke Bilder

    Mit dem Rüstzeug, das Etter ihnen über die Reportagefotografie an sich und über die Authentizität eines jeden Fotos im Speziellen mitgiebt, sollen die Schüler in den nächsten Tagen ihre eigenen Geschichten aufspüren und erzählen. Ihr Thema: Die 17 Ziele (17 Sustainable Development Gaols), die die UN 2015 festgelegt hat, um Hunger und Armut abzuschaffen, das Klima zu schützen, Frieden, Bildung, Gesundheit und Gleichberechtigung für jeden Menschen auf dieser Welt zu sichern. Das alles klingt fast zu groß für einen Heranwachsenden.

     

    Irgendwer muss irgendwo anfangen

    Dennoch, irgendwer muss schließlich irgendwo anfangen. Vor der eigenen Haustür, dort wo im ganz persönlichen Mikrokosmos schon eine winzige Kleinigkeit wie eine Plastikflasche globale Relevanz hat. Und wer könnte das besser als die heutige Jugend, die in Zukunft auf unserem Planeten leben, ihn verwalten und gestalten wird. Deshalb hat Canon in Zusammenarbeit mit der UN dieses Projekt ins Leben gerufen, das den Blick der Kids auf die 17 Ziele schärfen und ihnen zudem eine mögliche Perspektive für ihre Zukunft aufzeigen soll.

    Immer schön neugierig bleiben

    Alle 15 Schüler waren mit Feuereifer bei der Sache und sehr neugierig. Der eine oder andere hat mich sogar verblüfft. Bei der ersten praktischen Umsetzung der vorher gehörten Theorie hatte z.B. Antonia absolut keine Hemmungen, fremde Menschen anzusprechen und ihnen die Kamera wörtlich vor die Nase zu halten. Der nette Herr auf Bank (oben in der Galerie) ertrug sodann alle Experimente geduldig und freute sich sogar über die nette Gesellschaft. Die meisten sind schon mit der Technik gut vertraut und haben eine genaue Vorstellung, wie ihr visual storytelling aussehen wird. Ich bin sicher, dass sie am kommenden Donnerstag ein paar sehr interessante Fotostrecken zu bieten haben werden.

    Und ich? Ich bin stolz und freue mich sehr, ein Teil dieses Projektes sein zu dürfen. Mit Spannung erwarte ich, wie die Gruppe im Laufe der Woche ihre Aufgabe umsetzen wird. Einfach ist das ganz sicher nicht, aber einfach wäre ja auch langweilig.

    To be continued…

  • Noch kühl genug – 7:30 Uhr im Ruhrgebiet

    Noch kühl genug – 7:30 Uhr im Ruhrgebiet

    Ich fange jetzt ganz sicher nicht mit den alten Klischees an, die das Ruhrgebiet nach wie vor zum grauen Kohlenpott stempeln. Das ist es schon lange nicht mehr. Dem Strukturwandel sei Dank.

    Ein Rundumblick mit dem iPhone geschossen
    Morgens um 7:30 Uhr

    Wenn wir morgens um 7:30 über unsere Halde wandern, dann atme ich tief durch und bin glücklich, hier sein zu dürfen. Es gibt nur einen einzigen Ort, an dem ich mich noch besser fühle: Mein Quecksilberstrand ist einfach nicht zu toppen.

    Am frühen Morgen ist es noch kühl genug. 17 Grad um 7:30 Uhr gehen gerade noch. Mono, Danny und Lianes Weiberrudel lieben die schattigen Wege, die sich die Halde hinauf winden. Dort können sie sich richtig auspowern. Oben auf den großen Wiesen gibt es keinen Schatten. Dort wird es sehr schnell sehr warm. Um 9:30 ist Schluss. Ab nach Hause, Futtern und Schlafen.

    Ein Rundumblick über das Ruhrgebiet mit dem iPhone geschossen
    9:30 Uhr – Zeit zu gehen!

    Wenn ich dann am Mittag sehe, wie nicht nur unser behämmerter Nachbar, sondern auch noch viele andere bei 30 Grad ihre Hunde ans Fahrrad binden und meinen ihnen dabei auch noch etwas Gutes zu tun, bin ich jedes Mal aufs neue fassungslos.

     

  • Drohungen auf der Plattform der Höflichkeit

    Drohungen auf der Plattform der Höflichkeit

    Langsam reicht es mir wirklich! Kaum habe ich bei Instagram ein Foto von der Windhundrennbahn gepostet, treten einige selbsternannte moralische Instanzen auf den Plan, die meinen, mein Weltbild zurecht rücken zu müssen. Sie brüllen mit Vorliebe aus Spanien oder anderen südeuropäischen Ländern an mein zartes Ohr. Und das obwohl Instagram die offizielle Plattform der Höflichkeit ist.

    Ungefiltert ausgespuckt

    Ja, ihr habt recht. Auf unserer Welt werden so viele Hunde gequält, sie werden missbraucht, ausgesetzt, getötet und für den Kommerz verschlissen. Oft und in manchen Ländern ist die Windhundindustrie grausam und verachtenswert. Es scheint ein dem Tourette ähnlicher Reflex zu sein, Mörder zu brüllen, sobald das zum Schutze des Tieres geschärfte Auge einen Hund mit Maulkorb auf der Rennbahn erblickt. Empörung und Entsetzen werden in Millisekunden produziert und auch gleich ungefiltert ausgespuckt. Der Witz ist, Fotos von Hunden ohne Maulkorb auf der selben Bahn sind great, perfect, awesome und sensational.

    Greyhound beim Start aus der Box
    Start aus der Box.

    Diese Stimmen kommen nie aus Skandinavien und auch nie aus Deutschland. Denn dort wie hier ist die Kommerzialisierung der Windhundrennen verboten. Die Kenner der Szene wissen das, haben also nicht den geringsten Grund, den moralischen Zeigefinger oder wahlweise die Stimme für die vermeintlich gequälte Kreatur zu heben. Denn die meisten Hobby-Veranstaltungen bieten den hetzverrückten Hunden einen wunderbaren, ausgleichenden Sport, Rennen wie auch Coursing.

    Die Keule kommt immer aus der selben Ecke

    Die Keule schwingt man vielmehr immer aus genau der Ecke, die es nicht für nötig hält, sich zu informieren, weil ihre Weisheit ja ohnehin allgemeingültig ist. Man kennt schließlich den ganzen Scheiß und hat ihn täglich vor der Haustür. Doch was vor dieser Haustür passiert, muss nicht unbedingt vor jeder anderen Haustür auf der Welt passieren. Allein der Gedanke an etwas Gutes passt nicht in das Raster, das so fest betoniert ist, wie der beste Camorra-Schuh. Allerdings sinkt es nicht bleiern blubbernd in den Golf von Neapel, sondern schwimmt hartnäckig oben auf.

    Galgo beim Start aus der Box
    Kräftiger Antritt- ein Galgo startet aus der Box

    Kämen sachliche Kommentare, könnte ich damit umgehen. Dann gäbe es eine Ebene, auf der wir uns eventuell treffen könnten. Doch es geht wie folgt:

    Oh mein Gott, ich kann nicht zusehen, wie diese Hunde verhungern! Sie sind so furchtbar dünn. Stoppt die Windhundrennen!

    Diese Hunde sind nicht dünn, sondern sportlich! Wären sie unterernährt, könnten sie diese Leistungen ganz sicher nicht bringen. Was sollte ich sonst auf diesen Blödsinn antworten?

    Jeder der einen Windhund auf die Rennbahn schickt, sollte mit einer Keule erschlagen werden. Ihr seid Mörder!

    Keine Antwort. Kommentar gelöscht. Ich halte grundsätzlich nichts von Gewalt.

    Fakten will niemand hören

    Kein Kommentator dieser Couleur will Argumente hören. Er will sich in seinem Mitleid für die Tiere suhlen. Dann ist er ein Guter. Selbst wenn ich gebetsmühlenartig wiederhole, dass eine große Zahl der Windhunde sehr viel Spaß an der Rennbahn und zu Hause den Himmel auf Erden hat, verschließt er Augen und Ohren.

    Schneller als die Kamera - Windhund ist weg
    Was bleibt, ist ein bisschen Sand

    Deshalb bin ich es leid, diese Bilder zu rechtfertigen, denn ich fotografiere nur das, was ich vor mir selbst vertreten kann. Mir ist sehr bewusst, dass schwarze Schafe sowohl an der Bahn als auch beim Coursing vertreten sind, doch wer keine Ahnung von Windhunden, ihren Hetztrieb, ihrer individuellen Situation und ihrem Umfeld hat, der halte sich gefälligst zurück. Es ist mir vollkommen Hupe, wenn mich irgendeine hysterische Spaniern blockiert oder mir ein Assi per PN Drohungen schickt. Fragt nach, blickt dahinter, seid dabei, macht euch selbst ein Bild! Erst dann habt ihr das Recht, ein Urteil zu fällen.

    Seit Jahren eine bohrende Frage

    Zum Schluss habe ich noch eine Frage an die Allgemeinheit, die mich schon sehr lange beschäftigt: Warum ist in Deutschland das Wetten auf Pferde erlaubt, das auf Hunde aber nicht? Wo zieht man eine Grenze und vor allem wer zieht sie?  (Obwohl das mehr als heuchlerisch ist, denn in den wie Pilze aus dem Boden schießenden Wettbüros darf auf jedes Greyhound-Rennen der ganzen Welt gesetzt.)

    Ich habe mit Tierschutzvereinen schon so viel Mist erlebt, dass ich keine der Windhund- und insbesondere Greyhound-Hilfen verlinken mag. Aber für denjenigen, der einen erwachsenen Windhund sucht, lohnt es sich ganz sicher, einen Ex-Racer aus Irland zu adoptieren. Das sind nämlich meisten sehr nette Zeitgenossen.

  • Ja, wo ist sie denn? Hundejonglage im Juni.

    Ja, wo ist sie denn? Hundejonglage im Juni.

    Mono träumt. Wovon? Ich weiß es nicht. Leider. In den letzten Tagen war er ein bisschen durch den Wind, deshalb wüsste ich es gerne. Ich war viel unterwegs. Ohne ihn, ohne Danny.

    Denn es ist wieder Juni, der Monat in dem sich jedes Jahr ausnahmslos alle verabreden, möglichst viele Veranstaltungen in nur vier kleine Wochen zu pressen. Ich müsste mich in fünf Teile dividieren können. Kann ich aber nicht und so bleibt mir nicht anderes übrig, als Prioritäten zu setzen.

    Hundejonglage – das schaffen wir schon

    Zwei Tage Polo und es kommen noch mehr, Ballett, die Flitzpiepen, Nürburgring. Gestern Abend habe ich mir fast ein Loch in den Bauch geärgert, dass ich auf die 24 Stunden von Le Mans verzichten muss, die morgen starten. Es geht viel, aber nicht alles. Und das auch nur, weil wir eine den Umständen entsprechend straff organisierte Familie sind, in der die Hunde niemals zu kurz kommen. Egal, wer gerade wo ist.

    Danny ist erstaunlich gelassen.
    Danny ist erstaunlich gelassen.

    Dennoch sind sie natürlich sehr auf mich fixiert. Ich gehen mit ihnen Laufen, ich erziehe sie, ich füttere sie, ich stutze ihnen die Krallen, versorge ihre Wunden, schleppe sie zum Tierarzt. So kam es gestern, dass Mono wohl nach der letzten Woche den Papp auf hat. Sobald ich mir Schuhe anziehe, wenn ich mich auch nur in die Nähe meines Fotoequipments bewege, springt er auf und steht mir auf den Hacken. Sein Blick sagt mir ganz klar: „Geh nicht wieder ohne mich!“ Dann zerreißt es mich fast, aber ich weiß, dass es ihm gut geht, wenn ich unterwegs bin. Danny ist erstaunlicher Weise viel gelassener.

    Nun stelle ich mir die Frage, wie das wohl in anderen Familien aussieht. Wie organisiert man einen in Phasen extrem vollen Alltag mit einem oder gar mehreren Hunden? Wir kriegen das hin, stecken aber auch nicht selten zum Wohl der Hunde zurück. Sie sind schließlich Familienmitglieder.