Kaum habe ich diesen Text fertig, regnet es ein paar Tropfen. Das erste Mal seit Wochen. Doch dieser Regen verdunstet noch bevor er auf dem Boden aufschlagen kann. Knochentrocken und steinhart ist die Erde. Gelbe Stoppeln überziehen unsere Lieblingshalde. Kein Grashalm hat die sengende Hitze überlebt. Die Bäume lassen japsend ihre Blätter hängen. Herbststimmung!

Regen, nun komm doch endlich!

Kaninchen sind sehr selten geworden. Vermutlich sind sie fast alle verdurstet, denn hier gibt es weit und breit keinen Tropfen Wasser. Außer tief unten im Wald, aber für große Wanderungen sind die kleinen Hüpfer wohl nicht gemacht. Hudson findet täglich mumifizierte Kröten und Eidechsen. Seit fast acht Monaten sind unsere so heiß geliebten Tümpel trocken. Eine solche Dürre gab es in den letzten zehn Jahren nicht. Nun schleppe ich täglich Literflaschen Wasser und einen Reisenapf mit. Vergessen ist das Lamentieren über den durchdringend kalten Winterregen. Ach, hätten wir ihn jetzt doch! Nicht ganz so kalt, aber anhaltend, dauerhaft, platschend, mit dicken Tropfen, die bevorzugt in der Nacht die Hitze und den Staub wegwaschen.

Das Restgrün unten war mal unser Planschtümpel. Seit vielen Monaten gibt es dort kein Wasser mehr.
Das Restgrün unten war mal unser Planschtümpel. Seit vielen Monaten gibt es dort kein Wasser mehr. In den letzten Jahren hatte die Hunde so einen unglaublichen Spaß, dort zu planschen. In diesem Jahr träumen wir nur davon.

Wenn Whippets wenig trinken

Denn seitdem der Bauer gemäht hat, können die Hunde wieder richtig Gas geben. Und das tun sie, vor allem an einem kühlen, wolkigen Morgen wie wir ihn gerade hatten. Wasser wird von den meisten dankbar angenommen. Vor allem Hupsi trinkt sehr viel. Wenn Danny trinkt ist der Napf leer und dann ist für lange Zeit gut. Mono hingegen erscheint mir oft wie ein Asket: Wer wühlen und jagen kann, sagt er sich wohl, muss den Durst auch aushalten können. Er trinkt wenig bis zu wenig.

Von Freunden höre ich immer wieder, dass ihre Whippets beängstigend wenig trinken. Mr.Clark hat es damals in den heißen Sommern geschafft, über den ganzen Tag kein Wasser zu sich zu nehmen, um erst am Abend Durst zu reklamieren.

Dreißig Grad und vier Flaschen Wasser

Für Menschen wie mich, die bei Temperaturen um die dreißig Grad locker vier Flaschen Mineralwasser am Tag vernichten, ist das beunruhigend. Der Hund braucht doch Wasser! Nein, Mr.Clark brauchte es offenbar nicht. Und Mono wohl auch nur in kleinen Mengen. Er könnte jeder Zeit trinken, tut es aber nur, wenn er wirklich ausgepumpt ist. Und nachts, dann höre ich ihn minutenlang schlabbern. Irgendwie gleicht er seinen Wasserhaushalt also doch aus. Nur nicht in meinem Rhythmus bzw. in dem, den ich für angemessen halte. (Ich gebe morgens und abends immer kräftig Wasser und diese geniale Mastercraft-Brühe über das Trockenfutter. Die Whippets mögen die Kombi und mich beruhigt sie.)

Wir warten auf den Regen. Ohne Wasser geht gar nichts. Während unserer Touren müssen die Hunde unbedingt trinken.
Wir warten auf den Regen. Ohne Wasser geht gar nichts. Während unserer Touren müssen die Hunde unbedingt trinken.

Ich gebe zu, ich bin ein bisschen neurotisch in Bezug auf Flüssigkeit und meine Whippets. Ich habe den komplett dehydrierten Mr.Clark beim Tierarzt liegen sehen. Ich habe miterlebt, wie der gute Mann versuchte, ihm Blut abzunehmen. Minuten lang starrten wir gebannt auf träge Tropfen, die wie dickes Sirup nur widerwillig den Hundekörper verlassen wollten. „Ich weiß ja, dass Windhunde dickeres Blut haben, aber das habe ich in meiner ganzen Laufbahn noch nicht gesehen!“ Zuvor hatte Mr.Clark über eineinhalb Tage alles von sich gegeben, was in seinen Magen wollte. Ein übler Virus vermutlich, der ihn ungewöhnlich schnell austrocknete.

Traumabewältigung und ein Regentanz

Deshalb sorge ich immer für Wasser und bin gleichzeitig extrem vorsichtig, wenn sich Erbrechen einstellt. Denn oft können die Hunde den Flüssigkeitsverlust durch Trinken nicht mehr ausgleichen. Erst recht nicht in dieser Hitze. Wie der liebe Mr.Clark damals, der ohne Infusionen 12 Stunden später vermutlich tot gewesen wäre.

Wir warten auf den Regen. Trink- und Zigarettenpause hoch oben. Wir sind sehr vorsichtig geworden.
Trink- und Zigarettenpause hoch oben. Wir sind sehr vorsichtig geworden. Hier Dannys und Hudson Mutter Ivy, die kühles Wasser immer dankbar annimmt.

Wir warten also auf den Regen. Sollte jemand einen passenden Tanz kennen, ich bin dabei. Denn mittlerweile gruselt es mich ein wenig. Feuerwehrhubschrauber fliegen permanent die Wälder ab. Es staubt, es knistert. Einzig in den vom Kernschatten ummantelten Serpentinen gibt es noch einen Hauch von Grün. Doch die Wege sind hart wie Beton. Sieben Whippets am Speedlimit, ein Sturz – wir möchten nicht an die Konsequenzen denken und vertrauen den Hunden und ihrer von klein auf erlernten Geländegängigkeit.

Wenn wir hoch oben auf der Halde unsere rituelle Zigaretten- und Trinkpause machen, dann achten wir sehr genau darauf, dass kein Fünkchen fliegen kann und kippen einen Schluck Wasser über die Kippen. Denn genau die könnten heute einen Flächenbrand auslösen.