Fotografie

Eine kleine Hommage an Jo Longhurst

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Gäbe es nicht die Fotos von Jo Longhurst, hätte ich heute keine Whippets. Ich weiß noch, wie mir die Augen aus dem Kopf fielen, als Anfang 2008 die Pressemitteilung des Museum Folkwangs Essen in meinem Postfach aufpoppte. „The Refusel“ war der Titel ihrer Ausstellung. Das Plakat dazu hängt immer noch hier im Flur.

Eine kleine Hommage an Jo Longhurst
Schlafender Hudson, Leica Q2, 1/60 sek., ISO 200, f/4

Ich war fasziniert von den schlanken Hunden

Die Londoner Fotografin Jo Longhurst fotografierte Whippets und ihre Titel-Hündin hatte es mir angetan. Sie wollte nicht so stehen, wie man es von ihr verlangte. Heute weiß ich, was Longhurst meinte. Damals war ich nur fasziniert von den schlanken, sportlichen Hunden, die sie in ihren Fotos überaus eindringlich portraitierte.
Eine kleine Hommage an Jo Longhurst
Schlafender Hudson, Leica Q2, 1/250 sek., ISO 400, f/2,8

Nun kam es, dass die Pressekonferenz zur ihrer Ausstellung in der Fotografischen Sammlung des Museum Folkwang recht spärlich besucht war. Ich hatte also ausreichend Zeit, mit ihr zu sprechen. Vieles von dem, was sie mir erzählte, konnte ich damals noch nicht einordnen. Einer ihrer Whippets hatte einen Karpfenrücken und wäre deshalb nicht für Ausstellungen geeignet. Hatte sie ihn im Schlepptau, wurde sie von den renommierten britischen Züchtern, wenn sie Glück hatte, wie Luft behandelt. Gerümpfte Nasen und abschätzende Blicke waren wohl nicht selten.
Eine kleine Hommage an Jo Longhurst
Schlafender Hudson, Leica Q2, 1/125 sek., ISO 400, f/4

Individuum oder Produkt?

In diese hermetisch abgeschlossene Szene hinein zu kommen, wäre unendlich schwierig gewesen, erzählte sie, doch sie wollte unbedingt die besten Hunde der besten britischen Züchter (ich denke mal, das waren Nevedith, Shalfleet, Courthill usw.) fotografieren. Nicht so, wie wir es heute tausendfach auf Facebook sehen, sondern auf ihre Weise. Einerseits portraitierte sie Whippets wie Menschen, um ihren individuellen Ausdruck zu erfassen. Andererseits zeigt sie die Hunde in einem klinisch reinen Umfeld, in dem sie lediglich als Produkt eines züchterischen Strebens nach Perfektion betrachtet werden.

Ich wusste noch nichts über Hunde-Ausstellung, doch eines hat mir damals schon nicht gepasst. Da Longhurst nicht wollte, dass Leinen in ihren Fotos sichtbar sind, hat sie die Whippets an extrem dünnen Nylonschnüren fixiert. Damals hat das offenbar niemanden interessiert, doch heute würde jeder, der sowas tut ad hoc gesteinigt.

Eine kleine Hommage an Jo Longhurst
Hudson, Leica Q2, 1/250 sek., ISO 400, f/2,8

In elf Jahren tut sich viel

Heute, das muss ich zugegeben, hauen mich Jo Longhurst Fotos nicht mehr so vom Hocker wie damals. In elf Jahren passiert eben viel. Aber sie war meine Initialzündung. Das werde ich niemals vergessen.

Leider hat sich auf Jo Longhursts Homepage seit 2008 nichts mehr getan. Das wundert mich sehr. Ich habe keine Ahnung, was aus ihr geworden ist. Sie hat zwar einen Facebook- und einen Instagram-Account, postet aber recht wenig. Von den Whippets scheint sie weg zu sein. Schade eigentlich!

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Freie Autorin mit einem starken Hang zur Fotografie

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