Jeder aufmerksame Hundebesitzer wird von dem Urteil zum Fall des Rottweilers gehört haben, der ein kleines Mädchen angegriffen und schwer verletzt hat.
Sowohl die Besitzerin des Hundes, als auch die Frau, die den Hund ausgeführt hat wurden zu Haftstrafen auf Bewährung verurteilt. Das Kind wird wohl für sein Leben entstellt bleiben.
Ich treffe immer wieder Hundehalter, die ihren Hund bzw. ihre Hunde um jeden Preis und überall frei laufen lassen wollen. Man will die Tiere schließlich nicht einschränken. Außerdem ist es so schön bequem. Mit Leuten dieser Couleur bin ich schon mehrfach aneinandergeraten. Besonders heftig dann, wenn sie nicht einsehen wollen, dass meine angeleinten Hunde nicht von aufdringlichen Artgenossen belästigt werden möchten. Am schlimmsten jedoch ist ihre komplette Ignoranz gegenüber ihrer Umwelt. Es gibt nun mal Menschen, die nicht von einem nassen Schäferhund begrüßt werden wollen. Es gibt Menschen, die Angst haben und es gibt solche, die Hunde einfach scheiße finden. Man muss nicht ständig und immer seiner Umwelt die eigene verquere Vorstellung von Freiheit aufdrücken. Mal ganz abgesehen von der Tatsache, dass es – wie in dem oben erwähnten Fall – schnell richtig ernst werden kann.
Ich kenne Hunde, die überall frei laufen können, weil sie so gut hören, dass es staubt. In der Mehrzahl sind allerdings die Tiere, die mehr oder weniger zufällig das tun, was ihre Besitzer von ihnen verlangen. Wenn sie denn überhaupt etwas verlangen.
Wie ich es mit dem Freilauf meiner Hunde halte, ist ganz sicher nicht allgemeingültig. Ich habe Hetzjäger, für die besondere Regeln gelten. Dennoch versuche ich einmal darzustellen, wie das hier bei uns läuft. Die wichtigste und aller erste Regel ist: Bin ich nicht sicher, dann Leine dran. Immer! Das heißt:
1. Kenne ich ein Gelände nicht und kann es nicht überschauen, bleiben meine Hunde an der Leine. Ich verschaffe mir einen Überblick und entscheide erst dann ob sie frei laufen dürfen. (die Hetzjäger-Spezialbehandlung)
2. Kann ich nicht voraussehen, wie meine Hunde auf eine Situation reagieren, Leine ich an. (das gilt für Pferde, Kutschen, Maschinen, die komische Geräusche machen, Blaskapellen und vieles mehr)
3. Kommen mir angeleinte Hunde entgegen, leine ich an. (Ich kann nicht anderen predigen, dass sie ihre Hunde ranzunehmen haben und es selber dann nicht tun.)
4. Begegne ich einem fremdem Rudel, leine ich an und kläre die Verhältnisse. Erst dann leine ich ab oder auch nicht. (Ich bin grundsätzlich positiv gestimmt, doch ich muss meine Jungs nicht sehenden Auges in eine Beißerei laufen lassen.)
5. Begegnen wir kleinen Kindern, leine ich an. (Weder Mono noch Danny würden einem Kind je ein Haar krümmen, aber kindliche Reaktionen sind niemals vorauszusehen.)
6. In Innenstädten, an Straßen und in Einkaufszentren bleiben meine Hunde immer an der Leine. (der frei laufende Dobermann in der Shopping Mall hat in meinen Augen so ziemlich alles getoppt.)
7. Und außerdem: Ich lasse meine Hunde niemals durch fremde Vorgärten stromern und dort auch noch Haufen setzen. Sie betreten niemals ungefragt fremde Grundstücke. Ich habe immer – naja fast immer – Kacketüten dabei.
Jeder muss seinen Hund einschätzen können. Wer das nicht kann, der lasse ihn nicht von der Leine. (by the way, man muss sich auch bewusst sein, dass man seinen Hund nicht einschätzen kann.) Ich leine lieber ein Mal zu viel, als ein Mal zu wenig an. Das nimmt meinen Hunden vielleicht ein paar Minuten Freilauf, aber immerhin sind sie dann nicht auf der Jagd nach einem Eichhörnchen oder einer Katze überfahren worden. Sie sind in keinen Stacheldrahtzaun gelaufen, sie haben sich nicht mit einem fremden Hund gekeilt und sie haben auch keine alte Dame belästigt. Wir Hundehalter empfinden eine fremde, neugierige Schnüffelnase vielleicht als lustig und sympathisch. Viele andere Menschen fühlen sich in ihrem Wohlbefinden eingeschränkt. Egal wie nett und süß und artig der eigene Hund ist, das sollte man niemals vergessen.


