Endlich ist es gelungen! Nach tausend verpassten Gelegenheiten, nach ausgekugelten Schultergelenken, nach hirnerweichenden Diskussionen und unzähligen Fast-Keilereien haben wir ihn endlich erwischt. Unbemerkt und heimlich, gefangen an der Flexi konnten wir den Staatsfeind Nr.1 endlich auf das 2 Gigabite Medium bannen.
Der dicke Charly! Da ist er. Kurzbeinig, fett und böse. 10 Kilo Terrier – ein Fest für alle Hundehasser, die Inkarnation aller Vorurteile, die Geißel der Nachbarschaft. Nur weil sein Besitzer uns gesichtet hat, ist der dicke Charly an der Leine. Hat er doch nervenzerfetzend mühsam gelernt, dass wir es nicht schätzen, von seiner größenwahnsinnigen Presswurst aus dem Hinterhalt angegriffen oder auf offener Straße gestellt zu werden.
Rollbraten mit Schnitzelwerk
Dabei durften wir einen kurzen Augenblick hoffen. Denn erst kürzlich begab es sich, dass der dicke Charly mal wieder sein Hirn ausgeknipst hatte und einer läufigen Hündin folgte. Sein Besitzer – der offenbar das seine immer zu Hause lässt – war mal wieder weit und breit nicht zu sehen. Charly läuft auf die Straße. Der Müllwagen rollte heran …. Nein! Um Himmels Willen, so etwas darf man nicht denken! Doch! Wer den dicken Charly kennt, darf das.
Mr.Clarks Verhältnis zu ihm kann man nicht als gespannt bezeichnen. Es ist vielmehr unheilbar zerrüttet. Und das seit ihrer ersten Begegnung am Büdchen um die Ecke. Der dicke Charly war draußen angehobbelt, während Herrchen seinen Vorrat an Kümmerling aufstockte. Mr.Clark lief nichts ahnend direkt in Charlys Schnitzelwerk. Bums, aus! Diese Beziehung ist nicht zu kitten. Niemals. Taucht am Horizont Herrchens blau-weißer Trainingsanzug auf, mutiert Mr.Clark schlagartig zur Ganzkörperbürste. (Mir war gar nicht klar, wie lang das Whippetfell ist.) Denn die Tatsache, dass Herrchen weit weg ist, heißt noch lange nicht, dass Charly es auch ist. Er könnte jeden Augenblick hinter einem Busch vorspringen und einen Veitstanz veranstalten.
Hackepeter mit 80 % Fettanteil
Seitdem Mono seine volle Körpergröße erreicht hat, scheint sich allerdings der trübe Nebel in Charlys Terrierkopf auf wundersame Weise zu lüften. Seine Scheinangriffe sehen zwar nach wie vor gefährlich aus, aber neuerdings macht er immer einen kleinen, unbeholfenen Bogen. Ein Wunder, dass er bei seinem eher ungewöhnlichem Körperschwerpunkt überhaupt anders kann als geradeaus, aber für zwei Rüden ist er eindeutig zu feige.
Oder er hat gelauscht, als ich dem wandelden Trainingsanzug androhte, dass Mono und Mr.Clark aus seiner vollgefressenen Töle Hackepeter mit 80% Fettanteil machen würden, wenn sie sich noch ein einziges Mal in unseren Dunstkreis wagt. Mr.Clark würde das vermutlich mit Wonne versuchen. Mono würde mich nur fragend anblinzeln. Aber das müssen wir dem dicken Charly ja nicht erzählen.
