Fast täglich

Die Sache mit den Pit Bulls


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Ich glaube, ich habe mittlerweile recht starke Nerven. In den letzten Jahren hatte ich viele, viele ungewollte Hundebegegnungen, die mir teils den Schweiß auf die Stirn getrieben haben, aber immer glimpflich ausgegangen sind. Das mag wohl auch an dem grundsätzlich freundlichen Naturell meiner Whippets liegen und gelegen haben. Sogar Mr.Clark, der immer eine große Klappe hatte, ist echtem Ärger aus dem Weg gegangen.

Nur ein paar Momente sind mir als besonders heikel in Erinnerung geblieben. Der Zusammenprall mit der frei laufenden, nur scheißdominanten Rottweilerhündin ist der eine. Als Mono im Alter von knapp 15 Monaten von vier Rhodesien Ridgebacks gehetzt wurde, hatten Mono und ich auch keinen Spaß. Obwohl die Besitzer der Ridgebacks das penetrant behaupteten. Doch die Sache mit den Pit Bulls hat mich im Vergleich wohl am meisten aus den Schuhen gehauen. Es waren übrigens drei und nicht vier, wie ich am Montag auf facebook schrieb. Die Wut vernebelt manchmal ein bisschen das Hirn. Den vierten sah ich nämlich erst später bei seiner Besitzerin an der Leine.

Am letzten Montag war ich mit Mono und Danny auf unserer Halde unterwegs. Mono hatte ich auf dem Weg nach unten an die Leine gelegt, Danny lief frei. Die Halde ist terrassenförmig angelegt, man geht also Serpentinen. Sie sind mit dichten Büschen bewachsen, man kann also weder von unten noch von oben kommend sehen, was auf der nächsten Ebene, geschweige denn ganz oben vor sich geht. Deshalb halte ich meine Hunde meist bis ganz oben an der Leine und lasse sie dann erst laufen, wenn ich mir einen Überblick verschafft habe. Wir schlenderten den Weg hinab, als plötzlich über den Hang ein schwarzer Pit Bull auf uns zu schoss. Im folgte ein weißer mit gelben Platten und – wenn ich mich richtig erinnere – ein brauner.

Ruhe contra Ignoranz?

Ich packte mir Danny am Halsband und versuchte möglichst ruhig stehenzubleiben. Mono blieb nahe bei mir. Ich überlegte kurz, ob ich ihn von der Leine lassen sollte. Nein, wenn Mono los liefe und die drei Pit Bulls ihn hetzten, dann hätte ich keine Kontrolle mehr. Die Hunde umkreisten uns. Einer knurrte. Mono machte sich zum Glück klein und hielt sich zurück. Danny war zwischen meinen Beinen unsichtbar.

Etwas 200 Meter weiter unten tauchte plötzlich eine Frau auf. Gegen den Wind brüllte ich, sie solle die Hunde zurückrufen. Sie sah mich, reagierte aber nicht. Ich brüllte nochmal. Dann rief sie nach den Hunden, doch sie reagierten kaum. Erst nach dem dritten oder vierten Mal trollten sie sich und die Frau pöbelte: Man muss ja nicht so hysterisch schreien! Erstens war ich nicht hysterisch und zweitens musste meine Stimme starken Wind und eine große Distanz überbrücken. Das geht nicht im Flüsterton. Mit einer Begleiterin, einem Schäferhund und dem vierten Pit Bull, den sie kaum halten konnte, verschwand sie ohne ein weiteres Wort zu verlieren.

Ich stand mit weichen Knien auf dem Weg. Wären diese drei Pit Bulls aggressiv, dann hätte ich jetzt wohl keine Hunde mehr. Wie sie gestrickt sind kann ich aber nicht wissen, wenn sie außerhalb jeder menschlichen Kontrolle auf mich zugeschossen kommen. Mit der Rasse selbst hat das erst auf den zweiten Blick zu tun. Wären es Schäferhunde oder die oben erwähnten Ridgebacks gewesen, dann hätte ich mich wohl ähnlich erschreckt.

Nachdrücklich eindrücklich

Aber mal abgesehen vom Status Listenhund und den strengen Gesetzen zu selbigem, sollte sich die gute Frau mal bewusst machen, welchen Eindruck diese Hunde in die Wiese stempeln, wenn sie zu dritt plötzlich aus dem Nichts auftauchen. Fest in meinem Hinterkopf stecken die Geschichten von den grausamen Hundekämpfen, die sich hier im Ruhrgebiet offenbar immer noch perverser Beliebtheit erfreuen. Vor längerer Zeit wurde in einem der hiesigen Parks ein Rottweiler von zwei Kampfhunden getötet. Die Besitzer verschwanden mit den Hunden in der Dunkelheit. Training offenbar. Und ich soll umringt von einem Rudel fremder Pit Bulls ohne Menschen dazu cool bleiben? Äußerlich gelingt mir das vielleicht. Innerlich nicht.

Muss ich mir eigentlich blöd vorkommen, wenn wir in einer Gruppe unterwegs sind und die fünf bis acht Whippets erst einmal heran rufen, damit sie nicht alle gemeinsam auf einen einzelnen Hund zukacheln? Unsere Schnüffchen würden ihm kein Haar krümmen, aber vermutlich hätte er sich spontan in seine nicht vorhandene Hose gemacht. Und sein Besitzer gleich mit. Nein, ich muss mir nicht blöd vorkommen. Wir versuchen lediglich so gut wie möglich Rücksicht zu nehmen, obwohl wir keine Listenhunde, sondern von je her dauerfriedliche Pazifisten an den Leinen haben, die jedoch im Rudel nicht zu unterschätzen sind.

Harte Fakten contra diffuse Ahnung

Nachdem sich mein erster Schreck verflüchtigt hatte, rief ich bei unserem örtlichen Ordnungsamt an, um mich über die Bedingungen zu informieren, unter denen Pit Bulls frei laufen dürfen. Sie sind schließlich auf der Liste ganz oben. Ich führte ein langes und informatives Gespräch mit einer sehr netten Dame, die über den geschilderten Vorfall mehr als entsetzt war. Ein Mann – ein Hund. Das ist die Grundregel. Ein Mensch darf immer nur mit einem Hund dieser Rasse unterwegs sein. Freilauf ohne Maulkorb ist nur nach einem Wesenstest möglich. Diese Frau hatte vier davon. Selbst wenn ich ihre Begleiterin dazu rechne, geht das gesetzlich erlaubte Mensch-Hund-Verhältnis nicht auf. Punkt. Und wer so schmerzfrei bzw. rücksichtslos ist, ein Rudel Pit Bulls unkontrolliert durch unübersichtliches Gelände laufen zu lassen, der bricht nicht nur Gesetze. Er bringt darüber hinaus alle verantwortungsvollen Halter dieser Rasse in Verruf.

Hätte sie die Hunde festgemacht und sich bei mir entschuldigt, hätte sie mir erklärt, dass ihre Pit Bulls nett und freundlich sind, dann hätte sie aus einer üblen Begegnung vielleicht noch eine gute machen können. Hat sie aber nicht.

Der geneigte Leser wird verstehen, dass ich von den Pit Bulls keine Fotos habe.

Freie Autorin mit einem starken Hang zur Fotografie

14 Comments

  1. Liebe Karla,
    was bin ich froh, dass alles gut ausgegangen ist.
    Ich hatte beim Lesen Herzklopfen, denn diese Situation die du erlebt hast ist meine absolute Horrorvorstellung.
    Du hast toll und genau richtig reagiert!

    Greetings & Whippet Love Forever
    Ines

  2. Sabine Kehl Reply

    Was für ein Glück, dass nichts passiert ist. Mir ist beim Lesen schon schlecht geworden. Mein Jamie ist jetzt fast 2 Jahre und ein sehr friedlicher aber souveräner Whippet det

  3. Sabine Kehl Reply

    Ups Technik. Der sich nicht provozieren lässt. Trotzdem hat er schon 2 Löcher im Pelz und mir ist jedesmal unwohl wenn irgendwelche unerzoge entkalkt Hunde auf ihn wild kläffend losrennen. Ich glaube in Deiner Situation hätte ich mir echt in dir Hosen gemacht…

    • Ne, meine Hose ist trocken gebleiben, aber meine Knie … ! Ich habe ganz schön gebibbert. Aber erst hinterher.

      Entspannte Grüße

  4. Nina Langanke Reply

    Liebe Karla,

    Ich finde es sehr fair von dir mit diesem Beitrag zu betonen, dass es nicht ausschließlich die Rasse war, die dir Angst machte.

    Ich hatte schon ähnliche Begegnungen allerdings keine davon mit „Listenhunden“.
    So unverantwortlich mit einer derart mit Vorurteilen behafteten Rasse umzugehen ist, wie du schon schriebst, für verantwortungsvolle Liebhaber dieser Rasse mehr als ein Schlag vor den Kopf.

    LG Nina

    • Generell habe ich keine Angst vor Molosserns, Pit Bulls oder Staffs. Ich kenne sehr nette. Es liegt auch zunächst nicht daran. Nur mir unbekannte Hunde dieses Kalibers kann ich nicht einschätzen. Das macht die SItuation besonders blöd, denn wenn die mal zulangen, dann wächst kein Gras mehr.

      Diese Frau wirft den Leuten Knüppel zwischen die Beine, die versuchen diese Rassen im Ansehen der Öffentlichkeit zu rehabilitieren.

      Entspannte Grüße

  5. Hallo Karla,
    zum Glück seid ihr alle heil geblieben aber der Schrecken hält.
    Ich verkneife mir inzwischen auch eine Wegstrecke wo mir schon mehrmals ein Typ begegnete der mit zwei Husky-Mixen und einem aggressiven, tauben, Dogo Argentino unterwegs ist der halt, wegen taub, nicht zurück zu rufen ist….. Der gute Mann befleißigt sich einer recht „legeren“ Ausdrucksweise, man könnte es auch als asozial bezeichnen und macht einen noch gefährlicheren Eindruck als die Hunde.
    Habe mittlerweile stets meinen Wanderknüppel aus dem Allgäu dabei, den ich hoffentlich nie anderweitig benutzen muß. Könnte dir aber nächstes Jahr einen mitbringen.:)))
    Liebe Grüße
    Michael

    • Hi Michael,

      danke, dass du an mich denkst, aber Wanderknüppel sind nicht meine Waffe. Außerdem würde der einen Pit Bull auch nicht stoppen.

      Wieso läuft ein aggressiver Dogo Argentino frei???

      Entspannte Grüße

  6. Liebe Karla

    Oh Gott….. Zum Glück ist euch drei nichts passiert!!! Ich hätte mir in der Situation die Hosen wohl randvoll gemacht. Ich verstehe einfach nicht warum so viele Hundebesitzer so rücksichtslos sind?! Wir erleben sogar hier direkt in der Stadt immer wieder Situationen wo andere Hunde auf Gina und bijou zugestürmt kommen – natürlich ohne leine! Ich ärger mich jedesmal über diese Rücksichtslosigkeit!!! Wo mal wir auch noch unseren dreijährigen Sohn dabei haben!! Aber selbst da hören wir oft:der tut nix, der mag kinder!!! Aber das unser Sohn Angst hat wenn ein riesiger, freilaufender Hund auf ihn zustürmt, das verstehen die Leute nicht.

    Ich wünsche euch trotz des Erlebnisses weiterhin schöne und ruhige haldenbesuche!!!

    Ganz liebe Grüße aus Bremen!
    Steffi

  7. Mosch Yvonne Reply

    Liebe Karla,

    Gott sei Dank hatten wir so eine krasse Begegnung.Natürlich sind aggressive Hunde immer unterwegs,was aber meiner Meinung nach an den Haltern liegt. Ahnung von Hundehaltung gleich null.Da kommt dann der Spruch,oh hat der aber Angst Und der andere hängt quer an der Leine.Man lässt ihn gewähren.Unwahrscheinlich. Zum Glück ist unsere Avalonia total souverän.
    Wenn wir Hunde ohne Leine treffen ist absolut weniger stress angesagt.
    Dann wird über die Felder gejagt. Aber Avalonis hat von Weitem schon den 7.Sinn.Sie merkt genau,wenn brenzlig werden kann.Begegnet man einem Reite,einem Radfahrer ,Fußgängern oder Hunde an der Leine hat man einfach seinen Hund unter Kontrolle zu haben.So kann man seinen Spaziergang genießen und bekommt nicht ein Adrenalinstoss nach dem anderen.Zu Thema man kWindhunde nicht ableinen,was viele Leute behaupten. Da kann ich nicht mitreden.Avalonia läuft sehr viel ohne Leine und hört perfekt .Ist sogar abrufbar.Vielleicht sollte man einfach mal Mut und Zeit haben.
    So ,Roman beendet,Grund.
    Lieben Gruss aus Düren

  8. Oje, habe den Blogeintrag gerade gelesen. Ich nehme etwas von meinem vorigen Eintrag zurück. Allerdings ist diese Begegnung eine der Art, mit der man einfach nicht rechnet. Gut, dass ihr sie alle heil überstanden habt.

    Liebe Grüße
    Sneza

  9. Pingback: Bäähm! Wenn der Chef endlich auf den Tisch haut. - Doctor Speed

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