The Daily Irrsinn

Von Falthunden und Rennpappen

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Ach, lieber Lurch-Peter Hansen. Sie waren in Gedanken with me. Ganze drei Stunden und zweiundzwanzig Minuten on my way von Dortmund nach Magdeburg.

Es gibt ein paar Dinge, die tut man nur ein Mal in seinem Leben. Im falschen Restaurant einen Kugelfisch bestellen, ungefragt das Grundstück unseres französischen Nachbarn betreten und mit zwei mittelgroßen Hunden in einem IC der Deutschen Bahn von Dortmund nach Magdeburg fahren.

Von Falthunden und Rennpappen
Eigentlich fahre ich gerne Zug. Am liebsten Thalys und TGV. Die Franzosen können das nämlich.

Thank you for Deutsche Bahn! Ich kann mich nicht erinnern, dass irgendwer das zu mir sagte, als der IC 2441 mich schweißgebadet auf den Bahnsteig 5b spuckte. Ich hätte ihm vermutlich auch eine gescheuert. Zum Glück war 5a leicht zu finden. Das ist in Magdeburg nämlich genau drei Meter weiter. Geschickt eingefädelt. Die Harz-Elbe-Bimmelbahn, die mich schließlich von Magdeburg nach Oschersleben brachte, war im Vergleich zum IC ein erster Klasse Abteil mit allem Luxus. Mir kamen fast die Tränen vor Glück.

Von Falthunden und Rennpappen

Ein guter Plan?

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Was für mich und Tom ein guter Plan war, entwickelte sich in seiner Durchführung zum absurden Theater. Ich wollte lediglich mit den Hunden meinem Mann zur Motorsportarena Oscherleben nachreisen. Kann ja nicht so schwierig sein!

Naiv buchten wir ein paar Tage zuvor meine Tickets für den IC (einen ICE gibt es auf dieser Strecke nicht) und die Zubringerbahnen. Nur leider hat der Online-Dialog der Deutschen Bahn keine Hunde auf dem Zettel. Buchung nicht möglich. Im hiesigen Reisezentrum stellte uns ein zugegebenermaßen sehr freundlicher Bahnmitarbeiter zwei Kinder-Tickets für Danny und Mono aus. Ohne, wohlgemerkt ohne einen Hinweis darauf, dass es sich bei den Kindern zwar um schmale, aber vierbeinige Wesen handelt. Mir rollen sich regelmäßig die Fußnägel hoch, wenn Hundebesitzerinnen sich als Mamiiii bezeichnen, aber so weit geht die Deutsche Bahn dann doch wohl nicht.

Von Falthunden und Rennpappen
Faltwhippets im IC der Deutschen Bahn. Man darf nicht der naiven Vorstellung erliegen, dass man drei Plätze bezahlt und dann auch drei Plätze bekommt.

Thalys kann nicht jeder

Mit diesen Tickets in der Hand materialisiert sich in der von Thalys und TGV verklärten Welt einer Nurseltenbahnfahrerin eine gewisse Erwartung. Platz. Für mich und für die Hunde, die ja genau deshalb Tickets haben, weil sie mit ihren 52-53 cm Körperhöhe nicht in eine Prada-Tasche passen. Noch nicht einmal gefaltet.

„Jemand zugestiegen hier?“ Der Kontrolleur schob sich bis zu meiner Sitzreihe vor. Im Zug war es warm. Sehr warm. Ich hatte meine Beine irgendwie in den Gang manövriert, damit Mono und Danny im schmalen Fußraum zumindest ihre Haxen sortieren konnten. Denn für die drei bezalten Tickets gab es genau einen Sitzplatz. „Wo sind denn die Kinder?“, schnodderte mich der Typ an, als er meine Tickets durchsah. Ich wollte nicht ausfallend werden, zumindest hatte ich es mir fest vorgenommen. „Da unten! Sehen sie? Da unten. Da wo bei der Deutschen Bahn offenbar Kinder zu reisen pflegen.“ Meine Sitznachbarn feixten. Sie wussten schon seit kurz hinter Dortmund, wie geladen ich war. „Ach!“ Und weg war er wieder.

Hätte nicht zufällig eine alte Dame die Kaffeefahrt mit ihren zwei Freundinnen abgesagt, hätten Mono, Danny und ich die dreistündige Fahrt auf dem Gang vor dem Klo verbracht. So war zumindest der Platz neben mir frei. Ich schäumte.

Bitte das erste Foto anklicken, um die Galerie zu starten. 

Zum Glück war das komplette Kameraequipment sicher und gut gekühlt im Jeep Cherokee vorgereist. So musste ich lediglich die Hunde beaufsichtigen, die auf dem extrem engen Raum in Wagen 8 irgendwann unruhig wurden. Mein linkes Bein war eingeschlafen. Ich würde wahrscheinlich nie wieder von diesem verfluchten Campingsessel aufstehen können. Dennoch konnte ich Mono erfolgreich davon abhalten, bei unseren netten Nachbarinnen um ein Mortadellabrot zu betteln und Danny daran hindern, die Handpuppe des Mädchens vor uns zu schreddern.

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Als der Bahnhof von Magdeburg in Sicht kam, kannten wir so ziemlich jeden Fahrgast beim Namen. Mono und Danny hatten sich als brave Whippets beliebt gemacht und man scherzte leutselig über Hunde im Allgemeinen und ihre Schrullen im Besonderen. Meine Güte, was bin ich froh, dass diese beiden Goldstücke so entspannt und gutmütig sind.

edit: Liebe Deutsche Bahn, ich werde nie, niemals wieder meine Hunde mit dir reisen lassen. Wenn ich drei Tickets kaufe, erwarte ich drei Plätze. Ich muss meine Hunde nicht auf den Sitzen drapieren, aber sie brauchen zumindest ein wenig Platz zum Liegen. Wie stellst du dir das vor, Deutsche Bahn. Sollen zwei mittelgroße Hunde ins Gepäckfach? Auf meinen Schoß passen sie nicht. Warum verkaufst du Tickets für Hunde, wenn sie dann in deiner Planung faktisch nicht existent sind?  

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Freie Autorin mit einem starken Hang zur Fotografie

15 Comments

  1. Das ist der Grund dafür, dass ich als langjährige Bahnfahrerin mit BahnCard 50 (halber Preis) mein entsprechendes Abo gekündigt habe. Mir war nicht einsichtig, wieso z.B. bis zu fünf (5!) Kinder kostenlos hätten mitfahren können, ich aber für meinen Hund ein Kinderticket lösen sollte….. Reaktion der Deutschen Bahn: man bedaure, blablabla…… man bäte um meine Gründe für die Kündigung ! (hatte ich natürlich längst getan ) No more trewelling wis Deutsche Bahn !!!

  2. Hast Du denn versucht sie auf den Sitzen liegen zu lassen und hat jmd gemotzt?
    Mit den Schweizer Bundesbahnen verhält es sich nämlich genauso. Nur hat mir ein anderer WH-Besitzer versichert, dass er mit seiner Hündin nun schon seit einem Jahr öffentlich reise, immer mit einer Decke ausgerüstet und seine Galga ganz entspannt auf den Sitz ablege. Es gab noch niemals nie eine Reklamation vonseiten der Mitreisenden oder der Kontrolleure.
    Werde das nun auch so halten.

    • Nein, ich bin gar nicht auf die Idee gekommen, einen von den beiden auf den zufällig freien Sitz zu hiefen. Ich war sicher, dass das nicht erwünscht ist.

      Entspannte Grüße

  3. Meine Mutter reist seid Jahren von Hamburg in die Schweiz mit der Bahn und das bisher ohne Problem. Und da unsere Whippethündin in so eine Travelbag (http://yvolon.ch/travel-homebags.shtml) passt, auch umsonst. Mittlerweile wissen wir auch welcher Platz der beste ist. ?

    Viele Grüsse aus der Schweiz

    • Hat deine Mutter eine bestimmte Zugverbindung? Ich möchte auch gerne mit meiner Polly in die Schweiz fahren. Ab Hamburg ist super. Wegen der Tasche schaue ich auch mal, Danke für den Tipp 🙂

      • Hallo Iris
        Nein, keine bestimmte. Wir buchen immer den der zeitlich passt ohne umsteigen und am günstigsten ist.
        Meine Mutter findet am besten den Platz Nr.71 (Einzelsitz)!
        Für den Notfall hat sie immer eine von diesen Welpenunterlagen mit, zum Glück noch nie gebraucht. Den Maulkorb brauchte sie bisher auch noch nicht….

  4. Frankfurt am Main – Kassel Freitag 16 Uhr , Sitzplätze gab es schon keine mehr als der ICE einfuhr. Hieß für mich stehen im Gang, die Fenster enden bei einer höhe von 160 meine Augen sind ungefähr bei 185 somit hatte ich ein super Ausblick aufs Gleisbett und schon nach einer halben Stunde hatte ich ein Gefühl dafür wie schnell wir fahren anhand wie schnell die schwellen vorbeisausten. Richtig spannend wurde es als die Saftschubse mit ihrem Wagen kam der ist gefühlt 5 cm schmaler wie der Gang , aber die hat einfach nur von hinten geschoben was im weg war muste weichen! MEINE FUSSZEHEN HABEN ES NICHT MEHR GESCHAFT ich fahre nie nicht mehr Bahn ich bin doch nicht irre 😉

    • Ich bin mit meinen 1,80m auch nicht gerade klein. Wenn ich mich mit zwei Hunden in eine Sitzreihe quetschen muss, ist das kein Spaß!

      Entspannte Grüße

  5. Du sprichst mir aus der Seele! Leider habe ich kein Auto und bin auf die Bahn angewiesen. Ich versuche immer früh morgens am Wochenende zu fahren oder sehr spät abends, wenn nicht so viel los ist. Und wir setzen uns dann immer in den Wagen für Fahrräder. Für mich unbequem aber Hunde haben dort viel Platz, wenn der Wagen leer ist. Eine Unverschämtheit ist wirklich der Preis. Ich habe eine BC25 und bezahle meistens weniger als meine 39cm kleine Hündin. Eigentlich ist übrigens auch Maulkorb Pflicht. Die Bahn tut alles um wenig Hunde befördern zu müssen, das ist mein Eindruck. Aber hier im ÖPNV ist es auch nicht besser, da bezahlen wir auch Kinderfahrkarte und haben keinen Platz 🙁

    • Der Regionalexpress ist mit den Hunden im Vergleich zum IC eine wahre Wohltat. Viel Platz und Einsteigen geht auch ohne Probleme, weil der ja niederflurig ist. Steig mal mit zwei Hunden und einem kleinen Koffer in eine IC. Obwohl meine Jungs echt sportlich sind, wollte ich sie nicht reinspringen lassen. Also habe ich einem Fremden Dannys Leine in die Hand gedrückt, den Koffer und Mono reingewuchtet und dann Danny quasi hinter geworfen. Beim Aussteigen hat mir ein nette Freu wie selbstverständlich geholfen.

      Entspannte Grüße

  6. Ha. Das ist doch garnix, mach das ganze mal mit nem Miniatur Bullterrier!
    Damals grad mal 1 Jahr alt, halb so groß wien Whippet, der Schaffner hatte schon Schweißperlen auf der Stirn als wir uns nur auf den Zug zubewegt haben.
    Frankfurt-Hamburg, ICE. Sitzplatz: Die Stufen an der Tür.
    Und alle 30 Minuten spätestens stand der Schaffner hinter mir um zu kontrollieren das der Maulkorb auf dem Hund ist. Als er mir verbieten wollte den Hund zu füttern wurd ich patzig, daraufhin wurde mir gnädig erlaubt den Maulkorb 10 Minuten abzumachen. Und ja, auch das hat er kontrolliert.
    Alle die mal vorbeikamen haben den Hund bedauert.
    Ich war nur froh nach über 4 Stunden da endlich rauszusein und war unglaublich stolz das der kleine Kerl seine erste und vor allem schweinelange Zugfahrt genauso gemeistert hat wie alles andere, nämlich total gechillt.

    DB ist echt nicht zu empfehlen, wahnsinnig teuer, oft unfreundlich, teils völlig inkompetent und pünktlich sind sie eh fast nie.

  7. Julia Schröder Reply

    Sehr schön! 😀
    Ich selbst bin als Studentin an die Bahn gebunden und fahre mit meinem Whippet ca. 3mal im Jahr 9h in die Heimat. Sowohl Whippet als auch Schaffner haben sich arrangiert, das bedeutet aber auch, dass der Whippet auf seiner Decke am Fenster liegen will/muss. 😉
    Allerdings finde ich das Preis-Leistungs-Verhältnis der Bahn wahnsinnig aber das ist auch nichts neues. o.O

  8. Iris mit Aggi Reply

    Ich bin vor Jahren, als meine kleine Schäferhündin, die gerade 4-5 Monate alt war mit der Regionalbahn von Essen nach Münster gefahren, hinten im Fahrradabteil. Ob ich für den Hund damals ein Ticket gekauft habe weiß ich nicht mehr (ist beinahe 12 Jahre her). Der Wagon war auf jeden Fall voller Menschen, da die kleine ja noch ein Welpe war (mit Schlappohren) haben wir auch keine Anfeindungen erlebt – bis – ja bis der Hund sich in das Abteil entleerte (vor lauter Aufregung hatte sie Durchfall vom feinsten). Dann sind ALLE fluchtartig aus dem Wagon geflohen und ich stand da mit meinem Glück. Also den Hund kurzerhand an einer Haltestange festgebunden, aus dem Klo Tücher besorgt und die Sauerei zumindest so weit es ging weg gemacht. Leider habe ich dadruch die Toilette verstopft. Als die Schaffnerein vorbei kam muss ich kleinlaut sagen: „Uns ist da ein kleines Unglück passiert und nun ist auch noch die Toilette verstopft!“ Die Dame hat mir zugezwinkert und gesagt: „Ach das kann doch jedem mal passieren – und die Toilette schließe ich jetzt einfach ab – dann merkt das auch keiner…“ Mit dem ausgewachsenen Hund bin ich kein Zug mehr gefahren, weil ich es nicht musste und möglichst vermeiden will, eben weil man ein Kinderticket kaufen muss, aber nicht mal Anspruch auf den Fußraum von dem nicht benutzen (aber bezahlten) Platz hat…

  9. Hallo, in Bezug auf Maulkorbpflicht kann ich beisteuern, dass mir eine Bahnmitarbeiterin mal gesagt hat, dass die in der Praxis meist nicht angewendet wird. Lustigerweise kauft man ein Hundeticket, gibt es im System als Auswahl. Aber gedruckt wird dann Kind, warum auch immer.. ich bin bis jetzt einmal (Hin und Zurück) mit Dita gefahren. Sie ist auch ein eher kleiner Hund, aber nicht klein genug für so eine Tasche. Mein Gepäck hab ich vorgeschickt, Hund und Gepäck hätte mich überfordert.

    Eigentlich ging es ganz gut. Ich war wohl mehr gestresst, als sie 🙂

    Das einzige Problem war, dass sie nicht aus dem Abteil gehen wollte. Ich weiß nicht warum, aber es ist ziemlich schwierig in den eher schmalen Gängen den Hund auf den Arm zu nehmen…

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