Ausprobiert

Test: Die Leica Q2 – Teil 2

Anzeige

Frühling! Jetzt kommt wieder die Zeit der frühen Streifzüge, denn morgens ist das Licht ganz wunderbar. Zwischen 6:00 und 6:30 Uhr schnappe ich mir die Whippets und spaziere los. Ganz ohne Plan. In den letzten Tagen war meine einzige Vorgabe: Die Bilder werden schwarz-weiß. Denn nach einer Farbexplosion suche ich immer die Reduktion. Einfach, klar, flach. Weiter geht es also mit dem Test der Leica Q2.

Die Leica Q2 – hochwertig handlich

Mit zwei Whippets an der Leine brauche ich eine handliche Kamera, die sich ohne großes Gefummel einstellen lässt. Sie sollte nicht zu schwer und möglichst mit einer Hand zu bedienen sein. Das klappt mit der Q2 ganz gut, auch wenn sie für ihre kompakte Größe erstaunlich viel Gewicht mitbringt. Laufen die Hunde frei, kann ich natürlich das schwere Gerät nutzen, doch bei Spaziergängen wie diesen, wäre das äußerst mühsam und in allen Teilen überdimensioniert.

Blütenblätter auf einem Teich
Blütenblätter auf einem Teich im Stadtgarten. Leica Q2, 28mm, 1/500 sek., ISO 100, f/2,8

Als ich die Fotos von den Blütenblättern auf dem Teich machte, war ich froh, der Leica ihren mitgelieferten Gurt verpasst zu haben. Denn mit zwei manchmal dann doch an der Leine zerrenden Durchlauferhitzern beugt man sich nicht einfach so weit über einen Teich, ohne die Kamera irgendwie gesichert zu haben. Die Leica Q2 ist zwar rundherum geschützt vor Spritzwasser, aber einen Plumps ins Brackwasser hätte sie ganz sicher nicht überlebt.

Die kleinen Schlüsselringe, die den Gurt an der Leica Q2 befestigen, killen beim Anbringen jeden Fingernagel.
Ich verstehe nicht, warum es winzige Schlüsselringe sein müssen. Klar, sie halten für immer, aber sie anzubringen ist extrem fummelig und tötet jeden Fingernagel.
Test: Die Leica Q2 - Teil 2
Leica Objektive sind bekanntermaßen Weltklasse. Das Summilux 1:1,7 28mm auf der Leica Q2 produziert eine Schärfe zum Niederknien und ein traumhaftes Bokeh.

Schlüsselringe versus Fingernägel

Die Befestigung des Gurts ist übrigens das einzige, das einer Leica nicht würdig ist. An den kleinen Schlüsselringen, mit denen man den Gurt in den Ösen der Kamera befestigt, habe ich mir zwei Fingernägel komplett zerstört bis ich sie endlich angetüddelt hatte. (Nebenbei, ich habe ganz normale, herunter gefeilte, alltagstaugliche Fotografennägel.) Sogar die Sonderedition der Leica M Monochrome „Drifter“ hat diese fiesen Ringe. Das geht eindeutig besser. Jammern auf sehr hohem Niveau? Vielleicht! Aber dazu mehr später in meinem Fazit.

Anzeige

Blütenblätter auf einem Teich
Blütenblätter auf einem Teich im Stadtgarten. Leica Q2, 28mm, 1/500 sek., ISO 100, f/2,8

Ein neuer Blick auf Alltäglichkeiten

Mono, Hudson und ich zogen also neulich morgens einen Kreis von etwa zwei Kilometern um unser Domizil herum. Mir ist die Gegend so bekannt, dass sie mir vordergründig nichts als langweilige Alltäglichkeiten liefert. Sie ist weiß Gott nicht besonders schön, aber manche Ecken haben dann doch ihren Reiz und bei genauem Hinschauen eine ganz eigene Ästhetik. Das ist das Interessante an neuen Aufgaben. Ich sehe die Dinge plötzlich anders.

Test: Die Leica Q2 - Teil 2
Schatten – Leica Q2, 28mm, 1/2000 sek., ISO 50, f/2,8
Test: Die Leica Q2 - Teil 2
Leica Q2, 28mm, 1/2000 sek., ISO 50, f/2,8

Monochrom – automatisch oder selbst gemacht?

Die Leica Q2 bietet einen Monochrom-Modus an. Ich könnte also in der Kamera einstellen, sie möge bitte ausschließlich Schwarz-Weiß fotografieren. Ich gebe zu, ich habe diesen Modus noch nicht genutzt, weil ich einerseits von der Farbwiedergabe der Kamera so begeistert bin und andererseits dieser Modus natürlich nur mit JGPs funktioniert und nicht mit DNGs. Letztere will ich aber unbedingt machen, da ich meine Bilder in der höchsten Qualität ansehen und analysieren möchte, bevor ich sie weiter verarbeite. Denn dann machen sich die 47,3 Megapixel nicht nur bemerkbar, sondern schreien förmlich Hier. Schärfe und Detailtiefe sind beeindruckend.

Die Plastik von Robert Adams vor dem Musiktheater im Revier.
Die Plastik von Robert Adams vor dem Musiktheater im Revier. Wer auch immer diese Formel ersonnen hat, war sehr fantasievoll. Leica Q2, 28 mm, 1/100 sek., ISO 100, f/5,6
Test: Die Leica Q2 - Teil 2
Eine Markise. Im Apartmentturm des Hotel Maritim lebt ein Individualist. Leica Q2, 28mm, 1/250 sek., ISO 100, f/2,0

28mm 1:1,7 – Schon schön!

Das großartige Summilux 1:1,7 28mm tut natürlich seinen ganz wesentlichen Teil dazu. Ich persönlich liebe Weitwinkel sehr, komme also mit dieser Brennweite wunderbar klar. Deshalb war ich nicht ganz einverstanden, als Paddy so inbrünstig bemerkte, dass diese Kamera mit festen 50mm ein Nonplusultra wäre. Niemals würde ich ein schlechtes Wort über mein Canon 50mm 1:1,2 verlieren. Es steckt tatsächlich meistens auf der 5Ds R, die mit 50,6 Megapixel ein echter Hammer ist. Diese Union ist in meinen Augen kaum zu schlagen. Aber eine Kompakte wie die Leica Q2 ist mit einem Weitwinkel und optionalen 35, 50 und 75mm besser kombiniert.

Hudson und ein Sonnestrahll
Hudson und Mono morgens um 6:30 Uhr in einem Sonnenstrahl. Leica Q2, 1/1000, ISO 800, f/5,6

Ist man 28 mm nicht gewohnt, muss man sich ganz sicher erst ein bisschen einwohnen, aber schließlich bieten sie mehr Spielraum für die Menschen, die keinen großen Fuhrpark haben, sondern ausschließlich diese Kamera nutzen. Zudem ist es puppenleicht mit der Q2 umzugehen. Sie liefert kompromisslos schnell, wenn nötig und haut dabei eine atemberaubende Qualität raus. Bei sehr hektisch mit langer Belichtungszeit geschossenen Bildern greift der interne Stabilisator gnadenlos zu. Ganz erstaunlich.

Test: Die Leica Q2 - Teil 2
Flugzeugglas in der neuen Sachlichkeit. Das Hans-Sachs-Haus begleitet mich seit meiner Kindheit. Früher gab es dort einen Pater-Noster, in dem ich immer großen Spaß hatte. Leica Q2, 28mm, 1/125 sek., ISO 100, f/5,6
Test: Die Leica Q2 - Teil 2
Spiegelungen – Ein ehemals hässliches und ein nach wie vor hässliches Hochhaus im Zwiegespräch. Leica Q2, 1/1000 sek., ISO 100 f/4,0
Glasfassade mit der Leica Q2
Innen? Außen? Leica Q2, 28mm, 1/2000 sek., ISO 50, f/2,8

Raus und wieder rein in die Komfortzone

Ich freue mich jeden Tag, dass die Leica mich aus meiner Komfortzone holt und auf neue Gedanken bringt. Auch Bilder von anderen Fotografen – wie Allan Schaller zum Beispiel – schaue ich mir neuerdings ganz anders an. Jeden Tag etwas Neues, sage ich mir dann. Aber als eingefleischte Sportfotografin habe ich natürlich auch Highspeed-Modus der Leica Q2 zum Kochen gebracht. Dazu und noch viel mehr im nächsten Teil meiner Testreihe.

Anzeige
Test: Die Leica Q2 - Teil 2
Guten Morgen! Leica Q2, 1/500 sek., ISO 800, f/8,0

Die Keyfacts zur Leica Q2

Typ – Digitale Kleinbild-Kompaktkamera mit 28mm Festbrennweite
Zielgruppe – ambitionierte Amateure / Profis
Best for – Landschaft / Portrait / Architektur / Reportage
Gewicht– etwa 734 Gramm
Maße – ca. 130 x 80 x 91,9 mm
Sensor – Vollformat CMOS-Sensor 47,3 Mio. Pixel (effektiv)
Objektiv – Leica Summilux 1:1.7/28 ASPH., 11 Linsen in 9 Gruppen, 3 asphärische Linsen
Digitalzoom – 28 mm, 35 mm, 50 mm, 75 mm
Blendenbereich – 1,7 bis 16 in 1⁄3 EV-Stufen
Verschlusszeiten –  60 s bis 1⁄2000 s mit mechanischem Verschluss, 1 s bis 1⁄40000 s mit elektronischem Verschluss, in 1/3 Stufen,
Autofokus – 1-Feld (225 Felder) / Mehr-Feld / Gesichtserkennung / Motiv-Verfolgung
Display – 3″-TFT-LCD-Monitor mit ca. 1.040.000 Bildpunkte, Berührungssteuerung möglich
ISO – 50-50.000 
Serienaufnahmen – wahlweise 10, 5 oder 3 Bilder die Sekunde
Aufnahmeformat – DNG und JPG
Video – MP4 (C4K / 4K / FullHD)
Kartenschächte – 1 x SD-/SDHC-/SDXC-Speicherkarten.
Material – robustes Magnesiumgehäuse, Spritzwasser geschützt
Akku – hält einen langen Fototag durch
WLAN / Bluetooth – Erfüllt Norm IEEE 802.11b/g/n (Standard-WLAN-Protokoll), Kanal 1-11, Verschlüsselungsmethode: WLAN-kompatible WPA™/ WPA2™, Zugriffsmethode: Infrastrukturbetrieb
My two cent –  Zauberhaft

Preis – Aktuell kostet die Leica Q2 4790,- Euro

Anzeige

Die Leica Camera AG hat mir die Leica Q2 zum Testen zur Verfügung gestellt. Eine Einflussnahme auf die Berichterstattung erfolgt nicht.

Freie Autorin mit einem starken Hang zur Fotografie

2 Comments

  1. Wieder ein schön zu lesenden Bericht und vor allem beeindruckende SW Aufnahmen.
    Ich habe beides sehr genossen.
    Allerdings hätte ich auch gerne ein paar SW als jpegs aus der Q2 gesehen.
    Oft bearbeite ich meine Bilder auch gerne in Lightroom. Aber um ehrlich zu sein, ist mir eine JPEG Engine, die meinen Geschmack trifft wichtig, da ich als Hobbyfotograph schlicht zu faul bin, die Fotoausbeute eines Tages oder Urlaubs zu bearbeiten. Da sollte 90% der Aufnahmen aus der Kamera stimmen.

Write A Comment

Rechtlicher Hinweis

Mit dem Absenden des Kommentars übermittelten Sie uns Ihren Namen, Ihre E-Mail-Adresse, Ihre IP-Adresse, Ihre URL (sofern angegeben) und Ihren Kommentartext. Gleichzeitig stimmen Sie ausdrücklich der Speicherung und der Veröffentlichung des Kommentars zu. Die Veröffentlichung erfolgt ohne E-Mail- und IP-Adresse. Diese Daten dienen dem Schutz vor Missbrauch der Kommentarfunktion (SPAM) und werden anschließend automatisch gelöscht. Wir behalten uns vor, Kommentare ohne Angabe von Gründen nicht zu veröffentlichen. Zudem löschen wir Links, die mit dem Kommentar übermittelt werden, wenn wir diese SEO-Agenturen zuordnen.