Ausprobiert

Test: Sahneschnittchen mit Schokostreuseln – Das Canon EF 70-200mm 1:2,8L

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Jetzt könnte ich es mir leicht machen. Zum Canon EF 70-200mm 1:2,8L IS II USM reicht nämlich ein Vier-Wort-Text: Über jeden Zweifel erhaben! Doch das wäre ein bisschen dünn, sowohl für die neugierigen Leser, als auch für mich. Denn ich habe etwas zu verarbeiten, wobei schreiben bekanntermaßen hilft.

Ich war wohl noch nicht ganz wach, als ich Mono, Mr.Clark und meine mit dem Testobjektiv bestückte Kamera morgens um 7:00 ins Auto packte, um an den Strand zu fahren. Die französische Atlantikküste bot perfektes Wetter, eine leichte Brise, einen traumhaften Sonnenaufgang und Tiefebbe. Leinen los, Kamera scharf und die Jungs rannten, als gäbe es kein Morgen. Ich konnte mich gar nicht satt sehen an dem fantastischen Licht und den beiden Hunden, die in Höchstgeschwindigkeit ihre Kreise zogen. Nach etwa einer Stunde war die Luft ‚raus, die Mägen knurrten und ich war sicher, ein paar tolle Actionbilder im Kasten zu haben.

Mr.Clark vom Licht verwöhnt - 1/1600 sek., Blende f/3,5, ISO 100
Mr.Clark vom Licht verwöhnt – 1/1600 sek., Blende f/3,5, ISO 100, 200mm – Rund 2.200 Euro kostet das Objektiv im Augenblick im Handel.

Als ich allerdings die Kamera wieder in ihre Tasche packte, sackte meine Stimmung schlagartig unter Null. Schuld trugen zwei klitzekleine Schalter an dem 70-200er. Bildstabilisator ON. Das ist im Prinzip gut, aber er stand auf Stufe 1, die für ruhende Motive zuständig ist. Die Stufe 2 hätte gepasst, sie schlief aber tief. Ein blöder Zentimeter, eine Handbewegung  – der schmale Grad zwischen scharfen Fotos und totalem Schrott.

Immer an den Stabbi denken!

Dem Objektiv konnte ich die Schuld nur schwer in die Schuhe schieben. So verbrachte ich den zwanzig minütigen Rückweg damit, mich auf’s Übelste selbst zu beschimpfen. Hätte ich den Stabbi doch ganz ausgemacht, wie blöd kann man eigentlich sein und Schlimmeres.

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Mono am Silberstrand - 1/640 sek., Blende f/3,2, ISO 100
Mono am Silberstrand – 1/640 sek., Blende f/3,2, ISO 100, 200mm

Ich traute mich kaum, das komplette Ausmaß der Katastrophe anzusehen. Zunächst sahen die Bilder gar nicht so schlimm aus, wie ich befürchtet hatte, doch genaues Hinsehen brachte die kalte Ernüchterung. Sie waren nicht komplett unscharf, sondern nur ein bisschen. Aber eben unscharf, mit einer lustigen Aura um die fokussierten Objekte herum. Ich glaube es waren nur drei Bilder, die ich als zumindest brauchbar bezeichnen würde. Von rund 250. Mein einziger Trost war die Tatsache, dass ich noch genug Gelegenheiten haben würde, Strandbilder zu machen.

Brillant und extrascharf

Diesen Fehler werde ich wohl kein zweites Mal machen, doch er zeigt, dass die beste Technik nur so gut funktioniert, wie ihr Nutzer sein Hirn einschaltet. Auf meinen zahlreichen Flohmarktgängen legte ich dann ganz bewusst die Stufe 1 ein. In dem Gedränge zwischen alten Möbeln, Gläsern, Küchenkrams und Kitsch entstanden ein paar meiner Lieblingsbilder. Hier zeigt das 70-200er 1:28, dass seine Abbildungsschärfe sehr nah an die 300er Festbrennweite kommt, dass es Farben ebenso brillant wiedergibt und bei Blende f/2,8 sensationell freistellt. Ganz weich und fein.

Blick auf die Ils de Ré
Blick auf die Ile de Ré – 1/125 sek, Blende f/9,1, ISO 100, 140mm

Bewegte Motive fotografiere ich – trotzt der Option Stufe 2 – nach wie vor lieber ohne Stabilisator. Obwohl er schnell anschlägt, fühle ich mich mit ihm etwas eingeschränkt. Das mag wohl auch wieder an der sehr speziellen Aufgabe unberechenbarer Windhund liegen. An vierrädrigen Flitzern konnte ich diese Linse leider noch nicht testen. Ich kann mir vorstellen, dass hier der Stabilisator für Mitzieher sehr nützlich sein kann.

Frecher Hund
Frecher Hund – 1/1000 sek., Blende f/2,8, ISO 100, 200mm

Nach nun fast drei Wochen, in denen ich es u.a. in Donaueschingen testen durfte, ist auch mir klar, warum das Canon 70-200mm 1:2,8L IS II USM zu beliebtesten Objektiven überhaupt gehört. Es ist ein ganz wunderbares, vielseitiges und enorm leistungsstarkes Sahneschnittchen, das in der Tat über jeden Zweifel erhaben.

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Ich muss zugeben, dass mir die Auswahl der Fotos dieses Mal besonders schwer gefallen. Aber ich glaube, ich habe eine repräsentative Auswahl zusammenstricken können. Wie immer sind sie unbearbeitet (nur beschnitten) und mit den Aufnahmedaten versehen.

Das Canon EF 70-200mm 1:2,8L IS II USM wurde mir von Canon für einen ausführlichen Test zur Verfügung gestellt. Das Objektiv ist im Foto-Fachhandel oder zum Beispiel auch bei Amazon erhältlich.

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Freie Autorin mit einem starken Hang zur Fotografie

2 Comments

  1. Petra Barwe Reply

    Hallo Frau Schwede,

    ich interessiere mich für das 70-200mm 1:2,8L IS II USM, das m. E. etwa 6 Jahre auf dem Markt.

    Sollte ich Ihrer Meinung nach noch mit dem Kauf warten, weil vielleicht ein neues kurzfristig auf den Markt kommt?

    Viele Grüße, Petra

  2. Hallo Frau Barwe,

    ich weiß nichts von einem neuen 70-200er. Das „alte“ ist absolut perfekt. Was sollte man daran verbessern? Um den Geldbeutel zu schonen, würde ich immer auf das 70-200er 1:2,8 ohne Stabi schielen.

    Sie müssen sich fragen, wie viel ihnen einen Stabilisator wert ist und wie oft sie ihn nutzen. Ich nutze den Stabi so gut wie nie, für mich hat er also keinen großen Wert. Bei einem Preisunterschied von 1.000 Euro ist das eine wichtige Überlegung.

    Entspannte
    Grüße

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