Danny, Enjoy The Silence of Little Goblin, hat das Rudel verlassen. Seit nun mehr als drei Monaten lebt er so, wie es ihm zu einem Besseren gereicht. Ganz ohne Stress und ganz ohne Verwirrung. Es ist mir unendlich schwer gefallen, für ihn ein neues Zuhause zu suchen, aber es musste sein.
Unser Leben ist geprägt von Entscheidungen. Minütlich, ja sekündlich müssen wir Entscheidungen treffen, die ganz banal unseren Alltag strukturieren und nicht selten lebensrettend sind. Ich gehe nicht über die Straße, weil ein Auto kommt. Ich gehe rechts herum, ich gehe links herum, ich kaufe kein Broccoli sondern lieber Kartoffeln.

Eine schmerzhafte Entscheidung
Neben diesen Banalitäten, mit denen wir uns maximal ein paar Sekunden beschäftigen, gibt es Gedanken, die lange gären und irgendwann eine Entscheidung erfordern. Dann kämpfe ich im Stillen. Ganz allein. Ich spiele immer und immer wieder Gedankenmodelle durch. Doch ich bin ein kommunikativer Mensch. Wenn ich gar nicht mehr weiter komme, dann rede ich. Zu meinem großen Glück habe ich vertrauenswürdige und kompetente Freunde, die Danny kennen und bereit waren, sich meinen Gedankenwust anzuhören. Die Knoten in meinem Kopf lösten sich und ich fühlte mich plötzlich ganz leicht.
Ohne den Zuspruch und die Ratschläge von außen würde ich mich vermutlich heute noch mit meinen Gedanken im Kreis drehen und wäre letztendlich ein Opfer der klassischen Stereotypen geworden. „Wenn es nicht klappt, geht immer der jüngste Hund.“ In der Tat war das mein erster Gedanke. Hudson muss gehen. Da war der Kleine gerade ein halbes Jahr alt. Doch weiter geholfen hätte das niemandem. Vor allem Danny nicht. Denn er ist ein traumhafter, lieber Hund, der alles kann, außer sich in einem feststehenden Rudel zurecht zu finden und sich entsprechend zu verhalten. Es gibt solche Hunde. Irgendwann musste ich das akzeptieren.

Aufgeben war nie eine Option
Danny aufzugeben war eigentlich nie eine Option, gerade weil meine Familie und ich ihn so lieb haben. Er hat uns schließlich fast fünf Jahre begleitet und war uns drei Menschen immer überaus treu zugetan. Dennoch, ich habe erkennen müssen, dass Danny bei uns nicht der Hund war, der er eigentlich sein könnte. Mono hat er zum Glück immer respektiert, doch als Hudson kam, war er bald – unsicher wie Danny immer war – eingeklemmt zwischen zwei sehr starken Charakteren. Weder Mono noch Hudson waren jemals grantig oder böse zu ihm. Ganz im Gegenteil. Monos enormer Wille, jedes Rudelmitglied friedvoll zu integrieren, hat uns über eine lange Zeit sehr geholfen. Doch ganz gegen seine Art gab Mono irgendwann auf und quittierte Dannys Verhalten mit Ignoranz. Für Mono war Danny irgendwann nur noch Luft. Sie lebten nebeneinander nicht miteinander. Das war schon lange bevor Hudson einzog. Hudson sodann liebte seinen Danny und nahm es einige Wochen nicht krumm, dass diese Liebe nicht erwidert wurde. Doch es war abzusehen, dass Hudson irgendwann auf Dannys Unsicherheit reagieren würde.
Ich wollte nicht wahrhaben, dass mir das passiert, aber ich wusste, dass ich handeln musste. Denn mein Alptraum war es immer, nicht aus dem Haus gehen zu können, ohne Angst zu haben, dass sich meine Hund gegenseitig an die Wäsche gehen. Das sollte es hier nicht geben und das wird es hier niemals geben.

Ich muss den Frieden erhalten
Ich habe alles versucht, um den Frieden in diesem Haus zu erhalten, denn Aufgeben gehört grundsätzlich nicht in meinen Wortschatz. Und, wenn es in einer Dreierkonstellation nicht stimmt, ist natürlich der Halter der Hunde verantwortlich. Versagen? Das ist so ein Wort! Doch manchmal passt die Kombination der Individuen einfach nicht. Mono wird nicht jünger. Hätte ich Hudson abgegeben, wäre Danny in ferner Zukunft allein gewesen. Niemals hätte ich ihm einen Welpen an die Seite setzen können. Aber ein Einzelhund ist er auch nicht. Er würde also irgendwann – trotz der Menschen, die ihn immer geliebt haben – ein sehr unglücklicher Whippet sein.
Allerdings, was mit Danny und Rüden nicht klappt, geht mit Hündinnen um so besser. Um also sicher zu stellen, dass er ein schönes Whippetleben haben wird, habe ich/haben wir gezielt nach einer wesensfesten, weiblichen Begleitung für ihn gesucht. Und siehe da, nun blüht er auf und zeigt all die guten Seiten, die er schon immer hatte. Er ist der liebenswerte, wohlerzogene, anhängliche Whippet, den ich kenne. Ich weiß, dass es ihm gut geht bei seinen neuen Whippetverstehern, die ihr Sofa liebevoll für ihn und sein Mädchen zurecht gemacht haben.

Vielen Dank für eure Hilfe!
Lebe wohl mein wunderschöner Danny! Vielen Dank für die Zeit mit dir. Du wirst immer ein Teil unseres Lebens bleiben. Jedes Mal, wenn ich im Radio Enjoy The Silence von Depeche Mode läuft, werde ich Tränen in den Augen haben. Doch nun ist es Zeit, loszulassen und dir ein tolles Leben zu wünschen.
Ich möchte allen Beteiligten von Herzen danken. Danny hat den besten Platz gefunden, den ich mir für ihn vorstellen kann. Vielen Dank an die Initiative Windhundhilfe e.V., an Liane Bertlich, Anke Severidt-Frank, Christa Riebel, Brigitta Bürger und Beatrix Braake. Danke, dass ihr mir zugehört und geholfen habt. Ohne eure Ratschläge und eure Unterstützung hätte ich das niemals geschafft.
