Ausprobiert

Im Test: Furbo die Hundekamera


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Furbo sieht aus wie eine Tulpenvase mit Deckel, doch die weiße Dose ist weit weniger harmlos. Ihre Kamera überträgt auf eine Handy App, ihr Soundmodul hört mit. Perfekt, um den geliebten Hund rund um die Uhr zu überwachen, so sagt der Hersteller. Egal, wo sein Besitzer sich gerade befindet.

Furbo sieht aus wie eine Tulpenvase mit Deckel, kann aber einiges mehr. In einem 160 Grad Winkel überwacht Furbo den Raum. Über eine App könnt ihr ihre Aufnahmen sehen. Egal, wo ihre gerade seid. Hier wirft der kleine Schacht unten gerade ein paar Leckerchen aus.
Furbo sieht aus wie eine Tulpenvase mit Deckel, kann aber einiges mehr. In einem 160 Grad Winkel überwacht Furbo den Raum. Über eine App könnt ihr ihre Aufnahmen sehen. Egal, wo ihre gerade seid. Hier wirft der kleine Schacht unten gerade ein paar Leckerchen aus.

Aber muss ich das? Muss oder will ich meinen Hund immer im Auge haben, wenn ich unterwegs bin? Und wenn ja, was nutzt es mir? Ich kenne Hunde, die auf Klautour gehen, sobald ihr Besitzer die Tür hinter sich geschlossen hat. Es gibt Hunde, die das Alleinsein nicht ertragen und ihre Ängste in Zerstörungswut umwandeln. Es gibt Hunde, die Bellen und Heulen bis selbst den Bewohnern der Parallelstraße die Ohren bluten. Und es gibt solche, die schlicht und einfach pennen. Wie meine drei Whippets.

Was kann Furbo?

Furbo kommt in ansprechender Form mit einem sehr fest sitzenden Bambusdeckel oben drauf. Unter dem Deckel verbirgt sich ein Fach für Leckerchen. In seinem (Furbo verstehe ich männlich) Körperchen trägt er eine Kamera, die im 160 Grad Winkel den Raum überwacht, sowie ein Sound Modul, das in seiner Sensibilität einstellbar ist.

Zuerst stand Furbo direkt neben der Stasi-Röhre, wie wir unsere Alexa liebevoll nennen. Passt, dachten wir.
Zuerst stand Furbo direkt neben der Stasi-Röhre, wie wir unsere Alexa liebevoll nennen. Passt, dachten wir.

Ihr nehmt also Furbo, füttert ihn mit Strom und ladet euch die Furbo App aufs Smartphone. Über die App hängt ihr dann Furbo in euer hauseigenes WLAN. Sobald die App mit Furbo sprechen kann, seid ihr verbunden. Dann könnt ihr aus dem Büro, beim Shopping oder von sonst wo gucken, was euer Hund treibt, wenn er alleine ist. Dabei könnt ihr Fotos und Videos machen. Wenn euer Hund Radau macht, gibt es einen Bell-Alarm in Echtzeit aufs Handy. Und wenn ihr wollt, könnt ihr euer Tier sogar ansprechen.

Pawlow lässt grüßen

Als ich gestern am frühen Morgen einkaufen war, habe in der Schlange an der Kasse einen kurzen Blick in die Furbo App geworfen. Einfach aus Spaß, denn ich wusste, dass bei uns Stille herrschen würde (Screenshot unten im Nachtsichtmodus). Hätte ich in diesem Moment den Button für das Leckerchenkatapult (Screenshot unten Mitte) gedrückt, wären drei Whippets aus dem Schlaf hochgeschossen. Denn diese Funktion arbeitet mit der klassischen Konditionierung. Erst ertönt ein Pfeifton, dann rödelt das Gerät ein paar Sekunden und dann – plöpp – kommen gleich mehrere Goodies geflogen.

Im Test: Nachtsicht - Ich war heute Morgen einkaufen. Die Furbo App zeigte mir: Ruhe im Karton!
Nachtsicht: Ich war heute Morgen einkaufen. Die Furbo App zeigte mir: Ruhe im Karton! In der Mitte unten ist der Button „Leckerchen Out“. Hätte ich den gedrückt, wäre es mit der Ruhe dahin gewesen.

Während unserer ersten Tage stand Furbo oben auf dem großen Buffet Bar, das wir aus Frankreich mitgebracht haben. Hudson wusste innerhalb von ein paar Sekunden, was er tun muss. Pfeifen, Rödeln, Plöpp! Nach ein paar Pfiffen positionierte sich der Kleine exakt unter der Auswurfstelle und fing das Futter aus der Luft. Schlaues Kerlchen. Mono und Danny haben auf das Piep zwar reagiert, waren aber zunächst zu faul und sich weiter zu engagieren. Nach ein paar Versuchen hatten schließlich auch sie den Ton mit den fliegenden Leckerchen verknüpft.

Furbo die Hundekamera im Test - Hupsi immer dabei. Die Kombi aus Schläue und Verfressenheit hat ihn sehr schnell lernen lassen.
Ich habe ein paar Fotos gemacht, wie Furbo die Leckerchen auswirft. Hupsi war die ganze Zeit dabei. Die Kombi aus Schläue und Verfressenheit hat ihn sehr schnell lernen lassen.

Zum Fotografieren stellte ich Furbo auf den Boden. Ich robbte auf dem Bauch herum und versuchte genau den Moment zu erwischen, in dem die Leckerchen geflogen kommen. Hudson lag die ganze Zeit sehr aufmerksam neben mir. Nach jedem Versuch sammelte er eilig alles ein, was er finden konnte. Gedanklich strich ich sein Abendessen. Wie oben links auf dem Foto gut zu sehen, hält Mono grundsätzlich nichts davon, für sein Futter arbeiten zu müssen. Auch Danny blieb tief in dem oben links zu sehenden Sessel vergraben.

Kann Furbo helfen?

Der 160 Grad Winkel der Kamera ist natürlich interessant. Sie kann einen sehr großen Raum fast komplett erfassen. Aber wie gehe ich mit den Informationen um, die Furbo mir liefert, wenn ich unterwegs bin? Stehe ich im Stau auf der A40 und bekomme einen Bell-Alarm, dann kann ich ihn zwar zur Kenntnis nehmen, aber nicht eingreifen. Wenn ich am Abend bei meinem Lieblingsitaliener sitze und über die App sehe, dass mein süßer Fiffi mal wieder die Möbel auffrisst, bleibt mir nichts anderes übrig, als genervt mit den Augen zu rollen.

 

Ich habe Informationen über das Verhalten meines Tieres, doch ändern kann ich es in diesem Moment nichts. Es sei denn, mein Tier ist derart auf das piep, rödel, plöpp konditioniert, dass ich es ein ganzes Abendessen lang mit Leckerchen und guter Ansprache bei Laune halten kann. Aber wer will schon zwischen Vitello Tonnato und Spaghetti al Vongole ständig über das Smartphone mit seinem Hund quatschen? Aiii, ja wo ist er denn? Nein, ich habe dir schon tausend Mal gesagt, du sollst nicht den Mülleimer .. und so weiter. Irgendwann kriegt man in dem Restaurant Hausverbot.

(Video unten zur Dokumentation der Bildqualität: Gut zu sehen, wie Hudson sich vor Furbo aufbaut und wartet. Ich im Hintergrund.)

Für Helikopterfrauchen und Helikopterherrchen?

Furbo kommt tatsächlich sehr (Werbung) herzig verpackt und mutet hochwertig an. Eine aktuell hippe French Bulldog macht auf dem Karton das Testimonial. Der Bambusdeckel auf dem Leckerchenfach dürfte wohl auch für sehr versierte Klaufixe ein echtes Hindernis sein, und gestalterisch ist die Hundekamera deutlich hübscher anzuschauen, als die klassischen Überwachungskameras.

Für arbeitende Singles mit einem Hund ist Furbo durchaus eine gute Idee. Wenn der Hund allein ist, dann hilft ein Blick auf ihn vielleicht über einen stressigen Tag hinweg. „Guck mal wie süß!“ Kollegen werden entzückt und das schlechte Gewissen wie weggeblasen sein. Ich meine das gar nicht böse, denn letzteres plagt mich auch hin und wieder, selbst wenn es in den meisten Fällen unbegründet ist.

Manchmal spuckt Furbo die Leckerchen nur sehr marmelig aus. Dann fallen sie aus der Öffnung stumpf nach unten.
Manchmal spuckt Furbo die Leckerchen nur sehr marmelig aus. Dann fallen sie aus der Öffnung stumpf nach unten.

Ebenso kann Furbo dokumentieren: Wann und zu welchen Anlässen bellt mein Hund? Zu welcher Uhrzeit fängt er an, Blödsinn zu machen oder die Küche zu inspizieren? Videobeweise helfen ohne Zweifel bei der Ursachenforschung, doch ändern werden sie nichts.

Übrigens, die erste Frage, die meine Familie beim Eintreffen von Furbo gestellt hat war: „Das Ding läuft doch nicht den ganzen Tag?“ Denn Menschen, egal wie sehr sie sich untereinander vertrauen, brauchen ihre Privatsphäre. „Nein, wenn ich mit den Testschüssen fertig bin, ziehe ich den Stecker.“ Denn einen ON-OFF Knopf am Gerät selbst konnte ich nicht finden. Es hat eine Weile gedauert, bis ich kapiert habe, dass ich Furbo in der App an- und abschalten kann.

(Video unten zur Dokumentation der Bildqualität: Hudson will Furbo sagen, dass er nun endlich wieder was ausspucken soll.) 

Brauche ich Furbo?

Nein, ich brauche Furbo nicht. Denn ich habe drei Whippets, die erstens ausgelastet und zweitens selten länger als maximal vier Stunden alleine sein. Sie sind weder Schadnager noch Kläffmonster. Sie fressen keine Möbel, Fernbedienungen oder Bücher. Sie sind einfach nette Hunde, die sich einrollen und schlafen, wenn ich/wir unterwegs sind. Anders gestrickten Hunden muss man vielleicht eine Überwachung aufnötigen. Doch was würde sie bringen außer der Gewissheit, dass sie Schadnager und Klauböcke sind? Furbo könnte eventuell Erziehungsfortschritte dokumentieren. Aber den Rest muss man dann selber tun. Da hilft auch kein piep, rödel, plöpp! 

Keyfacts zu Furbo

– 160 Grad Weitwinkelkamera
– 1080 Pixel Full-HD Videoauflösung
– 4-fach digitaler Zoom
– Infrarot Nachtsicht
– zwei Wege Audio
– Leckerchenfach für bis zu 100 Stück
– Deckel aus Bambus
– 199,- Euro


Furbo wurde mir zum Testen zur Verfügung gestellt. Nach dem Test habe ich das Gerät zurück geschickt. Die Furbo Hundekamera kostet 199 Euro und ist unter anderem bei Amazon (Werbung) zu bekommen.

Freie Autorin mit einem starken Hang zur Fotografie

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