Fotografie

Die WM-Revanche 2016

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Eigentlich hätte ich schon um 11:00 Uhr am Morgen Schluss machen können. Das tolle Licht an der Bahn des WRV-Westfalen-Ruhr war weg. Die Schatten, die Schlaglichter und flimmernden Flecken machten der gleißenden Sonne Platz, die wie vorbestellt die WM-Revanche 2016 verwöhnte.

Auch deshalb war es irgendwie niedlich, als während eines der ersten Rennen ein älterer Herr zu mir kam, den ich noch nie zuvor an der Bahn gesehen hatte. Ich saß im Sand vor dem Trecker, mit dem in rhythmischen Abständen die Bahn glatt gezogen wird. „Sie können hier nicht fotografieren!“, sagte er von der Seite. Ich war verwirrt.

Die WM-Renvanche 2016
Rund 180 Hunde waren am letzten Sonntag zur WM-Revanche 2016 gemeldet. Entsprechend trubelig war es an der Bahn.

Die Klappstühlchen der WM-Revanche 2016

„Warum nicht?“ „Sie haben hier Gegenlicht.“ „Ja.“ „Sie haben Schlagschatten und die Hunde sind dann auf den Fotos ganz dunkel.“ „Ja.“ sagte ich wieder und wurde etwas ungeduldig, weil er mich ablenkte. Einen Lauf hatte ich wegen ihm schon verpasst und das Licht würde sich schnell ändern. „Sie müssen auf die andere Seite gehen.“ „Das ist nett, dass sie mir Ratschläge geben wollen, aber ich bleibe lieber hier. Danke!“ Kopfschüttelnd ging er zurück hinter die Hecke zu seiner Kamera und seinem Klappstühlchen. Soll er doch denken, dass ich einen an der Murmel habe, Hauptsache er lässt mich in Ruhe meine Fotos machen. Etwas aus dem Tritt gebracht widmete ich mich wieder den Hunden auf der Bahn.

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Später saß ich mit dem lieben Gust De Leenar auf der anderen Seite des Ovals. Ich freue mich jedes Mal, den Belgier zu treffen, weil er immer sehr lustig und überaus freundlich ist. Wir diskutieren über die wilden Flecken, die der Schatten des großen Baumes wie immer am Morgen auf die Bahn warf.

Fremde Zungen und der falsche Ton

Mein Flämisch ist quasi nicht vorhanden, also sprechen wir grundsätzlich Französisch. Ich gestikulierte nach Leibeskräften, weil ich die krassen Lichtwechsel an dieser Stelle so toll finde. Eine Dame, ebenfalls mit Kamera und Klappstühlchen, fällt uns etwas mokant ins Wort: „Nein, nein, der Start ist dort!“ Sie zeigt auf die 355-Meter-Box. Es mag ja nett gemeint sein, aber wenn ich die Leute nicht kenne und kein Wort von dem verstehe, was sie reden, mische ich mich dann ein?

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Noch ein bisschen später sitze ich vor der 280-Meter-Box und warte auf die Hunde, die auf der gegenüberliegende Seite starten sollte. Dort sitze ich oft. Beim Training und bei den Rennen. Plötzlich bölkt mich von hinten eine niederländische Bahnbeobachterin an:“Gehen sie da weg! Wenn was passiert, sind sie Schuld!“ Auf diese Art der – ich nenne es mal robusten – Ansprache reagiere ich entweder gar nicht oder mit Trotz. Ich entschied mich für den Trotz: „Ja, wenn was passiert, können sie mir die Schuld geben!“ Darauf konnte sie tatsächlich noch robuster:“Ich bin hier Bahnbeobachterin und sie gehen jetzt hinter die Hecke!“

Da ich keine Lust hatte, mich von der Dame verprügeln zu lassen und vielleicht noch wertvolle Technik einzubüßen, zog ich mich zurück. Nicht ohne ihr klar zu machen, dass ihr Ton vollkommen unangemessen ist. Im Laufe des Tages musste sie dann wohl einsehen, dass sie irgendwie überreagiert hatte und ließ das Fotografieren von dieser Stelle aus dann doch zu. Hmm!

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Die WM-Renvanche 2016
Voll auf Konfrontationskurs!

Gemischte Gefühle

Ich habe durchaus Verständnis, dass bei einer derart großen Veranstaltung Anspannung herrscht. Die Rennen müssen reibungslos ablaufen, die Hunde sollen unverletzt ins Ziel kommen. Allerdings ist das kein Grund, jede Art von Umgangsform zu vergessen. Ich freue mich immer sehr, dort nette Leute zu treffen, ein bisschen zu quatschen und viel fachzusimpeln. Auch Sonntag hatte ich wieder einige sehr nette und informative Gespräche. Die Mitglieder der festen Gelsenkirchener Mannschaft waren wie immer herzlich und gelassen. Aber wenn mich jemand anbrüllt, kriege ich schlechte Laune. Wenn mich jemand tritt, fast eines meiner Objektive schrottet und dann abdampft, ohne sich zu entschuldigen, kriege ich auch schlechte Laune.

Ich habe großen, großen Spaß daran, an der Bahn zu fotografieren, aber selten bin ich mit so gemischten Gefühlen nach Hause gefahren wie am letzten Sonntag.

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Freie Autorin mit einem starken Hang zur Fotografie

3 Comments

  1. Hallo Carla

    Schönes Wetter ist auf der Rennbahn in der Tat kontraproduktiv. „Otto Normalo“ versteht das sowieso nicht.
    Die Erfahrungen mit den Bahnbeobachtern hatte ich bis jetzt noch nicht. Bei mir waren alle immer sehr freundlich. Liegt wahrscheinlich auch etwas an meiner Erscheinung …
    Spektakuläre Fotos sind dir da gelungen. Der Laie sieht das vielleicht etwas anders, mit der Bewegungsunschärfe und Dynamik.
    Die S/W Umwandlung wirkt hier speziell gut. Weiter so.

    Wünsche Dir einen schönen Tag und viele freundliche Menschen an der Rennbahn …
    Rene

    • Hallo Rene,

      ich weiß, dass zu große Hitze für die Hunde schlecht ist. Ich habe selber zwei von ähnlicher Sorte. Aber die Sonne kann auch scheinen, wenn es kalt ist.

      Zur Erscheinung: Ich bin immer freundlich und höflich. Bei großen Veranstaltungen halte ich mich zurück, um niemanden zu stören. Ich bin weder zu forsch, noch aufdringlich. Die Dame hatte absolut keinen Grund für ihren Ton. Dabei bleibe ich.

      Entspannte Grüße

      • Hallo Carla

        Da hast du wohl was missverstanden. Da sollen keine Vorwürfe sein.
        Mit schönem Wetter meine ich die blendende Sonne und nicht die Wärme im Sommer …
        Mit der Erscheinung habe ich meine gemeint.

        Auch entspannte Grüsse
        Rene

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