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Windiges aus dem Art Deco


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Liebe auf den ersten Blick. Ihr kennt dieses Gefühl. Diese Buchstützen aus der Zeit des Art Deco mussten es sein. Unbedingt! Und der beste Ehemann der Welt hatte tatsächlich Mitgefühl und stopfte mir die vier Greyhounds auf ihren schweren Marmorsockeln in meinen Nikolausstiefel.

Art Deco und ein gesundes Misstrauen

Grundsätzlich bin ich sehr misstrauisch, wenn Händler Kunstgegenstände aus dem Art Deco anbieten. Zu viele Nachahmungen und Fälschungen sind auf dem Markt unterwegs, die zwar den Anschein geben, aus der Zeit zu sein, es aber ganz offensichtlich nicht sind. Doch angesichts dieser Gruppe war mir das fast egal.

Greyhounds in der Bewegung: Ich mag diese Darstellung der Hunde so sehr, weil sie nicht manieriert ist. Sie haben nichts künstliches, sie verharren nicht in einer Pose sondern tun einfach das, was sie können: Laufen.
Greyhounds in der Bewegung: Ich mag diese Darstellung der Hunde so sehr, weil sie nicht manieriert ist. Sie haben nichts künstliches, sie verharren nicht in einer Pose sondern tun einfach das, was sie können: Laufen.

Buchstützen fand ich schon immer irgendwie spießig. Doch diese hier? Oh, wie schön! Und so gelungen. Die Darstellung der Greyhounds lässt zumindest auf eine Person/Manufaktur schließen, die diese Hunde schon einmal live sehen konnte oder gute Abbildungen von ihnen vorliegen hatte.

A head like a snake

Die Pfoten sind zwar etwas grob, doch die Muskulatur der Hunde ist sehr schön herausgearbeitet und ihre Anatomie stimmt. Vor allem passen die Köpfe. Das ist nicht selbstverständlich. Ich habe schon viele Windhunddarstellungen gesehen, die Windspielen, Whippets und auch Greyhounds ganz fürchterliche Klotzköpfe verpasst haben. Diese hier sind, wie sie sein sollen, edel und like a snake.

Die Greyhounds sind von kleinen Säulen gestützt. Ihre Anatomie ist durchaus stimmig und ihre Farbigkeit gefällt mir sehr gut. Aus den ersten drei Jahrzehnten des 20.Jahrhunderts gibt es deutlich feinere und aufwändigere Windhunddarstellungen aus Bronze oder Porzellan. Doch die werden zu Preisen gehandelt, die der Nikolaus nicht bezahlen möchte.
Die Greyhounds sind von kleinen Säulen gestützt. Ihre Anatomie ist durchaus stimmig und ihre Farbigkeit gefällt mir sehr gut. Aus den ersten drei Jahrzehnten des 20.Jahrhunderts gibt es deutlich feinere und aufwändigere Windhunddarstellungen aus Bronze oder Porzellan. Doch die werden zu Preisen gehandelt, die der Nikolaus nicht bezahlen möchte.

Spelter, nicht Bronze!

Bei ebay stolperte ich über diese Buchstützen, die laut des Verkäufers aus dem Art Deco stammen, also zwischen den 1910er und dem Ende der 1920er Jahre gefertigt worden sein müssen. Mit der typischen Formensprache des Art Deco kenne ich mich ganz gut aus, doch Fotos können täuschen. Kann ich die Dinge nicht anfassen, ihr Gewicht nicht abschätzen und das Material nicht fühlen, dann bin ich sehr vorsichtig.

Ich schrieb also den Verkäufer an: Bronze und Marmor? Nein, Spelter und Marmor. Gut, er ist ehrlich, dachte ich. Denn Spelter bezeichnet nicht mehr als eine Zinklegierung, die Anfang des 20.Jahrhunderts häufig für kleine Skulpturen verwendet wurde. Kupfer, das für die Produktion von Bronze nötig ist, war rar in dieser Zeit, weil der kostbare Rohstoff fast ausschließlich zu Munition verarbeitet wurde. Zudem bietet der Verkäufer weitere wunderschöne teils signierte Stücke aus dieser Zeit an, deren Preise noch eine Null mehr hinten dran hatten.

Meine Greyhounds aus dem Art Deco werden ab heute ein paar meiner Lieblingsbücher stützen. "Stromlinienform", ein Katalog zu einer Ausstellung, die vor vielen Jahren im Osthaus Museum Hagen gezeigt wurde, passt perfekt zu ihnen.
Meine Greyhounds aus dem Art Deco werden ab heute ein paar meiner Lieblingsbücher stützen. „Stromlinienform“, ein Katalog zu einer Ausstellung, die vor vielen Jahren im Osthaus Museum Hagen gezeigt wurde, passt perfekt zu ihnen.

Die Chemie muss stimmen

Die Tatsache, dass die Figuren aus Spelter gefertigt sind, macht sie nur vordergründig minderwertiger als Bronzestatuetten. Denn das Material an sich sagt erst einmal nichts über die Qualität der Darstellung selbst. Und die ist in meinen Augen sehr schön. Hier stimmt also die Chemie zwischen Objekt und Käufer perfekt. Andere mögen vielleicht lieber die Kobras von Edgar Brandt.

Leider hat der Verkäufer vergessen zu erwähnen, dass an einer der beiden Stützen eine neue Schraube die Figuren auf ihrem Marmorsockel hält. Ohne pingelig sein zu wollen, das hätte er tun müssen. Aber egal. Ob sie nun wirklich aus der Zeit stammen oder nicht, ich mag meine Greyhounds. Im Netz habe ich ein einziges weiteres Paar gefunden. In Großbritannien werden sie zum dreifachen Preis als Bronzeskulpturen angeboten. Ohne den Marmorsockel!

Freie Autorin mit einem starken Hang zur Fotografie

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