The Daily Irrsinn

Neues vom dicken Charly

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Wie bereits ausführlich erläutert, ist Mr.Clarks Verhältnis zum dicken Charly nicht das beste. Das ist vollkommen in Ordnung. Hunde können von mir aus die gleichen tief sitzenden Antipathien entwickeln, die wir Menschen auch gelegentlich pflegen. Doch kürzlich begab sich etwas, das die spezifische Lage seiner Abneigung in ein neues und unerwartetes Licht rückt.

In der Regel sind Charly und sein dauerblaues, in schalker Mikrofaser gewandetes Herrchen eine untrennbare Einheit. Wo die Mikrofaser ist, da ist auch Charly in einem Umkreis von rund 100 Metern zu erwarten. Das war bisher ein Gesetz und deshalb eine Konstante, auf die wir uns immer verlassen und entsprechend vorbereiten konnten. Ich staunte nicht schlecht, als uns vor ein paar Tagen der Staatsfeind Nr.1 an einer Leine hängend entgegen kam. Ich konnte also zumindest darauf verzichten, die Straßenseite zu wechseln. Am Ende der Leine ging nicht die blau-weiße Mikrofaser, sondern die dazu passende Gemahlinsgattin in einem blassen Lila. Gleich zwei neue Komponenten! Das konnten wir so schnell kaum verarbeiten.

Ich nahm Mono und Mr.Clark auf meine rechte Seite und stellte mich auf das übliche Theater ein. Der fette Terrier näherte sich knurrend. Die blass-lila Dame schaute stumpf geradeaus. Als wir auf gleicher Höhe waren, schaute mich Mono gespannt an. Das macht er immer, weil er weiß: Bei doofem Hund aufmerksam sein, hat automatisch ein Leckerchen zur Folge. Braver Mono! Der war in dem Moment allerdings nicht mein Problem. Mr.Clark galt es zu beobachten.

Bürstenhund

Doch er tat das absolut Unerwartete. Er ging locker und entspannt, ohne ein Grummeln, ohne Bürste, ohne einen Seitenblick einfach an seinem Hassobjekt vorbei. Ich kenne Mr.Clark zu gut, um hoffen zu dürfen, dass seine nachtragende Ader trockengelaufen sein könnte. Und mir macht auch keiner weiß, dass bei ihm bereits mit 4 Jahren ein gewisse Altersmilde eingetreten ist.

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Lag es daran, dass der dicky Charly an der Leine war? Nein, das hatten wir ja auch schon in Kombination mit seinem beratungsresistenten Herrchen. Es ist gar nicht der Terrier alleine, der Mr.Clark so auf die Palme bringt. Das Gespann macht ihn wütend. Charly plus blau-weiße Mikrofaser. Fehlt der alkoholdunstige Sportdress, dann ist Charly noch keine Freund aber im Grunde uninteressant. Die Gegenprobe hatten wir gleich am nächsten Tag. Die Presswurst kam ohne Leine, der Mann schlurfte mit ordentlichem Abstand hinterher. Prompt fuhr Mr.Clark wieder das volle Hassprogramm.

Jetzt müssten wir nur noch dem fürchterlichen Herrchen ohne Hund begegnen und gucken, wie Mr.Clark dann reagiert. Er war noch nie in seinem Leben unfreundlich zu einem Menschen, aber vielleicht ist der dicke Charly gar unschuldig. Der Auswurf der Hölle unschuldig? Wohlkaum.

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Freie Autorin mit einem starken Hang zur Fotografie

4 Comments

  1. Hahahahaha, ein Gelsenkirchener Hund, der die Schalke-Farben nicht mag! Ich lach‘ mich schlapp.
    Vielleicht solltest Du den Trikot-Test mal im benachbarten Dortmund machen. Ich bin sicher, dort
    gibt es auch Charlies mit Biene-Maja-Outfit-Menschen am Ende der Leine. Mal sehen, was das Experiment bringt :-)))

  2. Hallo Karla,
    ich denke du kannst Mr. Clarks „Antenne“ vertrauen. Wenn erst das blau-weiße Zweibein ihn zum Kochen bringt, stimmt mit dem was nicht, der tumbe Hund ist da nur eine Zugabe.
    Wir hatten über 40 Jahre einen netten, etwas geschwätzigen Nachbarn, bei dem konnte meine äußerst friedfertige Cockerhündin schon vor fast 30 Jahren nicht an sich halten, der wurde verbellt.
    Spätere Hunde hielten es mit diesem Mann genauso. Obwohl er schon über die Straße meine Hunde zuckersüß ansprach konnte er nur wütendes Gebell ernten. Nach außen immer nett, im Haus zu seiner Familie ein ganz fieser Despot. Hunde haben da eine „Antenne“.
    Liebe Grüße
    Michael

  3. Da könntest du richtig liegen, Michael. Vielleicht merkt der gute Hund auch, dass ich diesen Mann furchtbar finde. Als ich irgendwann am späten Abend in der Dunkelheit mit den Hunden nach Hause kam und sie aus dem Auto lud, da torkelte der Typ mit dem dicken Charly gerade um die Ecke. Er sturzhagel voll, der Hund wie immer auf Krawall gebürstet. Boah, war das ein Theater. Ich war froh, dass ich Mr.Clark vorsichtshalber an die Leine gelegt hatte.
    Entspannte Grüße

  4. ein wunderbares lehrbeispiel dafür, dass „das problem“ oft am oberen ende der leine anzutreffen ist …

    ich konnte hier einen kleinen, weissen hund im ort beobachten, der meiner grossen grauen gegenüber immer freundlich gesonnen war und umgekehrt. eines tages wurde er abgegeben und wurde von einer seniorin geführt. ab dem zeitpunkt kläffte er meine hündin wie gestört an. 🙁

    seit kurzem ist seniorfrauchen gehbeeinträchtigt, der kleine weisse wird von einer anderen seniorin gassi geführt und ist, wenn er uns begegnet wieder die freundlichkeit in person.

    in unserem fall überträgt sich wohl die angst vor grossen hunden auf das kleine hundchen.

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