Nein, ich mache keine Schleichwerbung für dieses süße Gesöff, das sich unter dem Namen Durstlöscher offenbar großer Beliebtheit erfreut. Ich dokumentiere hier lediglich, was ich täglich finde.
Farblich und formal hoch interessant ist diese Installation aus vergänglichem und unvergänglichem Material. Die Rippen des gusseisernen Abflusses drücken sich durch das Papier und erinnern uns auf subtile Weise daran, dass sich alles Organische in einen großen Kreislauf zurücksehnt. Der Rest einer Zigarette sorgt für Balance.
Anstatt mit erhobenem Zeigefinger über Müll an sich und vor allem über den achtlos in die Landschaft geworfenen zu schimpfen, möchte ich mich ihm lieber positiv nähern. So gut es geht zumindest. Das mag zunächst schwierig erscheinen. Doch denke ich an Picasso und sein „Ich suche nicht, ich finde!“, dann wird es leichter.
Farbe im Zwiegespräch – Hier nimmt die Verpackung eines Schokoriegels mit viel Leichtigkeit das Rot des Tetra Paks auf. Der Komplementärkontrast zwischen dem Rot des Mülls und dem Grün der Pflanzen am Wegesrand scheint rein zufällig gesetzt. Doch nur zu leicht übersieht man hier die strenge Anordnung der Bildelemente. Blau! Blau wie der Himmel, das Wasser, wie Schlümpfe, Waschmittel oder eben dieses Graffiti, das verzweifelt versucht, die Mauer einer Unterführung freundlicher erscheinen zu lassen. Oft denke ich tatsächlich, dass sich insbesondere Kinder ihrer kreativen Kraft gar nicht bewusst sind, wenn sie ihren Müll gedankenlos in die Landschaft werfen. Dieses Sujet ist in meinen Augen inhaltlich besonders eindringlich. Der Meister des Waldes, der Waldmeister, zerstört sein eigenes Habitat. Ja! Manchmal muss man über das große Ganze nachdenken, selbst wenn es etwas überzogen klingt. Unabhängig davon mag ich mir gar nicht vorstellen, wie scheußlich das ganz sicher knatschgrüne Zeug schmeckten muss. Waldmeister mochte ich noch nie! Aber das ist natürlich wie immer Geschmacksache.„Clean“ ist unter Fotografen ein sehr beliebter Begriff. Ich konzentriere mich gerne auf das Wesentliche. Farbe, Form, Kontrast, Struktur. Kein Tinnef. Einfach. Hier war ein Straßenkünstler unterwegs, der mit Farbe umgehen kann. Das leuchtende Gelb auf dem tiefen Grau des Asphalts ist in jeder Hinsicht überzeugend. Einsamkeit – Verloren in der weiten Landschaft macht dieses Tetra Pak eine fast tragische Figur. Der dünne Strohhalm streckt sich gleich eines kleinen Ärmchens nach Gesellschaft aus, findet aber keine. Wie traurig! Vergänglichkeit – Während meiner Rundgänge sind mir Bilder wie diese begegnet. Das kann nur geplant sein, dachte ich mir dann. Dennoch weiß ich genau, dass sie alle purer Zufall sind. Ausgesaugt, hingeworfen und vergessen. Ein paar Stunden später wird die Stadtreinigung ihren Job tun und diese Installation zunichte machen. Bis die nächste kommt.
Das informelle Graffiti hebt die strenge Form des Tetra Paks gekonnt auf.
Täglich könnte ich dutzende mehr Fotos von dahin und leichtfertig weggeworfenen Durstlöschern machen, doch irgendwann ist das Thema durch. Solltet ihr, meine lieben Leser, auf ähnliche Phänomene stoßen, dann würde ich mich über eure Fotos sehr freuen.