Ausprobiert

Test: Die Canon 7D Mark II – Teil 3

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Geschwindigkeit ist relativ. Je nach Lebensumstand wird eine Person für Tempo ein vollkommen anderes Gefühl haben, als eine andere. Für mich/uns gehören hohe Geschwindigkeiten zum Alltag wie der Kaffee zum Morgen.

Der winzige Moment

Schnelle Autos, schnelle Karts, schnelle Hunde – mit 50 durch die Stadt zu fahren ist hier gleich Stillstand. Das werden gemütlichere Menschen, die mit Autos nicht viel am Hut, aber dafür z.B. einen Basset zu Hause haben, ganz anders sehen. Ihnen geht es vermutlich nicht um eine tausendstel Sekunde. Uns aber schon, denn dieser winzige Moment unterscheidet nicht selten den Sieg von der Niederlage oder ein langweiliges von einem spannenden Foto.

Deshalb ist gerade in der Sportfotografie (im weistesten Sinne) und/oder bei flitzenden Hunden die Serienbildrate und die Reaktionschnelligkeit einer Kamera von ganz wesentlicher Bedeutung. Die Canon 7D Mark II macht 9 bis 10 große JPGs in der Sekunde. Für die Auslösung eines Einzelfotos braucht sie genau 55 Millisekunden. Das ist fast drei Mal schneller als ein Wimpernschlag und zwei Mal schneller, als Mono beim Ballspiel seine Hacken in die Wiese hauen kann. Das heißt, sie ermöglicht es, Bewegungsabläufe sehr kleinschrittig festzuhalten. Das hat natürlich enorm viel Charme, wenn es um unberechenbare Motive geht, auf die man besonders spontan und schnell reagieren muss.

Ratter, ratter, ratter …

Ich habe unzählige Serien mit der 7D II gemacht. Die folgende von Mono und dem Ball ist zwar nicht besonders schön, aber eine der anschaulichsten, finde ich. Denn ich habe den Ball selber geworfen, dann die Kamera hochgezogen und fokussiert. Der Ball hatte noch lange nicht den Boden erreicht, als ich schon drei Bilder geschossen hatte. Erst auf dem vierten ist er gerade aufgetitscht und kommt wieder hoch. Gut zu sehen an den kleinen Erdbrocken, die er mit hochreißt. Jeder wird sich vorstellen können, mit was für einer affenartigen Geschwindigkeit Mono sich um seine Achse dreht, um den Ball zu fangen.

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An dieser Bildrate gibt es absolut nicht zu meckern. (Bei RAWs verlangsamt sich die Frequenz natürlich.) Theoretisch hätte ich sie endlos durchziehen können „bis Speicherkarte voll“. Dies Beschreibung fand ich bei der 1D X schon so witzig, denn bei vielen anderen Kameras steht dort: Bis zu z.B. 36 Bilder in Serie und dann muss die Kamera erst einmal zwischenspeichern. Aber niemand zieht 32 oder 64 Gigabyte in einem Rutsch durch. Oder? Eher nicht.

Die Serie von Danny (unten) zeigt nochmal sehr schön, wie zuverlässig der Autofokus da sitzen bleibt, wo er hin soll. Auch hier fehlt keine Bewegungsphase. Schön im Takt Strecken und Zusammeziehen.

Mehr als nur Dauerfeuer

Auch wenn ihre Schnelligkeit und ihre fabelhafter Autofokus mit die wichtigsten Features der Canon 7D Mark II sind, ist sie nicht nur eine dauerfeuernde Nähmaschine. Denn sie kann noch einiges mehr. Sie filmt in Full HD, macht HDRs , extreme Langzeit – und z.B. auch Mehrfachbelichtungen. Sie legt automatisch Serienbilder übereinander und hält so in einem Foto bis zu neun Einzelbilder fest. Man kann wahlweise alle Fotos der Serie speichern, oder nur das Endprodukt. Mein Titelbild besteht aus sechs Fotos, die ich mit 1/1250 sek. gemacht habe. Das ist nichts für alle Tage, aber ich finde es absolut irre!

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Gut zwei Monate habe ich jetzt fast täglich mit der Canon 7D Mark II fotografiert. Immer mit dem 70-200er 1:2,8 davor. Ich habe alles erdenkliche ausprobiert: schlechtes Licht, gutes Licht, Indoor, Outdoor, Action, Portraits. Der Akku hält ewig. Wäre sie meine, würde ich mir allerdings immer den Batteriegriff gönnen. An ihrer Bedienung hat mich absolut nichts gestört oder genervt. Es gibt tatsächlich nichts auszusetzen an dem guten Stück. Sie hält, was sie verspricht. Und vor allem: Sie macht Fotos, die sich vor den Vollformaten tatsächlich nicht verstecken müssen. Klasse, richtig klasse!

Hier noch einige Keyfacts zur Canon 7D Mark II

  • 20,2 Megapixel APS-C CMOS Bild Sensor
  • Dual DiGC 6 Bildprozessor
  • 10 Bilder pro Sekunde (JPEG L 1090 Bilder-, RAW 31 Bilder in Folge)
  • 65 Messfelder Autofokus System (mit AI Servo III), 65 Kreuzsensoren
  • ISO 100 – 16.000 (erweiterbar ISO 25.600 & 51.200)
  • Dual Pixel CMOS AF im Live/Movie Mode Betrieb
  • Neue Kreativ Foto- / Bildervergleich Taste (HDR + Mehrfachbel.) + neuer AF-Bereichs-Auswahlhebel
  • In-Kamera Vignettierungs-, Farbfehler- und Verzeichnungskorrektur während der Aufnahme
  • Doppeltes Kartenfach (CF + SD)
  • Der Body kostet im Handel um die 1.700 Euro
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Freie Autorin mit einem starken Hang zur Fotografie

5 Comments

  1. Petra Barwe Reply

    Hallo Frau Schwede, ich habe Sie vor etwa 2 Jahren kurz beim Fotografieren auf der Windhunderennbahn in Gelsenkirchen kennen gelernt. Seitdem bin ich regelmäßig Gast auf Ihrer wunderbaren Homepage, mit den vielen exzellenten Bildern und Kommentaren.

    Ich würde mich freuen, wenn Sie mir bei meinem Anliegen behilflich sein könnten.

    Ich fotografiere zur Zeit mit der Canon 60D und interessiere mich für die die Canon 7D Mark
    II. Neben dem Crop Faktor und der Schnelligkeit, ist mir eine höhere Iso Zahl wichtig, um früh morgens und am Abend auf geeignete Belichtungszeiten bei der Tierfotografie zu kommen.

    Nun höre ich diesbezüglich unterschiedliche Meinungen. Die einen sagen, dass die Bilder bei 3.200 Iso noch i. O. sind, die anderen meinen, dass bei Iso 1600 Schluss mit der Qualität ist.

    Mit meiner o. g. Kamera liege ich etwa bei Iso 800 für Bilder, die m. E. noch i. O. sind.

    Mir ist Ihre Meinung sehr wichtig und ich würde mich freuen, von Ihnen zu hören.

    Viele Grüße, Petra

  2. Hallo Frau Barwe,

    entschuldigen sie bitte, dass ich erst jetzt antworte. Hier war eine ganze Menge los.

    Mehr als ISO 800 kann diese Kamera auf jeden Fall. Ich hatte ihr ja bezüglich der ISO-Zahlen heftig auf den Zahn gefühlt- https://www.doctor-speed.de/die-canon-7d-mark-ii-teil-2.html

    Das Titelbild ist mit ISO 1250 gemacht.

    Ich glaube das Rauschen ist auch immer eine Frage der ganz persönlichen Schmerzgrenze. Die eine können es gar nicht ertragen, die anderen wiederum haben mit ein bisschen Rauschen kein Problem. Außerdem stellt sich auch immer die Frage, welches Objektiv sie nutzen. Mit einer lichtstarken Linse kann man auch mit niedrigeren ISO-Zahlen arbeiten.

    Entspannte Grüße

  3. Hallo Karla
    Sehr informativ dein Bericht. Mich würden aber Fotos interessieren bei denen der Hund frontal auf dich zukommt. Und das bei einer 2.8er oder 3.5er Blende bei etwa 200mm. Ich habe immer nur mit AF Spot geknipst um die Augen zu treffen. Bei einer 4er Blende genügt es ja schon wenn ich den Kopf treffe (Nase) und der ganze Kopf wird scharf. Bei 2.8 und 200mm geht das aber nicht so einfach oder. Da kann man die Feldausweitung des AF Feldes auf die 4 umliegenden Felder nicht nutzen. Das ist ja dann eine Lotterie, ob die Augen scharf sind oder nur die Nasenspitze. Wie siehst du das ? Habe mir heute die 7dII geholt und vorher mit der 1DIV geknipst.
    Gruss Rene

  4. René,
    das hat mit einer Lotterie eher weniger zu tun. Vielmehr brauchst du natürlich etwas Glück und noch viel mehr Übung. Bei Blende 2,8 ist es nicht unbedingt einfach in der schnellen Bewegung den richtigen Punkt zu erwischen, aber mit der Zeit kriegt man ein Gefühl dafür. Hat was von einem sehr geübten Scharfschützen, finde ich. ?

    Entspannte Grüße

    • Hallo Karla
      Der mit dem geübten Scharfschützen geb ich Dir recht. Allerdings ist 50% davon auch Glücksache.
      Mit viel Übung und Erfahrung kann man dem Glück schon nachhelfen. Ich muss dazu sagen, dass ich Greyhounds, Whippets und andere Windhunde auf der Bahn fote. Da ist das Zeitfenster wo der Hund im Fokus ist (bei genügend grosser Abbildung) sehr sehr klein, bis der Hund vorbei ist. Aber Deine Ausfürungen haben mir auf jeden Fall geholfen, denn ich habe die 7DII erst seit gestern. Heute Abend habe ich die erste Gelegenheit mit dem neuen Teil. Bin schon sehr gespannt, wie sie sich im Vergleich zur 1D4 hält.

      Ich bin ganz entspannt.
      Lieber Gruss René

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