Fast täglich

Die andere Liebe

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Ich weiß noch, in den 70ern gab es hier tatsächlich noch Kohlehalden. Und habe darauf gespielt, obwohl meine Eltern das strengstens verboten hatten. Die Massen könnten von oben nachrutschen und mich unter sich begraben.

Wo heute ein großer Supermarkt steht, gab es um die schwarz-grauen Berge herum Pfützen mit Kaulquappen und wilde Brachflächen. Jedes Mal, wenn wir heute dort für unseren Wocheneinkauf anrücken, muss ich an die blutigen Knie, die Lupinen und die schwarzen, glitzernden Fossilien denken, die meine Freunde und ich von unseren Ausflügen auf die Halden mit nach Hause brauchten.

Mitten in unseren riesigen Spielplatz baute man irgendwann eine Polizeiwache. Wie mir später klar wurde, war das auch dringend nötig, denn die Straße in der wir wohnten mutierte langsam aber sicher zu einem Brennpunkt. Ich habe das nicht wahrgenommen. Meine Eltern schon, denn eigentlich hatten sie ein paar Jahre zuvor eine üppige, edle und für damalige Verhältnisse recht teure Wohnung gemietet, deren Wohnwert nun ins Bodenlose stürzte.

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Damals habe ich regelmäßig den Welsh Terrier einer Nachbarin ausgeführt. Hundertfach hat das kleine Biest versucht, mich zu beißen. Ein paar Mal hat er mich auch erwischt, aber schon mit etwa 12 Jahren war ich so verrückt nach einem eigenen Hund, dass ich fest davon überzeugt war, ihn wieder hinbiegen zu können. Doch bevor meine naiven Erziehungsversuche fruchten konnten, wurde der kleine Lockenteufel nebst seiner Besitzerin von einem Lastwagen überfahren. In dieser Straße dort sind noch mehr schlimme Dinge passiert. Aber das sind andere Geschichten.

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Die Polizeiwache gibt es immer noch, aber der Rest unseres monströsen Kinderparadieses hat die Stadt in großen Bissen geschluckt. Heute sind die ehemaligen Abraumhalden unsere Spielplätze. Renaturiert, zu Landschaftsschutzgebieten erklärt, mit großen Skulpturen bestückt oder atemberaubend beleuchtet. Sie bieten den Hunden unendlich viel Platz zum Flitzen, mir viel Luft zum Atmen und immer wieder spektakuläre Motive für meine Fototests und -spielereien. Wie aktuell mit der 5Ds. Bis zu ihren Gipfeln muss man ein bisschen kraxeln, aber der Ausblick belohnt immer wieder. Mich zumindest. Denn ich liebe das Ruhrgebiet immer noch so sehr wie in meiner Kindheit. Nur anders.

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Freie Autorin mit einem starken Hang zur Fotografie

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