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Zum Wohle des Tieres

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Kolumne in Unsere Windhunde, Deutscher Windhund Zucht- und Rennverband, November 2013 – Selten musste ich so lange über ein Kolumnenthema nachdenken. Einerseits stellen sich im Augenblick unüberschaubar viele Frage. Andererseits ist es schwierig, humorig an die „Sache“ heranzugehen, denn für eine gewisse Art von Witz sind viele Leser in der aktuellen Situation offenbar nicht empfänglich.

Vor fünfeinhalb Jahren, als Mr.Clark bei uns einzog, habe ich mich darauf gefreut, ein Teil der Windhundgesellschaft zu werden. Ich war gespannt, was mich erwarten würde und tatsächlich haben sich im Laufe der Zeit viele meiner Erwartungen mehr als erfüllt. Je tiefer ich in die Szene eingetauchte, desto klarer wurde mir, was ich möchte und was nicht. Das ist wohl ein ganz normaler Prozess, der immer dann abläuft, wenn man sich einen gewissen Überblick über ein Thema erarbeitet hat. Doch wie tief die Gräben sind, wie stark der Hass brodelt und wie teils fanatisch die Ansichten sind, habe ich nicht ahnen können.

Geht es ums Tier, so habe ich schnell gelernt, haben Sachlichkeit und Objektivität wenig Platz. Denn das Tier ist stimm- und vor allem wehrlos. Also tritt der Mensch für das Tier ein. Ob es will oder nicht. Und eben weil es stimmlos ist, lässt es sich leicht instrumentalisieren. In seinem Namen werden persönliche und ideologische Kriege geführt, die nur noch vordergründig mit dem Wohl des Tieres selbst zu tun haben. Vielmehr muss es immer wieder als Schutzschild und Festung herhalten, wenn die Argumente stumpf, dafür aber die gewählten Waffen schärfer werden. Zum Wohl des Tieres natürlich!

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Wie genau dieses Wohl aussieht, ist frei und nach Gutdünken definierbar. Nicht vom Tier wohlgemerkt, sondern von seiner menschlichen Stimme. Ich höre von Doping und frage mich, zu wessen Wohl hier eine gehörige Menge an krimineller Energie entwickelt und freigesetzt wird. Ich höre von Betrug und frage mich spontan, zu wessen Wohl gekungelt und betuppt wird. Ich werde Zeugin öffentlicher Verleumdungen, Drohungen und Beleidigungen und muss mich fragen, was genau diese Schlammschlachten noch mit dem immer vorgehaltenen Wohl des Tieres zu tun haben. Nichts.

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Vor ein paar Tagen traf ich eine alte Dame, die meine Hunde bewunderte. Sie sagte, dass sie Tiere liebe, aber allen Menschen ins Gesicht spucken könnte. Ich erwiderte, dass ich mich glücklich schätzen würde, dass sie sich bei mir im Griff hätte. Nein, sagte sie, Menschen die Tiere lieben, würde sie verschonen. Ach so! Ich habe ihr nicht erzählt, dass viele sogenannte Tierliebhaber sich – wenn auch im übertragenen Sinne – täglich gegenseitig ins Gesicht spucken und dabei so viel Energie verbrauchen, dass keine mehr bleibt, um das zu tun, was sie sich einstmals auf die Fahne geschrieben haben: Nicht nur reden, sondern auch handeln zum Wohle des Tieres. Wirklich handlungsfähig bleiben dann immer nur die selben klugen Recken, die einen kühlen Kopf bewahren und ihr Ziel nicht aus den Augen verlieren. Sie sind die leisen, aber sehr effizienten Motoren, die den Reisebus DWZRV in Bewegung halten, obwohl darin eine wilde Massenkeilerei tobt. Zum Wohle der Menschen und ihrer Tiere. Danke.

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Freie Autorin mit einem starken Hang zur Fotografie

4 Comments

  1. au weia, bin ich froh, bekomme ich das nicht mit.
    Jetzt aber auch ganz entspannte Grüsse

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