Fast täglich

Thyra at large!

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Ich neige eher selten zum Fatalismus, aber manchmal gebe ich auf, weil wirklich gar nichts hilft. So wie bei Thyra, die vor ein paar Tagen mal wieder ausgebüchst ist.

Thyra ist eine sehr nette Hündin. Das Tierheim, so erzählten mir ihre Besitzer letztes Jahr, stufte sie als Pharaohound Mischling ein. Leider habe ich noch kein Foto von ihr, aber ich würde sie sofort in die Ecke Cirneco dell’Etna packen, obwohl sie gestromt ist.

Cirneco dell'Etna
Thyra sieht exakt aus wie ein Cirneco dell’Etna. Auch die Größe passt. Nur ihr dunkler Strom auf dem roten Fell unterscheidet sie von den italienischen Jägern.

Sie ist etwa so groß wie Danny, sehr lustig, sehr aktiv und extrem zappelig. Sie lebt zusammen mit einer alten Jack-Russel-Hündin, die aber wohl mehr genervt als begeistert ist von der Anwesenheit des roten Energiebündels. Ich weiß nicht, ob die Besitzer Thyra jemals freiwillig von der Leine lassen, aber das spielt auch keine Rolle. Denn Thyra entscheidet das neuerdings selbst. Wenn sie frei Laufen will, dann leint sie sich selbst ab. Ein kurzer Hops nach hinten und sie ist raus aus ihrem Halsband und – seit kurzem auch – aus dem Halti. Es gibt wohl nicht unnötigeres für diesen Hund als ein Halti, aber sei’s drum, das ist nur meine Sicht der Dinge.

Voller Jagdmodus

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Neulich stieg ich ins Auto, um mit Mono und Danny auf unsere Halde zu fahren. Ich bog aus unserer Straße und sah die kleine Tochter der Familie, sie mag vielleicht sieben oder acht Jahre alt sein, panisch rennen. An der einen Hand zerrte sie die Jack-Russel-Hündin hinter sich her, in der anderen hielt sie Leine und Halti von Thyra. Ich ließ die Seitenscheibe herunter und fragte sie, wo Thyra hin sei. Völlig atemlos zeigte sie in Richtung der Straße, wo Mono auch gerne nach dem Rechten schaut. Die dort heimischen Katzen könnten sich ja vielleicht daneben benehmen.

Whippet, Windhund, Freilauf, Spiel

Ich gab also Gas. Thyra rannte hektisch schnüffelnd die kleine Straße auf und ab. Ich habe immer irgendwo in meinen Taschen Leckerchen oder klägliche Reste davon, ich zückte also ein paar Krümel, sprang aus dem Auto und rief sie. Völlig verdutzt schaute sie sich um und kam sofort zu mir. Das kleine Mädchen stolperte kurz darauf völlig aufgelöst und laut weinend um die Ecke. Ich half ihr, Thyra wieder ins Halsband zu packen und machte es gleich mal ein Loch enger.

Wer nicht will …

Niemals käme ich auf die Idee, diesen Leuten gegenüber den Klugscheißer heraushängen zu lassen, belehrend zu werden oder ihre Art der Erziehung zu kritisieren. Ich mische mich nicht ein, wie manch anderer Checker das tut. Außerdem bin ich ja nun auch nicht gerade die Königin der Pharao- bzw. Cirnecoerziehung. Aber die Kleine alleine mit zwei Hunden auf die Straße zu schicken ist verantwortungslos. Insbesondere weil die Leute wissen, dass Thyra gerne mal abhaut. Das Mädchen war hilflos, kopflos und am Ende seiner Kräfte. Ich mag mir gar nicht vorstellen, was passiert, wenn Thyra im Jagdmodus auf die nächste Hauptstraße läuft.

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Whippet, Windhund, Freilauf, Spiel

Immerhin konnte ich das Mädchen einigermaßen beruhigen. Sie tat mir entsetzlich leid. Mein erster Impuls sagte mir, sie und Thyra ins Auto zu packen und kurz die zwei Straßen rumzufahren. Da ich aber nicht genau weiß, wie ihre Eltern gestrickt sind, ließ ich es besser. Auf einen Zettel kritzelte ich ihr zwei Webadressen, wo es ausbruchsichere Geschirre zu kaufen gibt, steckte ihr ein paar Leckerchen zu und nahm ihr das Versprechen ab, sofort nach Hause zu gehen. Als sie um die Ecke verschwand, hatte ich ein ungutes Gefühl. Hätte ich sie besser begleiten sollen?

Offenbar ist alles glatt gegangen. Ein paar Tage später traf ich sie und ihren Vater mit der nach wie vor ins Halti gepressten Thyra. Den Vorfall erwähnte ich nicht, fragte aber, ob der Zettel mit den Verkäufern von Geschirren angekommen sei. Der Vater brummelte:“Ja, sie hatte so einen Zettel dabei.“ Punkt, aus, Thema an der Stelle beendet. Naja, ich habe noch nicht einmal ein Danke erwartet, aber wer nicht will, der hat ganz sicher schon.

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Freie Autorin mit einem starken Hang zur Fotografie

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