Das Leben kann ja sowas von absurd sein. Oft mit einem Lachen tragen mir Leser meiner UW-Kolumne zu:“Puh, zum Glück bin ich nicht gemeint.“ Natürlich nicht. Aber neuerdings gibt es Menschen, die unbedingt gemeint sein wollen, obwohl sie es gar nicht sind.

Sie lesen sich in einen Text hinein, der mit ihnen absolut nichts zu tun hat. Sie wollen unbedingt der Angelpunkt, der Aufhänger, der Aufreger sein. Sogar noch wenn ihnen deutlich mitgeteilt wird, dass sie für die festgehaltenen Gedanken so wenig verantwortlich sind, wie ein Goldfisch für das Ozonloch, bestehen sie darauf. Es kann gar nicht anders sein! Wie soll das gehen? Wer denn sonst?

Sie wollen es so sehr, dass sie mit Blindheit für die Textpassagen geschlagen sind, die klarer nicht seien könnten. Halb gelesen, halb verstanden und gleich interpretiert. Natürlich nur im Rahmen des eigenen, in diesem Moment sehr auf sich bezogenen und damit sehr eingeschränkten Horizontes. Die Tatsache, dass sie unbeteiligt sind, macht sie viel wütender, als die Haue, die sie – wären sie denn gemeint – mit dem Text hätten einstecken müssen.

Obwohl – meinte ich sie tatsächlich, wäre das natürlich auch ein Aufreger. Ein eitler zwar, ein toller Anlass, sich endlich mal richtig aufzuplustern. Beachtung. Schaut, ich bin ein Opfer. Dabei habe ich doch ein so edles Ansinnen. Nicken von rechts, Nicken von Links. Bestätigung.

Tut mir leid, von meiner Seite waren nie Schläge in diese Richtung geplant und werden es auch nie sein. Allerdings muss ich jetzt erstmal verarbeiten, dass jemand so inständig danach verlangt.