Fast täglich

Ne, watt ne Type!

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Sozialarbeiter, harmoniesüchtiger Feingeist, hyperaktiver Hipster – Versuche ich die Charaktere meiner Hunde zu beschreiben, habe ich bestimmte Typen von Menschen vor Augen und dann denke ich:“ Ne, watt ne Type!“

Mono – der Streetworker

Mono ist der kernentspannte, zutiefst pazifistische Streetworker, der in seiner Freizeit gleich mehrere Extremsportarten ausübt. Freeclimbing, Basejumping, Apnoetauchen – so zum Ausgleich, du! Ihn umweht ein Hauch von Askese. Seinen gestählten Körper hüllt er ausschließlich in fair gehandelte Schlabberbaumwolle. Seine Beine enden in brandaktuellen Barfußschuhen. Er ist der Meister des Stuhlkreises. „So, wir entspannen uns jetzt alle und dann stellt sich hier jeder mal vor!“ Räucherstäbchen statt Baseballschläger prangt in großen Lettern an der in beruhigendem Lindgrün gestrichenen Wand über seiner Yoga-Matte. Man bewundert seine Selbstbeherrschung. Nur handverlesene Freunde wissen, dass er in seinem Leben schon zwei emotionale Ausbrüche hatte. Letztere konnte er allerdings längst erfolgreich wegmeditieren und in seinen mentalen Giftschrank sperren. Nur manchmal, so sagt man hinter vorgehaltener Hand, hat er diesen Blick. Dann kann man sein inneres Om fast hören. Nun ja, noch nicht einmal der Sting unter den Whippets ist perfekt.

Danny – der Bohème

Danny ist ein Künstler. Er ist feingeistig, sensibel und machmal ein bisschen zerstreut. Er trägt feine Anzüge aus Tweed, liebt seine violetten Einstecktücher und geht nie ohne blank geputzte Budapester vor die Tür. Man mag es kaum glauben, aber er ist ein bescheidenes Wesen, das sich gerne im Hintergrund hält. Würde er singen, dann suchte er ständig nach seinem Schal. Der kleinste Windhauch könnte ihn schließlich seine Stimme kosten. Wäre er ein Maler, zu Zeiten von Jackson Pollock z.B., dann hätte ihn wohl längst die Trunksucht in die Tiefe gezogen. Sein feines, hamoniesüchtiges Ich überstünde den harten Wechsel zwischen kreativen Rausch und grauenhaften Selbstzweifeln ganz sicher nicht.

Als Kunstschaffender braucht er Bestätigung und Applaus wie die Luft zum Atmen. Dann blüht er auf, wie die goldenen Lilien auf seinen Samtpantoletten. Seine Freunde schätzen ihn für seine liebenswerte und gutmütige Art. Auch deshalb rollen sie schon längst nicht mehr mit den Augen, wenn er des Abends theatralisch lamentierend in sein rotes Chaiselongue sinkt: „Ich kann so nicht arbeiten!“ Denn am Ende hält er zu seinen Freuden wie Pech zu Schwefel.

Hudson – der Hipster

Hudson ist der typische Jungunternehmer. Er ist der Hipster, dessen Mitteilungsbedürfnis keine Grenzen kennt. Er ist derjenige, der beim Essen mit Freunden über Stunden vor einem vollen Teller sitzt, weil er es vor lauter Gesabbel nicht ein einziges Mal schafft, seine Gabel zum Mund zu führen. Morgens um 4:00 Uhr fragt er: „Und, wo gehen wir jetzt noch hin?“ Kollegen, die meinen er sei dauerhaft auf Koks, täuschen sich. Er ist einfach so. Er ist bio und nachhaltig. Weil er die Welt retten und zugleich erfolgreich sein willist er immer in Bewegung. Still Sitzen ist Stillstand! Stillstand gibt es für den Hipster nicht. Denn die Welt bewegt sich und er muss immer vorne weg sein. Nichts verpassen, nichts auslassen. Doch der immer erreichbare, immer vor Ideen vor sich hin sprühende Hipster (Ich stelle mir vor, er hat ein kleines Start-Up, das essbares Verpackungsmaterial entwickelt.) findet seine wahre Erfüllung in den kleinen ruhigen Momenten. Schließlich vollkommen überfordert mit dem dauerhaften hip sein, will er nur noch auf den Arm.

 

4 Kommentare

  1. Genial!!!!

  2. Bezaubernd, einfach wunderbar. Ein schönes Trio hast Du/habt Ihr an Deiner/Eurer Seite.

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