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Martin Usborne – Where Hunting Dogs Rest

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In seinem Bildband „Where Hunting Dogs Rest“ fasst der britische Fotograf Martin Usborne ein grausames Thema in traumhafte Bilder. Sie gehen tief unter die Haut, gerade weil sie nicht den Schrecken selbst zeigen, sondern der Vorstellungskraft ihres Betrachter freien Lauf lassen.

Es gibt eine unendlich Bilderflut von den Misshandlungen, die viele Galgos und Podencos der spanischen Estremadura und Andalusiens am Ende einer Jagdsaison erleiden müssen. Weil sie alt, krank oder nicht jagdtriebig genug sind, werden sie ausgesetzt, bei Tötungsstationen abgegeben, erschlagen oder an Drahtseilen aufgehängt, bis sie einen elenden Tod sterben.

Ich ertrage diese Fotos nicht, denn sie verfolgen mich. Mir wird übel, ich könnte schreien und vor Wut und Ohnmacht alles kurz und klein schlagen. So wird es vielen gehen, die auch nur eine winzige Idee davon haben, wie sanftmütig und dem Menschen zugetan diese Windhunde sein können.

Where Hunting Dogs Rest
Martin Usborne, Where Hunting Dogs Rest, erschienen im Kehrer Verlag. Licht und Farbigkeit setzt er in enge Beziehung zu den Malereien des großen Diego Velazquez, der in Sevilla geboren wurde, also aus der Gegend stammt, wo die Fotos entstanden sind.

Angesichts dieser Unerträglichkeit hat Martin Usborne den einzig richtigen Ansatz gefunden, die Menschen nicht zum entsetzten Weg- sondern zum interessierten Hinschauen zu bewegen. Er portraitiert jene Hunde, die überleben konnten und von Tierschutzorganisationen wie der Fundación Bejamín Mehnert aufgenommen wurden. Ihnen gegenüber setzt er Bilder von den Orten, wo sie gefunden wurden.

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Die Portraits der Hunde, ebenso wie die Landschaftsaufnahmen, sind von einer entrückten Schönheit, die mit ihrer leidvollen Geschichte zunächst nicht zusammenpassen will. Doch ganz ohne kitschig zu sein, schafft es Usborne den Tieren in all ihrer Angst und Verletztheit ihre Würde zurückzugeben. Ihre Lebensläufe schwingen unweigerlich mit. Viele Narben, eingezogene Ruten, ängstliche Blicke, gespannte, zur Flucht bereite Muskeln sagen viel über das, was diese eleganten Tiere erlebt haben müssen.

Im Vorwort beschreibt Usborne, wie er einige Galgueros bei der Jagd begleitet hat:„They where kind to their animals, good natured to each other and thankfully ignored me. The scene was verging on the romantic and I was decidedly disappointed the man where not easier to hate.“ Er war enttäuscht, dass die Galgueros schwer zu hassen waren.

Auf sanfte Weise zeigt uns Usborne hier, dass laute Agitation und brüllende Bilder lediglich gelähmtes Entsetzen und Hass, jedoch keine emotionale Bindung zu den Tieren und ihrem Schicksal schaffen können. Auch deshalb ist „Where Hunting Dogs Rest“ nur sehr vordergründig ein schöner Bildband, der sich schick auf dem Coffe Table macht. Denn wer ihn eingehend liest und betrachtet, hat keine Lust mehr auf Latte Macchiato, sondern fragt sich, wie lange man noch in einem modernen, zivilisierten Europa im Namen der Tradition die Qualen dieser Tiere rechtfertigen kann.

Ein Anteil aus dem Erlös der Bücher und ausgesuchten Prints geht an die Organisationen, wo die Fotos entstanden sind: Fundación Bejamín Mehnert (oben verlinkt) und 112 Galgos.

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Noch bis zum 31.Juli zeigt die Galerie Photo 12 in Paris, die Fotografien in einer Ausstellung.

Autoren: Martin Usborne, Max Houghton
Künstler: Martin Usborne
Gestaltet von Kehrer Design, Festeinband 30 x 26 cm
108 Seiten 
65 Farbabb.  
Englisch
ISBN 978-3-86828-595-6  
Euro 39,90  
2015
Kehrer Verlag

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Freie Autorin mit einem starken Hang zur Fotografie

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