Kolumne in Unsere Windhunde, Deutscher Windhund Zucht- und Rennverband, Juli 2012 – Eine meiner ersten Ausstellungen war die Europasieger-Show 2009 in Dortmund. Weniger meine Zeit im Ring, als vielmehr der bemitleidenswerte Bearded-Collie ist mir im Gedächtnis geblieben, der geschlagene vier Stunden auf einem Frisiertisch stand, während ihm sein Handler mehr Haarspray ins Fell pumpte, als ich in einem halben Jahr verbrauchen kann.

Damals war ich froh einen Whippet zu haben, der weder Lockenwickler, noch Klämmerchen, noch millimetergenaues Trimmen braucht, um ausgehfein zu sein. Und auch zwei Whippets sind extrem pflegeleicht. Natürlich werden von Zeit zu Zeit ein paar Häarchen an den Ruten gekappt. Der Dremel bringt regelmäßig die Krallen in eine ansprechende Form und nach einem wilden Rennen über matschige Wiesen kann auch durchaus mal eine Badewanne fällig sein. Aber so viel Kosmetik muss reichen. Der Rest bleibt nude bzw. naturschön.

In den USA würde man mich und meine Whippet-Jungs in diesem  – meines Erachtens sauberen und gepflegten – Zustand mit Schimpf und Schande vom Hof jagen. Denn vor einer Show ist dort deutlich mehr Styling gefordert. Die Tatsache, dass die amerikanischen Whippets ohne eine vorherige Ganzkörperrasur den Ring nicht betreten, ist ja allgemein bekannt. Über ihren Sinn oder Unsinn muss ich hier nicht weiter nachdenken. Für mich ist ein Whippet auch unrasiert glatt, also smooth, genug.

Müsste ich aber anfangen, meinen Hund zu schminken, dann wäre diese im wahrsten Sinne des Wortes Maskerade für mich passé. In den Grooming-Rooms fliegen vor den Shows die Kajalstift – für den tollen Ausdruck aus den großen schwarzen Augen. Und vermutlich wird dort mehr Puder verbraucht als auf der New York Fashion Week. Natürlich macht dieser Look im Ring und auf Fotos richtig was her.  Aber er ist schlicht und ergreifend ein Fake mit Richtersegen. Selbst wenn ich eingestehe, dass in den USA der Akzent deutlich stärker auf Show liegt, als bei uns, ist es haltlos albern, sich gegenseitig derart in die Tasche zu lügen. Just my two cent.

Und ist der Titel einmal gewonnen, sind die tollen Fotos gemacht, dann sitzen Hund und Halter tief in der Styling-Falle. So wie manche Schauspielerinnen ohne perfektes Make-up nicht mehr vor die Tür gehen können, muss auch der Show-Star der Whippetszene immer aufgebrezelt sein. Denn träfe man z.B. die Hündin mit den wahnsinns Augen morgens vor dem Kaffee und müsste feststellen, dass sie guckt, wie eben jeder andere Whippet guckt, dann fiele der Glamour ab wie alter Putz.