Ich schaue gerade in unsere Medikamentenkiste und stelle fest, dass sie voll ist. Arnika-Kügelchen, Traumel, Betaisodona, Tape, Mullbinden – alles da. Am Montag sind noch zwei Tuben Salbe dazugekommen. Mono hat sich beim Spielen an irgendeinen Busch, Ast oder Sonstwas das linke Auge verletzt.
Ein kleiner, aber fieser Ratscher in der Hornhaut macht ihm nun zu schaffen. Er ist kurzfristig sehbehindert, da der Doc die Pupille weitgetropft hat. Die kleine Verletzung ist nicht dramatisch, aber wildes Haldenflitzen können wir für die nächsten Tage knicken. Ich gehe davon aus, dass er momentan nur zweidimensional sieht. Scheucht er dann möglicherweise ein Kanickel auf und kommt auf die Idee, mit dem Fletschauge zu jagen, dann gute Nacht. Nun salben wir also brav und halten das schwarzäugige Känguru für ein paar Tage an der Leine.
Sollte jetzt jemand meinen, er müsse, siehste siehste, ich sag doch, du darfst deinen Whippet nicht ins Unterholz lassen! brüllen, der schweige still. Ich habe mir auch heftig den Ellbogen am Türrahmen gestoßen, obwohl ich genau weiß, dass der Türrahmen dort ist und schon immer dort war. Das passiert nunmal. Whippets packt man nicht in Watte. Und erst recht nicht Mono, der so geländegängig ist wie das neueste G-Modell.
Auch wenn’s nervt, weil ich das vielleicht zum hundertsten Mal in die Tasten haue: Whippets müssen von klein auf lernen, ihre Geschwindigkeit im Gelände richtig zu dosieren. Sie müssen Äste, Büsche, Wälder, dorniges Unterholz, Wasser, Schotter, steile Hänge und Hindernisse jeder Art kennen und meistern lernen. Wie sollen sie sonst später Gefahren erkennen und einschätzen können. Und wenn sie dann mal auf den Hintern fallen. Gut! Eine Erfahrung mehr.



