Es gibt diese Objektive, die sich fast unscheinbar und leise einschleichen. Und ehe man sich versieht, geht ohne sie plötzlich gar nichts mehr. Dann gibt es nur noch ein Davor und ein Danach.
Lichtstärke ist nur durch noch mehr Lichtstärke zu ersetzen. Analog zu dem alten Spruch über den Hubraum eines Autos kann ich das wohl als allgemeingültige Aussage stehen lassen. Denn je lichtstärker ein Objektiv ist, desto mehr Möglichkeiten bietet es.
Räume öffnen, Räume schließen
Lichtstärke macht einerseits flexibel für schwummerige, sehr lichtarme Situationen, andererseits weckt sie den Spieltrieb. Mit weit offener Blende kann ich Vordergrund und Hintergrund eines Fotos auf krasse Weise trennen. Ich kann Schärfen und Unschärfen sehr gezielt als bildgestalterische Mittel einsetzen, kann Räume schließen oder auch öffnen. Jetzt muss ich gerade an diese entsetzlichen Interviews nach Fußballspielen denken. Aber das meine ich nicht.
Das Canon EF 24mm 1:1,4L II USM ist neben dem 50mm 1:1,2 eine der lichtstärksten Linsen mit denen ich je gearbeitet habe. Aber die Tatsache, dass sie Blende 1,4 kann, heißt ja nicht, dass ich sie ständig einsetzen muss. Der Schärfepunkt im Bild ist dann nämlich so winzig, dass ich ihn nicht selten suchen muss. Wenn ich überhaupt den richtigen getroffen habe, denn das ist schon bei sich ganz leicht bewegenden Motiven wirklich kniffelig.
Außerdem hatte ich in meiner Zeit mit diesem Objektiv meistens so opulent viel Licht, dass ich die größte Offenblende zwangsläufig eher selten eingesetzt habe. Aber man sollte nicht den Fehler machen, diese kleine Festbrennweite nur auf ihre Lichtstärke zu reduzieren.
Fast wie das menschliche Auge
Ich bin ein Fan von Superweitwinkeln und habe sie auch schon bei verschiedensten Gelegenheiten verwendet. Sie geben den Fotos einen sehr speziellen Look, der natürlich ganz wesentlich von den räumlichen Verzerrungen lebt, die sie produzieren. Das 24mm 1:1,4L Weitwinkel verzerrt nur ein kleines bisschen und das nur aus relativ nächster Nähe. Natürlich werden die Hundenasen lang, wenn auf 25 cm an sie heran krieche. Und es gibt auch stürzenden Linien, wenn ich direkt vor einem Gebäude stehe, aber das menschliche Auge sieht das ähnlich. Das Objektiv bildet also – natürlich nicht 1:1, aber annähernd – das ab, was ich gerade sehe. Das macht diese Linse unglaublich vielseitig. Architektur, Landschaft, Portrait – alles geht.
Für Lieblingsfotos – scharf und schnell!
Ich hatte das 24er zu jeder Gelegenheit dabei. Meistens auf der 5Ds, oft auf der 1D X. Es hat nämlich nicht nur die fabelhafte Abbildungsschärfe einer Festbrennweite, sondern ist auch noch richtig schnell dazu. In der Galerie unten: Auf der Landstraße am Circuit de Geuex in Reims zog ein Motorradfahrer mit ein paar Wheelies eine zirkusreife Show ab. Er machte richtig den Hahn auf und ich schätze er hatte locker 140 drauf, als er an mir vorbei schoss. Mit einem langsamen Objektiv kriegt man ein derart schnelles, im Verhältnis recht kleines Motiv nicht gepackt.
Ich mag das 24er 1:1,4 sehr. Sehr! Es ist ein kleiner Alleskönner. Wahlweise auf der 5Ds oder auf der 1D X habe ich fast unsere komplette #silverred2016 Tour mit ihm fotografiert. Die Auswahl der Bilder ist mir entsprechend schwer gefallen, denn ich habe nicht nur ein Lieblingsfoto mitgebracht.
Keyfacts zum Canon EF 24mm 1:1,4L II USM:
Typ – Weitwinkelobjektiv mit fester Brennweite
Zielgruppe – ambitionierte Hobbyisten /Profis
Best for – Landschaft / Reportage / Streetfotografie / People
Gewicht– 650 Gramm
Lichtstärke – 1:1,4
Bildwinkel – 74 , 53 , 84 Grad
kleinste Blende – 22
Naheinstellgrenze – 25 cm
AF-Motor – Ring-USM, manuelle Einstellung möglich
Filterdurchmesser – 77 mm
Optischer Aufbau – 13 / 10
Best with – ohne Einschränkung aber am besten auf einer Vollformtkamera
mehr Infos bei: photoscala
My two cent – sehr schönes Allroundobjektiv mit brillanter Abbildungsschärfe
Preis: rund 1.400 Euro
































