Ausprobiert

Test: Raumgreifend – Das Canon EF 14mm 1:2,8L II USM

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Vor ein paar Wochen hat mir Canon das Canon EF 14mm 1:2,8L II USM Superweitwinkel zum Testen zur Verfügung gestellt. Ich war Feuer und Flamme für die doch recht exklusive Festbrennweite und freute mich auf vollkommen andere Fotos, als die, die ich üblicherweise nach Hause schleppe.

Canon EF 14mm 1:2,8 II USM
Canon EF 14mm 1:2,8 II USM

Ich habe ja schon einige Erfahrungen mit dem Canon EF 16-35mm 1:2,8L II USM gemacht. Dennoch waren meine ersten Versuche mit dem Neuzugang zunächst nicht mehr als planloses Herumgeknipse. Den Bildwinkel von 114 Grad konnte ich mir irgendwie nicht vorstellen. Plastischer wurde die Zahl, als ich feststellte, dass auf fast jedem Bild meine Füße mit drauf waren.

Radikal anders

Dieses enorme Sichtfeld hat man mit den langen Brennweiten natürlich nicht. Letztere zwingen zur Distanz, zu einem Blick aus der Ferne, der ein Motiv in den Mittelpunkt rücken bzw. akzentuieren will. Das Weitwinkel hingegen nimmt dem Detail seine Bedeutung und fordert den Blick auf das große Ganze. Mit dieser Linse vor dem Auge muss man also komplett umdenken. Nicht nur ein bisschen, sondern radikal. Alles ist anders.

Über die Abbildungsqualität dieses Objektivs muss ich nicht viel sagen. Sie ist sensationell. Das steht außer Frage und sollte in dieser Preisklasse selbstverständlich sein. An einer Diskussion über Qualität muss ich mich hier nicht lange aufhalten. Viel verzwickter ist die Frage nach dem perfekten Input. Wie nutze ich es, damit es auch zeigt, was es kann, beziehungsweise kann meine Art zu fotografieren dieses Objektiv ausreizen.

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Mono schnappt
Canon EOS-1D X, Canon EF 14mm 1:2,8L II USM, 1/1000, ISO 250, Blende f/3,2. Das Superweitwinkel ist extrem schnell.

Unendliche Weiten

Landschafts- und Architekturfotografie war noch nie mein Ding. Ich schaue mir diese oft meisterhaft komponierten Panoramen und brilliant erfassten Linienstrukturen gerne an, verspüre aber nie das Bedürfnis, diesen Fotografen nachzueifern. Ganz jeck bin ich allerdings auf ganz neue Ansichten von mir alt bekannten Motiven. Die liefert das Canon EF 14mm 1:2,8L II USM ungefragt. Ein sich auf einer Wiese bewegender Hund wird zum winzigen Pünktchen, die Wiese selbst zur unendlichen Weite. Mehr und mehr musste ich meine lieb gewonnene Distanz aufgeben und immer näher ran krauchen, bis ich quasi in Mono Nasenlöchern saß.

Das ist jedoch gerade bei den langen Whippetnasen die komplett falsche Vorgehensweise. Wilde Verzerrungen lassen dann nämlich einen wohl proportionierten Kopf zur Karikatur mutieren. Das liegt in der Natur der Linse und zeugt lediglich von einem Missbrauch ihrer Möglichkeiten. Zudem birgt diese Nähe zum Tier eine Gefahr: Die Linse des Weitwinkels ist so stark vorgewölbt, dass neugierige Nasen unweigerlich ihre Abdrücke darauf hinterlassen. Diese spezielle Art von Kontakt sollte allerdings zum Schutze der sensiblen Optik möglichst vermieden werden. Also geht’s zwangsläufig wieder einen Schritt weg vom Motiv.

Dann ergeben sich auch ein paar wunderbare Perspektiven, die manchmal den Fotografen gleich mit ins Bild einbeziehen. Welches Objektiv kann das schon?

Canon EF 14mm 1:2,8L II USM
Das Canon EF 14mm 1:2,8L II USM kommt mit einer Schutztasche und einer Schutzkappe, die man tunlichst nutzen sollte. Es kostet im Handel rund 2000,- Euro.

Ganz großes Kino

Das ganz große Kino hat dieses Objektiv erst ausgepackt, als es an die größeren Motive ging. Auf der Techno Classica 2014 in Essen habe ich fast wie im Rausch mit meiner Jeans den Boden der Hallen geputzt. „Ahhaaa, die Dame auf den Knien vor der Technik. Das sieht man selten!“ Mann ehhh! Den Spruch habe ich an diesem Tag wohl hundert Mal gehört, aber die grinsende Herren konnten mich von meiner Mission nicht abbringen.

Ich bin fast auf Nasenlänge an die legendären Mercedes Silberpfeile herangekrochen und hatte sie voll im Format. Irre. Keine Verzerrung. Keine merkwürdigen Biegungen an der Rändern. Ein Traum. Dennoch kamen mir die oben erwähnten Landschafts- und Architekturfotografen immer wieder in den Sinn. Denn mit diesem Superweitwinkel muss man zwangläufig nicht nur das Motiv selbst, sondern den ganzen Raum in das Foto mit einbeziehen.

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Der Raum an sich

Das Canon EF 14mm 1:2,8L II USM hat man nicht allein für gackige Spielereien. Dafür kann es einfach zu viel. Es ist eine Linse für große Räume, die Weiten und das allumfassende Ganze. Wer es sich anschaffen will, sollte mit dem Raum an sich und seiner Aufteilung umgehen können, bzw. sollte bereit sein, es zu lernen. Sonst ist dieses Goldstück Perlen vor die Säue.

Ich muss gestehen, dass ich es für mein anderes Leben zwischen Rennwagen und Boxengassenhektik gerne behalten hätte. Denn als ich bei meiner Techno-Classica-Tour vor dem Audi kniete, der im letzten Jahr das 24-Stunden-Rennen von Le Mans gewonnen hat, wusste ich schon genau, welche Fotos ich mit diesem Objektiv im kommenden Juni dort machen werde.

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Freie Autorin mit einem starken Hang zur Fotografie

2 Comments

  1. Peter Fassbender Reply

    Eine sehr überzeugende Analyse und tolle Fotografie. Kompliment!

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