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Freiwillige Selbstkontrolle?

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Sind wir die Guten? Ich glaube schon. Täte ich das nicht, hätte ich mich nicht dem DWZRV angeschlossen und mich seinen Statuten gewissermaßen unterworfen. Generell muss ich nicht mit allem was innerhalb dieser Gemeinschaft passiert, einverstanden sein, aber ohne die Überzeugung, im Grunde das Richtige zu tun, könnte ich gleich meine Papiere abgeben.

Innerhalb eines Verbandes bewege ich mich unter Gleichgesinnten. Die einen mag ich mehr, die anderen weniger. In einer Gruppe von mehr als drei Personen ist das vollkommen normal. Jeder hält sich an Gesetze, geschriebene und ungeschrieben. Nur so kann eine große Gemeinschaft mehr oder weniger reibungslos funktionieren.

Get you!

Unter Kontrolle

Hier gibt es ein allgemeingültiges, verlässliches, berechenbares Regelwerk. Mein Hund wird kontrolliert, bewertet, getestet, nochmals kontrolliert. Es wird attestiert, verifiziert und bestätigt. Ohne diesen großen bürokratischen Aufwand hätten wir keine bis in die 1950er Jahre oder noch weiter nachvollziehbaren Ahnentafeln, keine Möglichkeiten, die Wege von Erbkrankheiten zurückzuverfolgen oder uns einen Überblick über die einzelnen teils weltweit verzweigten Linien zu verschaffen. So enervierend dieser Papierkram manchmal sein kann, so wichtig ist er.

In erster Linie sind es aber die Züchter, die diese Regeln in Kauf nehmen wollen bzw. müssen. Einerseits ganz sicher mit dem Wunsch, von der Gemeinschaft zu profitieren, zu lernen und sich fachlich auszutauschen. Andererseits natürlich auch um ihre Hunde mit dem Gütesiegel des Verbandes versehen zu dürfen. Denn die Kontrollinstanzen FCI, VDH, DWZRV haben sich das Wohl des Hundes und in der Folge das Wohl des Welpenkäufers auf die Fahnen geschrieben.

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Hinterher

Heißt das aber gleichzeitig, dass man mit der Unterzeichnung des Mitgliedsantrages ein Guter wird und jeder andere, der das nicht tut, automatisch zu den Bösen gehört. Wird man mit dem Eintritt in den Verband ein besserer Hunde- hier Windhundmensch? Ich denke nicht. Ob man nun ein guter oder schlechter Hundemensch ist, ist auch nicht der Punkt. Innerhalb des Verbandes ist man lediglich einem Korrektiv unterworfen und somit ansatzweise kontrollierbar.

Außer Kontrolle

Was außerhalb des Verband passiert, liegt somit logischer Weise auch außerhalb seiner Kontrolle. Es werden Whippets gezüchtet bzw. vermehrt, was das Zeug hält. Ganz ohne den Papierkram, aber mit Weltsieger. Dass engagierte Züchter angesichts dieser Entwicklung die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, ist verständlich. Katastrophal ganz aktuell die Tatsache, dass Whippetwelpen online wie sauer Bier angepriesen und sogar verschenkt werden. Verhindern können die Verbandszüchter das nicht. Sie können lediglich Seriösität, Sachverstand und Glaubwürdigkeit entgegensetzen und hoffen, dass sich der durchschnittliche Welpeninteressent eher an der Qualität, als am Preis orientiert.

Schnell!

Wer Hunde vermehren will, darf das schließlich immernoch tun, ob die Antriebsfeder nun Geld, Egoismus oder eine total verquere Ideologie ist. Das berechtigt allerdings noch lange nicht dazu, alle, die sich dem Verband verweigern, zu kriminalisieren. Das sollte man insbesondere dann nicht tun, wenn man sich kein eigenes Bild gemacht hat. Wer weiß, vielleicht fühlen sich viele Hunde da draußen pudelwohl und die Welpenkäufer sind wunschlos glücklich. Ganz ohne Ausstellungen, Ahnentafel und Stempel. Das klingt ketzerisch, ist aber – nüchtern betrachtet – eine nicht von der Hand zu weisende Möglichkeit.

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Vertrackt

Vertrackt wird es genau dann, wenn die sogenannte Dissidenz Verbandshunde zur Zucht einsetzt. Das stößt auf Unverständnis, wird sich aber ebenfalls wohl kaum gänzlich verhindern lassen. Dem einen oder anderen scheint das sogar ganz gut in den Kram zu passen. Kann er doch endlich mal sein Gutmenschenmäntelchen aus dem Schrank holen und die verhasste Konkurrenz kräftig durch den Dreck ziehen. Wer weiß, wann sich die Gelegenheit wieder bietet.

Unter einer gnadenlosen Vermarktung der vollkommen unkontrollierten Art hat fast jede Hunderasse zu leiden. Die Moderassen noch viel mehr als der Whippet. Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand in der Vergangenheit versprochen hat, dass ausgerechnet Whippets für immer und ewig in einer extra gesicherten, elitären Blase existieren werden, die sie vor allem Unbill, vor Profitgier, vor schlechtem Stil oder menschlicher Unzulänglichkeit schützt. Das kann kein Verband oder Club der Welt in seinen eigenen Reihen sicherstellen. Wie soll das erst außerhalb funktionieren?

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Freie Autorin mit einem starken Hang zur Fotografie

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