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Donaueschingen 2011 – Eine sehr große Ausstellung verdient eine sehr lange Headline

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Freitagabend sah es duster aus. Es schüttete aus Eimern und die groß angekündigte Sommer-Party des DWZRV auf dem Gelände des Fürstenberger Schlosses versank im Modder. Nix mit elegant. Britischer Landhausschick war in dem knubbelvollen Festzelt das einzig Wahre. Hierwurden nicht die Hunde, sondern der Dichtheitsgrad der vielfältigen Regenjackenmodelle mit scharfen Augen begutachtet.

(Die Fotos werden nach gereicht)
Die Stimmung unter den Ausstellern sackte ein wenig durch, denn außer den Deerhounds und den Irischen Wolfhunden gibt es wohl kaum eine Windhundrasse, die gerne im Regen steht. Und schön stehen sollten sie ja alle am nächsten Tag.
Weicher Rasen und Platz ohne Ende – die zwei besten Freunde eines guten Gangwerks.

Der Samstag

Doch fällt der Regen in hamstergroßen Tropfen, dann ist eine durchweichte Wiese das geringste Problem. Zum Glück dämmerte am Samstag der Morgen trocken über den weitläufigen Ringen und es schien tatsächlich so, also sollte es auch so bleiben.
Bo im Stechen um den Besten Rüden: Der Weltjugendsieger 2011 Sobresalto Kest’e ist nun auch Jugendwinner Donaueschingen 2011 und Bester Rüde.
Für Valerie Hamilton stand eine 10 Stunden Schicht an, denn 127 Whippets warteten auf ihr Urteil. Zum Start der Jüngsten-Klasse der Rüden kam wie bestellt die Sonne ‚raus. Aus seinem vv1 sollte Sobers Mandrake at Masaru sodann am Samstag und auch am Sonntag noch das Jüngsten Best in Show machen.
Mono Conte del Aqua semper-crescendoauf dem Richtertisch. Valerie Hamilton/USA bewertete ihn am Samstag mit einem V in der Jugendklasse.
Prominente Konkurrenz wartete auf Mono in der Jugendklasse. Unter den insgesamt zehn Rüden stand der aktuelle Weltjugendsieger Sobresalto Kest’e. Er entschied die Klasse wie erwartet für sich, doch neben dem Ring diskutierte man angeregt. Nicht über die Qualität des Hundes, denn die steht außer Zweifel. Vielmehr ging es um farbliche Preferenzen. Ein monochrom weißer Kopf ist bei Whippets eher ungewöhnlich, sitzt er noch auf einem dunkel gestromten Körper, sind die allgemeinen Sehgewohnheiten komplett über den Haufen geworfen. Doch egal, ob man diese Zeichnung nun mag oder nicht, er hat einen enormen Wiedererkennungswert.
Claudine Pfister (Jee Bee’s Whippets, Frankreich) mit Bon Chance semper-crescendo (Samstag V2 Res.-VDH) in der Zwischenklasse. Ganz links: Ruth Ebinger mit Multi-Jgd.-Champion Bon d’Or semper-crescendo (Samstag V).
Schwarznase Mono zeigte, dass er das Geübte intus hatte, lief sehr schön und bestach mal wieder durch seinen Ausdruck. Valerie Hamilton gab ihm ein V und einen sehr schönen Bericht mit auf den Weg. Da Mr.Clark erst für den Sonntag gemeldet war, konnten wir den restlichen Samstag verbummeln und uns auf’s Zuschauen konzentrieren.

Champion wer?

Die Namen in der Championklasse lasen sich wie ein Who is who der europäischen Whippetszene. Mit besonders großer Spannung erwarteten wir allerdings den erst kürzlich aus den USA nach Italien zugereisten amerikanischen und kanadischen Champion Festivas Been There Done That.
Kein Vermummungsverbot in Donaueschingen – Arnaldo Cotugno lies den US-Rüden Festivas Been There Done That durch den Ring fliegen. Im Hintergrund wieder ein gut gelaunter Steven Esposti.
Wer eine Lehrstunde in gutem Handling brauchte, der konnte sich bei Arnaldo Cotugno eine ganze Menge abgucken. Ruhig, vollkommen souverän und ohne Leinenruckerei führte er seinen Rüden zum Titelgewinn. Ungewöhnlich für deutsche Whippetverhältnisse aber wohl international durchaus üblich ist das unaufhörliche Hantieren mit Quietschis. Cotugno hatte immer ein kleines Puscheltier dabei, ob nun zum Werfen oder zum Lustige-Geräusche-Machen. Ein positiver Nebeneffekt stellte sich – zumindest in der Jugendklasse – ein: Alle anderen Hunde spitzen ebenfalls gespannt die Ohren.
It.Ch.John Galliano hatte mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keinen Spaß in Donaueschingen. Er war auf Dauerzug und es ist ein echtes Wunder, dass er überhaupt noch laufen konnte und nicht mitten im Ring an Atemnot einging.
Das Quietschtier hob er wieder auf, die großzügig geworfenen Leckerlies ließ er liegen. Sehr zur Freude aller folgenden Hunde, die ihre Nasen mehr am Boden als geradeaus in der Luft hatten. Das stieß natürlich leicht sauer auf und wurde in einigen Ecken als latent rücksichtlos bezeichnet.
Ruth Ebinger mit MultiCh.Jee Bee’s Bayard Worrier in der Championklasse auf V2.  Im Hintergrund von links nach rechts: Mossbawnhill Masterpiece, Golden Peanuts It’s my Dream und Time for a Juke Box Hero
Neben dem V2 in der Championklasse erhielt Jee Bee’s Bayard Worrier, der Vater des semper-crescendo B-Wurfs und Monos Großonkel, die ganz hohen Weihen bei der Eukanuba Super Best in Show Challange am Samstagabend. Er wurde hier Vizesieger hinter einem Smooth-Saluki (Name muss noch ermittelt werden).

Das Parkett der Italiener

Im Stechen der Rüden gewann schließlich der wunderschöne Festiva Been There Done That gegen den Sieger der Zwischenklasse Emploi Fictif du Sac a Malices und den V1 Hund der Gebrauchshundeklasse Don Giovanni du Manoir de la Grenouillere und den V1 Hund der Offenen Klasse Song Sung Blue Golddust. Den besten Rüden machte dann Bo aus der Jugendklasse.
Durchatmen! Valerie Hamilton machte ihren Job gut. Zügig und souverän mit nur kleinen Pausen richtet sie das große und in seiner Qualität bestechende Whippetfeld.
Unter Sonne und Schäfchenwolken stellte in der Jüngstenklasse die perfekt präsentierte Creme Anglaise`s Syrah aus der Zucht von Jan Willem Akerboom die erste Siegerin bei den Hündinnen. Karasar’s Jaama Quiddity, das Evechen von Sandra Biesenbach, folgte sogleich in der Jugendklasse und konnte sich über einen hervorragenden dritten Platz in einer dicht besetzten Klasse von 14 Hündinnen freuen. V1 ging an Marianna High on Emotion von Ingrid Krah-Heiermann und V2 an Jette Di Mahana, die im Besitz von Susanne und Hajo Oschinski (Whipcat) steht.
Jeglicher Versuch eine komplette Klasse zu fotografieren musste am Wochenende kläglich scheitern. Möglich wäre das lediglich mit einer Panorama-Aufnahme, denn insbesondere die Hündinnen waren derart zahlreich angetreten, dass die Aussteller zwischendurch locker 45 Minuten Wartezeit einrechnen konnten, bis sie nach der Einzelbewertung wieder in den Ring mussten.

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Polyglott am Ring

Die größte Gefahr bestand dann darin, sich mit den meist sehr gut gelaunten und freundlichen Mitausstellern zu verquatschen und den nächsten Einsatz zu verpassen. Eine gewisse Mehrsprachigkeit war hier sehr von nutzen, denn am Ringrand herrschte ein babylonisches Sprachengewirre. Von Deutsch und Niederländisch über Französisch und Italienisch, Englisch und Ungarisch bis Russisch und Schwitzerdütsch sprach man hier bunt durcheinander. Herrlich!
Sandra Biesenbach (semper-crescendo Whippets) mit Monos Mama Kissy „Jee-Bee’s Deep is your Love“.  Sie erhielt ein V in der Offenen Klasse, ebenso wie ihre Schwester Jee-Bee ’s Dream about you und Jee-Bee ’s Crystal de Boheme. Kissys Mutter und Monos Oma Jee-Bee’s Bagheera erhielt in der Championklasse ein V.

Zurück zu den Hündinnen: Hannah Di Mahana von Dominique Delabell hat alles abgeräumt. In der Offenen Klasse, bestückt mit irrsinnigen 27 Hündinnen, erhielt sie das V1 und im Stechen u.a gegen ihre Kennelkollegin Joyce Di Mahana den Titel Winner Donaueschingen 2011. Im Stechen um das BOB gegen Sobresalto Kest’e gewann sie ebenfalls. Am Sonntag das gleiche, nur holte sie obendrauf noch das Best in Show und das Best of the Best nach Belgien.
Nach seinem Auftritt mit dem Veteranen Sobresalto Jamiro Quai auf der World Dog Show in Paris trägt der Italiener Cotugno wohl das bekannteste violette Leinenjacket der Whippetszene. Der gesetztere Dominique Delabelle sah in seinem schwarzen, gediegenen Anzug neben ihm ein bisschen aus wie ein Sargträger.

Der Sonntag

Aber um die Menschen an der Leine ging es ja nicht! Weder am Samstag noch am Sonntag. Für den war nämlich wieder ergiebiger Regen angesagt und alle bibberten allein um die Ausstrahlung ihrer wasserscheuen Ungeheuer und nicht um ihre Frisur. Dann lässt die Aussicht auf einen Ausstellungstag im Platzregen jeden Whippetbesitzer die Hände in die Luft strecken und auf Knien wem auch immer danken, dass er sich nicht für einen Barsoi oder eine Afghanen entschieden hat.
Der Regen beschränkte sich aber dann doch wohlwollend auf die Nacht. Pünktlich zu Richtbeginn am Sonntag Morgen kam zaghaft die Sonne ‚raus. Frau Ute Lennartz/DE hatte nun das Zepter im Whippet-Ring fest in ihrer Hand und vorsorglich die Gummistiefel noch an den Füßen.

Der Whippet ist berechenbar – meistens zumindest

Nachdem Sobers Mandrake at Masaru wieder souverän die Jüngstenklasse gewonnen hatte, nahm sich Frau Lennartz ebenso zügig wie Valerie Hamilton die Jugend vor. Dieses mal waren es nicht zehn sondern nur sieben Rüden und Mono war auf Krawall frisiert. Schon seit Freitag Mittag hatte er keine Gelegenheit mehr gehabt, seine Beine ordentlich zu strecken, so dass ihm sein Bewegungsdrang fast aus den Ohren quoll.
So schön er am Samstag lief, so wild hüpft er am Sonntag. In der Gruppe war er noch einigermaßen zu bändigen, doch in der Einzelbewertung holt er das Känguruh ‚raus. Trotzdem sortierte uns Frau Lennartz auf V2 hinter den Weltjugendsieger. Oh, prima! Und bitte noch eine Runde laufen. Verspielt! Mono benahm sich, als hätte er drei Kannen Kaffee geschlürft. Frau Lennertz stufte uns mit einem Grinsen auf V3 zurück. Zu recht, denn Herbert Endres Rivarco-Rüde hatte die Disziplin praktisch implantiert. Glückwunsch, wir haben sehr gelacht.
Emploi Fictif du Sac a Malices gewann die Zwischenklasse vor Bon Chance semper-crescendo. Don Giovanni du Manoir de la Grenouillere gewann erneut die Gebrauchhundeklasse und erhielt das Reserve-CAC. Die Siegerklasse ging an Rivarco Teller of Tales.
Mr.Clark hatte den Samstag vor sich hin gedümpelt und war nach wie vor beleidigt, dass er nicht am Schau-Coursing teilnehmen durfte. Doch ein Whippet, der sich in den falschen Hasen – hier war es eine Art Fensterleder – verbeißt und ihn nicht mehr her gibt, der durfte ohne Maulkorb den umfunktionierten Poloplatz nicht betreten. Das war keine offizielle Bedingung, sondern eine hausgemachte, denn die Maulkörbe lagen leider fein säuberlich daheim in der Schublade.

Fast Kuscheln mit dem Weltsieger 2010

17 Rüden standen in der Offenen Klasse, entsprechend lange dauerte das Richten. Mr.Clark ist im Ring sehr zuverlässig, lief wunderbar und ließ sich kaum von einer äußerst lästigen Fliege stören. Nach gut einer Stunde konnte Frau Lennartz ihre Favoriten nach vorne sortieren. Der Weltsieger von 2010 Albican Online, enttäuschend lapidar präsentiert von Roberto Posa, wanderte von 0 auf V1 (später BOS), der sehr aparte Song Sung Blue Goldreign auf V2. Und Mr.Clark auf V3.
Zwar nicht am Titeltag, aber auf der Veranstaltung Donaueschingen gleich beide meiner Whippets in ihren Klassen auf V3 platziert zu sehen, ist ein riesiger Erfolg für das kleine Doctor-Speed-Team. Gut gemacht Jungs!
Donaueschingen 2011 war zwar in Teilen recht feucht, aber sehr spannend und überaus unterhaltsam. Im nächsten Jahr sind wir ganz bestimmt wieder dabei, denn mehr Whippet geht nicht.

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Anmerkungen am Rande:

Am Samstagabend verschwand Sportingsfield’s Primrose at Sobers (Foto oben links) in die Dämmerung. Bitte Ahrens-Primavera und ihre Freunde suchten verzweifelt nach ihr, konnten sie jedoch nirgends finden. Am Sonntag war sie noch immer nicht aufgetaucht und man erzählte sich, sie sei angefahren worden. Nun ist sie wieder da. Sie hat sich auf ihrer offenbar panischen Flucht ein Bein gebrochen, wurde sofort operiert und ist nun auf dem Weg der Besserung.

Arschglatt?

Auf dem Foto der schönen Hündin und auch auf dem Portrait (oben) von Festiva Been There Done That ist deutlich zu erkennen, dass den Hunden die Tasthaare abrasiert wurden.
Was in den USA absolut normal und sogar erwünscht ist, wird hier in Europa zum Glück eher selten praktiziert. Für dieses Streben nach absoluter Glattheit eines Whippets habe ich kein Verständnis, denn den Hunden fehlt ein ganz wesentliches Werkzeug zu ihrer Orienterung. Außerdem hat es keinen erkennbaren Nutzen, denn der Whippet an sich wird dadurch nicht besser. Von mir aus können sie so viel an den Ohren, am Hals und an den Hosen herumrasieren wie sie wollen. Mr.Clark und Mono sind auch ihre Penishaare los. Doch nimmt man aus Eitelkeit dem Hund ein wichtiges Sinnesorgan, hört der Spaß meines Erachtens auf.
Sabine Brenner, Animagi Whippets, hat sich auch in diesem Jahr die Mühe gemacht, jeden einzelnen Whippet des Festivals fotografisch zu dokumentieren. Ihr Galerie bietet einen fantastischen Überblick über die Vielfalt der Hunde, die in Donaueschingen gezeigt wurden.
Alle Ergebnisse der Windhundtage Donaueschingen gibt es beim DWZRV.

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Freie Autorin mit einem starken Hang zur Fotografie

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