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Die Vermessung der Natur

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Die kontroverse Diskussion über die Größenentwicklung des Whippets ist erneut entbrannt. Wozu ist ein Standard da, wenn er nicht eingehalten wird, fragen die einen. Die zunehmend einflussreichen großen Amerikaner lassen den europäischen Whippet ins Kraut schießen, befürchten die anderen und tun so, als hätte es in Großbritannien nie die sogenannten Übergrößen gegeben.

„Haben Sie ein kleines Mädchen?“, fragte eine Französin mit spöttischem Unterton. Diese Frage kann einer Anfängerin auf ihrer ersten, dazu noch internationalen Ausstellung schon ganz schön die Laune verhageln. „Nein, Madame, ich habe einen kleinen Rüden!“ Diese Antwort kam allerdings mit unsicherem Unterton, da der eigene kleine Rüde neben den meisten seiner Konkurrenten in der Jugendklasse tatsächlich fast zwergenhaft wirkte. Da zupfte man fragend am Ärmel einer Expertin:“Ist mein Hund so klein, oder sind die anderen so groß?“
Tatsächlich waren die anderen so groß, und Mr. Clark konnte sich mit seinem Maß von (Zitat Richter) irgendwas zwischen 50 und 51 cm vor dem deutlich größeren Hund der Gift spritzenden Dame platzieren. Dem ersten Impuls nachzugeben und in eben jene Richtung die Zunge ‚rauszustrecken, verbat natürlich die gute Erziehung.
Als großrahmiger Rüde ist Mr.Clark ein Grenzfall, aber eindeutig im Maß, das eine maximale Schulterhöhe von 51 cm vorgibt. Selbst wenn er einen Zentimeter aus dem
Maß herausragte, wäre das kein Beinbruch. Denn die aktuelle Diskussion dreht sich nicht um Millimeterchen, sondern um deutliche Überschreitungen des Höchstmaßes.
Letzterer sind auf internationalem Niveau aber offenbar vollkommen normal und üblich. So stellt sich die Frage, ob die deutsche Dikussion nicht allzu kleinkariert daher kommt und an den allgemeinenTendenzen realitätsfern vorbeischwadroniert. Mal abgesehen davon, dass die sogenannte Übergröße noch nicht einmal klar definiert ist. Ist es nun der eine eindeutige Zentimeter oder sind es gar fünf? Die Amerikaner haben das schon längst klar geregelt.
Es ist geradezu lächerlich, sich mit erhobenem Zeigefinger streng an einen vorgegebenen Obergrenze halten zu wollen, gleichzeitig aber z.B. ein hochtypische Hündin, die an der Untergrenze ihrer Größenvorgabe (44-47cm) liegt, als zu klein zu betiteln.
Andersherum – darf ein Whippet dann zu groß sein, wenn er noch aussieht wie ein Whippet? Wie genau hat ein Whippet auszusehen? Quadratisch? Langer Rücken, lange Lende? Klassisch? Modern? Das liegt im Ermessen der Züchter und fußt auf ihren spezifischen Vorlieben und Zielen. Ihnen ein gewisses Maß an Selbstveranwortung zuzugestehen, ist hier wohl selbstverständlich, denn im besten Fall haben sie großes Interesse an einem korrekten und gesunden Hund.
 
Da viele Züchter auch Richter sind, ist zu hoffen, dass sie sich auf der Suche noch ihrem Typ Whippet gegenseitig regulieren und allzu extreme Blüten pflücken. Aber es sollte nun beim besten Willen nicht an zwei oder drei Zentimetern hängen, ob ein in allen Teilen vorzüglicher Hund zur Zucht zugelassen wird oder nicht. Denn es wäre schade, wenn die enorme Typenvielfalt des Whippets, durch eine rigorose Vermessung zu einem Einheitsbrei verschwämme.

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Freie Autorin mit einem starken Hang zur Fotografie

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