Fast täglich

Heilsbringer im Morgengrauen

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Die beiden Dackel machen Mr.Clark nervös. Immer. Bei jeder Begegnung. Sie kläffen, starten Scheingriffe, zerren an ihren Flexis. Horizontal hin und her sirrende Jojos im Dauerbetrieb. Jedes mal besteht akuter Handlungsbedarf, denn ihr Halter ist sehr klebrig und überaus missionarisch unterwegs.
Das whippettypisch lautstarke Spiel zwischen Mono und dem Cheffe wird also unterbrochen. Beide an den Strick, hinsetzen, Ruhe und abwarten bis das Geschwader
vorbeigezogen ist. Es zieht aber leider nicht. Ganz im Gegenteil, es nähert sich stetig.
Mr.Clark produziert eine stattliche Bürste, Mono fängt an zu hüpfen wie ein Känguruh. Die beiden Dackel schöpfen das Potenzial der Flexis voll aus. Es gibt kein Entkommen. So kurz können zehn Meter sein, denkt sich wohl ihr Besitzer und macht noch ein paar Schritte auf uns zu.
Gehen Sie doch bitte einfach weiter.“ Wieso? Die wollen sich doch bestimmt beschnüffeln.“ Nein, das möchten sie nicht. Gehen Sie bitte einfach weiter.“ „Glauben Sie, dass ich jetzt einfach flüchte, nur weil Sie aggressive Hunde haben.“ „Die Hunde sind nicht aggressiv. Gehen Sie bitte weiter.“ Der gute Mann rührt sich nicht vom Fleck. „Das sind ja zwei Rüden!“ Einer der Dackel schießt vor und schnappt nach Mono. Mr.Clark droht.
Die Jojo-Dackel stehen stark auf Zug und nutzen ihren kompletten Radius, eine Flucht ist also gar nicht einfach. Die Leinen kurz und wortlos ‚dran vorbeigequetscht. Wobei Monno nach wie vor nicht versteht, warum er mit den geifernden Zwergen nicht spielen darf, Mr.Clark hingegen den Eindruck macht, als nähme er sie gerne als zweites Frühstück.
Ein Stück weiter des Weges ist wieder Ruhe eingekehrt. Von ihren Leinen befreit, spielen der Mono und Mr.Clark unbeirrt und lautstark weiter, als wäre nichts vorgefallen. Doch dann schallt ein lauter Ruf über die friedlich unter glitzerdem Morgentau liegende Wiese: „Sehen Sie, das haben sie nun davon! Wie kann man denn auch zwei Rüden halten? Die zerfleischen sich doch jetzt schon. Die müssen Sie aber schnell kastrieren lassen.Kastriiiiieeren!!“, und schwingt seine rechte Hand, als führte er ein langes Messer. „Natürlich, sie haben ja recht. Was täte ich bloß ohne ihren Sachverstand.“
Zufrieden, wieder einem ahnungslosen Menschen die Augen geöffnet zu haben, zieht der Heilsbringer von Dannen. Als er im Nebel verschwindet, sieht er ein bisschen aus, als sei er gerade gekreuzigt worden. Zwei Flexis am Anschlag. An den Enden links und rechts schleifen jeweils zwei kleine, dicke Bäuche über den Schotterweg. Hoffentlich kommt jetzt kein Radfahrer.

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Freie Autorin mit einem starken Hang zur Fotografie

Comments

  1. Ja, mensch, was hast Du auch zwei Rüden? und dann noch mit den Bestien rausgehen? Das geht nun wirklich nicht…..
    Ich glaube, diese Menschen gibt es überall. Als ich das gelesen habe, dachte ich, Du erzählst aus meinem Leben. Letztes Wochenende stürmt ein kleiner, unangeleinter Fratz in unser angeleintes Rudel. Frage an die Besitzerin:
    Wollen Sie heute noch mit Ihrem Hund zum Tierarzt? 
    Wieso? 
    Das hier ist ein festes, gemischtes Rudel. Was glauben Sie, wie unsere Rüden Ihren aufdringlichen Flummi an den Popos unserer Hündinnen finden?
    Ach, sind die bissig? So sehen sie gar nicht aus….
    ..da fehlen mir die Worte. Aber es ist gut gegangen.

  2. Der Dackel-Mann ist ein richtig harter Fall. Die Bretter, die der vor dem Kopf hat, kann man kaum noch zählen. Aber von der Sorte gibt es hier noch einige mehr – in den unterschiedlichsten Spielarten.
    Eine fürchterliche Frau, die mir ständig mit ihrem Chow-Chow auf die Pelle rückt, sagte doch tatsächlich: [i]“Wenn sie nicht angesprochen werden wollen, dann dürfen sie sich nicht so auffällige Hunde anschaffen.“[/i]
    Grüße
    Doctor Speed

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