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Aktualität gibt’s woanders

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Kolumne in Unsere Windhunde, Deutscher Windhund Zucht- und Rennverband, Juli 2014 – Ich höre es immer wieder: „Unsere Windhunde“ ist überflüssig. Vier Wochen Vorlaufzeit? Wenn die nächste Ausgabe ‚raus ist, dann ist ihr Inhalt längst abgefrühstückt, bekannt und vorbei. Wozu das Papier verschwenden? Auf Facebook, in diversen Blogs und sonst wo noch wird man schließlich im Sekundentakt auf Spur und auf den neuesten Stand gebracht. Ausstellungs- und Rennergebnisse sind längst öffentlich. Deckakte und Welpengeburten auf Fotos und in Filmen mit chirurgischem Auge festgehalten und per Liveticker der Welt kredenzt. Auf was soll man also noch vier Wochen warten? Alle Geheimnisse sind schließlich gelüftet. Sogar die Dinge, die wir gar nicht wissen wollen, dringen ungefragt in unser Leben ein. Das ist wohl der Preis für unsere Dauerverkabelung.

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Allerdings gibt es noch viele Menschen, die – man glaubt es kaum – nicht pausenlos online sind. Ihr Handy plärrt oder plingt nicht jede Minute, sie haben weder ein Facebook-Profil noch einen Blog, noch wälzen sie sich ganztägig in einem Bad voller Twittermeldungen. Und das ganz freiwillig. Nicht etwa weil sie irgendwie zurückgeblieben wären, oder mit der Technik nicht klar kämen, sondern weil sie für sich keine Notwendigkeit sehen. Zu dieser Gruppe gehöre ich nicht. Die meisten Menschen, die ich kenne auch nicht. Wir sind zwar nicht die berühmten „digital natives“, aber wir leben und arbeiten mit allen technischen Errungenschaften, die uns geboten werden. Zwangsläufig. Denn vieles geht ohne sie einfach nicht mehr. Dennoch habe ich das Papier nicht vergessen. Ich habe keinen Kindle, denn ich sitze viel lieber mit einem richtigen, echten Buch auf dem Sofa. Und ich behalte sogar die Gelesenen. Dieser blöde Kalenderspruch „simplify your life“ ist mir wurscht, auch wenn ich bei unserem nächsten Umzug wieder fünf Zentner Papier schleppen muss. Ich schaue meine Bücher nämlich gerne an. Ich ziehe sie gerne bei Bedarf aus dem Regal und schlage sie auf, um etwas nachzulesen. Sie sind griffbereit, wenn ich jemandem etwas zeigen möchte. Sie sehen schön aus und sie riechen immer gleich. Die Inhalte der meisten meiner Schwaten sind online nicht zu kriegen. Sie sind also sehr wertvoll für mich.

Mit „Unsere Windhunde“ geht es vielen Lesern offenbar ganz ähnlich. Sie freuen sich auf das Papier, das monatlich in ihrem Briefkasten steckt und ihnen aus der täglichen Flut von Meldungen die wichtigsten handlich zusammengefasst hat. Sie haben mit der Zeit kleine Rituale entwickelt: Die UW mit einem Kaffee auf der Terrasse, oder auf dem Lieblingssessel mit Keksen und Tee. Und selbst wenn es in einer Ausgabe mal nicht so viel zu lesen gibt, ist das auch nicht weiter schlimm. Der stetig wachsende, bunte Heftestapel ist eine fassbare und verlässliche Größe. Er dokumentiert die Entwicklung des Verbandes und die der unter ihm gezüchteten Hunde. Er zeugt von Kontinuität. Aktualität gibt es halt woanders.

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Freie Autorin mit einem starken Hang zur Fotografie

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