Fast täglich

Von Nonkonformisten und Trendmuffeln

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„Ach, der Kleine ist aber jetzt eine andere Rasse!“ Gebetsmühlenartig kommt zum hundertsten Mal die Antwort:„Nein, das ist auch ein Whippet.“ Ehrliches Staunen folgt fast immer auf dem Fuße. „Ach, aber der hat ja eine ganz andere Farbe!“ „Ja, genau! Diese Hunde sind Individualisten. Sie halten nichts von Uniformen.“

Es gibt gibt wohl kaum zwei Whippets (mal abgesehen von den ganz schwarzen), deren Zeichnung sich gleicht. Selbst wenn sich ausnahmsweise mal zwei Hunde auf den ersten Blick sehr ähnlich sehen, sie unterscheiden sich immer zumindest in Nuancen. Der Dobermann- oder Pudelkenner kommt hier verständlicherweise ins Schleudern, insbesondere wenn er einen großrahmigen, schwarz gestromten Rüden und eine zierliche, weiß-rot gescheckte Hündin der gleichen Rasse zuordnen soll.

Nix für die Optik

Wenn an einem Whippet überhaupt etwas egal ist, dann ist es wohl seine Farbe. Für den Hausgebrauch zumindest. Die Züchter der Show-Linien suchen natürlich nach möglichst symmetrischen Blessen, nach vorteilhaften Zeichnungen, die Positives hervorheben und potentiell Negatives ein wenig kaschieren.
Viel Weiß, ebenso wie ein heller Sandton können sehr von Vorteil sein, da die Whippetmuskulatur viel besser zur Geltung kommt, als z.B an einem stark gestromten Hund. Auf dem wiederum sieht man Narben kaum, die auf einem hell-sandfarbenen Whippet wie eine Erdbeere auf einer Sahnetorte wirken. Das macht den Hund nicht schlechter, ist aber nix für die Optik.

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Filzstift stärkt den Charakter

Letztere ist für manch perfektionistischen Aussteller so fundamental wichtig, dass er keine Reise ohne schwarzen Filzstift antritt. Helle Flecken sind der Tod des BOB, denn schließlich hat der Nasenspiegel schwarz zu sein. Andere wiederum müssen der Öffentlichkeit ums Verrecken mitteilen, dass ihre zukünftigen Winner schon im zarten Alter von 8 Wochen stehen können wie gemeißelt. Da muss der Welpe in der strammen Showleine eben mal kurz die Luft anhalten bis er blau anläuft. Ist ja nur schnell fürs Foto.
Mr.Clark ist ja auch ein Blauer. Das hat aber weniger mit quälender Atemnot, als mit seinen Genen zu tun. Lebte er in den USA, so würde er ob seiner hellen Augen erst gar nicht zur Zucht zugelassen. Den Kommissionen In Kontinentaleuropa und Großbritannien ist das wurscht. Ihm wohl auch, obwohl ja immer noch das Ammenmärchen kursiert, dass blaue Whippets weniger charakterfest sind als ihre schwarz pigmentierten Kollegen. Folgte man dieser Vermutung, so müsste sich Mono zu einem whippetgewordenen Fels in der tosenden Brandung des Lebens entwickeln, denn er hat die pechschwarzen Knickeraugen und mit ihnen das gute Pigment seiner Mutter geerbt. Sein Vater hingegen hat helle Augen wie Mr.Clark.

Ein guter Hund hat keine Farbe

So bunt dieses Whippetvölkchen daher kommt, so schnell muss man lernen, genau
hinzuschauen. Was für den Laien vollkommen unmöglich bleiben wird, strickt sich der Enthusiast zu einer kleinen Wissenschaft. Eine in dieser Hinsicht sehr beschlagene Dame sagte mal:“Ein guter Hund hat keine Farbe!“ Natürlich nicht, denn egal wie witzig, glamourös oder speziell die Zeichnung eines Whippets auch sein mag, sie ist nur seine Kleidung. Um zu erkennen ob der Whippet unter seinem chicken Dress auch die
körperlichen Qualitäten mitbringt, die der Standard fordert, muss man durch ihn hindurch gucken können.
Das ist nicht immer einfach und objektiv schon gar nicht, bringt doch jeder auch seinen persönlichen Geschmack mit. Wer sein Herz an die Strömlinge verloren hat, der wird sich mit einer  Extremschecke schwer tun. Tatsächlich kann man auch bei machen Richtern – die ja nun eigentlich die Objektivität gepachtet haben sollten – gewisse Farbvorlieben entdecken. Andersherum reibt man sich die Augen, wenn plötzlich nur noch sandfarbene Hunde im Ring stehen. Whippets scheinen offenbar auch einem Farbtrend zu unterliegen. Angeblich sind ja nun die Blauen wieder im Kommen.
Doch auch im Whippetring ist es wie im richtigen Leben, wie bei Lauren Hutton, wie bei einem epochalen Möbelstück oder einem einfachen, schwarzen Blazer von Jil Sander – die klassischen Schönheiten setzen sich langfristig durch. Sie bleiben on the top und beobachten gelassen, wie die Trends an ihnen vorbeiziehen.

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Freie Autorin mit einem starken Hang zur Fotografie

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