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Merlins rote Liste

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Verstehe einer die Hundeseele! So viel wir uns mittlerweile erklären können, so viel wird wohl auch für immer im Gewirr der tierischen Tiefen verborgen bleiben. Ein Sheltie-Rüde aus unserer Nachbarschaft gibt seinen Besitzern und seit gestern Abend auch mir Rätsel auf.

Der Sheltie Merlin ist im gleichen Alter wie Mr.Clark. Er lebt bei einer netten Familie und ist sehr gut erzogen. Im Grund ist er also ein prima Hund, hätte er nicht eine recht unangenehme Angewohnheit. Er führt nämlich eine rote Liste. Und wir stehen dummerweise drauf.

Rüdenscharmützel

Er und Mr.Clark hatten im Teeniealter ein Scharmützel. Mr.Clark zeigte ihm wo der Hammer hängt und dann war die Sache erledigt. So dachten wir zumindest. Die letzten Jahre konnten die beiden sich dennoch nicht wirklich riechen, deshalb gingen wir uns vorsichtshalber aus dem Weg. Letzten Winter dann griff Merlin ohne Not und aus heiterem Himmel Mr.Clark an. Der Sheltie frei, Mr.Clark an der Leine. Sein Besitzer hatte uns nicht kommen sehen und zu spät reagiert. Mr.Clark langte ordentlich zu, Mono stand vom Donner gerührt daneben. Dass das Verhältnis zwischen den beiden gleichaltrigen Rüden nun endgültig zerrüttet war, ist mehr als verständlich.

Gestern Abend war ich mit Mono alleine unterwegs. Ich sah in der Ferne Merlins Besitzerin, von Merlin selbst aber keine Spur. Deshalb ging ich entspannt weiter, nicht zuletzt weil Mono nicht sein Hassobjekt ist.

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Mr.Clark

Doch leider war Merlin da und ohne Leine. Er schoss hinter einer Bank her und griff ansatzlos an. Das sind Momente, in denen sich Beine mit einer gewissen Reichweite auszahlen. Ich wusste, dass dieser Hund nicht ablassen würde, bis er sich in Mono verbissen hätte, also brüllte ich ihn an und hielt ihn mit der großzügigen Hilfe von Herrn Timberland auf Abstand. Da Mono nicht weglaufen konnte, ich ihn auf die Schnelle gar nicht ableinen konnte, aber sicher war, dass er sich gegen die Attacken auch nicht wehren würde, ließ ich den Sheltie mehrfach in meine Boots rennen und versuchte ihn dann am Nackenfell zu packen. Seine Besitzerin war dann zum Glück recht schnell da, um mir die Arbeit abzunehmen.

Selektive Amokläufe

Wir standen beide mitten auf dem Weg und waren sprachlos. Denn Mono ist Peace in Hundegestalt. Von ihm gehen weder aggressive, noch provokante Signale aus. Ganz im Gegenteil, mit sich und der schönen Welt im Reinen, ist er jeden Hundes Freund und kann mit Aggression überhaupt nichts anfangen. Ganz die Mama eben.

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Wie ich dann hörte, stehen auf Merlins roter Liste auch Hündinnen. Wären es nur Rüden, hätte sein Verhalten eine gewisse Logik. Doch er versucht wohl regelmäßig, eine als äußerst dominant und angriffslustig bekannte Deutsche Schäferhündin zu attackieren. Ließe man ihn, würde er ganz sicher sein Leben lassen. Das ist mehr als schräg und seine Besitzer sind entsprechend verzweifelt.

Wir gingen noch ein Stück zusammen, um zu sehen, ob der verrückte Sheltie es wieder versuchen würde. Obwohl Mono alle Beschwichtigungsregister zog, blieb Merlin tatsächlich im Angriffsmodus. Ohne Leine hätte er es wieder versucht. Zum Glück muss ich das nicht verstehen.

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Freie Autorin mit einem starken Hang zur Fotografie

6 Comments

  1. Bleibt für mich die Frage, warum die Besitzer den lieben, kleinen Sheltie dann auch noch frei laufen lassen. Da hätt ich viel zu viel Angst, dass irgendwann mal ein anderer Hund zurückbeißt oder aber, dass ein Kind auf der roten Liste des Kamikaze-Shelties landet…

  2. Ja, das habe ich sie auch gefragt. Schließlich weiß man nie, wer um die Ecke kommt. In der Regel haben sie ihn früh genug im Griff. Und mit anderen Hunden spielt er ja so süüüüüß!

    Entspannte Grüße
    Karla

  3. Gerade für einen Sheltie absolut untypisch.
    Durch den Club für Britische Hütehunde, ungezählte Ausstellungen dort, Events mit diesen Rassen, kenne ich so ein Verhalten nicht.
    Normalerweise anbrüllen und der Sheltie fällt fast ins Koma………
    Kenne nur wenige Shelties die so selbstbewußt sind aber das ist ja schon weit über Selbstbewußtsein heraus.
    Isabelle stünde da wie Mono….und würde gebissen.
    Gut das Frauchen so auf Zack ist!
    LG
    Michael

  4. Sorry, aber wenn der Sheltie auch Hündinnen angeht, dann hat er gelinde gesagt einen an der Waffel! Shelties sind Hütehunde und werden, wenn sie nicht ausgelastet sind, komisch.
    Mein Rat an die Besitzer: Ab in die Hundeschule zum erlernen des Hunde-Einmaleins für Hund und Herrchen 😉

  5. Dieser Hund hatte von Welpenalter an eine persönliche Trainerin. Das ist ja das, was die Leute so fertig macht. Ob man nun über die Qualität der Trainerin diskutieren kann, oder der Hund einfach ’ne Klatsche hat, bleibt dahin gestellt.

    Ich bin nur froh, dass Mr.Clark nicht dabei war. Das hätte die nächste fröhliche Keilerei gegeben.

    Entspannte Grüße

  6. Hatte neulich ein ähnliches Intermezzo mit einem Schäferhund. Da bin ich froh, dass meine beiden Jungs hinter mir Deckung gesucht haben und sich der Schäfer von mir hat beeindrucken lassen. Seit dem Zusammenstoß – Dobby wurde auch gebissen, ohne dass jedoch Löcher im Pelz zurückblieben – ist Dobby anderen Hunden, die ein wenig auf Konfrontation gebürstet sind, nicht mehr ganz so offen und freundlich wie er es bis dahin war. Das zählt aber klar zu den Dingen, die die Welt nicht braucht.

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