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Knack hat’s gemacht.

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Kolumne in Unsere Windhunde, Deutscher Windhund Zucht- und Rennverband, März 2013 – In meiner ersten Kolumne im Mai 2012, hatte ich bereits laut darüber nachgedacht, mich vielleicht einmal mit dem Attribut „freundliches und sicheres Verhalten im Ring“ auseinandersetzen zu wollen. Ich denke, dass werde ich nun tun, denn das Thema passt ganz hervorragend zum Beginn der Outdoor-Saison.

Als relativer Grünling im Ausstellungszirkus, beobachtete ich eine Szene, die mir einen heiteren Zynismus einhauchte, der mich bis heute begleitet. In der Bewertung vor mir stand ein Hund, der panisch zappelte und sich unter keinen Umständen anfassen lassen wollte. Er lies sich nicht die Zähne kontrollieren. Er stand nicht auf dem Tisch, er stand auch nicht wie allgemein gewünscht vor dem Tisch. Er wich aus. Offensichtlich hatte er Angst. Er lief leidlich, war aber immer auf dem Rückzug. Ich wartete derweil auf meinen Einsatz, stand also recht nah am Geschehen.

Zuvor hatte der Richter der Ringschreiberin locker und deutlich seine Eindrücke formuliert. Als er zur abschließenden Bewertung des beschriebenen Rüden kam, senkte er seine Stimme und diktierte leise: „Sicheres, freundliches Verhalten im Ring.“ In diesem Moment machte es knack in meinem Jungausstellerhirn und ich verstand, dass ich mich wohl an eine zuvor ungekannte Dehnbarkeit der üblichen Begrifflichkeiten gewöhnen musste.

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In Donaueschingen bat mich mal ein italienischer Aussteller freundlich, doch bitte genug Abstand von ihm zu halten. Sein Hund hätte die unangenehme Angewohnheit, zu beißen. „Mensch oder Hund“, fragte ich. „Beide“ war die lapidare Antwort. Während der recht langen Wartezeit im Ring musste der kräftige Rüde die wüstesten Beschimpfungen seitens seines Handlers über sich ergehen lassen, so dass ich mich schnell auf die Seite des Hundes geschlagen hatte. Und ich hätte vermutlich begeistert applaudiert, wenn er revoltiert und seinen Neigungen am Hintern des Leinenendes freien Lauf gelassen hätte. Trotzdem packte mich die klassische Faszination des Grauens, als später die Richterin ihre Hände hob, um diesem Rüden die Zähne zu kontrollieren. Bleiben alle Finger dran? Ja, sie blieben. Der Rüde verließ den Ring ohne ein Blutbad angerichtet zu haben und mit freundlichem Verhalten auf dem Zettel.

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Da Ausstellungen nach wie vor Zuchtschauen sind und zur Zuchtzulassung nun mal freundlich bzw.sicher auf dem Richterbericht stehen muss, wäre es also überaus naiv zu glauben, dass in der Folge nur freundliche und sichere – diesem Falle – Whippets zur Zucht zugelassen werden. Whippets können wild, ausgelassen, bockig und undiszipliniert sein. Das wird kaum ein Richter hart ahnden, wenn er einen guten Hund vor sich hat. Aber verängstigt oder aggressiv? Nicht wünschenswert, denn vollkommen rasseuntypisch. So habe ich das zumindest gelernt. Doch je nach tagesaktueller Konstellation ist Papier gewohnt geduldig und die Interpretation von freundlich bzw.sicher bemerkenswert individuell.

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Freie Autorin mit einem starken Hang zur Fotografie

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