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Ich will kein Gutmensch sein

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Ich will kein Gutmensch sein. Gutmenschen sind oft so verkniffen. Ich sage oft. Nicht immer. Auf unserer Halde treffe ich hin und wieder eine nette, sehr entspannte Frau mit einem siebenköpfigen Orgelpfeiffenrudel. Allesamt aus dem Tierschutz. Sie tragen die gemeinsten Geschichten unter ihrem Pelz, doch ihre Hüterin ist freundlich, fröhlich und hat sogar immer noch einen Platz für einen Übergangshund mit einer noch schlimmeren Vita.

Aber warum habe ich regelmäßig unangenehme Begegnungen mit Damen, die sich intensiv dem Tierschutz widmen? Ich bin ja nun weit weg davon, Hunde an rostige Ketten zu pflocken oder in Zwingern dahinsiechen zu lassen.

Vor längerer Zeit gab’s da eine, die nicht nur keine Ahnung hatte, sondern auch noch blank vor sich hin log, als sie einen offensichtlichen Windhundmischling als reinrassigen Rennwhippet ausgab. Eine kurze Recherche ergab, dass die Tierschutzorganisation die Herkunft des Hundes gar nicht kannte und ihm wohl nach kurzem Würfeln den Stempel Renner aufdrückte. Vermittelt sich halt besser.

Eigentlich müste er Ghandi heißen.
Eigentlich müsste er Gandhi heißen.

Eine andere beschimpfte mich auf das Übelste, als sie erfuhr, dass meine Hunde nicht gerettet, sondern bei Züchtern erworben sind. Und ganz zu Anfang meiner Whippetzeit wurde mir bei einer Veranstaltung von einer Windhundschützerin Kaffee und Keks verweigert, weil Mr.Clark ein ungequälter Halbwüchsiger mit Papieren war. Sie brauchen hier aber nicht wieder hinkommen! O-Ton. Bin ich dann auch nicht.

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Heute am Rhein zog eine ähnlich Schmallippige ihren drohenden Rüden von mir weg: „Ich nehm ihn mal weg. Nicht, dass er noch einen Tritt abkriegt.“ Bitte? Sie kam mir und Mono mit einem Rudel bestehend aus einem größeren Rüden und fünf Fußhupen unterschiedlichster Couleur entgegen. Ein sehr netter, älterer Herr, den ich oft dort treffe, begleitete uns mit seiner kleinen Hündin.

Mono hielt Abstand und beäugte sich die Truppe von Weitem. Ich ging locker weiter, als der große Rüde plötzlich auf Mono los ging. Mono wendete auf dem Teller, wich aus und stellte sich hinter mich. Der Rüde versuchte es wieder. Ich blockte ihn ganz einfach mit meinem Körper. Ich stand ganz ruhig da.

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Er versuchte, um mich herum zu gehen, um an Mono heranzukommen. Ich drehte mich mit. Ganz simpel, aber wirksam. Die Schmallippige brauchte etwas Zeit, bis sie ihren Rüden zu fassen bekam und pampt mir dann entgegen, dass ich ihren Hund hätte treten wollen. Jaaaa, ich bin Tierschützerin! Na toll! Dann schützen sie doch weiter! Der ältere Herr schaute mich völlig entgeistert an. Er verstand den Auftritt genauso wenig wie ich.

Müssen diese Frauen immer so gramgebeugt und sauertöpfisch sein? Es sind immer Frauen. Männer sind mir noch nie so begegnet. Immer mit dem Leid der Welt auf ihren Schultern, immer schulmeisterisch und missionarisch unterwegs? Engstirnig und mit erhobenen Zeigefinger. Warum meinen sie, dass nur ihr Weg der richtige ist? Wenn der Gutmensch an sich so ist, dann will ich keiner sein.

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Freie Autorin mit einem starken Hang zur Fotografie

7 Comments

  1. hör mir uff – so eine hatte ich mal in Luxemburg mit was Staffi-mäßigem aus dem Tierschutz an der Leine. Die hat mich auch erst mal angemacht, dass meine Whippets Windhunde vom Züchter sind und mich dann völlig perplex stehen lassen. *kopfschüttel*

    Zwar hatte ich mich bei Whippet Nr. 2 auch gedanklich mit einem Tierschutzhund befasst, dann aber auf Anraten langjähriger Züchter und solider (!) Tierschützer davon Abstand genommen, weil ein TS-Hund vermutlich mit unserer Lebenssituation einfach nicht so gut fertig werden würde, wie ein Hund, der dort hineinwächst (berufstätig und somit keine 24h zuhause, anderer Hund, drei Katzen……..)

    Aber leider – auch diese Erfahrung habe ich machen können – sind diese soliden Organisationen, die ein großes Herz und dennoch auch noch Verstand haben, etwas rarer gesäht. Wenn ich mir allein die Knebelverträge anschau, die mir vorgelegt wurden, weil ich mich im Vorfeld auch zu den Bedingungen zur Aufnahmen eines TS- Hundes erkundigt habe, da wird einem schlecht. Ich kann nur noch mit dem Kopf schütteln, wenn ich Paragraphen lese, dass bei Verstößen gegen die Vorgaben, ohne Rückerstattung der Schutzgebühr der liebgewordene Hund wieder von der TS-Stelle abgeholt werden (also wenn ich zum Beispiel mal nicht jeden Tag mindestens 3x 1h mit dem Hund Gassi gehe, oder ihn von der Leine lasse oder oder oder). Man darf nicht mal den Hund bei Tasso anmelden, weil als erstes bitteschön die TS-Stelle informiert zu werden hat, sollte der Hund mal weglaufen…. etc etc. Da stellen sich mir die Haare zu Berge.

    Wenn man dann mit diesen Tierschützern versucht, eine sachliche Diskussion zu führen, dann ist man es schon nicht mehr wert, einen Hund aus dem Tierschutz zu bekommen. Also das Thema ist für mich nachhaltig durch!!! Und die Reaktionen dieser Damen wie von Dir beschrieben bestärkt einen dann nur noch zustätzlich.

  2. Oho Petra, da hat sich ja was angestaut. Ich kriege oft bei dieser sich selbst auf die Schulter klopfenden Überheblichkeit das Schütteln. Wir sind die Guten, ihr die Bösen. Ja, danke für’s Gespräch. Es gibt bestimmt einige Organisationen, die viel Gutes leisten, aber dieser vernagelte Missionarsgeist schreckt mich ab. Zumal da oft Ahnungslosigkeit mit Fanatismus gepaart ist. Ganz schlechte Kombination.

    Entspannte Grüße

  3. Es gibt überall solche und solche und manche braucht man eben nicht.
    Wir haben jetzt schon ein paar Jahre die Veranstaltung der Windhundhilfe besucht und auch dort mitgeholfen. Am Anfang mit drei Corgis (zwei selbstgezüchtete) und einer Whippe von Züchtern. Niemand ist uns dumm gekommen, man hat uns respektiert und auch unsere Entscheidung woher unsere Hunde kommen.
    Vielleicht weil es der Bekanntenkreis von Sanny (Unikatös) ist?
    Wir waren einfach da und haben geholfen und wir haben sehr nette Menschen dabei kennengelernt und Hunde mit teils grauenhafter Lebensgeschichte.
    Schlimm wird es wenn man auf Menschen stößt die jegliche Toleranz vor anderen Menschen verloren haben und nur ihre Meinung als die einzig seligmachende ansehen. Also seien WIR weiterhin unvoreingenommen (und hoffen auf das Beste:)
    LG
    Michael

  4. Als wir anfingen spanische Hunde zu züchten, wollten wir unsere Augen auch nicht vor dem Elend in Spanien verschliessen. Wir hatten Platz und Zeit und wollten als Pflegestelle dienen. Fast alle kontaktierten Orgas haben mich als Hundezüchter regelrecht beschimpft. Dann habe ich eine angerufen und die zweite Vorsitzende war am Telefon. Ich began mit “ Ich bin Hundezüchter und habe auch ein Vorurteil gegenüber Tierschutztanten “
    Wir kamen ins Gespräch und ich flog 4 x nach Malaga für sie. Mein Beitrag tat nicht weh, kostete nur Zeit. Inzwischen haben wir 2 der Pflegis „adoptiert“ wie es dort heißt. Eine damals 7 jährige Galga ( heute 12)und einen derart mißhandelten Mix( ihm wurde die Rute abgehackt und er kam mit der Wunde an), daß er sich sofort lösste wenn man ihn nur anschaute und nicht nur klein. Wir haben ihn gekauft damit ihm das Schicksal „gerettet zu werden“ erspart bleibt. Er wäre völlig überfordert. Hier läuft er im Rudel mit und mittlerweile schläft er im Bett meines 7 jährigen und ist glücklich.
    Also solche- und solche Tierschutztanten 🙂

  5. Vor solchen Menschen ziehe ich den Hut, denen den nicht nur die eigenen Tiere am Herzen liegen sondern die nach ihren Möglichkeiten auch was für die tun die sonst keine Lobby haben.
    Habe mich gleich am Anfang in eine scheue Galga namens Fabienne verliebt die von ihrer Pflegemutter Lisa soweit gebracht wurde später in ihr endgültges Zuhause gehen zu können. Wir haben uns noch zwei Mal in Viernheim (geht da über die Bulli Hilfe) gesehen und mit einem bißchen Pipi in den Augen freue ich mich für die Leute mit ihrem fröhlichen Hund.
    Wäre ich damals schon berentet gewesen, sie wäre zu uns gekommen weil sie immer unsere Nähe und die unserer Hunde suchte.
    Alles Liebe auch weiterhin
    Michael

  6. Pavla Humenanska Reply

    Ich bin auch kein Gutmensch. Ich denke solche Reaktion trifft oft die Windhundbesitzer, weil „Spanische Hunde“ vielen Menschen bekannt sind. Heute reagiere ich nicht mal auf solche Vorwürfe. Mit eine Kollegin haben wir, für sie, einen Galgo gesucht, sie wollte auch einen „retten“. Es wurde ihr ein jungere Hund gezeigt, er war an ihr sofort interessiert. Einfach Liebe auf den ersten Blick. Tierschutz hat aber was dagegen, wenn meine Kollegin meinte, dass sie will auch ohne Leine mit dem Hund gehen. So aber nicht! Das geht nicht! So bleibt er hier! Am Schluss könnte sie den Hund „retten“. Ein Jahr später läuft er frei, folgt schön, spielt und rennt mit anderen Hunderassen zusammen! Das ist für mich eine Rettung, dem Hund zu geben, was er braucht! Und dass vergessen oft viele Gutmenschen!

    • Stimmt. Allerdings verstehen manche Leute „retten“ falsch. Hier in der Gegend habe ich eine Zeit lang eine ältere Dame getroffen, die wohl Pflegestelle für Galgos und Greyhoundmixe war/ist. Sie hatte ein Rudel von immer rund 4 bis 5 Hunden, die ausnahmslos alle viel zu fett waren. Nicht nur ein bisschen rundlich, sondern richtig fett. Ich habe noch nie so dicke Galgos gesehen. Und mit dem Gewicht sind die auf einer weitläufigen Halde jagen gegangen. Oft hat die Frau am Auto gewartet, bis die Hunde dann irgendwann wieder aufgetaucht sind.
      Sie sagte immer: Die sollen sich doch endlich mal richtig satt fressen und ihre Freiheit genießen!“ Da kann ich mir echt nur vor den Kopf schlagen! Die Frau hatte gar nichts verstanden und spielt sich als Retterin der Welt auf.

      Entspannte Grüße

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