Das Thema „Krallenpflege“ ist oft genug besprochen und erklärt. Es dürfte jedem klar sein, dass ein Whippet sein Leben lang Pediküre braucht. Ich nutze unseren großen Werkstattdremel. Mono ist das mittlerweile gewohnt und lässt das kreischende Gerät ohne Theater an sich heran. Dannys Krallen sind für diese Prozedur noch zu klein und zu weich. Hier tut es die Krallenschere noch eine Weile ganz wunderbar. Der Kleine macht sich überhaupt keinen Kopf, solange er hinterher einen Keks bekommt. Alles ganz entspannt. Zum Glück.

Auf Stelzen gehen

Ich achte sehr auf gepflegte Krallen und schaue wohl auch deshalb bei anderen Hunde immer auf die Pfoten. Es kommen mir viele, viele Fotos unter, auf denen genau zu sehen ist, dass dieser oder jener Hund wohl schon länger keine Krallenschere mehr gesehen hat. Insbesondere Instagram, wo weniger Fotos von Showhunden, als viel mehr die von ganz normalen und geliebten Haustieren publiziert werden, lässt mir manchmal die Haare zu Berge stehen. Gerade die Windhundhalter, die verschiedenen Rescue-Organisationen angeschlossen sind, oder die z.B. Greyhounds aus der Nothilfe haben, schießen dabei oft den Vogel ab.

Sie bekommen öffentliche Heulkrämpfe, wenn ich mal wieder ein Foto von der Rennbahn publiziere. Die armen, armen Tiere! Was für eine Quälerei. Das Foto ist toll, aber so traurig! Ich habe längst aufgegeben zu erklären, dass das in Deutschland ein bisschen anders läuft als z.B. in Irland. Aber wenn ich dann schaue, wer sich da in Brasilien oder Australien die Mitleidstränen trocknen muss, sehe ich Fotos von Windhunden, die nicht mehr sind, als eine lächerlicher Schatten ihrer Rasse.

Dann sehe ich endlos lange Krallen, angesicht derer ich mich fragen muss, wie die Tiere überhaupt einen Schritt gehen können. Ich sehe Galgos, Greys oder auch Windspiele, die so viel Übergewicht haben, dass sich ihre ungepflegten Krallen eigentlich ohne Umwege in den Asphalt bohren müssten. Der fetteste Whippet der Welt geistert dort auch irgendwo ‚rum. Unfassbar!

Kaputtgerettet

Life und in Farbe konnte ich hier in unserem Viertel regelmäßig erleben, wie eine ältere Dame ihre drei geretteten Galgos hat jagen lassen. Die Hündinnen waren so dick, dass sie aussahen, als wären sie hoch trächtig. Auch ihre Krallen waren endlos lang. Aber sie durften in einem Gebiet jagen, das so ziemlich alle Gefahren birgt, die einem Windhund das Leben kosten können. „Sie sollen es doch endlich mal gut haben.“, sagte sie immer. „Dann warte ich auch gerne ’ne Stunde auf dem Parkplatz.“

Diese Frau hat rein gar nichts verstanden. Ebensowenig wie diejenigen, die ständig ihr Mitleidsfähnchen vor sich her tragen und meinen Gutes zu tun, indem sie ihren Windhund zur Karikatur verhätscheln.