Nein, die Jungs zerfetzen keinen Hasen! Sie toben nur mit unserem heiß geliebten Fuchsfell. Dass es überhaupt noch existiert, grenzt an ein Wunder. Ich hätte gewettet, dass sie es innerhalb von kürzester Zeit klein kriegen. Doch genau das Gegenteil ist der Fall.
Es wird gehegt und gepflegt, beknabbert und bekuschelt. Kein Hund ist bisher auf die Idee gekommen, es in Fetzen zu reißen. Es scheint, als hätten hier zwei Whippetrüden einen toten Fuchs adoptiert. Und tot ist der ja ganz offensichtlich schon lange. Die Löcher der Schrotkugeln zeichnen ein vielsagendes und unmissverständliches Muster.
Adieu Vernunft
Trotzdem bleibt das Ableben des Fuchses für uns in weiter Ferne. Wir hatten keinen persönlichen Bezug zu ihm und wir haben ihn auch nicht abgeknallt. Das Verhältnis zu diesem schönen Fell ist eher mit dem zu einer Lederjacke zu vergleichen. Es wird aber ganz bestimmt auch hier Menschen geben, die Skandal schreien, die sich auf die Würde des Tieres beziehen und im gleichen Atemzug fordern, dem Jäger das gleiche Schicksal angedeihen zu lassen, das der Fuchs erleiden musste. Dann kommt ein Prozess in Gang, der in nicht wenigen menschlichen Hirnen für eine Verschiebung der allgemeinen Wahrnehmung sorgt. Denn geht es ums Tier, segelt die Vernunft im hohen Bogen über Bord.
Überall auf der Welt tun Menschen Tieren jeder Art und Rasse unfassbares Leid an. Das ist bewiesen, dokumentiert, im wahrsten Wortsinn ausgeschlachtet. Unerträgliche Filme, Bilder, Töne zeugen von der menschlichen Verrohung gegenüber der Kreatur. Dann will man schreien angesichts der eigenen Hilflosigkeit, will sofort einschreiten, retten und beweisen, dass der Mensch an sich doch nicht so schlecht ist, wie diese Bilder glauben machen wollen.
Hängt ihn hoch
Hoch emotional geht es her, und nicht selten führt Entsetzen und blinder Aktionismus dazu, dass Wahrheiten und harte Fakten entweder einfach übersehen, oder gar bewusst ignoriert werden. Denn hier muss ein Exempel statuiert werden! Vollkommen egal, ob die moralisch so saubere Empörung im Grunde einen Unschuldigen trifft. Es passt ja gerade so gut.
Auf der wackeligen Basis von Halbwahrheiten und Gerüchten, von Übersetzungsfehlern und schlichter Unkenntnis des Sachverhaltes wird dann auch gerne mal öffentlich zum Mord aufgerufen. Was geht in diesen Menschen vor? Kann die Wut über die Misshandlung eines hilflosen Tieres so übermächtig sein, dass sie jedes menschliche Wertesystem außer Kraft setzt?

