Fast täglich

Die Aura des Jean-Marie le Champ

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Irgendwann ist es auch egal, denn beamen geht leider noch nicht. 550 Kilometer nach Donaueschingen und wieder zurück. Am nächsten Tag 1000 Kilometer an die Französische Atlantikküste bolzen – dazu muss man wohl entweder vollkommen stumpf oder von enormer Vorfreude beflügelt sein. Es war wohl eher die Vorfreude, die sowohl die tiefen Löcher in den belgischen Autobahnen, als auch das einlullende Tempolimit in Frankreich einigermaßen erträglich machte.

Schließlich wartete der Ozean auf uns, frischer Fisch, Brioche, Aprikosenkompott, der beste Salbei, den der Garten zu bieten hat und – ganz überraschend – Jean-Marie le Champ. Der lief uns nämlich in einem Dörfchen zu, wo alljährlich die Bewohner im Rahmen eines Vide Greniers ihre Keller und Dachböden ausmisten und den Krempel, den sie vor den Füßen weghaben wollen, auf der Straße zum Kauf anbieten. Mit viel Tamtam, Wein und Muscheln veranstalten sie also einen schlichten Trödelmarkt, aber Vide Greniers hört sich viel hübscher an.

 Öffentliche Anbetung

Der letzt Besuch dieses wunderbaren Marktes hatte uns gelehrt, dass die in der Regel sehr diskreten und zurückhaltenden Menschen dieser Region beim Anblick von Mono und Mr.Clark vollkommen aus der Fassung geraten. Sie werfen all ihre Contenance über Bord und ergehen sich in haltlosem Entzücken. Das ist zweifellos oft sehr schmeichelhaft und amüsant, doch das Schnäppchensuchen bleibt auf der Strecke. Aber der Markt ist schließlich das Ziel und nicht die öffentliche Anbetung zweier Whippets. Doch es kam wieder so- wie auch die Jahre zuvor – , dass mehr über die Jungs, als über eventuell interessante Antiquitäten gesprochen wurde. Die Art Deco-Keksdose blieb auf dem Tapeziertisch einer sehr geschäftstüchtigen Dame stehen. Im Rückblick sehr ärgerlich. Lediglich Jean-Marie le Champ wechselte für 4 Euro den Besitzer. Sein Potenzial ist das allemal wert, doch seine desensibilisierende Aura konnte er leider noch nicht komplett entfalten. Hasen brauchen wohl etwas länger.

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 Jean-Marie le ChampHypnotische Kraft

Denn die Anziehungskraft seiner Verwandten ist nach wie vor so groß, dass Jean-Marie in vielen Momenten auf verlassenem Posten steht. Insbesondere dann wenn zwei seiner Sorte in der Dämmerung auf dem Feld direkt vor dem Haus Fangen spielen. Jaja, spielt ihr nur solange ihr noch könnt! Während Mono und Mr.Clark hypnotisiert am Gartentor stehen, kauern nämlich die Jäger mit Nachtsichtgeräten in den Sassen und zählen die provokant ausgelassenen Langohren. Sie geben ihnen Namen, damit sie sie dann im Herbst ganz offiziell abknallen können. Jeder Bauer, der eine Schrotflinte unter seinem Treckersitz herumschaukelt, darf deshalb auf den Feldern wildernde Hunde ohne Vorwarnung erschießen. No risk no fun wäre hier mehr risk als fun. Alle Bauern kennen Mono und Mr.Clark zwar mittlerweile gut, trotzdem bleiben sie in den Feldern am Abend und am frühen Morgen an der Leine. Ohne Ausnahme.

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Am Strand flitzt es sich ohnehin besser. Und deshalb freuen wir uns auch schon wie Bolle auf den kühleren Herbst. Jean-Marie le Champ wird uns natürlich begleiten und seine Desensibilisierungstherapie fortsetzen. Ihre Erfolgsaussichten sind wohl eher gering, aber das müssen wir ihm ja nicht erzählen.

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Freie Autorin mit einem starken Hang zur Fotografie

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