Whippets sind Kraftkonzentrate. Sie bündeln explosive Energie in einem handlichen, leichten Format. Nach diesem Prinzip werden Rennwagen gebaut. Und neuerdings auch Objektive?
Auf meine Lieblingslinse lasse ich ja nicht kommen. Muss ich auch nicht, denn ich habe es bisher noch nie erlebt, dass irgendwer irgendetwas Negative zu ihr hätte sagen können. Es gibt an ihr einfach nichts zu meckern. Das 300mm 1:2,8 ist zwar groß, schwer und indiskret, doch eine andere Bauweise lässt die Physik nicht zu. Wäre es kleiner, würde es nicht die Ergebnisse bringen, die es bekanntermaßen bringt. 300mm mit einer Lichtstärke von 1:2,8 sind nunmal nicht anders darzustellen.
Mehr mit Weniger?
Obwohl diese Brennweite für den Hausgebrauch, sprich für große Flitzrunden, für Rennbahn, Coursing und auch für den Motorsport absolut ausreichend ist, gibt es tatsächlich Momente, in denen ich mir ein paar Millimeterchen mehr wünsche. Nur ein paar.
Doch ein paar Millimeter dieser Qualität sind gleich noch schwerer, noch länger und ohne Stativ nicht mehr zu regieren. Da ich aber auf keinen Fall ein Einbein oder Schlimmeres mit mir herumschleppen will, muss ich irgendeinen Kompromiss machen. Bei mehr Millimetern und weniger Gewicht bzw. Größe geht es zwangsläufig der Lichtstärke an der Kragen. 1:4,0 ist immer noch prima, dachte ich, und bat Canon, mir das Canon EF 400mm 1:4,0 DO IS II USM für ein paar Tage zum Testen zu überlassen. Das ist nämlich extra leicht gebaut, für Mädchen wie mich, die ein 400er 1:2,8 nicht schleppen können bzw. wollen.
Zum Vergleich: Das 300er 1:2,8, wiegt 2,4 Kilo. Zusammen mit der Canon 1D X hebe ich also genau 3,74 Kilo vor meine Augen. Die 400er Festbrennweite mit Lichtstärke 1:2,8 kostet nicht nur freundliche neuneinhalbtausend Euro, sondern wiegt auch heftige 3,85 Kilogramm und ist nochmal eine ganze Ecke länger. Aus der Hand geht damit gar nichts mehr. Behaupte ich. Das neue 400mm 1:4,0 wiegt nur 2,1 Kilo. Ein mächtiger Unterschied.
Leider hatte ich nur eine einzige Gelegenheit dieses Objektiv artgerecht einzusetzen. Ende Mai beim Großen Preis von Gelsenkirchen (dort alle anderen Fotos zum Angucken) waren die Lichtverhältnisse an der Bahn wie gewohnt schwierig. Aber die krassen Sonne-Schatten Wechsel kenne ich ja. Nur mit dem Standort musste ich experimentieren, denn 100 Millimeter mehr sind dort ein ganz schöner Schluck aus der Pulle.

Leichter nah dran
Da an der Bahn jede Blende größer als 4,0 ohnehin mehr oder weniger ein Roulettespiel ist, hatte ich keine Mangelerscheinungen. Ich fotografiere dort fast immer ab Blende 4,5 bis 5,0, manchmal 6,0. Schließlich möchte ich mehr als einen Hund scharf haben und nicht fluchen müssen, wenn der D-Zug mit sechs Whippets mal anders um die Kurve kommt als erwartet.
Belichtungszeiten zwischen 1/1600 und 1/2000 sek. fordern dann natürlich viel Licht. Damit mir bei Auto-ISO in der Sonne die hellen Töne nicht komplett überstrahlen, belichte ich immer eine Stufe unter. Während des Rennens ist es nahezu unmöglich die ISO-Zahl per Hand anzupassen. Aufhellen kann ich in der Nachbearbeitung ganz in Ruhe. Fehlendes Licht müssen dann allerdings hohe ISO-Werte wett machen. Das ist jedoch nur marginal ein Problem, denn wer sich diese Linse leistet, wird auch eine Kamera nutzen, die mit hohen ISO-Zahlen umgehen kann.
5,25 Gramm pro Millimeter
Die 400 Millimeter brachten mir ein paar neue, sehr detailreiche Perspektiven. Näher dran zu sein, ist schon toll, birgt aber auch Gefahren. Denn auf recht engem Raum ist das beste Fenster mit dieser Festbrennweite sehr klein (immer bezogen auf die eine Location). Da geht es dann nur noch um die eigene Reaktionszeit, denn das Objektiv ist allemal schnell genug. Die Schärfe des 400mm 1:4,0 DO IS II USM kommt zudem fast an die des 300ers 1:2,8 heran. Bedenkt man, dass letzteres als Mutter aller Sportobjektive gilt, dann ist das eine fabelhafte Leistung. Außerdem schont es mit seinen recht sparsamen 2,1 Kilo die Arme. Nach sechs Stunden an der Bahn konnte ich tatsächlich noch ohne zu zittern ein Glas halten.
Ich mag dieses Objektiv, denn es ist einem Whippet sehr ähnlich. Es konzentriert enorme Leistung in einem handlichen Paket. Ganz erstaunlich! Ich würde es gerne noch einmal in die Finger kriegen, denn beim letzten Rennen habe ich mich gerade mal eingeschossen. Da geht noch mehr. Ganz sicher.
Die Tatsache, dass die Foto ohne Wasserzeichen sind, heißt noch lange nicht, dass sie kopiert werden dürfen. Ich möchte nicht nochmal das gleiche Theater haben wie beim letzten Mal, bitte.















