Kolumne in Unsere Windhunde, Deutscher Windhund Zucht- und Rennverband, Mai 2014 – Im Februar mussten meine Familie und ich uns von unserem Whippet Rüden Mr.Clark, Ch.Globerunners Alabaster Kid, verabschieden. Sehr plötzlich und sehr unerwartet. Er war mein erster Hund. Ein Hund, von dem ich seit meiner Kindheit geträumt habe. Schule, Studium, Reisen, zeitraubender Job – ich musste fast vierzig Jahre alt werden, um mir den Wunsch von meinem eigenen Hund guten Gewissens erfüllen zu können. Während der langen Monate des Wartens habe ich alles über Whippets gelesen, was ich zwischen die Finger bekam. Ich wollte schließlich gut vorbereitet sein. Als der kleine blaue Strömling dann endlich bei uns einzog, konnten meine Familie und ich es kaum fassen. Schnell wie Whippets eben sind, brachte er uns bei, dass die Theorie tatsächlich grau und die Praxis das eiskalte Wasser ist. Wir wuchsen also mit und an ihm.

Er hatte übrigens in jeder Wachstumsphase perfekte Ohren. Heute weiß ich, dass das bei Whippetwelpen eher selten der Fall ist und die Ohren sich erst nach dem Zahnwechsel in die gewünschte Form falten. So nicht bei Mr.Clark. Seine waren perfekt. Immer. Und wie seine Ohren so war der Hund. Für ihn musste alles seine Ordnung haben. Rituale wurden eingehalten und Gewohnheiten gepflegt. Schrullen legte man nicht ab, sondern schliff sie ein. Das Leben musste sortiert und vorhersehbar sein. Alles an seinem Platz, alles zur rechten Uhrzeit, alles wie gewohnt. Harmonie war das höchste Gut.

In den fast sechs Jahren, die wir zusammen verbracht haben, wurde er zu einer festen Größe. Er gehörte dazu. „Ohne ihn“ war nicht vorstellbar. Oft hat er uns geschickt gelenkt und vernatzt, ohne dass wir es gleich gemerkt haben. Manchmal haben wir uns über ihn geärgert, doch meistens brachten uns seine perfiden Tricks zum Lachen. Wie viel unvergessliche Fotos habe ich von ihm gehortet. Wie viele urkomische Geschichten konnte ich über ihn schreiben. Niemals hätte ich diesem Hund ernsthaft böse sein können, der immer konsequent, wenn auch manchmal etwas verbohrt seine Interessen vertrat, aber im Grunde alles richtig machen wollte. Auch wenn seine Definition von richtig manchmal nicht die gleiche war wie meine.

Wäre Mr.Clark nicht so gewesen, wie er war, dann wären wir wohl kaum auf die Idee kommen, einen zweiten Whippet zu uns zu nehmen. Ich glaube, das ist ein großes Kompliment. Er quittierte das Ende seiner Alleinherrschaft zwar zunächst mit blankem Entsetzen, lernte aber dann schnell die Gesellschaft eines Artgenossen zu schätzen. Zwei charakterlich diametral entgegengesetzte Hundeindividuen wuchsen sodann zu einem Team zusammen, in dem die Rollen nicht ganz so klar verteilt waren, wie es manchmal aussah. Mr.Clark war irgendwie der Chef, doch oft genug wurde deutlich, dass Mono das Spiel zwar mitspielte, Mr.Clarks diktatorische Anwandlungen aber nicht immer ganz ernst nahm. „Der Kleine“ lernte im Laufe der Zeit sehr viel, tat aber letztendlich was er wollte, ohne drastische Sanktionen seitens seines Kumpels fürchten zu müssen. Doch noch mehr als Mono habe ich selbst von diesem feinen, sanften, lustigen und schrulligen Hund gelernt. Viel mehr, als er von mir lernen konnte. Ich wünschte, ich könnte es ihm irgendwie danken.