Na? Bist du denn jetzt der Für-immer-Hund? Das fragte ich mich am Freitag Morgen, als ich eine Frau aus der Nachbarschaft traf. Sie ist sehr nett, hat einen netten Mann und zwei sehr nette Kinder. Vor ein paar Monaten zeigte sie mir noch stolz ihren knapp 10 Wochen alten Shar Pei Rüden, der einen absolut kernentspannten Eindruck machte.

Nur sechs Wochen

Etwa sechs Wochen später lief ich dem Sohn der Familie über den Weg. „Na, wie geht es eurem kleinen Faltentier?“ Der Junge schaute spontan auf seine Fußspitzen und sagte: „Wir haben ihn abgegeben. Mama war sich nicht sicher, wo er bleiben soll, wenn wir in den Urlaub fahren.“ Er schien nicht besonders traurig zu sein. Aber das kann täuschen.

Ohne Danny wären wir nur ein fünftel Familie. Er ist ein Für-immer-Hund.
Danny schüttelt sich. Er ist ein unglaublich lieber Kerl, der sehr an seiner Familie und besonders an Mono hängt.

Freitag dann, das Gespräch mit dem Jungen war irgendwann im Herbst, schälte sich ein helles Fellknäuel aus der Dunkelheit. Mono und Danny tanzten noch spitzfüßiger in ihren Leinen, als sie es bei -6 Grad ohnehin schon tun. Da ist eine Neue! Hinter dem Fellknäuel schlenderte eben jene Dame, die mir noch vor ein paar Monaten ihren faltigen Chinesen präsentiert hatte. Die kleine Hündin kam fröhlich auf uns zu gewuselt. Wenn das kein Chow Chow ist, dann beiße ich ins Gras! Sie ist ein Chow Chow! Prachtvolles, cremefarbenes Fell, dicke Pfoten, blaue Zunge. „Du bist neu und du musst heute ganz sicher nicht frieren!“, sagte ich laut und kraulte sie. Ohne mit der Wimper zu zucken ließ sie sich von Mono und Danny abschnüffeln. Die Frau lachte. „Nein, die friert nicht!“

Wieder ein Für-immer-Hund aus China?

Wieder China, dachte ich. Und dann rutschte es mir raus: „Sie mögen bestimmt auch chinesisches Essen.“ Es war noch früh, deshalb schob ich ihren verwirrten Blick auf die Uhrzeit. „Ja, wieso?“ Ich schaute auf meine neuen Stiefel. Der Fettnapf war mal richtig tief. Jetzt ging es nur noch um Schadenminimierung. „Ach nur so. Der Shar Pei war ja auch ein Chinese.“ Ich lachte und ruderte mit den Armen, so gut ich es konnte mit zwei neugierigen Whippets an zwei Leinen und nahezu abgefrorenen Fingern. Schnell lenkte sie ab, indem sie in vollen Zügen den Tierarzt lobte, den ich ihr damals für den Faltenhund empfohlen hatte. „So einen tollen Chow Chow hat er lange nicht gesehen, sagte er. Sie ist kern gesund und richtig gut drauf.“ „Das freut mich sehr. Sie ist auch wirklich süß!“ Aber ist sie nun der Für-immer-Hund? Ich konnte meine Bedenken nur schwer verbergen.

Mono ist seit 6 1/2 Jahren bei uns. Er gehört dazu und wird immer dazu gehören.
Mono ist seit 6 1/2 Jahren bei uns. Er gehört dazu und wird immer dazu gehören.

Das die Oma beißenden Monster, vielleicht?

Ich bin die letzte, die sich jetzt in moralinsaurem Geseier ergeht. Es kann tausend Gründe geben, warum ein Hund nach kurzer Zeit wieder abgeschafft wird. Vielleicht hatte er – bezogen auf den Shar Pei – rassetypische, auf lange Sicht eventuell unbezahlbare Krankheiten? Im schlechtesten Fall ist er gar zu einem doch zu faltigen, unerträglichen, die Oma beißenden Monster mutiert. Vielleicht hat die Dame ihren Kindern nur für sie verständliche Gründe genannt. Was machen wir in den Ferien? Was machen wir, wenn wir alle weg sind? Schule, Job … etc. Doch diese Erklärungen müssten den Kindern genau jetzt zu denken geben, denn solche Argumente gelten für jede Hunderasse und nicht nur für einen Shar Pei. Ich weiß nicht! Ich will niemanden verurteilen, aber meine Hunde sind Für-immer-Hunde.

PS: Allerdings, hätte es hier bei uns böse Reibereien gegeben, dann wäre der jüngere Hund, also Danny gegangen. Ich habe mich ernsthaft bemüht, einen Welpen auszusuchen, der zu Mono passt und es hat geklappt. Sowas kann aber auch in die Hose gehen, obwohl Whippets grundsätzlich nicht gerne alleine sind. Deshalb würde ich niemanden verurteilen, der zwei Hunde trennt, die sich über kurz oder lang an die Wäsche gehen.